1679. Mitten im Atlantik, auf der Insel St. Helena, träumt der achtjährige Angus einen großen Traum: Er will in die Fußstapfen des Sternenforschers Edmond Halley treten und dessen Gehilfe im fernen London werden. Angus übt für seine Laufbahn als Wissenschaftler, indem er tagsüber Vögel zählt und nachts die Position der Sterne markiert, wie Halley es ihm bei seinem Besuch auf der Insel beigebracht hat. Als es unter dem tyrannischen Gouverneur zu Unruhen kommt, rückt die Erfüllung von Angus' Traum unverhofft näher: Mit einem geheimen Brief wird er als blinder Passagier an Bord eines Schiffes geschickt, um in England die Hilfe des geschätzten Herrn Halley zu erbitten...
Ein außergewöhnlicher Roman über die Anfänge der Aufklärung und die berührende Freundschaft zwischen einem kleinen Jungen und einem großen Universalgelehrten.
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Das Aufblühen der Wissenschaft und die Begeisterung eines kleinen Jungen
Bewertung am 02.09.2022
Bewertungsnummer: 1778701
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Eine Hommage an die Wissbegierde, an das Lernen und die Forschung! In Olli Jalonens Roman "Die Himmelskugel" tauchen wir ein in das späte 17. Jahrhundert, die Anfänge der Aufklärung und vor allem in das Leben von Angus, einem zu Beginn siebenjährigen Jungen, der auf der Insel St. Helena lebt. Eines der einschneidensten Erlebnisse seines jungen Lebens ist wahrscheinlich die Zeit mit Herrn Edmond Halley, einem jungen Wissenschaftler, der auf St. Helena forscht und Angus immer wieder kleine Dinge lehrt, wie die Beobachtung der Sterne oder die Unterschiede zwischen den Vögeln. Herr Halley ist längst wieder abgereist, doch in Angus ist ein Feuer entfacht, er möchte werden wie sein großes Vorbild - mehr lernen und wissen, er lernt lesen, rechnen und schreiben, hauptsächlich vom Pastor der Insel. Doch es ziehen dunkle Zeiten auf, die Insel wird von einem kaltherzigen Gouverneur beherrscht und Gewalt, Gerüchte und Lügengeschichten lassen Angus immer weniger Zeit für seine Forschungen. Schließlich wird er als blinder Passagier auf ein Schiff geschleust, um Herrn Halley einen geheimen Brief, der über die Missstände auf der Insel aufklärt, zu überbringen. Angus begiebt sich auf das Abenteuer seines Lebens, das ihn von der kleinen Atlantikinsel St. Helena, bis ins verschneite London zurück zu Herrn Halley führt. Man muss dem Roman ein wenig Zeit geben, um Fahrt aufzunehmen, es ist keine unglaublich rasante Geschichte - aber eine, in die ich immer wieder gerne zurückgekehrt bin. Das liegt hauptsächlich an der tollen Erzählperspektive des jungen Angus, der gleichzeitig den Zeitgeist (das Aufblühen der Wissenschaften, die aber immer wieder mit dem Glauben in Konflikt gerät, sowie den Einfluss, den die Monarchie -der Hauptgeldgeber- auf die Forschungen hat), aber auch den kindlichen Blickwinkel auf diese aufregende Zeit wunderbar einfängt. Durch Angus Ehrgeiz und Begeisterung war ich selbst ganz beflügelt, mein eigenes Wissen zu erweitern - denn das war für mich eigentlich der Kern des Romans: Die pure Freude daran, Dingen auf den Grund zu gehen und einen zuvor mysteriös erscheinenden Umstand mit neu gewonnenem Wissen verstehen zu können.
Großartige Reise ins 17. Jahrhundert und zu den Anfängen der Wissenschaft
Lesendes Federvieh aus München am 17.04.2021
Bewertungsnummer: 1483307
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Dieser außergewöhnliche Roman wird aus der Sicht von Angus erzählt, einem intelligenten, wissbegierigen, aufgeweckten und liebenswerten Jungen. Die Geschichte wird getragen von Angus, man taucht ein in seine Welt, in seine Gedanken, seine Zielstrebigkeit, man spürt seine absolute Aufrichtigkeit, seinen Eifer und erlebt alles hautnah mit. Zu Beginn ist er etwa acht Jahre alt und berichtet ohne Wertung, was um ihn herum geschieht. In seinem kindlichen Verständnis ereignen sich die Dinge einfach, es ist so wie es ist. Mit zunehmendem Alter wandelt sich diese Sichtweise, er hinterfragt mehr und zieht eigene Schlüsse. Gerade diese Weiterentwicklung fand ich großartig geschildert. Durch die Art des Schreibens aus der Sicht eines Kindes kommen die gesellschaftlichen Unterschiede und Ungerechtigkeiten noch eindringlicher zur Geltung, es wird zum Teil nur angedeutet und so kann man sich den Rest selbst vorstellen. Genau das wirkt viel bedrückender und eindringlicher, als das Geschehen direkt zu benennen.
Gerade durch den klaren, ruhigen, pointierten und bildgewaltigen Schreibstil ist man von Beginn an auf der Insel dabei, man beobachtet etwa mit Angus hoch oben zwischen den Zweigen des Araukariebaumes die verschiedenen vorüberziehenden Vogelarten und nachts den funkelnden Sternenhimmel, später begleitet man ihn dann nach London. Der Alltag und das Leben auf St. Helena, auf dem Schiff sowie in London erschließen sich von Seite zu Seite immer deutlicher. Dabei sind die einzelnen Figuren so genau und plastisch skizziert, alles wirkte lebendig und authentisch.
Die Lebensbedingungen im 17. Jahrhundert, der meilenweite Graben zwischen Arm und Reich, werden detailliert geschildert. Ehrlich und ohne etwas zu beschönigen oder im Nachhinein zu glorifizieren. Es ist eine Zeit des Umbruchs, die Wissenschaft gewinnt immer mehr an Einfluss. So erfährt man sehr ausführlich über den Beginn der wissenschaftlichen Forschungen und ihrer Experimente. Hier benötigt man schon eine ruhige Leseecke, um ungestört diese Passagen wirken zu lassen.
Der Roman ist wirklich lesenswert und insgesamt so fesselnd, dass man auch über einige Längen, gerade im zweiten Teil während sich Angus in London befindet, hinwegsehen kann. Es hat mir große Freude bereitet, Angus ein Stück seines Lebensweges zu begleiten, eines Weges, der zeigt, dass Träume wahr werden können, wenn man den Mut behält.
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