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Eine andere Epoche Roman

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Beschreibung

Produktdetails

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

18.08.2021

Verlag

Suhrkamp

Seitenzahl

256

Maße (L/B/H)

21,1/13,3/3,2 cm

Gewicht

419 g

Auflage

1. Auflage

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-518-43015-6

Beschreibung

Rezension

»In seinem herausragenden Roman Eine andere Epoche erzählt Ulf Erdmann Ziegler von einem Wendepunkt in der jüngsten deutschen Geschichte. ... Mit feinsten Sensoren liest Ziegler die Codes des politischen Redens aus, und die Tragik eines öffentlichen Lebens wird in großer Lakonie dargestellt.« ("Neue Zürcher Zeitung")
» Eine andere Epoche ist ein grandios gelungener, erhellender Roman, der dem Politischen ein Tiefenbewusstsein zu geben vermag und dem alltäglichen Menschsein seine politische Dimension erschließt.« ("Deutschlandfunk Kultur")
»Ohne jede Plakativität, ohne schrille Töne, stattdessen eher tastend und fragend, erzählt [Ziegler] von Themen wie Netzwerken und Abhängigkeiten, von Freundschaft und Verrat, von Karriere und Privatsphäre – was dem Buch Komplexität und Tiefe verleiht.« ("Gießener Anzeiger")
»Ein in seiner Geschichte spektakuläre[r] und in seiner Machart atemberaubende[r] Roman, der sich auf die Nachtseiten der parlamentarischen Demokratie begibt – und ihnen zugleich Seite für Seite ästhetischen Mehrwert abgewinnt.« ("Der Tagesspiegel")
»Näher als hier kann man dem Betrieb kaum rücken, über dessen epochenstiftende Kraft in diesem Wahljahr neu entschieden wird.« ("Stuttgarter Zeitung")
»Ulf Erdmann Ziegler ist ein packender, aber auch nachdenklicher, kunstvoller Roman gelungen, der uns unsere jüngste Vergangenheit und Gegenwart besser verstehen lässt.« ("WDR")
»In diesem klugen Roman markieren [die Enttarnung des NSU und die Skandale um Christian Wulff] eine Zeitenwende, bei der die Demokratie in eine tiefe Krise gerät.« ("Hörzu")

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Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

18.08.2021

Verlag

Suhrkamp

Seitenzahl

256

Maße (L/B/H)

21,1/13,3/3,2 cm

Gewicht

419 g

Auflage

1. Auflage

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-518-43015-6

Herstelleradresse

Suhrkamp Verlag
Torstraße 44
10119 Berlin
DE

Email: info@suhrkamp.de

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  • Bories vom Berg

    aus München

    3/5

    04.06.2022

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Rädchen im Getriebe Man ist…

    Rädchen im Getriebe Man ist unwillkürlich an Koeppens «Treibhaus» erinnert bei dem neuen Roman von Ulf Erdmann Ziegler, der unter dem Titel «Eine andere Epoche» vom Parlamentarismus in Deutschland erzählt. Hier geht es um weniger dramatische Ereignisse als 1953, wo in Bonn die Wiederbewaffnung zur Abstimmung anstand. Handlungsort ist nun natürlich Berlin, Handlungszeit sind die Jahre 2011 bis 2014, die SPD befand sich damals in der Opposition. Eine parteinahe Politikberaterin konstatierte lapidar: «Dass die SPD überhaupt einen Kanzler-Kandidaten aufstelle, zeuge von Wunderglauben». Auch wenn viele politische Akteure mit Klarnamen benannt sind, kann man das Buch durchaus als Schlüsselroman lesen. Wegman Frost ist Büroleiter des SPD-Bundestags-Abgeordneten Andi Nair, der schon viermal das Direktmandat für seinen Wahlkreis nahe Hannover gewonnen hat, sein alter Freund aus Jugendtagen. Zu der damaligen Clique gehörte auch Flo Jansen, der einst als Kind aus Saigon gerettet wurde, nach dem Studium bei der FDP gelandet ist und nun als Wirtschaftsminister und Vizekanzler am Kabinettstisch sitzt. Erzählt wird aus der Perspektive Wegmans, der sich scherzhaft als ‹Indianer› bezeichnet, weil er aus einer Reservation in Idaho stamme, er wurde aber in Deutschland bei Pflegeeltern aufgezogen. Die Drei haben sich in Schaumburg-Lippe kennengelernt, nahe von Gerhard Schröders Geburtsort. In der politischen Chronik jener Jahre gibt es einige markante Ereignisse, die der Autor strikt aus dem Blickwinkel seiner Figuren heraus schildert. Da ist vor allem der Rücktritt des Bundespräsidenten Christian Wulff, den die gegen ihn gerichtete Medien-Kampagne zur Aufgabe des Amtes bewogen hat. Später wurde er jedoch wegen des Vorwurfs der Vorteilsnahme vor Gericht freigesprochen. Ein großes Thema jener Jahre war auch die NSU-Affäre, die in einem Untersuchungs-Ausschuss unter dem Vorsitz von Andi Nair natürlich nicht aufgeklärt werden konnte. Alle Zeugen aus den Reihen von Polizei und Staatsschutz haben ‹gemauert›, um ihr eigenes Unvermögen und ihre hanebüchenen Fehler zu vertuschen. Ein Kollege aus der SPD Bundestags-Fraktion gerät wegen Besitz von Crystal Meth in die Schlagzeilen, und ganz zum Schluss verlässt einer der Protagonisten wegen offensichtlich berechtigter, schwerer Vorwürfe fluchtartig den Reichstag. Kennzeichnend für Zieglers Erzählweise ist, dass er gerade den karriere- und bedeutungsmäßig am wenigsten hervorstechenden Wegman Frost in den Mittelpunkt stellt. Er ist Angestellter seines Freundes Andi Nair und arbeitet ihm zu, schreibt Reden für ihn und hält ihn auf dem Laufenden über die politische Stimmungslage hinter den Kulissen. Auch privat ist er eher eine unscheinbare Figur ohne Charisma, ein Wunder geradezu, dass sich die toughe Immobilien-Maklerin Marion mit ihm einlässt, ihn sogar bald schon in ihre noble Wohnung einziehen lässt. Deren altkluge Tochter Elli, in der man Uwe Johnsons Marie Cresspahl zu erkennen glaubt, versteht sich von Anfang an sehr gut mit Wegman und verwickelt ihn wissbegierig in manchmal allerdings gar zu tiefsinnig erscheinende Debatten zu Themen jenseits der Politik. Auffallen ist, dass Marion und auch ihre elfjährige Tochter als Charaktere ziemlich blass bleiben. Was übrigens auch für alle anderen, fast durchweg politischen Akteure gilt, deren Privatleben weitgehend ausgeklammert ist. Einzig Wegmans häufige Tagträume enthalten für ihn produktive Aspekte über die Tretmühle des politischen Alltags hinaus. Der Autor schreibt in einer angenehm lesbaren, klaren Sprache aus Sicht seines Helden, wobei er sich aber jeder moralischen Wertung enthält. Wegman Frost agiert als kleines Rädchen im Getriebe der großen Politik, er ist lediglich ein auf kleinste Details achtender Berichterstatter mit einem untrüglichem Sinn für politische Stimmungen. Und dass er sich am Ende sogar vornimmt, jetzt unbedingt mal Hannah Arendts Werk «Über die Revolution» zu lesen, ist fast schon ein revolutionärer Akt für ihn.

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