Schweigen ist Silber, Reden ist Gold – der gefeierte Regisseur Sönke Wortmann legt seinen ersten Roman vor Franz-Josef Klenke arbeitet als Redenschreiber für den Außenminister Hans Behring und begleitet ihn regelmäßig auf seinen Auslandsreisen. Er tut alles, um den integren Mann gut dastehen zu lassen, wozu auch gehört, dass man in Reden zwar nicht unbedingt die Unwahrheit sagt, aber manche Wahrheit auch nicht ausspricht. Doch ausgerechnet Klenke, ein Mann des Worts, liebt Maria, die nicht sprechen kann. Und das sorgt immer wieder für Probleme. Als die Delegation zu einer Reise nach Marokko aufbricht, um dort über ein Rücknahmeabkommen für illegale Flüchtlinge zu verhandeln, erwartet sie dort der Diplomat Cornelius von Schröder. Er hat seine eigenen Ansichten zum Thema Migration – und eine Agenda, von der niemand etwas ahnt.
Kundinnen und Kunden meinen
4.2/5.0
Bewertung
aus Vaihingen
5/5
28.05.2023
Buch (Taschenbuch)
Der Mensch hinter dem Politiker
S. Wortmann schreibt, als sei er in der politischen Sphäre zuhause. Er bestätigt alle, die selbst täglich daran interessiert sind und all die Beteiligten namentlich kennen. Die Aktualität seit Herausgabe des Romans Herbst 2022 hat seither nichts eingebüßt. Sie setzt er sich mit dem Problem der Einwanderung auseinander - in dialektischem Denken seiner beiden Hauptpersonen, die nebenbei mit ihren privaten Schwierigkeiten zu kämpfen haben.
Das Wort der Diplomatie steht im Zentrum. Für Klenke absolut notwendig, für Schröder Täuschung, Lüge. Die Radikalisierung Schröders kommt etwas überraschend. Dass er aber gerade von der mit Worten kämpfenden Freundin Klenkes durch einen Urschrei an seinem Attentat gehindert wird, ist die Pointe des Buches.
Flying Bookworm
4/5
05.02.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Mal etwas anderes
Als Redenschreiber hat es Franz-Josef Klenke weit gebracht. Von der Werbebranche direkt in die Politik und das an die Rechte Seite des Außenministers. Für diesen schreibt er essentiell wichtige Reden und er weiß genau: die richtigen, aber auch die falschen, Worte können die Welt verändern. Doch privat sieht es mit den Worten eher schlecht aus, denn seine Lebenspartnerin leidet an einer Krankheit die sie in Anwesenheit fremder Personen verstummen lässt. Zusammen mit ihrer Delegation bestreiten sie eine Reise nach Marokko und treffen dort Cornelius von Schröder und dieser verfolgt seine ganz eigene Politik.
Mir hat der Roman von Sönke Wortmann sehr gut gefallen. Ich hatte am Anfang etwas Angst das dieses Buch mir zu literarisch sein könnte und das ich von dem Politischen Thema nichts verstehen werde, doch beiden Ängste waren unbegründet. Der Schreibstil ist sehr leicht und unterhaltsam, wie auch erzählerisch. Nur manchmal kam ich beim lesen ins stocken wenn plötzlich mitten im Satz die Ansicht der Charaktere hin und her wechselte. Zwar stand dann immer gleich da wer nun etwas gesagt, gedacht oder gefühlt hatte, aber es kam doch leicht verworren rüber.
Politik ist das zentrale Thema des Buches, aber ich hatte nie ein Gefühl von Langeweile oder das ich etwas nicht verstanden hätte. Wortmann kann alles sehr gut und spielend erklären, sodass der Leser (auch wenn er von Politik keine Ahnung hat so wie ich) gut mitkommt und ohne Fragezeichen zurück bleibt. Interessant waren die Einblicke in diesen Bereich. Ich hatte zu keinem Zeitpunkt das Gefühl das die Handlung sich zieht, es war wirklich genau auf den Punkt gebracht. Die Handlung war vielseitig, interessant, und zum Ende hin sogar richtig aufregend. Gut fand ich auch wie viele aktuelle Themen angesprochen wurden, die zum Nachdenken anregen- aber nie belehrend sein sollen.
Ich habe das Gefühl das dieser Roman mal etwas ganz anderes ist und hatte wirklich Spaß beim lesen, konnte zum Teil das Buch nicht weglegen. Sönke Wortmann ist und bleibt einfach ein hervorragender Geschichtenerzähler und das beweist er mit seinem Buch wieder.
Bewertung
aus München
4/5
06.01.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
ungewöhnlich aber interessant
Zuerst mal, das Cover ist wunderschön. Ich war fast traurig, da ich nur das ebook in Händen hatte.
Auf dieses Buch muss man sich einlassen. Es ist sehr facettenreich und sehr politisch und der Autor Sönke Wortmann scheut sich nicht, durch seine Akteure Stellung zu beziehen zu verschiedenen Themen. Es geht auch nicht nur um eine stringent erzählte Geschichte, so dass der Plot nicht wirklich spannend ist und keine ansteigende Kurve der Emotionalität verzeichnet. Ich fand es schön, dass man das Buch gerne mal zur Seite legt, um nachzudenken über das Gelesene. Und mann kann problemlos auch nach kurzen Lesepausen wieder einsteigen.
Mein Fazit: Ungewöhnlich aber interessant. Allerdings kann ich mir irgendwie keine Verfilmung vorstellen, was mich bei diesen tollen Regisseur doch etwas gewundert hat.
Miss.mesmerized
4/5
18.10.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Sönke Wortmann - Es gilt das gesprochene Wort
Franz-Josef Klenke ist Redenschreiber für Außenminister Hans Behring. Worte sind sein Spezialgebiet, nachdem er in der Werbebranche schnell Erfolg hatte, wurde er vom Auswärtigen Amt angeworben, wo er nun dem ranghohen Minister die Worte in den Mund legt. Ausgerechnet er jedoch verliebt sich in Maria, die an selektivem Mutismus leidet. Sie hat die Worte, nur kommen sie ihr nicht über die Lippen. In Gesellschaft von Menschen verstummt sie, wird unsicher, will sich verstecken. Die nächste Reise führ Klenke mit seinem Vorgesetzten erst nach Mali und anschließend nach Marokko, wo Cornelius von Schröder zum Botschaftspersonal gehört. Dieser hatte eigentlich eine strahlende Karriere geplant, doch es läuft nicht rund. In ein unbedeutendes B-Land ohne Perspektive abgeschoben kriselt es nun auch noch in seiner Ehe. Sein Leben ist eine Farce, nein, die ganze Welt ist eine Farce, das scheinen nur noch nicht alle begriffen zu haben. Dabei kann man das auf Youtube alles ansehen. Immer mehr steigert er sich in seinen Wahn, bis er seinen ganz eigenen Plan entwirft.
Sönke Wortmann ist bislang eher als Regisseur in Erscheinung getreten und gehört seit Jahrzehnten zur Riege der großen deutschen Namen im Filmgeschäft. Er ist Mitglied der Autoren-Fußballnationalmannschaft, wenn auch bisher nur sein WM Tagebuch erschienen ist, das er parallel zum Film über die Nationalmannschaft 2006 verfasste. „Es gilt das gesprochene Wort“ ist sein erster belletristischer Roman, den er in Anbetracht seines Hintergrunds in einem eher unerwarteten Milieu angesiedelt hat. Es ist die Geschichte zweier Männer in der zweiten Reihe der politischen Riege. Sie kennen die Spielregeln, finden innerhalb des engen Rahmen des Beamtentums jedoch ihre Nischen und Ausflüchte.
Der Roman braucht einiges an Vorlauf, bevor er sich der eigentlichen Handlung nähert. Auch wenn dieser Rahmen einiges zum Hintergrund des diplomatischen Dienstes und den beiden Protagonisten liefert, hätte die eigentliche Geschichte für mich etwas unmittelbarer beginnen dürfen.
„Die Macht der Worte. Worte konnten die Welt verändern, können die Welt besser machen.“
Klenkes Philosophieren über Worte, seine Bewunderung für begnadete Redenschreiber sind für mich das Highlight des Romans. Nicht nur, weil diese Kunst heutzutage – von engagierten Deutschlehrerinnen mal abgesehen – kaum mehr wahrgenommen wird, sondern auch, weil er hervorragend transportiert, wie gewaltig sie wirken könne, welche Macht sie haben können und wie sie die Welt der Dinge mit Bedeutung füllen. Ganz besonders dünnes Eis ist dabei die Diplomatie, wo jedes falsche Wort zu einer Katastrophe führen kann – oder dem Gegenteil. Viele große Figuren der Geschichte sind durch starke Worte in Erinnerung geblieben. Doch heute findet mehr der Haarschnitt oder der Sitz des Anzugs Beachtung als das, was gesagt wird.
Sein Gegenspieler von Schröder ist zwar mit interessanten Anlagen versehen – von adeligem Stand, aber doch profanem Namen; nicht ganz so erfolgreich die Laufbahn verfolgt wie geplant; mit chilenischer Gattin eigentlich international passend geprägt – bleibt aber dennoch für mich etwas zu blass. Seine Radikalisierung ist zwar nachvollziehbar motiviert, verläuft aber doch etwas zu schnell und ohne Brüche, als dass ich sie ganz überzeugend finden würde.
Der Erzählton ist leicht wie Wortmanns Filme: unterhaltsam, plaudernd und humorvoll. Ein insgesamt durchaus gelungenes Debüt, das aber noch etwas Luft nach oben hat.
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