Produktbild: Dämmerstunde

Dämmerstunde

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Beschreibung

Produktdetails

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

30.06.2022

Verlag

Europa Verlage

Seitenzahl

200

Maße (L/B/H)

21,5/13,9/2,2 cm

Gewicht

364 g

Auflage

1. Auflage

Übersetzt von

Andreas Schirmer

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-95890-305-0

Beschreibung

Produktdetails

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

30.06.2022

Verlag

Europa Verlage

Seitenzahl

200

Maße (L/B/H)

21,5/13,9/2,2 cm

Gewicht

364 g

Auflage

1. Auflage

Übersetzt von

Andreas Schirmer

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-95890-305-0

Herstelleradresse

Europa Verlag GmbH
Johannisplatz 15
81667 München
DE

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  • Bewertung

    5/5

    21.07.2022

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Dschä, Dschop, Dschwerg

    Nur ein paar punktuelle Leseeindrücke: Die Episoden aus der Jugend des Architekten Bak Minu (späte 60er, frühe 70er Jahre) haben ein starkes, authentisches Flair. Suna heißt das große "Versäumnis". Es ist die Tochter aus der Nudelmanufaktur, die einzige im ganzen Berghangslum, die eine Oberschule besucht. Die Musik, die da passen würde für einen Soundtrack zur Verfilmung: Que restait-il de nos amours? von Charles Trenet. Rund vier Jahrzehnte später möchte der Zufall die beiden wieder zusammenbringen, aber er ist zunächst allzu sehr in seinem Trott gefangen und sie geniert sich für ihren Altersspeck. Anders prägend ist die Freundschaft mit Dschä, diesem geborenen Anführer, der zusammen mit seinem kleinen und kleingeratenen Bruder Dschwerg einen Trupp von "Schuhputz-Zwergen" zusammenhält und es schließlich zum Barbesitzer bringt, ehe ihn das faschistoide Regime der damaligen Entwicklungsdiktatur aus dem Verkehr zieht, um Quoten zu erfüllen. Eine am anderen Erzählstrang besonders wichtige Nebenfigur ist "das Schwarze Trikot", Sunas Sohn, wie wir erfahren, und er heißt Minu so wie der Architekt, ihre Jugendliebe. Nach zehn Jahren als "irregulär Beschäftigter" (immer jeweils nur um ein Jahr verlängert) wird das Schwarze Trikot gefeuert und lernt Uhi kennen, als sie beide in einer Pizzeria arbeiten, sie als Küchenhilfe, er als Lieferant. Die Erfahrung von Ungerechtigkeit bringt die beiden zusammen, aber auch da gibt es etwas "Unerfülltes". Und was dann passiert ist eigentlich sehr dramatisch. Es führt aber auch dazu, dass sich die Schicksale der zwei Hauptfiguren verschränken: Das des Architekten und das der Souterrain-Bewohnerin Uhi, die eigentlich Regisseurin werden möchte, aber von Nachtschichten in einem 24-Stunden-Minisupermarkt lebt. Ein Roman zur Apartmentsilo-Republik Südkorea, ein Roman zu den Schattenseiten der Entwicklungsdiktatur, ein Roman zur gegenwärtigen, heutigen "Hölle Korea" (wie ein populäres Schlagwort lautet). Das Nachwort des Autors ist sehr erhellend. Das Persönliche und das Gesamtgesellschaftliche, vereinigt in den "blassen Schatten einer alten Liebe". Eine reife wortmächtige Prosa, sachlich und poetisch zugleich.

  • Miro

    aus Wels

    5/5

    19.07.2022

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Wenn der Abend des Lebens aufzieht

    Bak Minu ist ein erfolgreicher Architekt, der ins letzte Viertel seines Lebens eintritt. Ein Kollege stirbt an Krebs und eine alte Freundin lässt von sich hören. Das veranlasst ihn, sein Leben Revue passieren zu lassen. Uhi Dschong hat ihr Studium beendet und versucht im Theater Fuss zu fassen. Sie lebt in prekären Verhältnissen, denn sie kämpft für ihren Traum, der leider kein Essen auf den Tisch bringt. Doch sie kennt ihre Prioritäten. Durch diesen zwei gegenteiligen Lebensentwürfen zeigt uns Hwang Son-Yong wie man in Seoul leben kann. Bak Minu ist ein Aufsteiger. Früh war ihm klar, dass der Weg aus dem Slum nur durch Bildung möglich ist. Mit Ausdauer, Ehrgeiz und einen großen Stück Glück ist ihm das hervorragend gelungen. Doch seine Ehe ist zerrüttet, seine Frau und Tochter leben einen Ozean entfernt und Freunde hat er auch nicht sehr viele. Einsamkeit beginnt ihn bereits zu umgeben. Die Bewohner des Berghangslums hingegen sind fast wie eine große Familie. Allein ist man da selten, aber der Alltag ist auch geprägt von Arbeit, Entbehrungen und Gewalt; die Möglichkeiten sich aus dem Sumpf zu arbeiten begrenzt. Mit Dämmerstunde zeichnet der Autor ein Porträt der Gesellschaft Seouls. Da sind die Slumbewohner, die aus verschiedensten Gründen auf den Berghängen gelandet sind und die der Willkür der Stadtverwaltung ausgeliefert sind. Da ist die Mittelschicht, der es kaum besser geht. Arbeiterrechte und faire Bezahlung sind ein Traum, der vielleicht irgendwann Realität wird. Und da ist eine Oberschicht, die ihre Wurzeln vergessen hat und eine Dekadenz auslebt, als gäbe es nichts als Profit. Was einem am Ende des Lebens dämmert, hängt davon ab, welch ein Mensch man war. Auch dieses Buch des Autors hat mir ausgesprochen gut gefallen. Es liest sich etwas eigenwillig. Die abwechselnden Erzählstimmen verwirren anfangs, aber es fügt sich alles am Ende. Der Autor spielt hier ein bisschen mit Namen, Zugehörigkeiten und Zeitebenen. Als Leser*in muss man einfach nur geduldig sein. Er hält seine Fäden gekonnt in der Hand und am Ende hat Sok-Yong eine interessant Geschichte erzählt und sämtliche Wirrnisse beseitigt!

  • Miro76

    aus Österreich

    5/5

    19.07.2022

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Bak Minu ist ein erfolgreicher…

    Bak Minu ist ein erfolgreicher Architekt, der ins letzte Viertel seines Lebens eintritt. Ein Kollege stirbt an Krebs und eine alte Freundin lässt von sich hören. Das veranlasst ihn, sein Leben Revue passieren zu lassen. Uhi Dschong hat ihr Studium beendet und versucht im Theater Fuss zu fassen. Sie lebt in prekären Verhältnissen, denn sie kämpft für ihren Traum, der leider kein Essen auf den Tisch bringt. Doch sie kennt ihre Prioritäten. Durch diesen zwei gegenteiligen Lebensentwürfen zeigt uns Hwang Son-Yong wie man in Seoul leben kann. Bak Minu ist ein Aufsteiger. Früh war ihm klar, dass der Weg aus dem Slum nur durch Bildung möglich ist. Mit Ausdauer, Ehrgeiz und einen großen Stück Glück ist ihm das hervorragend gelungen. Doch seine Ehe ist zerrüttet, seine Frau und Tochter leben einen Ozean entfernt und Freunde hat er auch nicht sehr viele. Einsamkeit beginnt ihn bereits zu umgeben. Die Bewohner des Berghangslums hingegen sind fast wie eine große Familie. Allein ist man da selten, aber der Alltag ist auch geprägt von Arbeit, Entbehrungen und Gewalt; die Möglichkeiten sich aus dem Sumpf zu arbeiten begrenzt. Mit Dämmerstunde zeichnet der Autor ein Porträt der Gesellschaft Seouls. Da sind die Slumbewohner, die aus verschiedensten Gründen auf den Berghängen gelandet sind und die der Willkür der Stadtverwaltung ausgeliefert sind. Da ist die Mittelschicht, der es kaum besser geht. Arbeiterrechte und faire Bezahlung sind ein Traum, der vielleicht irgendwann Realität wird. Und da ist eine Oberschicht, die ihre Wurzeln vergessen hat und eine Dekadenz auslebt, als gäbe es nichts als Profit. Was einem am Ende des Lebens dämmert, hängt davon ab, welch ein Mensch man war. Auch dieses Buch des Autors hat mir ausgesprochen gut gefallen. Es liest sich etwas eigenwillig. Die abwechselnden Erzählstimmen verwirren anfangs, aber es fügt sich alles am Ende. Der Autor spielt hier ein bisschen mit Namen, Zugehörigkeiten und Zeitebenen. Als Leser*in muss man einfach nur geduldig sein. Er hält seine Fäden gekonnt in der Hand und am Ende hat Sok-Yong eine interessant Geschichte erzählt und sämtliche Wirrnisse beseitigt!

  • Bewertung

    aus Wien

    5/5

    10.07.2022

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Spannend, informativ, gesellschaftskritisch

    Ich habe Dämmerstunde von Hwang Sok-Yong innerhalb weniger Tage durchgelesen, da mich die Geschichte relativ schnell in ihren Bann gezogen hat. Anfangs wusste ich nicht, worauf das alles hinausläuft, aber spätestens ab Kapitel 2 war ich im Lesefluss. Das Buch hat mich dazu inspiriert, mich näher mit der koreanischen Gesellschaft und jüngeren Geschichte zu befassen - und ich habe mittlerweile ein paar Podcastfolgen und jede Menge Wikipedia-Artikel folgen lassen. Den zwei Handlungssträngen, die hier erzählt werden, konnte ich gut folgen und wartete die ganze Zeit gespannt darauf, wie das aufgelöst wird und wie die beiden Handlungsstränge ineinandergreifen. Ich möchte hier gar nicht zu viel von der Geschichte verraten, nur so viel: Letzten Endes hat mich das Ende überrascht, obwohl ich die ganze Zeit über aufmerksam gerätselt habe, worauf das alles hinausläuft. Ich habe es als traurig, aber sehr gelungen empfunden. Ich kann die Dämmerstunde allen Leser*innen sehr empfehlen, die daran interessiert sind, in eine fremde Kultur einzutauchen. Für mich war es nicht nur ein tolles Leseerlebnis, sondern ich habe sehr viel über die koreanische Gesellschaft gelernt.

  • Gela

    aus Niedersachsen

    4/5

    11.11.2022

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Seiner Vergangenheit hat der…

    Seiner Vergangenheit hat der erfolgreiche koreanische Architekt Bak Minu schon lange den Rücken zugewandt, bis eine Nachricht einer Jugendliebe ihn schmerzhaft an sein Leben im Armenviertel Seouls erinnert. Hwang Sok-yongs distanzierter und pragmatischer Schreibstil erfordert Aufmerksamkeit beim Lesen. Der ruhige und fast dokumentarische Stil lässt ein besonderes Bild entstehen. Die Protagonisten treten in den Hintergrund und lassen dem gesellschaftlichen Leben in Seoul viel Raum. Der Hauptprotagonist Bak Minu hat es als einer der wenigen Slumbewohner geschafft, sich seinem vorgezeichneten Weg zu entziehen. Rückblickend wird sein Werdegang aus seiner Sicht in einem Erzählstrang dargestellt. Parallel dazu wechselt man in die Gegenwart zur jungen Uhi, die versucht, sich als junge Frau allein als Regisseurin in der Theaterwelt zu behaupten. Ihr Dasein hat wenig Lebenswertes und es schmerzt, die nüchterne Sprache über fehlende Mahlzeiten und katastrophale Lebensbedingungen zu lesen. Sehr interessant sind die geschichtlichen Parallelen zu wahren Geschehnissen in Korea, von denen ich bisher wenig wusste. Obwohl Bak Minu seine ganze Kindheit und Jugend in einem Armenviertel verbracht hat, zögert er keinen Moment, als er als angestellter Architekt einer Baufirma für die Umgestaltung dieser Gegend engagiert wird. "Meine berufliche Tätigkeit bestand eigentlich im Plattwalzen, Wegräumen und Entsorgen von anderer Leute Erinnerungen." Erst als ihm ein flüchtig zugesteckter Zettel einer alten Liebe im Alter zugesteckt wird, erinnert er sich an seine Wurzeln. Diese eindringliche Erinnerung ist sehr bewegend beschrieben. Die "Neues Dorf Bewegung" in den 70er-Jahren hat in Korea viele Orte sprichwörtlich planiert und eingeebnet. Den Bewohnern wurde gerade einmal Zeit gegeben, das Nötigste aus den Häusern mitzunehmen, bevor die Bulldozer alles zerstörten. Es gibt keinen Ort, an den man zurückkehren kann, keine Gebäude, Bäume, die einem Erinnerung an Vergangenes schenken. "Ich hatte keine Gedanken an jene verschwendet, die sich nicht sagen konnten, dass sie jetzt ein lebenswertes Leben führten, dass sie glücklicherweise nicht auf der Strecke geblieben sind." Besonders die kleinen Ausflüge in den Alltag der Bewohner eines solchen Viertels gehen nah. Im Nichts wird versucht zu überleben: Fischreste werden zu besonderen Delikatessen verarbeitet, Schuhputzer-Gangs kämpfen um die besten Plätze und eine kleine Romanze zwischen zwei jungen Menschen erblüht und verwelkt fast gleichzeitig. Diese trostlose Hoffnungslosigkeit, die sich beim Lesen einstellt, ist schwer zu ertragen, vor allem wenn man im westlichen Überfluss leben darf. Die gegensätzlichen Erzählstränge von Vergangenheit und Gegenwart wollten anfangs nicht zueinander passen und mussten konzentriert verfolgt werden. Die ungewohnten koreanischen Namen und Bezeichnungen taten ihr Übriges, um im Gelesenen keinen Zusammenhang zu finden. Am Ende wurde aber klar, warum die Handlungen so lange unverknüft parallel erzählt wurden. Dieser Roman hat mir Korea und seine Vergangenheit sehr deutlich nahe gebracht und die Sicht auf menschliche Schicksale außerhalb der europäischen Komfortzone geöffnet. Lediglich die anfänglich deutsch/österreichische Übersetzung einiger Begriffe (z. B. Treppenstiege, Pappenstiel) hat ein wenig verwirrt. Für Lesende, die gerne über den Tellerrand herausschauen, eine Leseempfehlung.

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