Glasgow im Juli 1973. Die Stadt leidet unter einer Hitzewelle. Der Drogenhandel boomt. Eines seiner prominentesten Opfer ist Bobby March, der berühmteste Rockstar der Metropole, der mit einer Überdosis tot in einem Hotel gefunden wird. Detective Harry McCoy hat kaum die Ermittlungen aufgenommen, da soll er nebenbei die halbwüchsige Nichte seines Chefs finden , die ihr gutbürgerliches Elternhaus verlassen hat und in der Unterwelt Glasgows abgetaucht ist. Zu allem Überfluss verschwindet ein weiteres junges Mädchen spurlos. Die Stimmung kippt. Die Menschen wollen einen Schuldigen. Doch wie soll McCoy diesen finden, wenn es keine Unschuldigen gibt?
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
Bewertung
aus Oberursel
5/5
30.11.2021
Buch (Taschenbuch)
Brliiante Fortsetzung: Krimi Noir aus Glasgow
Die Krimireihe um den Glasgower Cop Harry McCoy habe ich erst kürzlich für mich entdeckt, für extrem gut und spannend befunden, und hab mich jetzt gefreut, gleich mit Band 3 weiterzumachen. Wir sind im Jahr 1973, und nachdem die ersten 2 Bände im Januar und Februar gespielt haben, sind wir jetzt im Juli 73. Der „March“ im Titel ist nicht auf den Monat März bezogen, nein, Bobby March, Namensgeber dieses Bandes, ist Glasgows vielversprechende Antwort auf die Rolling Stones, er ist der Held der Gitarre, der ungekrönte schottische King der Popmusik. Leider noch nicht wirklich gross rausgekommen, aber kurz davor. Er ist jung, er ist talentiert, und leider auch sehr tot nach einer Überdosis Heroin, und Harry McCoy hat das zweifelhafte Vergnügen, die Leiche zu finden.
Allerdings bewegt zeitgleich ein ganz anderer Fall die Stadt: ein junges Mädchen wurde entführt, und die Suche nach ihr scheint keine Ergebnisse zu bringen. McCoy ist von diesem Fall abgezogen, sein ärgster Konkurrent Braeburn leitet die Ermittlungen, und Braeburn braucht einen Schuldigen.
McCoy darf unterdessen undercover nach der ausgerissenen Nichte seines Chefs suchen – Laura, die, wie sich schon bald zeigt, durchaus ihre Gründe hatte, ihr gutbürgerliches Elternhaus zu verlassen. Und ausserdem hat man ihm als Arbeitsbeschaffungsmassnahme das Aufarbeiten einiger Raubüberfälle aufgebrockt, bei denen die Kollegen nicht mehr weiterkamen.
So gibt es hier gleichzeitig mehrere Baustellen für die Polizei in Glasgow, und Alan Parks versteht es wieder meisterlich, alle Erzählstränge miteinander zu einem spannenden Thriller zu verweben. Und am Ende sind tatsächlich jegliche Fragen und offenen Enden beantwortet.
Was die Reihe um McCoy ausmacht, ist die Atmosphäre: das Glasgow der 70er scheint ein Sumpf an Kriminalität, Arbeitslosigkeit, Korruption und Bestechung, und , so der Klappentext, „Detective Harry McCoy ist so noir, dass die anderen schottischen Cops dagegen hellgrau erscheinen“ – dem stimme ich zu. McCoy ist die coolste Socke von allen und schreckt vor keiner Prügelei zurück. Und trotz seiner eigenen Verbindungen zur lokalen Unterwelt ist McCoy nicht bestechlich, er ist sozusagen der „Gute“, der auch mal unkonventionelle Lösungen findet. Mir fällt hier immer wieder der Vergleich mit Schimanski ein, der war ähnlich gestrickt, und der Ruhrpott der 80er, in dem diese Tatorte spielten, kommen mir auch ähnlich düster angehaucht vor wie das Glasgow McCoys.
Ach, apropos Authentik und Atmosphäre: die 70er waren auch durchaus mit Flower Power besetzt und dubioser Mode….ich musste des öfteren grinsen, wenn beispielsweise die rasende Reporterin Mary in Hotpants und Plateauschuhen die Bühne betritt. 70ies live.
Parks hat früher bei Warner Music gearbeitet, und kennt sich in der Musikszene aus. Das merkt man speziell diesem Buch auch immer wieder an; hier gibt es viele Reminiszenzen an Bands und Events der damaligen Zeit, was ich echt interessant fand. Bobby March ist natürlich fiktiv, aber genau so könnte es gewesen sein.
Ich fand das Buch brilliant. Ich mag den Erzählstil von Parks. Flüssig geschrieben (ich weiss, dieses „flüssig“ hört sich blöd an, aber ich habe in letzter Zeit recht viele literarische und stilistische Experimente in der Hand gehabt, ich sehe es mittlerweile nicht mehr als selbstverständlich an, wenn ein Roman sich flott weglesen lässt….!), gut geplottet, echte Figuren – ich kaufe Parks jede Zeile ab.
Ich freue mich schon auf die nächsten Bände!!
Lokalkolorit – Zeitkolorit - Spannung- …alle Daumen hoch!
j.h.
aus Berlin
5/5
17.11.2021
Buch (Taschenbuch)
BOBBY MARCH WILL LIVE FOREVER - Düsterer Noir-Krimi vor der Kulisse Glasgows in den 1970-er Jahren
Juli 1973 in der schottischen Hafenstadt Glasgow. Der aufsteigende, in Glasgow geborene Rockstar Bobby March wird tot in einem Hotel aufgefunden - offensichtlich nach einer heftigen Überdosis. Selbstmord oder Mord - diese Frage muss Detective Harry McCoy klären. Im anderen Teil der Stadt verschwindet unterdessen ein 13jähriges Mädchen scheinbar spurlos. Und aus diesen Ermittlungen will McCoys neuer Chef Detective Inspector Raeburn ihn heraushalten. Beide sind sich wegen gemeinsamer Arbeit Jahre zuvor in hasserfüllter Abneigung verbunden. Ohne vorliegende Beweise nimmt Raeburn einen seiner Meinung nach Schuldigen in Haft und erpresst ein Geständnis - mit katastrophalen Folgen ...
Alan Parks, der in Schottland geboren wurde und in Glasgow Philosophie studierte, legte mit BLOODY JANUARY 2017 ein beeindruckendes Roman-Debüt vor, an das er mit FEBRUARY'S SON (2019) und den hier vorliegenden dritten Band BOBBY MARCH WILL LIVE FOREVER (2020) direkt anknüpft. Die Neo-Noir-Thriller entwerfen ein fast filmisches Bild der 1973 nahezu hoffnungslos darniederliegenden schottischen Hafenstadt Glasgow. Die treffende Milieuschilderung und die marginalen Unterschiede zwischen Polizei und Unterwelt (sowie deren immer offensichtlichere Symbiose) erinnern an die Werke des amerikanischen Autors James Ellroy. Steigende Arbeitslosigkeit und Deindustrialisierung haben zu einem Klima von Depression und Gesetzlosigkeit geführt. Legale und illegale Drogen scheinen der einzige Weg, der bedrückenden Realität zu entfliehen. Zwischen Polizei und Gangstern besteht ein fragiles Gleichgewicht, das die Unterschiede zu marginalisieren scheint. Sehr authentisch sind im vorliegenden Band auch die Einblicke in die drogengeschwängerte Rock-Ära der 1970er Jahre. Polizei-Detective Harry McCoy, gerade 30, hat nach einer schweren Jugend bei einem alkoholabhängigen Vater und in Kinderheimen im Polizeidienst einen bemerkenswerten Aufstieg geschafft. Dennoch betäubt er sich täglich mit Alkohol und Drogen. Sein bester Freund aus der Jugend steht als schlagwütiger psychopathischer Gangster auf der anderen Seite. Auch Harry hätte wohl auf jener Seite landen können. Nur schwer kann der gebrochene Held Harry McCoy den Dämonen seiner Vergangenheit entrinnen. Mit seinem unerfahrenen Partner Watson (genannt Wattie) beginnt Harry Ermittlungen, die einen Sumpf von Korruption sichtbar machen … Die Handlung von BOBBY MARCH WILL LIVE FOREVER spielt an 9 Tagen im Juli 1973. Und Harry McCoy kommt zurück: "The April Dead" ist im englischen Original bereits im März 2021 erschienen.
Das unter dem Titel BOBBY MARCH FOREVER in der HARDCORE-Reihe bei HEYNE in hervorragender Übersetzung von Conny Lösch erschienene Buch ist Fans des klassischen harten Kriminalromans vorbehaltlos zu empfehlen - auch in Unkenntnis der beiden vorhergehenden Romane.
Elke
aus Vaihingen an der Enz
5/5
11.11.2021
Buch (Taschenbuch)
Schottisch schwarz
Der schottische Autor Alan Parks hat seine im Januar 1973 startende Harry McCoy Reihe analog der Monate auf zwölf Bände angelegt. Die beiden ersten Monate sind bereits abgearbeitet (Blutiger Januar, Tod im Februar), weiter geht es mit März und „Bobby March Forever“.
Eine Bemerkung für all jene, die noch nichts von Parks gelesen haben. Er hat jahrelang im Musikbusiness gearbeitet, lässt immer wieder Infos zu Musikern, Bands und Veranstaltungen einfließen und vermittelt so auch einen guten Überblick über Zeitgeist und Szene der damaligen Zeit (wobei Bobby March ein fiktiver Charakter ist).
Sommer 1973: Bobby March wird tot im Hotelzimmer aufgefunden. Überdosis. Ein begnadeter Gitarrist, der bei den Stones einsteigen hätte können, von dem sogar Keith Richards nach seinem Vorspielen begeistert war. Jetzt aber nur ein neuer Zugang im Club 27. Harry McCoy soll die Todesumstände aufklären, sollte sich aber gleichzeitig um zwei verschwundene Mädchen kümmern, eines davon die Nichte seines Ex-Chefs und Mentors Murray. Aber sein neuer Boss DI Raeburn hat andere Pläne für ihn, will ihn von den Ermittlungen ausschließen und dafür mit Routineermittlungen zu einer Serie von Raubüberfällen zuschütten. Das Verhältnis der beiden ist von einer tiefen Abneigung geprägt. Raeburn weiß, dass McCoy der bessere Polizist ist, und McCoy verabscheut diesen unangenehmen, gewalttätigen, bis ins Mark korrupten und von Ehrgeiz zerfressenen Vorgesetzten. Also macht’s Harry wie immer, lässt Raeburn Raeburn sein, vertraut auf seinen Instinkt und ermittelt gemeinsam mit Wattie auf eigene Faust. Und dann muss er sich auch noch um Stevie Cooper, seinen Freund aus Kindertagen, kümmern, der in Glasgows Unterwelt die Fäden zieht, dick im Drogengeschäft vertreten ist und selbst an der Nadel hängt.
Hört sich nach einem überladenen Plot an? Ist es aber zu keinem Zeitpunkt, da Parks bis zum Ende sämtliche Fäden souverän in der Hand hält und die Schnittstellen logisch aufbaut. Er zeigt uns die düsteren Seiten der schottischen Metropole, nimmt uns mit in die heruntergekommenen Viertel und hat mit Harry McCoy einen Charakter geschaffen, der mit seiner eigenwilligen Arbeitsmoral vor allem Gerechtigkeit für diejenigen sucht, die im Schatten stehen.
Schottisch-schwarze Atmosphäre, Zeitkolorit und Musik der 70er sowie ein sympathischer, loyaler Ermittler, all das verpackt in eine vielschichtige Krimihandlung. Das ist es, was diese Reihe auszeichnet. Lesen!
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