»Ich wollte keine Depression haben. Das passte mir nicht in den Terminkalender.«
Mehr als 5 Millionen Deutsche leben mit einer Depression, laut Weltgesundheitsorganisation handelt es sich dabei global gesehen inzwischen um die zweithäufigste »Volkskrankheit«. Was früher tabuisiert war und heute noch allzu oft verschwiegen wird, ist inzwischen eine anerkannte Krankheit.
Woher kommt sie und wie gehen Betroffene mit ihr um? Wie hat sich die gesellschaftliche Wahrnehmung der Krankheit im Laufe der Zeit gewandelt? Und wie geht man mit depressiven Menschen am besten um? Die Schriftstellerin Zoë Beck geht den Ursachen, Auswirkungen und Folgen der Krankheit auf den Grund - sachlich und präzise, aber auch humorvoll und bisweilen persönlich.
Mit 4-farbigen Abbildungen und Infografiken.
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
DaRob
5/5
10.05.2023
Buch (Taschenbuch)
Ins Schwarze
Was für ein großartiges Buch. So viele klare, erhellende Sätze. So viel Wärme. So viele Wahrheiten. Wer betroffen ist, dem zeigen diese 100 Seiten die vielen Seiten einer komplexen Krankheit. Unbeschönigt. Klar. Ermutigend. Danke dafür.
Sandra von Siebenthal
aus Romanshorn
5/5
18.02.2022
Buch (Taschenbuch)
Gute Einblicke für Betroffene und Angehörige
– Jetzt reiss dich doch mal zusammen
– Du hast doch alles im Leben!
– Es ist völlig normal, dass man mal einen schlechten Tag hat!
– Denk einfach was Schönes!
Diese Sprüche kennt wohl jeder Depressive – und einige ähnlichen Sprüche mehr. Aus ihnen allen spricht das Unverständnis, spricht die Ungeduld mit einem Menschen, der nicht so reagiert, wie man es erwartet, einem Menschen, der im Bett liegen bleibt, nicht mehr unter die Leute mag, dem alles zuviel ist, einem Menschen, der keine Kraft mehr hat. Dieser Mensch ist krank. Er tut all das nicht nicht, weil er grad keine Lust oder einen schlechten Tag hat. Er tut sie nicht, weil er nicht mehr kann. Schon die kleinsten Dinge stellen für ihn unüberwindbare Hindernisse dar, die Tage sind düster, die Angst, dass es nie mehr hell wird, erdrückt. Angst – sie ist generell eine Begleiterin der Depression, denn die kommt selten allein. Die Angst schleicht sich in alle Bereiche, sie ist grundlos und doch so präsent. Es kann die Angst vor Menschen, vor Räumen, vor Strassen, vor öffentlichen Verkehrsmitteln sein, die Angst einzuschlafen, weil man fürchtet, nie mehr aufzuwachen.
Über all das schreibt Zoe Beck in diesem einerseits persönlichen und doch sehr informativen und sachlichen Buch. Sie beschreibt die Zustände, in welchen sich depressive Menschen befinden, von den Reaktionen auf diese. Sie schreibt von möglichen Behandlungsmethoden und Medikationen. Sie weist auf Hilfsmöglichkeiten hin und erläutert, was eine Depression eigentlich ist. Sie schreibt von ihrem Weg, offen mit der Depression umzugehen und ruft auf, diese von dem Stigma zu befreien, das sie noch immer darstellt.
Weitere Betrachtungen
„Trotz aller bestens zurechtgelegten Ausreden mir selbst und meinem Umfeld gegenüber kam es immer öfter vor, dass ich anlasslos Herzrasen bekam, dazu quälten mich Schwindel, Übelkeit und die feste innere Überzeugung, jede Sekunde zu sterben. So etwas ging nach einer Weile vorüber, kostete mich aber viel Kraft und Energie. […] und ich machte mir ununterbrochen Vorwürfe, warum ich nicht besser klarkam. Warum ich nicht so funktionierte, wie ich es von mir erwartete. Wie es allgemein von mir erwartet wurde.“
Die Depression mit allem, was sie mit sich bringt an Einschränkungen, Lasten, Leiden, ist das Eine, dazu kommt die grosse Schuld und Scham, die man fühlt als Kranker. Man fühlt sich klein und als Versager, wirft sich vor, nicht mal das Kleinste auf die Reihe zu kriegen. Man schämt sich vor den anderen und vor sich selber, denkt, ihnen und ihren Erwartungen nicht zu genügen und in ihren Augen ein Versager zu sein. Das alles macht das Leiden noch viel schlimmer, als es sowieso schon ist.
„Das Einzige, was man dann noch spürt, ist die Verzweiflung darüber, in diesem Loch zu sitzen, ohne Verbindung zum Rest der Welt. Weil es unerklärlich ist, wie man sich fühlt. Weil es keinen erkennbaren Grund dafür gibt. Weil sich Zusammenreissen und Aufraffen keine Optionen mehr sind. Es geht nicht mehr.“
Und oft weiss man selber nicht, wie einem geschieht, wenn die Kraft wieder weg ist, man nicht mehr kann, einfach alles schwarz wird. Es bleibt nur die Verzweiflung, dass es so ist, und die Angst, dass es nie mehr besser wird.
„Es ist in der Regel ein Zusammenspiel aus Erziehung, genetischer Veranlagung und den äusseren Umständen, das unser Leben bestimmt. Prägend sind dabei Grundüberzeugungen und Glaubenssätze, die mit dem Erziehungsstiel der Eltern und dem sozialen Umfeld zusammenhängen und die wir uns zu eigen machen. Daraus entwickeln wir innerpsychische Muster, mit denen wir uns auch später noch die Welt erklären.“
Es gibt nicht den einen Auslöser einer Depression, oft sind die Verläufe auch schleichend, so dass man nicht mal einen Anfangspunkt festlegen kann. Sicher tragen bestimmte Dinge zu einer Depression bei, es gibt auch Vererbungen einer solchen.
„Es gibt einen Irrglauben, der sich hartnäckig hält: „Wer von Selbstmord spricht, hat nicht vor, sich umzubringen.“ Das stimmt nicht. Wer davon spricht, hat definitiv Probleme und will und braucht Hilfe.“
Im Umgang mit Depressiven ist vor allem eines wünschenswert: Die Anerkennung ihrer Krankheit und das diese auch ernst genommen wird. Abwertende, sogenannt aufmunternde Aussagen können mehr Leiden bringen als verhindern. Aussagen von Depressiven nicht ernst zu nehmen, kann diese noch in grössere Verzweiflung führen, da sie noch mehr mit sich ins Gericht gehen, noch mehr Scham empfinden, die Abwärtsspirale der selbstanklagenden Vorwürfe noch tiefer dreht. Und: Es kann tödlich werden da, wo man einen angekündigten Selbstmord nicht ernst nimmt. Die landläufige Meinung, dass die, welche ihn ankündigen, ihn nicht ausführen, ist leider nicht richtig, ebensowenig wie es stimmt, dass ein missglückter Versuch Zeichen dafür sei, dass er nicht ernst gemeint war. Suizidgedanken kennt wohl jeder Depressive und viele setzen diese mindestens einmal im Leben um, oft mit dem Tod als Ergebnis.
Lesefuchs - Bücher mit Herz
aus Bargteheide
5/5
17.06.2021
Buch (Taschenbuch)
Ausgesprochen hilfreich für Betroffene und Angehörige
Es ist erschreckend, wie viele Menschen inzwischen an Depression leiden, bzw. sich dazu bekennen und dies öffentlich machen. Vor kurzem erst habe ich Ihnen das sehr persönliche Buch von Till Raether „Bin ich schon depressiv, oder ist das noch das Leben“ (Rowohlt Verlag) vorgestellt. Jetzt hat die bekannte (Krimi-)Autorin, Übersetzerin und Verlegerin Zoe Beck nachgelegt. Ihr Buch „Depression“ ist ähnlich und doch ganz anders.
Während Till Raether sehr persönlich aus seinem Leben mit Depression schreibt, geht Zoe Beck das Thema anders an. Auch sie schreibt zwar sehr persönlich davon, wann und unter welchen Umständen sie erfahren hat, dass sie eine Depression hat, und wie sie mit dieser Diagnose umgeht. Aber sie erklärt in diesem Buch gut verständlich, was eine Depression eigentlich ist. Dabei geht sie auch kurz auf die Geschichte der Depression, bzw. der Melancholie ein, erklärt, welche verschiedenen Formen es gibt und wie sie behandelt werden, bzw. welche Therapieformen es gibt.
Sie bringt Depressionen auch in den Zusammenhang mit Drogen und der Krankheit Krebs. Häufig kommt beides zusammen daher, aber was ist der Auslöser für was, oder anders gesagt: „Wer war zuerst da? Das Ei oder das Huhn?
Am Ende behandelt sie noch das wichtige Thema Suizid. Als Abschluss erklärt sie, wie Betroffene und Angehörige mit der Krankheit leben lernen müssen und können. Den Abschluss bildet Literaturverzeichnis mit hilfreichen Buchtipps. (Till Raethers Buch befindet sich übrigens auch darunter.)
Mich hat an diesem Buch diese Kombination sehr gut gefallen. Ihr persönlicher Ansatz verbunden mit der Erklärung der Krankheit. Und Zoe Beck wäre nicht Zoe Beck, wenn sie das ganze nicht auch auf eine höhere Ebene heben würde – die der gesellschaftspolitischen Ebene. Das Zoe Beck ein sehr engagierter politischer Mensch ist, erkennt man zum einen an ihren Krimis und zum anderen, wenn man der Autorin auf den verschiedenen Social Media Kanälen folgt. Um diesen Aspekt noch einmal zu verdeutlichen, möchte ich aus dem Buch zitieren:
„Wie schön wäre eine klassenlose Gesellschaft, in der alle gleich behandelt werden und dazugehören und trotzdem so leben können, wie es sich für sie gut anfühlt. Aber allein schon der Umstand, dass ausgerechnet wird, welcher volkswirtschaftliche Schaden durch eine Krankheit entsteht, durch diese Erkrankung, für die man selbst gar nichts kann, wirkt wie eine Anklage. Im Vordergrund steht das Geld, nicht die Sorge um die Personen, die betroffen sind. Noch der Aufruf, diesen Menschen zu helfen, beruht auf dem Wunsch, Kosten einzudämmen, und nicht auf der Hoffnung, wirklich etwas zu bewegen. Die Forderung darf nicht lauten: Tut etwas gegen Depressionen, damit diese Menschen wieder richtig arbeiten können.“ Ist ein Mensch etwa nur dann ein brauchbares Mitglied der Gesellschaft, wenn er arbeitsfähig ist und Steuern zahlen kann?“ (Seite 98 des Buchs)
Menschen, die Depressionen haben, müssen lernen damit umzugehen. Die Krankheit kehrt immer wieder. Mal geht es den Betroffenen gut, dann wieder schlecht. Lange können sie ihre verschiedenen Zustände verstecken, aber irgendwann geht es nicht mehr. Sie selbst wissen nicht, wann der nächste Schub kommt. Was sie aber wissen, ist, dass sie viel mehr auf sich selbst achten müssen. Und dies müssen in der Zwischenzeit auf jeden Fall die Familie und die Freunde, aber auch die Vorgesetzen und Kollegen und Kolleginnen wissen. Es ist eben keine Faulheit oder Anstellerei. Es ist eine Krankheit! Und manchmal geht tatsächlich über einen längeren Zeitraum gar nichts.
Mein schwarzer Hund hat übrigens einen Namen, damit ich besser mit ihm leben kann. Er ist ein Familienmitglied, auch wenn ich ihn mir nicht als solchen gewünscht habe!
Ein wirklich kompetentes, auf den Punkt gebrachtes Buch für Betroffene und Angehörige, dass ich wirklich als Betroffene nur empfehlen kann!
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