Verfolgter, Schmuggler, Häftling, Dieb, Matrose, Kämfper, Retter. Die Geschichte eines Helden.Noah Klieger war 13, als er sich während der deutschen Besatzung Belgiens einer jüdischen Untergrundorganisation anschloss und half, jüdische Kinder in die Schweiz zu schmuggeln. Noah Klieger war 16, als er im Morgengrauen als Häftling in Auschwitz ankam, bei Minusgraden. Noah Klieger hatte noch nie geboxt, als am Tag seiner Ankunft im Konzentrationslager gefragt wurde, ob sich Boxer unter den Häftlingen befänden und seine Hand nach oben ging. Die tägliche Sonderration Suppe für die Mitglieder der Boxstaffel von Auschwitz ließ ihn lange genug überleben. Noah Klieger war 20, als die Konzentrationslager befreit wurden. Er hat drei Todesmärsche und vier Konzentrationslager überlebt in einer Zeit, in der ein Wort, eine gehobene Hand oder ein Schritt den Tod bedeuten konnten oder das Leben. Auch in den dunklen, eiskalten Stunden fand er Hoffnung, fand er Kämpfer für den Widerstand gegen die Deutschen, fand er Verbündete, die mit ihm Kartoffeln stahlen, fand er einen Arzt, der ihm das Leben rettete, fand er List und Glück und einen letzten Laib Brot.Takis Würger erzählt die Lebensgeschichte des Noah Klieger – von seiner Kindheit im Frankreich der 1920er Jahre, seinem Überleben in den Konzentrationslagern der Nationalsozialisten bis zu seinem Engagement für die Staatsgründung Israels. Der Bericht eines großen Lebens – atemberaubend gut erzählt. Eine Geschichte, die nicht vergessen werden darf.Ungekürzte Lesung mit Aaron Altaras, Jannik Schümann, Sabin Tambrea, Adriana Altaras, Anna Thalbach, Takis Würger3h 30min
Kundinnen und Kunden meinen
4.6/5.0
J
5/5
01.10.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Niemals vergessen
Das Verfassen einer "Rezension" zu einem Buch wie diesem ist sehr schwer. Alles klingt abgedroschen und nicht respektvoll genug... Ich versuche es…
Man kann nicht anders, als den Hut vor der außergewöhnlichen Stärke zu ziehen, die Noah Klieger aufgebracht hat, um die schrecklichen Zeiten in den Konzentrationslagern zu überstehen. Doch nicht nur das, seine Bereitschaft, die grauenvollsten Kapitel seiner Lebensgeschichte erneut zu durchleben, damit wir diese als Zeitzeugenbericht lesen können, erfüllt mich mit gewaltigem Respekt. Dieses Buch ist nicht wie ein abstrakter Absatz in einem Geschichtsbuch - es ist ein wahres menschliches Schicksal, das mich beim Lesen an meine Grenzen brachte, mich nicht nur einmal dazu brachte, das Buch erstmal wegzulegen. Dieser Mensch erlebte Grausames, Unerträgliches, Abstoßendes. Als Leser werden wir auf jeder Seite damit konfrontiert. Schonungslos.
Diese Gewalt hatte keinen Sinn. Wir können ihr nur einen geben, indem wir sie in Erinnerung behalten, als Mahnung und Appell verstehen, Derartiges für immer zu verhindern. Zu verstehen wird es niemals sein.
Bewertung
5/5
01.09.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Das einzige Buch von dem ich sage, dass man es gelesen haben muss
Eines der für mich wichtigsten Bücher der letzten Jahre, vermutlich für immer. Ich habe das Buch vor einigen Monaten gelesen und es ist mir immer noch so präsent wie nur wenige andere Bücher es schaffen. Die Geschichte von Noah ist so nahegehend und spannend und ich bin Takis Würger tief dankbar, dass er diese Geschichte in so einem großartigen Buch festgehalten hat. Ich hatte selbst einmal die Ehre, einem Zeitzeugen zu begegnen, der als Jude Nazideutschland überlebt hat und man kann den Eindruck, den diese Begegnung hinterlässt, nicht genug hervorheben. Leider gibt es immer weniger Zeitzeug:innen und nicht jede:r hat die Möglichkeit, eine:n solchen zu treffen. Eigentlich sollte dieses Buch in der Schule und auch ansonsten überall gelesen werden, denn nur wenige Bücher schaffen es, diesen Eindruck so zu vermitteln wie "Noah".
Und falls Sie jemals das Glück haben sollte, dass Takis Würger in Ihrer Nähe eine Lesung liest, dann gehen Sie dort unbedingt hin, ich habe selten einen so sympathischen, unterhaltsamen und hilfsbereiten Menschen kennenlernen dürfen!!!
ins_lebenlesen
aus Schleswig-Holstein
5/5
04.07.2023
Buch (Taschenbuch)
„Noah Klieger hat sie alle…
„Noah Klieger hat sie alle überlebt, Mengele und die Nationalsozialisten, die EXODUS und das Meer, die Briten und die Feinde Israels, ein paar Kriege, das Alter, seine Freunde und einen Herzinfarkt. Auschwitz blieb.“ (S. 138) Noah Klieger ist Franzose, Jude, und schon früh - als Kind eines jüdischen Journalisten und Schriftstellers - in Belgien im Nazi-Widerstand auf gefährlicher Mission. Er hilft dabei, jüdische Kinder in die Schweiz zu schmuggeln. Er ist 17 als die Gestapo ihn erwischt, direkt nach Auschwitz bringt und die Hölle über ihn hereinbricht. Er überlebte mit viel Glück und dem Traum von zwölf Brötchen auf einem Frühstückstisch. Lebte weiter. Erzählte seine Geschichte immer wieder. Auch in Deutschland, gerade vor jungen Leuten. Er starb 2018 mit 93 Jahren. Takis Würger hat 2017 über mehrere Monate in Tel Aviv Interviews mit ihm geführt und daraus dieses Zeugnis eines Überlebenden geschrieben. Er schreibt über das Überleben, über Terror und Grausamkeit, aber auch über Hoffnung und Freundschaft. Er schreibt über das Weiterleben. Über die Odyssee, die viele überlebende Juden nach den Lagern auf der Suche nach einer Heimat durchlebten. Und über die Unfassbarkeit: „Aber Du hast eine Zukunft. Du hast Deine Zukunft wieder. Was machst Du damit? Was kannst Du? Was willst Du? (S.82) Und er schreibt über vieles nicht, weil Noah es nicht erzählen kann oder will. Würger erzählt journalistisch, sachlich, nüchtern. Kurze knappe Sätze schildern die Geschichte präzise und entlang harter Fakten aus der Erinnerung von Noah Klieger. Doch wie eine Klinge rammen sich die unbegreiflichen Fakten mitten in die Brust und lassen einen erschüttern. Es ist eine erinnerte Geschichte. Auf 150 Seiten. Kein Epos, kein Geschichtsbuch, auch kein literarisches Ereignis. Doch es ist ein wichtiges Zeugnis, denn wenn die letzten Überlebenden gestorben sind und davon nicht mehr erzählen können, brauchen wir solche Geschichten, um zu fühlen, was passiert ist. Dass hinter den Millionen Toten und Überlebenden Schicksale stehen. Wäre es nicht doch möglich, dass jedes davon unseres oder das unseres Nachbarn sein könnte? Dem Menschen wohnen beide Anteile inne: die brutalste Grausamkeit und die tiefste Liebe.
Bewertung
5/5
06.08.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein wichtiges Zeitdokument
Noah hatte die Häftlingsnummer 172345.
Bücher über den Holocaust sind meist erschüttern, doch es braucht sie, um uns zu erinnern. Denn bald gibt es niemanden mehr, der von dieser Zeit berichten kann. Schon in meiner Schulzeit haben wir einige gelesen, aber meist als Romane. Dieses Buch aber hat mich auf eine Weise ergriffen, die nur schwer in Worte zu fassen sind.
Der Journalist Takis Würger hat mit Noah Klieger hier ein Zeitzeugnis geschaffen, das schonungslos und eindringlich über Noahs Erlebnisse vor, während und nach seiner Zeit im Konzentrationslager berichtet. Sein Schreibstil ist nüchtern und pragmatisch. Und das ist gut so, denn hier gibt es nichts auszuschmücken, nichts an Worten hinzuzufügen. Und gerade das hat mich emotional gepackt. Noah nennt viele seiner Mithäftlinge namentlich, manchmal nur in einem Satz, denn mehr Zeit hatten sie nicht, bevor der andere erschossen wurde oder vor Hunger starb oder vor Kälte erfror. Nach einiger Zeit hatte ich nur noch einen Kloß im Hals, denn es war wichtig, den Menschen einen Namen zu geben und damit ein Gesicht – stellvertretend für die 6 Millionen Juden, die durch die Nazis getötet wurden. Davon allein 4 Millionen in Konzentrationslagern.
Das Buch ist in vier Teile unterteilt. In Teil 1 und erzählt er hauptsächlich über seine Gefangenschaft bis zur Befreiung durch die Sowjetarmee. Teil 3 berichtet er über seine Reise auf der Exodus und Teil 4 befasst sich mit seinem Leben danach.
Erschüttert hat mich, dass er am Ende viel Fragen nach dem WIESO stellt. »Wenn die Deutschen heute jemanden finden würden mit Charisma, weiß ich, ob sie es nicht wieder täten? ... Und dann erzählt man mir, es sind heute andere Deutsche als damals? Warum sind es andere?« S. 147
Ich würde ihm gern sagen, dass wir heute »andere Deutsche« sind. Doch mit dem Hintergrund, dass es wieder vermehrt Anschläge aus Synagogen gibt, das rechte Gedankengut wieder zunimmt, beschämt mich das.
Mehr gibt es nicht zu sagen. Es braucht diese Bücher, damit wir uns erinnern.
Biografisches
Noah wächst in Belgien auf, er hilft schon als Junge seinem Vater bei der Beschaffung von Lebensmittelmarken, die er an Juden in seinem Viertel verteilt. 1942, mit 17 Jahren wird er von der Gestapo geschnappt, ins SS-Sammellager Mechelen gebracht und später nach Auschwitz. Um der Selektierung zu entgehen, meldet er sich als Boxer, obwohl er noch nie in seinem Leben geboxt hat. Ein andermal hat er Glück, dass er von Aufsehern verschont wird oder von Mitgefangenen für bestimmte Arbeiten ausgewählt wird. Mehr als einmal hat er Glück, nicht in der Gaskammer zu landen. Er schildert, unter welchen unvorstellbaren Strapazen er die Shoah überlebt. 1947 flieht er mit tausenden anderen Juden auf der Exodus nach Palästina. Er heiratet drei Mal, bleibt aber kinderlos. Noah hält viele Reden über die Shoah, vor Soldaten der israelischen Armee, den Vereinten Nationen und deutschen Gymnasiasten und kehrte mehrmals nach Auschwitz zurück. Ein Leben lang interessiert er sich für seine Mitmenschen, für deren Persönlichkeiten und Entscheidungen. Er war einer der bekanntesten Sportjournalisten Israels. 2018 stirbt er in Tel Aviv.
Bewertung
5/5
07.05.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Unfassbar
Diese Gesichte ist einfach unglaublich. Takis Würger erzählt sie so ungeschönt und ehrlich. Ich empfehle jedem und jeder dieses Buch zu lesen und Noah und allen anderen den Respekt zu erweisen und ihre Geschichte nicht in Vergessenheit geraten zu lassen!
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