Hans Falladas letzte Jahre in Berlin - ein literarisches Kabinettstück und eine faszinierende neue Sicht
Die Studentin Christa Wolf tippt in ihrer Leipziger Wohnung einen Brief. Sie interessiert sich für die autobiographischen Züge in Falladas Werk - und bekommt von dem Dichter und Funktionär Johannes R. Becher, der sich zuletzt aufopfernd um den alkohol- und morphiumsüchtigen Autor gekümmert hat, nur eine ausweichende Antwort. An welche Tabus hatte ihre Frage gerührt?
Michael Töteberg gibt eine literarische Antwort auf den Brief der jungen Wolf und erzählt von Falladas Stunde null zwischen zwei Frauen, von alten Dämonen und neuen Horizonten und von der unvergleichlichen Kraft der Literatur. Eine herzzerreißende Geschichte von universeller Gültigkeit über die menschlichen Abgründe - und eine Liebe, die dagegen ankämpft.
Mit den bislang unveröffentlichten Briefen von Hans Fallada an seine zweite Frau
Kundinnen und Kunden meinen
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bolie
aus Langscheid
5/5
07.02.2022
eBook (ePUB 3)
Wer war „Falladas letzte…
Wer war „Falladas letzte Liebe“? Der Autor Michael Töteberg schildert die letzten Jahre Falladas in Berlin mit seiner Ehefrau Ursula. Die Freundschaft zu Johannes R. Becher und die schreckliche Sucht nach Alkohol und Morphium. Wer war dieser getriebene Mann, der doch so eindrückliche Romane schrieb? Hans Fallada war ein Familienmensch. Auch während der Ehe mit Ulla wollte er nicht ohne seine Kinder sein. Dass das nicht gut für den Nachwuchs sein konnte, lässt sich nachvollziehen. Fallada und seine Frau mussten in regelmäßigen Abständen eine Klinik aufsuchen. Beide hingen an der Nadel und wenn der Entzug zu heftig war, wurde Fallada aggressiv und laut. Vielleicht hätte das Ehepaar dauerhaft geheilt werden können, wenn sie getrennt worden wären. Aber da beide abhängig waren, kamen sie für gegenseitige Hilfe nicht in Frage. Für mich ein herausragendes Buch in angenehmer und gehobener Sprache. Sehr beeindruckend für mich war die Schilderung, dass Fallada in den letzten Lebenswochen noch den Roman „Jeder stirbt für sich allein“ schrieb. Der Mensch Hans, der eigentlich ja Friedrich Ditzen hieß, ist mir beim Lesen sehr nahe gewesen. Seine schlimme Zeit als Bürgermeister und der Druck während der Zeit des Nationalsozialismus haben gewiss dazu beigetragen, dass er seine Probleme mit der Hilfe von Suchtmitteln zu vergessen suchte. Das Buch ist die unterhaltsame Biographie eines ganz großen Mannes.
lielo99
aus Bad Münstereifel
5/5
07.02.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine beeindruckende Biographie des großen Autors
Wer war „Falladas letzte Liebe“? Der Autor Michael Töteberg schildert die letzten Jahre Falladas in Berlin mit seiner Ehefrau Ursula. Die Freundschaft zu Johannes R. Becher und die schreckliche Sucht nach Alkohol und Morphium. Wer war dieser getriebene Mann, der doch so eindrückliche Romane schrieb?
Hans Fallada war ein Familienmensch. Auch während der Ehe mit Ulla wollte er nicht ohne seine Kinder sein. Dass das nicht gut für den Nachwuchs sein konnte, lässt sich nachvollziehen. Fallada und seine Frau mussten in regelmäßigen Abständen eine Klinik aufsuchen. Beide hingen an der Nadel und wenn der Entzug zu heftig war, wurde Fallada aggressiv und laut. Vielleicht hätte das Ehepaar dauerhaft geheilt werden können, wenn sie getrennt worden wären. Aber da beide abhängig waren, kamen sie für gegenseitige Hilfe nicht in Frage.
Für mich ein herausragendes Buch in angenehmer und gehobener Sprache. Sehr beeindruckend für mich war die Schilderung, dass Fallada in den letzten Lebenswochen noch den Roman „Jeder stirbt für sich allein“ schrieb. Der Mensch Hans, der eigentlich ja Friedrich Ditzen hieß, ist mir beim Lesen sehr nahe gewesen. Seine schlimme Zeit als Bürgermeister und der Druck während der Zeit des Nationalsozialismus haben gewiss dazu beigetragen, dass er seine Probleme mit der Hilfe von Suchtmitteln zu vergessen suchte. Das Buch ist die unterhaltsame Biographie eines ganz großen Mannes.
sleepwalker
5/5
01.12.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Meine ersten Erfahrungen mit…
Meine ersten Erfahrungen mit „Erwachsenenliteratur“ sind untrennbar mit Hans Fallada verknüpft. „Kleiner Mann, was nun“ war der erste seiner Romane, die ich als junger Mensch gelesen habe. Daher war es für mich nach der Lektüre von „Meine lieben jungen Freunde: Briefe an die Kinder“ klar, dass ich auch Michael Tötebergs Buch „Falladas letzte Liebe“ unbedingt lesen wollte. Der Autor ist Fallada-Fachmann, das Buch aber keine Biografie, sondern vielmehr eine dokumentarische Erzählung über die letzten Lebensjahre des Autors. Herausgekommen ist für mich ein enorm lesenswertes Buch über den Schriftsteller, basierend auf seinen Werken, Briefen oder anderen Zeugnissen, bei denen sich der Autor nach eigenen Aussagen „eng an die überlieferten Dokumente gehalten, sich jedoch die Freiheit genommen, Dinge zusammenzuziehen und die Chronologie leicht zu verändern.“ Einerseits ist Falladas Geschichte nach 1945 eine Nachkriegsgeschichte wie viele andere, voller Not, Probleme mit der russischen Besatzung und Unsicherheit. Andererseits ist sie natürlich sehr besonders, denn nichts in Falladas Leben scheint „gewöhnlich“ gewesen zu sein. Die letzten Lebensjahre teilte Hans Fallada nach der („ekligen“) Scheidung von seiner zweiten Frau Anne Issel (von ihm Suse genannt) 1944 mit seiner 28 Jahre jüngeren Ehefrau Ulla Losch. Nichts in Falladas Leben war einfach, so auch diese letzte Ehe nicht. Nach 20 rauschgiftfreien Jahren kommt er durch Ulla an Morphium und beide rutschen schnell tief in die Sucht, aus der sie sich auch durch zahlreiche Entziehungskuren nicht befreien können. So liebevoll die Beziehung zwischen den beiden gewesen sein mag – für Fallada begann damit wohl endgültig der Anfang vom Ende („Ulla war sein Glück, aber – das ahnte er von Anfang an – auch sein Unglück“) und eine Spirale aus Drogen, Entzug, Euphorie, Alkohol, Todessehnsucht, finanziellen Problemen („Ulla war groß im Geldausgeben.“, was zuletzt zu zigtausend Mark Schulden führte), Schaffensperioden, Schaffenskrisen, Entzug und immer wieder Rückfällen in die Sucht. Dazu Streitigkeiten mit der ex-Frau und Probleme mit der russischen Besatzung (er musste als Bürgermeister in Feldberg fungieren, ein Amt, das er hasste und dessen Ausübung ihn bis zum Zusammenbruch quälte). Da er während der Zeit des Nationalsozialismus als reiner Unterhaltungsschriftsteller sehr erfolgreich war, hatte er zudem große Schwierigkeiten, einen Verlag zu finden („Sein Ruf in der literarischen Welt als anerkannter Schriftsteller war ruiniert, die Verhältnisse hatten ihn zu einem Produzenten von Schundliteratur gemacht.“). Aber er musste ja auch erst einmal etwas Verlegenswertes zu Papier bringen. Einen Verlag fand er dann, nachdem er Johannes Bechers Kulturbund beigetreten war („Becher glaubte an den Autor Fallada. Mehr als dieser an sich selbst. Das tat gut.“) Michael Töteberg schildert den äußeren Kampf Falladas (um seine Gesundheit, sein Leben, gegen die Bürokratie) und die inneren Kämpfe (gegen Alpträume, Todessehnsucht und Schreibblockaden), für einen neuen, letzten großen Fallada-Roman packend und berührend. Denn der Leser weiß ja, wie Falladas Leben endete – und trotzdem machte es mich beim Lesen betroffen und traurig, dass er die Veröffentlichung seines letzten großen Wurfs „Jeder stirbt für sich allein“ nicht mehr erlebt hat. Der Wettlauf gegen Deadlines für Veröffentlichungen und die ständige Jagd nach Morphium, zusammen mit Ausrastern der „gequälten Künstlerseele“, machten das Buch für mich stellenweise sogar spannend zu lesen. Dazu einerseits Fallada als Kindernarr und Familienmensch und auf der anderen Seite eine eher vergnügungssüchtige junge Ehefrau, die sich dem Vernehmen nach eher aufführte wie eine weitere Tochter – ja, das Buch brachte mir Hans Fallada näher. Einen zwiespältigen, zerrissenen Menschen, getrieben von Sucht und Sehnsucht. Daher vergebe ich für dieses äußerst gelungene Buch fünf Sterne.
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