Die junge Angiola hat einen Traum: als Sängerin auf den Opernbühnen der Welt zu stehen und das Publikum mit ihrer Stimme zu verzaubern. Doch als Frau ist es ihr im Italien des 18. Jahrhunderts verboten, öffentlich zu singen. Angiola bleibt keine Wahl – sie muss sich als Kastrat ausgeben, um auftreten zu können. Ihre Verkleidung als Mann täuscht jeden, bis auf einen: Giacomo Casanova, den wohl berühmtesten aller Verführer. Zwischen Angiola und Casanova entwickelt sich eine leidenschaftliche Romanze – doch hat ihre Beziehung eine Zukunft?-
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Leidenschaft und Träume
Anne Poitzsch aus Schiltberg am 17.07.2013
Bewertungsnummer: 816892
Bewertet: Buch (Paperback)
18. Jahrhundert, Rokoko, Italien - die große Zeit der Opernsänger. Die Kirche spielt eine Übergeordnete Rolle und so verkaufen viele mittellose Familien ihre Söhne, lassen sie kastrieren, in der Hoffnung aus einem solchen Kastraten die perfekte Stimme zu bekommen, mit der sich die Familie aus dem Elend in den Wohlstand ziehen lässt.
Angiola Calori ist eine junge Frau, die im Alter von sechs Jahren das erste Mal eine Sängerin auf der Bühne erlebt und seitdem davon träumt, selbst einmal auf der Bühne zu stehen. Ihr Traum wird allerdings von dem Verbot gestoppt, dass Frauen im Kirchenstaat nicht in Chören und auf Bühnen auftreten dürfen.
Durch die Hilfe des Kastraten Appianino wird Angiolas Leben komplett umgekrempelt. Nicht nur, dass sie sich in den Sänger verliebt. Als ihre Mutter sie mit dem Professor verheiraten will, flüchtet sie mit Appianino und nimmt ein komplett neues Leben an, das Leben eines Kastraten. Dabei erlebt sie einige schöne, wie auch schreckliche Dinge, lernt ihre neue Familie kennen und lieben und lernt, was es heißt, ums Überleben zu kämpfen und für seine Familie zu sorgen.
Aber natürlich kommt die Liebe auch nicht zu kurz, denn Angiola lernt den wohl größten Frauenverführer Italiens kennen, Giacomo Casanova. Eine Achterbahnfahrt zwischen Hass und Liebe beginnt und es ist sehr spannend, was zwischen den beiden so alles passiert.
Verführung von Tanja Kinkel ist ein, wie ich finde, sehr spannender Roman und zeigt doch sehr deutlich, worum es im Italien um 1744 ging, Erotik, Sänger und durch Geld zu zeigen, was man sich alles leisten kann. Und damit sind eben nicht nur materielle Dinge gemeint, sondern auch sexuelle Praktiken. Es wird deutlich, dass auch Kinder für die Familie sorgen müssen und Eltern für das Wohl der Familie doch sehr weit gehen und ihre jungen Töchter und Söhne den Wohlhabenden gerne ins Bett schicken.
Doch genauso zeigt es eine Frau, die Ehrgeiz hat und sich von den Regeln der Gesellschaft nicht unterdrücken lässt und alles für ihren Traum unternimmt, um ihn wahrwerden zu lassen. Das, muss ich sagen, hat mich sehr beeindruckt. Auch wie Tanja Kinkel die Gefühle und Ängste von Angiola beschreibt, fand ich toll.
Ich persönlich hätte mir ein wenig mehr Verführungen gewünscht.
Ansonsten sehr gelungen und vor allem sehr empfehlenswert. Daumen hoch.
tolle Geschichte in einer hoch erotischen Epoche
Marita Robker-Rahe aus Belm am 15.07.2013
Bewertungsnummer: 816494
Bewertet: Buch (Paperback)
Die Zeit des Rokoko ist nicht nur eine Zeit der überbordenden Verzierungen und fehlenden Symmetrie, die sich vor allem in der Architektur zeigte, sondern auch eine Zeit, in der die Erotik einen neuen Stellenwert bekam. Welche Gestalt passte besser in diese Zeit, als der bekannte Frauenverführer Giacomo Casanova, der seine Bestimmungen, bzw. Berufe wechselte , wie seine Frauen.Diese schillernde Persönlichkeit stellt Tanja Kinkel in ihrem neuen Buch " Verführung ", neben einer uns weniger bekannten Frau,Angiola Calori,die einer der bekanntesten Sopranistinnen dieser Zeit war, in den Mittelpunkt.
Beide aus nicht adeligen Familien stammend und mit Müttern gesegnet, die mehr an ihrem eigenen Vorteil interessiert war, als an ihren Kinder, mussten die beiden sich schon früh durchkämpfen. Casanova , der eigentlich Medizin studieren wollte, dann aber die Rechte studierte , da dieses billiger war und später Theologie, da auch dies die preiswertere Variante für seinen Vormund war, lernte schon mit 12 Jahren die Liebe und im weiteren Verlauf die Verführungskünste an und bei Frauen kennen.
Angiola Calori, die von ihrer Mutter an einen alten Mann verheiratet werden soll,um gesellschaftliche Sicherheit für sich und ihre Mutter zu erreichen, verlässt schon früh ihr Elternhaus, um sich der Musik zu verschreiben. Da zu dieser Zeit Frauen im Kirchenstaat nicht singen durften, vor allem nicht in Kirchen, wurden die Söhne ärmerer Familien häufig vor dem Stimmbruch kastriert, um ihre hellen Stimmen zu erhalten. Für Angiola bleibt nur die Möglichkeit, sich in die Person eines Kastraten zu verwandeln, um ihrer Leidenschaft, der Musik, nachzukommen. Als Bellino verkleidet, lebt sie fortan als Mann und erlernt den Gesang. Später gibt sie sich als Frau zu erkennen und wird zu einer der bedeutendsten Sängerinnen des Rokokos.
Als diese beiden Persönlichkeiten aufeinander treffen,sprüht es nicht nur vor Erotik, sondern auch vor Musik.Tanja Kinkel schafft es, diese Zeit anschaulich und spannend zu beschreiben. Wir erleben in der Geschichte das Bologna, Venedig und Neapel des 18. Jahrhunderts,das dekadente Leben der Adeligen, aber auch das oft harte Leben der einfachen Leute, die nicht selten die Körper ihrer Kinder oder ihre eigenen verkauften , um ihren Lebensunterhalt zu sichern. Kastraten hatten in dieser Zeit einen hohen Stellenwert, zumal, wenn sie es geschafft hatten, eine der besten Stimme des Kirchenstaates zu werden. Sie wurden verehrt wie "Rockstars" und hatten genauso ihre " Groupis " wie heute, vornehmlich in der höheren Gesellschaft. Es wurde nicht mit amourösen Angeboten gespart und ein erotisches Abenteuer mit einem Kastraten galt als sehr pikant, zumal die Frauen auch nicht Gefahr gingen, schwanger zu werden. Was die Kastration für die Männer selbst bedeutete ,interessierte eigentlich niemanden.
Frau Kinkel hat mit diesem Buch wirklich etwas Besonderes geschaffen. Nicht nur die Zeit, in der dieser Roman spielt, wird einem näher gebracht, sondern die Autorin geizt auch nicht mit Wortspielen und amourösen Dialogen, die dieses Buch teilweise sehr prickelnd und interessant machen, ohne schlüfrig oder platt zu wirken .Tanja Kinkel hat mit diesem Buch wieder bewiesen, dass sie es versteht historische Fakten auf sehr unterhaltsame und spannende Weise aufzuarbeiten.
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