14 Millionen Deutsche wurden gegen Ende des Zweiten Weltkriegs mit Gewalt aus ihrer Heimat vertrieben, über 2 Millionen von ihnen ermordet, mindestens 2 Millionen Frauen und Mädchen unter ihnen vergewaltigt. Die Thematisierung der Vertreibungsverbrechen gilt gesellschaftlich als Tabuthema - ebenso wie die Diskussion darüber, ob die alliierten Flächenbombardements mit 600000 Todesopfern Kriegsverbrechen waren. Der Großteil der zivilen Opfer war weiblich. Vergleichsweise wenig ist in der Wissenschaft über die Rolle der Frau im Nationalsozialismus geschrieben worden, so gut wie gar nichts über ihren Einsatz im Krieg. Dabei zwangen die Nazis, obwohl dies im Widerspruch zu ihrer eigenen Ideologie stand, beinahe jede deutsche Frau in den Kriegsdienst. Viele Millionen etwa schufteten als Rüstungsarbeiterinnen, 1,5 Millionen standen als Wehrmachtshelferin, Kriegshilfsdienstmaid oder Lazarettschwester mitten im Kriegsgeschehen. Frauen zitterten Nacht für Nacht in Luftschutzkellern um ihr Leben, wurden ausgebombt und verletzt, trauerten um ihre gefallenen Ehemänner. Sie waren auch die ersten Opfer der einrückenden Sowjetarmee, die keine Gnade mit ihnen kannte. Wenn sie das alles überlebt hatten, krochen sie am Ende auf Trümmern und räumten auf. Bis heute leiden diese Frauen an unverarbeiteten Kriegstraumata, für die sich zu wenige ihrer Nachkommen interessierten.
Nach dem Erfolg seines Buches Die verdammte Generation über die Stigmata, denen die letzten Soldaten des Zweiten Weltkrieges ausgesetzt waren, lässt Historiker Christian Hardinghaus nun 13 der letzten Zeitzeuginnen einer verratenen Generation sprechen, die erst von den Nazis, dann von alliierten Soldaten missbraucht worden sind und bis heute gesellschaftlich als vermeintliche Mittäterinnen eines Verbrecherregimes gebrandmarkt werden. In historisch umfassenden und mutigen Einleitungen widerlegt er Vorurteile und appelliert an ein Überdenken unserer Erinnerungskultur.
Kundinnen und Kunden meinen
4.9/5.0
Mareike Kollenbrandt
aus Jülich
5/5
24.01.2021
eBook (ePUB 3)
Ein Tabuthema: Vertreibungsverbrechen
Wenig ist über dieses Thema veröffentlicht worden, genauso wenig wird über die weibliche Seite des Zweiten Weltkrieges gesprochen. Hier kommen die Betroffenen zu Wort. 13 Zeitzeuginnen sprechen in Interviews über die die Grauen, die Frauen im diesem Krieg erlebt haben und darüber, wie es ist immer noch als Mittäter gebrandmarkt zu werden.
Teilweise ist der geschichtliche Kontext langatmig und an der ein oder anderen Stelle auch nicht so detailliert nötig. Die Tatsachenberichte sind allerdings wirklich hochinteressant und bringen dem Leser die damalige Zeit näher. Wir dürfen nicht vergessen, dass es kaum noch Zeitzeugen gibt, deshalb sind ihre Worte umso wertvoller.
Bewertung
aus Brandis
5/5
10.12.2020
eBook (ePUB 3)
Absolut lesenswert!
Stellvertretend für zig Millionen Menschen mit ähnlichen Erleben hat der Autor in zwei großen Kategorien ausgewählte Einzelschicksale zusammengefasst: Das Leid der Vertriebenen und das der Bombardierten. Beides sind belegte Tatsachen, deren Akzeptanz und Aufarbeitung Deutschland immer noch sehr schwer fällt. Beeindruckt hat mich bei diesem Buch vor allem die klar strukturierte, ausführliche und wertfreie Einleitung, ein sehr wichtiges und mutiges Statement, zu der – in Deutschland – sehr sensiblen Thematik! Gelungen ergänzt der Autor die Erlebensberichte durch weitergehende Erläuterungen bzw. Fakten, die jeweils durch einen Absatz erkennbar abgegrenzt sind. Abgerundet wird das Buch durch ausgewählte Fotos.
Da dieses Buch mich sehr angesprochen und beschäftigt hat, habe ich in der Diskussion mit anderen bereits das starke Interesse daran wahrgenommen – Gesprächsbedarf dazu ist also auch in den Folgegenerationen der Zeitzeugen definitiv vorhanden. Ich kann dieses Buch jedem Interessierten nur wärmstens empfehlen!!
HSL
5/5
31.07.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Mein Eindruck
Christian Hardinghaus studierte Geschichte, promovierte in Medien und Literaturwissenschaft im Bereich Propagandaforschung und ist seit 15 Jahren als freier Journalist tätig. Er widmet sich einem Thema, dass nicht gerne angesprochen wird und wenn dann nur über das Leid der Welt, aber nicht der Deutschen und Vertriebenen. Seine Bücher, so möchte ich behaupten sind sehr populär, da er insbesondere die letzten Zeitzeugen des 2. Weltkrieges zu Worte kommen lässt, deren Kummer und Elend kaum auf die Waagschale gelegt wird und auch bald versiegen wird. Ihr Leid, welches sie im Krieg ertragen mussten, war grausam und unrecht. Doch speziell ihnen wurde bis heute dieser Kummer aberkannt, weil sie Deutsche sind oder waren. Mein Verständnis bei aller Aufarbeitung von Schuld der Deutschen, geht nicht soweit, dass diese Kriegsverbrechen von uns Deutschen und in der Welt ausgeklammert werden. Doch nun haben sie endlich Gehör nach so vielen, vielen Jahren. Es ist fast zu viel Vertrauen was die gedemütigten Frauen dem Autor jetzt entgegen bringen um ihre schrecklichen Erlebnisse in der grausamen Zeit, die noch immer wie eingebrannt in ihnen ist, zu schildern. Auf welche Art und Weise ihre Vertreibung und Flucht geschah, muss der Welt offenbart werden, wie es auch kein Tabuthema im syrischen Krieg und wie die Misshandlungen in anderen kriegsführenden Ländern keines ist. Ob es damals die Bombenangriffe der Briten und Amerikaner (RAF) USAAF) am Ende des 2. Weltkrieges, mit dem sogenannten Feuersturm in Hamburg und die Zerstörung Dresdens waren, oder was es heißt vergewaltigt und schwanger im Dritten Reich gewesen zu sein. Die Misshandlungen und die unerbitterlichen Umstände sind in diesem Buch so hautnah beschrieben, dass es einem nur noch Entsetzen und Schrecken ins Gesicht bläst. Diese allgegenwärtige Angst vor dem Tod in jener längst vergangenen Zeit machen keinen Unterschied zu den heutigen Kriegsmetzeleien. Nicht nur die Welt hat gelitten sondern eben auch das deutsche Volk, mit der systematischen Bombenoffensive gegen Zivilpersonen und Einrichtungen in den größten deutschen Städten, die erst nach Kriegsende begonnen. Zu Recht oder zu Unrecht? Wie die Menschen diese furchtbaren Flächenbombardments, die nach heutigen Maßstäben völkerrechtlich als Kriegsverbrechen gewertet werden und wie diese Trümmerfrauen überhaupt überleben konnten, lässt der Autor durch seine Zeitzeuginnen hautnah miterleben. Auch meine Eltern und Großeltern waren Zeitzeugen und konnten mir ihr persönliches Leid für die Geschichtsschreibung weitergeben. Deshalb kann ich dieser Berichterstattung absoluten Nachdruck verleihen und niemand darf dieses Elend unter den Teppich kehren, nur weil es deutsche Frauen sind. Bei allem Friedenswillen den die Nato und die heutige deutsche Regierung verkünden, verstehe ich nicht die immer weiter steigenden Militärausgaben, die garantiert nicht den Weltfrieden sichern, sondern mich schon überlegen lassen, ob wir wieder die Marionetten von Kriegswilligen sind? Ehrfurcht gebietend erzählen die 13 Frauen dem Herrn Hardinghaus, wie eng Tod und Überleben nebeneinanderliegen. Eine schreckliche Zeit mit Schicksalen die bislang kaum untersucht wurden und auch nicht in Gedenktagen der Kriegsopfer von der Bundesregierung erwähnt werden. 75 Jahre nach dem 2.Weltkrieg gibt es immer wieder Kriegsgebiete, die Menschen in große Angst und Leid versetzen und das macht keinen Unterschied zu den heutigen oder damaligen Kriegsverbrechen, nur das sie heute anders bewertet werden. Manche Aussagen von den nachfolgenden Generationen ob im eigenen Land oder im Ausland – ihr hättet doch wissen müssen was da geschieht – ist wenn man nicht in dieser Zeit gelebt hat sehr naiv! Denn selbst in den Schulen werden manche Themen sehr einseitig behandelt und ich wünschte mir, dass es wie in diesem Buch aufgearbeitet würde. Andere Völker und Staaten gehen anders mit ihren Erinnerungen der Kriege um. Sie stehen auf, doch zur Aufarbeitung gehört auch das Loslassen, was den Deutschen nach 75 Jahren durch Einfluss der Alliierten nicht gelingt, denn der Zuständigkeitsbereich und die Verantwortlichen der Regierungen wollen vergangene Schuld nicht in Vergebung wandeln. Doch das Kriegstrauma ist bei den Frauen weiterhin stark präsent und es Wenige von den Nachkommen interessiert, sollte es endlich wie alle anderen Kriegsverbrechen in der Welt behandelt werden. Das Sachbuch fesselt in jeder Hinsicht und berichtet über das Geschehen unserer Geschichte, ohne die Schuld jeweils zu schmälern. Wir deutschen lassen uns nicht pauschal als Nazis bezeichnen ! Hören wir nun endlich zu, anstatt zu verdammen, das wird geschrieben in „ Die verdammte Generation“ auch von Christian Hardinghaus. Diese beiden Bücher widerlegen die derzeitige Historiografie und sind absolut beachtenswert, empfehlenswert und wichtig da man diese Aufklärung nicht in Geschichtsbüchern findet. Die Frage lautet: Wie konnten die Frauen und auch Soldaten diese Hölle überhaupt durchstehen? Diese Botschaft möchte ich mit auf dem Weg geben und hoffe das diese Bücher noch sehr, sehr viele Leser erreichen werden. Christian Hardinghaus knöpft hier endlich an, was längst überfällig war, nämlich, dass vom Kriegsleid der Deutschen berichtet wird und sie vom Generalverdacht befreit werden. Sodass vielleicht auch dem Deutschen das pauschale Schuldbewusstsein genommen wird, das sie oft so handlungsunfähig macht. Alles in allem eine absolute Pflichtlektüre mit mehr als einer fünf Sternebewertung. Dazu passt auch das Buch „1939-Der Krieg der viele Väter hatte“.
chuckipop
aus Bünde
5/5
01.02.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein erschütterndes und bewegendes Zeitzeugnis über die Frauen im zweiten Weltkrieg
"Die verratene Generation" von Christian Hardinghaus ist als Hardcover mit 336 Seiten im Oktober 2020 bei Europa Verlage erschienen.
Der Historiker Christian Hardinghaus hat hierfür Gespräche mit einigen Zeitzeuginnen geführt und die erlebten Geschichten von 13 Frauen wiedergegeben. Außerdem wird in diversen Passagen des Buches über Themen wie Vertreibung und Flächenbombardements berichtet bzw. erwägt, wie diese bewertet werden in der heutigen Gesellschaft und welche anderen Betrachtungsweisen möglich sind. Das Ganze ist sehr informativ und hochinteressant, ohne zu bewerten.
Insbesondere die Berichte der Zeitzeuginnen sind sehr bewegend und haben mich zumeist sehr erschüttert. Der Autor hat mit den einzelnen Zeitzeuginnen gesprochen und ihre Geschichten so wie sie sind wiedergegeben, ohne sie in irgendeiner Weise reißerisch aufzuarbeiten oder zu verschnörkeln. Und gerade das, die Erzählweise dieser Frauen, die natürlich eine gewisse Distanz zum Erlebten aufgebaut haben (wegen der langen Zeitspanne, in erster Linie aber natürlich, um selbst damit fertigzuwerden) und darum oft eher pragmatisch herüberkommen, macht es in meinen Augen so schlimm.
Der Leser erfährt von den Vertreibungen der Frauen aus dem Osten, den Vergewaltigungen, der ständigen Angst. Vom ständigen Abtauchen in die Luftschutzbunker, dem Gefühl, wenn der eigene Strassenzug in Schutt und Asche liegt, dem Ausgebombtsein usw.
Das Buch ist wirklich sehr gut zu lesen, interessant und vor allem unheimlich wichtig. Für mich war es zugleich ein Buch, das ich immer nur häppchenweise lesen konnte, da ich das Gelesene erst "verdauen" musste. Definitiv keine Lektüre zum schnellen Vergnügen, sondern ein beschäftigendes und nachhallendes Werk.
chuckipop
aus Bünde
5/5
26.01.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein erschütterndes und…
Ein erschütterndes und bewegendes Zeitzeugnis über die Frauen im zweiten Weltkrieg... "Die verratene Generation" von Christian Hardinghaus ist als Hardcover mit 336 Seiten im Oktober 2020 bei Europa Verlage erschienen. Der Historiker Christian Hardinghaus hat hierfür Gespräche mit einigen Zeitzeuginnen geführt und die erlebten Geschichten von 13 Frauen wiedergegeben. Außerdem wird in diversen Passagen des Buches über Themen wie Vertreibung und Flächenbombardements berichtet bzw. erwägt, wie diese bewertet werden in der heutigen Gesellschaft und welche anderen Betrachtungsweisen möglich sind. Das Ganze ist sehr informativ und hochinteressant, ohne zu bewerten. Insbesondere die Berichte der Zeitzeuginnen sind sehr bewegend und haben mich zumeist sehr erschüttert. Der Autor hat mit den einzelnen Zeitzeuginnen gesprochen und ihre Geschichten so wie sie sind wiedergegeben, ohne sie in irgendeiner Weise reißerisch aufzuarbeiten oder zu verschnörkeln. Und gerade das, die Erzählweise dieser Frauen, die natürlich eine gewisse Distanz zum Erlebten aufgebaut haben (wegen der langen Zeitspanne, in erster Linie aber natürlich, um selbst damit fertigzuwerden) und darum oft eher pragmatisch herüberkommen, macht es in meinen Augen so schlimm. Der Leser erfährt von den Vertreibungen der Frauen aus dem Osten, den Vergewaltigungen, der ständigen Angst. Vom ständigen Abtauchen in die Luftschutzbunker, dem Gefühl, wenn der eigene Strassenzug in Schutt und Asche liegt, dem Ausgebombtsein usw. Das Buch ist wirklich sehr gut zu lesen, interessant und vor allem unheimlich wichtig. Für mich war es zugleich ein Buch, das ich immer nur häppchenweise lesen konnte, da ich das Gelesene erst "verdauen" musste. Definitiv keine Lektüre zum schnellen Vergnügen, sondern ein beschäftigendes und nachhallendes Werk.
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