Edith notiert in ihrem Tagebuch, was sie bewegt. Ihr Mann trägt sie auf Händen, ihr Sohn brilliert an einer Eliteuni und als erfolgreiche Journalistin. Doch in der wirklichen Welt kämpft sie auf fast verlorenem Posten.
Kundinnen und Kunden meinen
4.7/5.0
schmoekerstunde
5/5
25.07.2023
Buch (Taschenbuch)
Die Protagonistin Edith ist…
Die Protagonistin Edith ist eine Frau, die auf den ersten Blick alles zu haben scheint: einen fürsorglichen Ehemann, einen hochbegabten Sohn und eine erfolgreiche Karriere als Journalistin. Hinter den Kulissen erlebt man aber die innere Zerrissenheit von Edith. In ihrem Tagebuch schreibt sie sich ihre Welt schön, während sie versucht, ihre Selbstzweifel und unerfüllten Träume zu verbergen. Der Schreibstil von Patricia Highsmith ist wie gewohnt elegant und einfühlsam. Edith ist eine facettenreiche Figur, die mit ihren Stärken und Schwächen, ihren Triumphen und Niederlagen, eine echte Authentizität ausstrahlt. Das Buch ist eine Reflexion über die gesellschaftlichen Erwartungen, Rollenbilder und den inneren Kampf, den viele Menschen erleben. Das Nachwort von Paul Ingendaay rundet das Buch auf besondere Weise ab. Es bietet dem Leser einen Blick hinter die Kulissen der Entstehung des Romans.
Odilie Pressberger
aus Regensburg (Donau EKZ)
5/5
19.01.2021
Buch (Taschenbuch)
Die Kluft zwischen Realität und Wahnsinn beschrieb niemand so subtil wie Highsmith!
Es ist unglaublich, wie Highsmith ihre psychologischen Krimis entfalten und vorwärts treiben konnte! Wie sie mich immer wieder in ihren Bann zieht! Hier schreibt eine Hausfrau und liebende Mutter Tagebuch. Wie es in der Wirklichkeit aussieht, erfahren wir so nach und nach. Und sitzen dann selber schön angstschlottern in der Falle!
pearl-on-the-rox
Book Circle Community
4/5
02.08.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Brillante psychologische Charakterstudie
Die Geschichte beginnt so Mitte der 50er Jahre. Die Protagonistin Edith ist eine klassische Hausfrau, welche danach strebt der Welt einen intellektuellen Stempel aufzudrücken und als radikale politische Schriftstellerin und Herausgeberin einer von ihr gegründeten Zeitung auch ausserhalb ihrer häuslichen Sphäre Einfluss zu nehmen.
Dennoch wird sie immer wieder in ihr erdrückendes häusliches Leben zurückgedrängt oder an dieses gefesselt, so dass sie schliesslich an sich selbst zerbricht. Ihr scheinbar hilfsbereiter Ehemann Brett überlässt ihr die Pflege seines älteren Onkels, der ebenso träge wie kränklich ist, zumindest anfangs. Dann - und wer sich auch nur ein wenig mit den amerikanischen Archetypen der Jahrhundertmitte auskennt, sieht das kommen - verlässt Brett Edith für die viel jüngere Sekretärin.
Selbst für ihren Sohn Cliffie, der zu Hause bleibt und sich von einem selbstsüchtigen und nachtragenden Kind zu einem selbstsüchtigen, alkoholkranken und undankbaren Erwachsenen entwickelt, findet Edith oftmals Entschuldigungen und hat Verständnis.
Irgendwann wollte ich am liebsten alle Figuren wachrütteln. Nicht nur, dass diese Geschichte über den Vorstadttraum eher zu einem Alptraum wird, Highsmiths detaillierte Charakterbeschreibung liess die Figuren auch mehr zum Leben erwachen, als mir lieb war.
Was die Geschichte vorallem traurig macht, ist die Art und Weise, wie Edith von den Menschen um sie herum behandelt wird. So wird ihr Tagebuch, in dem sie die Fantasie eines perfekten Lebens, das sie sich vorstellt, festhält, zum Symbol ihres Wahnsinns, ihrer Rebellion und auch der Art und Weise, wie die Gesellschaft das versteckt, was als unvollkommen, als beschädigt wahrgenommen wird.
Auch wenn ich es fesselnd fand, ist Ediths Tagebuch kein Buch, das ich ohne Weiteres empfehlen würde, weil es doch auch sehr deprimierend und frustrierend wirken kann. Für den Highsmith-Liebhaber zeigt es jedoch eine andere Seite ihres Schreibens, in der sie die Verbindung zwischen gesellschaftlichen Normen und psychischer Umnachtung erforscht.
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