Als Emma den Landarzt Charles Bovary heiratet, träumt sie von Liebe, Luxus und Leidenschaft, von einem Leben, wie sie es aus ihren Romanen kennt. Doch der Alltag in der Provinz ist ganz anders als erhofft. In ihrem Bestreben, ihre Sehnsüchte zu erfüllen, lässt sie sich verführen und setzt damit eine verheerende Spirale aus Betrug und Verzweiflung in Gang.
Gustave Flaubert brachte sein Ehebruchroman eine Anklage wegen Verstoßes gegen die öffentliche Moral ein. Das Gericht sprach den Autor zwar frei, rügte aber insbesondere den schockierenden Realismus, der sich in der erotisch aufgeladenen und psychologisch scharfen Darstellung der Emma Bovary zeigte. – Mit einer kompakten Biographie des Autors.
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Nachfolger besser als Original
Beat (also schnon Ü55) aus Meilen am 06.05.2026
Bewertungsnummer: 3130843
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Nachdem mir "Effi Briest" sehr gut gefallen hatte, war ich gespannt auf "Madame Bovary". Die Ambivalenz der Hauptperson wird gross ausgebreitet, für meinen Geschmack zu gross. Dies ist dann auch langweilig und ist die eigentliche Ironie am Ganzen. Denn schliesslich will Emma von der Langeweile flüchten. Einige Personen, wie zum Beispiel den Apotheker, fand ich sehr lustig überzeichnet dargestellt. Interessant fand ich auch die Kritik an de Kirche (Missbrauch im Zusammenhang mit Zölibat) und ich hatte den Eindruck, dass dies der Hauptgrund für die Anklage von Flaubert gewesen sein könnte. Denn der Roman ist doch wohl eher ein Plädoyer für ein geregeltes Leben und es gibt keine einzige Figur, die Romantik gut in den Alltag zu integrieren weiss. Madame Bovary ist auch kein Opfer der Gesellschaft, sondern eine psychisch kranke Frau, die immer auf der Suche nach dem nächsten Kick ist. Von dem her sehr modern!
DIe phrygischen Mützen als Symbol für Freiheit und Unabhängigkeit kommen immer wieder vor. Es scheint, dass der Autor selbst ziemlich desillusioniert gewesen sein muss. Und er sagte auch einmal "Bovary, c'est moi!", armer Tropf. Die ganze Geschichte ist eigentlich recht simpel und ich habe mich manchmal gefragt, wieso man für diese Geschichte vierhundert Seiten lesen muss. Wie jedes Detail beschrieben werden muss, fand ich übertrieben. Gleichzeitig konnte ich mir manchmal trotzdem die Landschaft nicht vorstellen, die da so genau beschrieben wurde. Insgesamt liest sich die Geschichte aber flüssig und es gibt immer wieder lustige Passagen mit den skurrilen Charakteren. Doch insgesamt fand ich den Realismus auch deprimierend und es fehlte mir wenigstens eine Figur, für die man sich hätte erwärmen können.
Zwischen Sehnsucht und Selbstzerstörung – ein zeitloses Drama
Ceodaz am 14.08.2025
Bewertungsnummer: 2567070
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Emma Rouault, eine junge Frau voller romantischer Vorstellungen und Sehnsüchte, heiratet den gutmütigen Landarzt Charles Bovary in der Hoffnung auf ein erfülltes, liebevolles Leben. Doch bald schon erdrücken sie der graue Alltag, die Monotonie des Landlebens und die emotionale Distanz, die sie in ihrer Ehe empfindet. Ihre hochgesteckten Erwartungen an das Leben, geprägt von schwärmerischen Romanen, prallen auf eine Realität, die sie als langweilig, stumpf und erdrückend empfindet. Auf der Suche nach Leidenschaft und Sinn stürzt sie sich in Affären und gerät immer weiter aus der Bahn.
Emma Bovary ist eine komplexe, tragische Figur, die in ihren Widersprüchen erschütternd realistisch gezeichnet ist. Sie ist eine zutiefst depressive Frau, die sich nach Schönheit, Liebe und Erfüllung sehnt, aber immer wieder an der Realität zerbricht. Ihre Fluchten in romantische Träumereien, ihre Gleichgültigkeit gegenüber ihrer Tochter und die wachsende Ablehnung gegenüber ihrem Ehemann wirken oft kalt und sind doch Ausdruck einer tiefen inneren Verlorenheit. Flaubert gelingt es meisterhaft, Emmas Sehnsüchte, ihre Gedankenspiralen und ihre zunehmende Verzweiflung spürbar zu machen.
Dem gegenüber steht Charles Bovary, der vermeintlich langweilige, einfältige Ehemann . Und doch offenbart sich im Verlauf des Romans, wie viel Herz und Güte in ihm steckt. Er liebt Emma aufrichtig, vielleicht zu sehr. Seine Naivität, seine Weltfremdheit und seine ständige Nachsicht machen ihn zu einer tragischen Figur, deren grenzenlose Liebe das Geschehen noch schmerzhafter erscheinen lässt. Er ist der stille Leidende, dessen Schicksal mindestens ebenso berührt wie das von Emma.
Was Flaubert hier geschaffen hat, ist nicht nur eine Gesellschaftskritik oder ein Ehedrama, sondern ein zeitloses Psychogramm über gescheiterte Träume, Rollenbilder und das Ringen um Sinn. Dass eine Frau in einem Roman des 19. Jahrhunderts so bewusst aus gesellschaftlichen Normen ausbricht und Ehebruch begeht, wirkt sehr modern und ist in seiner Tragik erschütternd aktuell.
Trotz des Alters von über 150 Jahren wirkt Madame Bovary erstaunlich frisch. Die sprachliche Dichte, die lebendigen Beschreibungen von Landschaften, Orten und Stimmungen, aber auch die feine Beobachtungsgabe, mit der Flaubert das Innenleben seiner Figuren zeichnet, haben mich sehr beeindruckt. Besonders die Ambivalenz von Emma, zwischen ihrer Sehnsucht und Selbstzerstörung, ist so feinfühlig und detailliert dargestellt, so dass ich absolut gespannt war, wie die Geschichte enden wird.
Fazit:
Madame Bovary ist ein literarischer Klassiker, das seiner Zeit weit voraus war. Eine intensive, sprachlich großartige Auseinandersetzung mit (verlorenen) Idealen, gesellschaftlichem Druck und der Suche nach einem Leben jenseits des Mittelmaßes. Ein Buch, das auch heute noch bewegt und zum Nachdenken anregt.
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