Mit seinem Schauerroman »Die Elixiere des Teufels« steht E. T. A. Hoffmann ganz in der Tradition der Schwarzen Romantik: Der Kapuzinermönch Medardus beschreibt in seiner Lebensbeichte, wie undurchsichtige Verwandtschaftsbeziehungen, unheimliche Wiederbegegnungen, Doppelgänger, Wahn und Mord sein Leben langsam aus den Fugen geraten ließen.
Kundinnen und Kunden meinen
4.0/5.0
Sophie Bergmann
aus St.Johann
5/5
31.05.2021
Buch (Taschenbuch)
liquide Verführung des Widersachers..
Der 334 Seiten umfassende Roman erzählt die Geschichte des Kapuzinermönchs Medardus, chronologisch aufgelistet und in Form einer "Autobiographie" dargeboten. Der von seiner Geburt an in religiösen Kreisen erzogene, und stets spirituell extraordinäre Kapuziner, erhält eines Tages die ehrenvolle Aufgabe, mit hingebungsvoller Demut über die heiligen Reliquien des Klosters zu walten. Eine dieser geweihten Reliquien entpuppt sich als eine vom Widersacher selbst an den heiligen Antonius übergebene Weinflasche, welche sich als eines der ruchlosen Elixiere des Teufels erweist. Medardus kann der Versuchung nicht widerstehen von diesem diabolischen Gebräu zu kosten. Somit löst er einen kaum entwirrbaren Fluch aus, der sich über mehrere Generationen hinwegzieht.....
Hoffmann versteht es galant mit den reißerischen Motiven der "Gothic Novel" zu jonglieren und wird somit zum Meister der unheimlichen Erzählkunst.
Lorenz Laudenberg
aus Bergisch Gladbach
5/5
31.05.2021
Buch (Taschenbuch)
Medardus
Völliger Wahnsinn, was uns der Kapuzinerbruder da erzählt! Bei der Lektüre des Schauerromans von Ernst Theodor Amadeus Hoffmann ( 1776- 1822), einer fiktiven Autobiographie, lernen wir den Mönch Medardus kennen, der, als angesehener Mitbruder in einem Kloster, ein beschauliches Leben führt - bis er von den " Elixieren des Teufels" trinkt. Während einer Dienstreise nach Rom überschlagen sich dann plötzlich die Ereignisse: von seiner wilden Leidenschaft und der Liebe zu einer jungen Frau getrieben, begeht er eine Reihe von abscheulichen Verbrechen; im abenteuerlichen Verwirrspiel mit den vielen Menschen, die er kennen lernt, taucht ein Doppelgänger auf, unzählige Nebenhandlungen weisen schließlich darauf hin, dass viele Personen mit Medardus verwandt sind. Nach dieser unheimlichen Odyssee durch ein abenteuerliches Leben schreibt der Mönch alle Ereignisse auf und stirbt bald. Der Roman, den man der Spätromantik zuordnen kann, ist überladen mit Elementen der Trivialliteratur und vielleicht gerade deshalb so außerordentlich spannend. Er erlaubt einen tiefen Einblick in den Abgrund der Seele des Erzählers, dessen Lebensweg schicksalhaft, durch die "Verworfenheit seines Geschlechts", scheinbar unausweichlich in die Katastrophe führen muss. Wie bei E. A. Poe finden sich schon Schilderungen seelisch extremer Zustände, hier können wir vielleicht von der Beschreibung einer Bewusstseinsspaltung des Protagonisten sprechen. Bewundert von den Dichtern seiner Zeit, war E. T. A. Hoffmann ein richtiger Star der deutschen Romantik, ein " magischer Poet", der uns allein schon mit " Die Serapionsbrüder" eine wunderbare Sammlung von Erzählungen geschenkt hat!
Bewertung
4/5
24.03.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Auch nach über 200 Jahren noch schauerlich gut
Hoffmanns 1815/1816 erschienener Roman behandelt die fiktive Lebensgeschichte des Mönchs Medardus, auf dessen Familie ein Fluch lastet. In dem Kloster, wo Medardus ansässig ist, befinden sich Reliquien, zu denen auch eine mit einem teuflischem Elixier gefüllte Flasche zählt. Als er von dieser Flasche trinkt, verfällt er den irdischen Begierden und fleischlichen Gelüsten. Seine im Anschluss stattfindende geistliche Mission wird zu einer Sündenfahrt, die auch den Bruch seines Gelübdes zur Folge hat. Wenig später muss er sogar den Tod des als Mönch verkleideten Liebhabers der Baronin Euphemie verantworten. Während seiner Irrfahrt sucht Medardus nach einer unbekannten Geliebten, die wiederum der heiligen Rosalie sehr ähnlich sieht. Als er von Euphemie für ihren Liebhaber gehalten wird, erhält er Einlass in deren Schloss und meint in Euphemies Tochter Aurelie die unbekannte Geliebte zu erkennen. Es kommt abermals zu Turbulenzen, an deren Ende Medardus Euphemie und Aureliens Bruder ermordet. Egal, wohin sich Medardus hin begibt, begegnet ihm ein Doppelgänger, was Medardus immer mehr zu einem schizophrenen Psychopaten werden lässt. Als er dann endlich mit seiner Geliebten Aurelie vermählt werden soll, verletzt er auch sie lebensgefährlich. Auf dem hieraus resultierenden völligen seelischen Zusammenbruch folgt eine Zeit der Läuterung und Kasteiung, an deren Ende die Auflösung und der Sinn, der hinter den seltsamen Ereignissen verborgen ist, stehen. Bis dahin nimmt das Geschehen aber noch einige unerwartete Wendungen. Bleibt zu sagen, dass Hoffmanns Schauerroman auch heute nichts von seiner Faszination verloren hat. Nachdem man sich an die blumige Sprache des Romantikers gewöhnt und den etwas diffusen Handlungsverlauf durchschaut hat, steigert sich Die Elixiere des Teufels zu einem puren Lesevergnügen.
Katharina
aus Graz
3/5
16.03.2023
Buch (Taschenbuch)
Einfach nichts für mich!
Ich habs endlich wieder mal geschafft und ein Buch meiner Klassiker-Challenge beendet. Das war eine schwere und lange Geburt.
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Worum gehts? Das Buch ist eine fiktive Autobiographie, in der der Kapuzinermönch Medardus sein außergewöhnliches Leben beschreibt. Auf seiner Reise nach Rom kommt er vom rechten Weg ab, verliert sich in Wolllust, Täuschung und Tücke. Der Wahnsinn ist sein stetiger Begleiter.
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So wie auch schon bei „Der letzte Mohikaner“ kam ich nicht gut mit dem Schreibstil zurecht. Ich habe den Sinn der Sätze verstanden, was aber zwischen den Zeilen gesagt wurde, nicht. Dafür wird einfach zu viel umschrieben und mit Metaphern und Andeutungen gearbeitet. Da bin ich nicht gut drin. Ich brauche ein bisschen mehr Klartext.
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Aber so im Großen und Ganzen habe ich zumindest die Handlung kapiert. Ich würde mal sagen, das Buch ist das Silmarillion des 19. Jahrhunderts, nur dass alle gleich heißen. Beschrieben wird es als Horrorgeschichte - nach den damaligen Maßstäben ist das bestimmt korrekt. Mord, Blut, Wahn… alles ist Teil der Geschichte.
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Ich bin unsicher, wie Medardus da im Endeffekt hineinpasst. Ist er wirklich „wahnsinnig“ oder schizophren? Oder tatsächlich so bösartig und berechnend? Inwieweit haben die Elixiere des Teufels sein wahres Wesen befreit? Viel Raum für Spekulationen bleibt am Ende über.
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Und ich gestehe: Ich habe die letzten 15 Seiten überflogen. Zu viel des Guten.
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Fazit: Nichts für mich, aber für diese Epoche ein gewagtes und spannendes Werk.
Bories vom Berg
aus München
3/5
03.05.2020
Buch (Taschenbuch)
Klösterliche Identitätssuche…
Klösterliche Identitätssuche Der erste Roman des vielseitig begabten E.T.A. Hoffmann, der erfolgreich als Jurist, Schriftsteller, Kapellmeister, Komponist und Zeichner tätig war, gilt als eines der bedeutendsten literarischen Werke der Schwarzen Romantik. In zwei Teilen 1815/16 erschienen, hat diese fiktive Autobiografie eines Kapuzinermönches zunächst eine sehr zwiespältige Aufnahme gefunden. Goethe nannte, als Sprachrohr quasi für die breite Ablehnung in der Wissenschaft, den Autor einen «krankhaft Verirrten» und warnte ausdrücklich vor der Wirkung seiner verderblichen Phantasie. Hebbel hingegen lobte in seinem Tagebuch den Roman als «ein höchst bedeutendes Buch», das eine eigene Gattung begründe. Wie auch immer, sein Status als Klassiker der Weltliteratur wird auch nach zweihundert Jahre eindeutig bestätigt durch regelmäßige Neuauflagen, die das anhaltende Interesse der Leser widerspiegeln, meines eingeschlossen! Franz findet nach einer glücklichen Kindheit Aufnahme in einem Kapuzinerkloster, nimmt dort den Namen Medardus an und wird wegen seiner beispielhaften Frömmigkeit mit der Verwaltung der Reliquien betraut, unter denen sich auch ein Elixier befindet, das vom heiligen Antonius stammen soll. Er wird zudem weithin berühmt für seine aufwühlenden Predigten, was ihn bald hochmütig werden lässt. Als nun eines Tages die schöne Aurelie, die dem Bildnis der heiligen Rosalia in der Kapelle zum Verwechseln ähnlich sieht, ihm im Beichtstuhl ihre Liebe gesteht, stürzt der fromme Mann in einen verheerenden Strudel von leiblicher Begierde und quälenden Schuldgefühlen. In seiner Verzweiflung trinkt er von dem Teufelselixier, er will Aurelie unbedingt wiederfinden. Als der Abt aber seinen inneren Zwiespalt bemerkt, schickt er ihn kurzerhand mit einem Auftrag nach Rom. Was folgt ist eine verwirrende Geschichte mit vielen Figuren, von denen sich nach und nach herausstellt, dass die meisten entfernt verwandt sind mit Bruder Medardus. Wobei sein Ururgroßvater Francesco der Maler, der auch öfter mal als Untoter im violetten Mantel erscheint, durch eine teuflische Buhlschaft schwere Schuld auf sich geladen hat, ein in der väterlichen Linie weitervererbtes Verhängnis, das auch auf ihn selbst fällt. In einem nebulös zwischen Traum und Wirklichkeit wechselnden Geschehen begegnen ihm auf seinen Wanderungen die wundersamsten Menschen. Zu denen gehört auch sein wahnsinniger Doppelgänger, der fortan, in buntem Wechsel mit ihm, kaum unterscheidbar als Protagonist des Romans fungiert. Als Tochter eines Schlossherrn findet er auch Aurelie wieder, schließlich aber verführt ihn deren lüsterne Stiefmutter. Sein teuflischer Doppelgänger schlüpft in die Rolle des Grafen Viktorin, vormals Liebhaber der Schlossherrin, und ermordet sie. Wir lesen als Buch die Aufzeichnungen des Bruders Medardus, E.T.A. Hoffmann versteckt sich in seinem virtuosen Plot hinter der Rolle des Herausgebers, ein typisches Merkmal dieses Romans. Denn auch der Mönch erfährt vieles aus seiner eigenen Lebensgeschichte nur durch Berichte anderer, zu denen vor allem aufgefundene Schriften des Malers gehören, die seine Triebhaftigkeit als Erbschuld aufzeigen. In einer barock ausgeschmückten Sprache wird hier von Wiedergängern und Nebelgestalten berichtet, von wundersamen und grausigen Erscheinungen, von tiefster Frömmigkeit und Selbstgeißelung. Die zum Teil lustigen Figuren sind allesamt sehr anschaulich beschrieben, ihre Dialoge werden in einer überhöhten Kunstsprache geführt, die blumenreich, aber mit gedanklicher Tiefe, das irrlichternde Geschehen vorantreiben. Natürlich ist all das nicht nur sprachlich abgehoben von der schnöden Lebensrealität, alles scheint sich total durchgeistigt in höheren Sphären abzuspielen. Selbst der Kampf des Protagonisten mit seinem teuflischen Doppelgänger findet zumeist rein gedanklich im tiefsten Inneren statt. Die verzweifelte Suche des Kapuziners nach seiner wahren Identität ist auch stilistisch als bereichernde Lektüre durchaus zu empfehlen
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