Vom taumelnden Glück eines Sonderlings: »Ein echter Maarten 't Hart.« Trouw Gabriel Pottjewijd ist bestürzt. Er ist nach Südholland gereist, um dort eine der letzten Garrels-Orgeln zu stimmen. Nun aber dröhnt die Schiffswerft, die Ankerketten klirren - und die der Unrast anheimgefallenen Städter machen Gabriel das Leben schwer. Allein die sonderbare Lanna steht ihm beim Stimmen geduldig zur Seite. Bis er anonyme Drohbriefe erhält, die auf ihre kratzbürstige Mutter Gracinha anspielen. Denn die hat schon ganz anderen den Kopf verdreht. Nach zehn Jahren Abstinenz erscheint nun endlich ein neuer Roman des ewig staunenden, ewig zweifelnden Meisters des skurril Poetischen. »Eine leichtherzige und emotionale Version der Geschichte, die Maarten 't Hart seit den siebziger Jahren mit Verve zu erzählen weiß: die des Außenseiters, der sich danach sehnt, in etwas Größeres einbezogen zu werden.« De Groene Amsterdammer »>Der Nachtstimmer< ist ein unbeschwerter 't Hart mit melancholischem Unterton, in dem sich die Extreme berühren und die Liebe zur Musik und zum Orgelbau auf jeder Seite spürbar ist.« De Telegraaf
Kundinnen und Kunden meinen
3.0/5.0
Kristall86
aus an der Nordseeküste
5/5
09.08.2021
eBook (ePUB 3)
Wenn die Stille schreit
!ein Lesehighlight 2021!
Klappentext:
„Eine Hafenstadt in Südholland, bevölkert von Misanthropen und Hinterwäldlern. Ein Orgelstimmer, der seine Arbeit nur in der Stille der Nacht verrichten kann. Und eine Furie von Frau, so schön wie furchteinflößend, die bereits ganz anderen den Kopf verdreht hat.
Der Orgelstimmer Gabriel Pottjewijd hat‘s nicht leicht! Arbeiten kann er am liebsten nur in der Nacht, wenn die Stille ihn umgibt und endlich das Gebrabbel der Menschen und deren immer aufkeimende Lärmerei endlich verstummt. Hat er doch eine so wichtige Aufgabe! Ohne Orgel keine Kirche! ’t Hart erzählt dem Leser nicht nur etwas über die besondere Aufgabe eines Orgelstimmers und wie diese generell funktioniert, nein, er nimmt uns mit an die Hand in seine kleine Welt in der Hafenstadt, in der es vor Menschenhassern nur so wimmelt. (Achtung, Ironie!) Was ist die Welt doch schlecht und böse! Mit enormen Feinsinn und Gespür erzählt er nicht nur die Zerrissenheit der Menschen sondern auch die ihrer Seelen. Die Lärmerei nimmt ’t Hart genau unter die Lupe und eröffnet dem Leser nicht nur absurdes sondern auch manchmal das Spiegelbild einer Generation selbst. Er nimmt Ironie und Humor in seine Worte die aber verstanden werden sollen, sonst hat der Leser hier keine Chance. Sein Sprachstil ist gehoben, kultiviert und strotzt nur so vor Metaphern. Auch hier kann ich nur mit Fug und Recht behaupten, das dem aufmerksamen Leser ein wahres Meisterwerk vor den Augen liegt, wenn man es verstehen kann und sich darauf einlässt. Ohne überheblich klingen zu wollen, aber hier bedarf es einer Leserschaft mit einem gewissen Intellekt und einer gewissen Auffassungsgabe. Einfaches lesen ist hier nicht machbar, hier geht es darum, die Worte von Marten ’t Hart zu entschlüsseln und wer dies erlangt, hat einen Hauptgewinn der Literatur. Er hat so ein Feinfühligkeit in seinen Worten, so eine Poesie, eine so große Arroganz und besondere Art, die Kirche genau zu beleuchten, eine Art Gefühle und Emotionen zu kidnappen und frei zu lassen, das es nur so kracht! Hätten Sie gedacht, das man böse Menschen mit einem Notenbuch in die Flucht schlagen kann? Oder das eine brasilianische Witwe mehr als nur Samba im Herzen trägt? Suchen Sie mal nach dem Sinn dahinter! Hier werden Sie definitiv mit einem Staunen ein Buch beenden, welches Sie so noch nie gelesen haben! Hier erleben wir ein Meisterwerk der Sprachkunst mit liebenswerten Charakteren, die einen enorm ans Herz wachsen und mit denen man in allen Facetten „leidet“.
Es war mein erster Roman von Marten ’t Hart und es wird definitiv nicht mein letzter sein! 5 von 5 Sterne!
Hans
aus Hamburg
5/5
03.07.2021
eBook (ePUB 3)
Schöner Roman und irgendwie fast ein Krimi
Nach mehreren Jahren gibt es wieder ein geniales Buch von Maarten 't Hart.
Die Geschichte ist spannend und es es gibt auch genug zum Schmunzeln.
Bewertung
5/5
04.07.2022
Buch (Taschenbuch)
Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da
Dieser Roman von Maarten t‘Hart ist etwas Besonderes. In einem kleinen Ort in Südholland kommt ein Orgelstimmer in die Stadtkirche. Da er das absolute Gehör besitzt, arbeitet er gerne in der Nacht. Und obwohl er meist allein ist, trifft er hin und wieder Menschen , die sein Leben verändern. In diesem Roman spielen klassische Musik und die Hingabe an ein Instrument eine große Rolle. Und auch die Liebe kommt an ihr Ziel. Schön, ungewöhnlich und klug - geniessen Sie die Lektüre.
Bories vom Berg
aus München
3/5
17.05.2025
Buch (Taschenbuch)
Schwachsinn im Buch der…
Schwachsinn im Buch der Bücher Der Roman des niederländischen Schriftstellers Marten ’t Hart mit dem seltsam anmutenden Titel «Der Nachtstimmer» ist sein bislang letztes, auf Deutsch erschienenes Buch. Der in Holland sehr beliebte Autor ist für seine originellen Themen und die unkonventionelle Art seines Erzählens bekannt. Er nimmt auch in diesem Roman kein Blatt vor den Mund, wenn er geradezu lustvoll Gesellschaft und Religion kritisiert, was in stoischer Beharrlichkeit zu oft komischen, den Lachmuskel strapazierenden Dialogen und Szenen führt. Der selbst Orgel spielende Schriftsteller dringt in diesem Porträt eines professionellen Stimmers von Kirchenorgeln tief ein in die konstruktiven Details und die akustischen Eigenschaften dieser riesigen, sehr besonderen Musikinstrumente. Zahlreich sind aber auch seine durchaus bereichernden erzählerischen Ausflüge in die klassische Musik, die im Roman als die definitiv einzig wahre Form von Musik bezeichnet wird. Gabriel Pottjewijd, der etwa fünfzigjährige Ich-Erzähler des Romans, reist im Auftrag seiner Firma in eine kleine Hafenstadt Südhollands, um dort eine der seltenen Garrels-Orgeln zu stimmen. Vor Ort muss er feststellen, dass die Kirche in unmittelbarer Nähe zu einer Schiffswerft liegt, aus der an allen Wochentagen ein Höllenlärm dringt, zu dem auch noch Geräusche aus dem lebhaften Betrieb im Hafen hinzukommen. Unter diesen Umständen ist ein Stimmen der Orgel beim besten Willen nicht möglich, er muss auf die Nacht ausweichen und auf Wochenenden, an denen der Betrieb ruht. Der Küster weist ihn darauf hin, dass meist ein junges Mädchen aus dem Ort als Helferin beim Stimmen fungiert, was die Arbeit erheblich erleichtert, weil sie mit großer Geduld stundenlang die jeweils gewünschten Töne anschlägt. Dadurch kann er sich in dem riesigen Instrument seiner zum Teil artistischen Arbeit widmen und muss nicht immer zur Tastatur zurück, um ein Bleigewicht auf die nächste Taste zu legen, deren Pfeife er jeweils anschließend stimmen will. Tatsächlich ist Sanna pünktlich zur Stelle, begleitet von ihrer brasilianischen Mutter Gracinha, der attraktiven Witwe eines Schlepper-Kapitäns, deren Schönheit den drögen Gabriel fast umhaut. Sanna wird von den Leuten als geistig zurückgeblieben bezeichnet, sie spricht kaum mal ein Wort, vor allem aber absolut kein Holländisch, obwohl sie es in der örtlichen Schule gelernt hat. Gabriel hält sie für sehr begabt, und als er mit seinem älteren Bruder telefoniert, der Kinderpsychiater ist, vermutet der per Ferndiagnose eine autistische Störung. Das sei typisch für hochbegabte und kontaktarme Menschen, könne sich bei ihr mit dem Älterwerden aber bessern oder auch total verschwinden. Die Mutter erweist sich von Anfang an als Femme fatal, atemberaubend schön, von allen Männern begehrt, andererseits ist sie aber auch eine wahre Xanthippe, oft schlechtgelaunt und aggressiv. Denn Gracinha hadert mit dem Schicksal, ihrem Mann in die triste holländische Hafenstadt mit dem immergleichen, schlechten Wetter gefolgt zu sein. Durch die Arbeit in der Kirche treffen sie sich nun täglich, und schon bald sagt sie Gabriel ganz unverblümt auf den Kopf zu, dass sie ihm ja wohl offensichtlich den Kopf verdreht habe, sie ihn aber keinesfalls sexy finde, er sei einfach nur ein stink-langweiliger Nerd. Und als er einen anonymen Drohbrief bekommt, jemand ihn in das Hafenbecken schubst und zu guter Letzt in der Kirche auf ihn geschossen wird, erweist er sich auch noch als ziemlicher Angsthase. Vordergründig wird in diesem in den 1980er Jahren spielenden Roman eine Liebesgeschichte voller Hindernisse erzählt, bei der sich Gefühl und Verstand diametral gegenüber stehen. Genau so steht auf der gesellschaftlichen Ebene eine dumpfe Fremden-Feindlichkeit dem frömmelnden Christentum entgegen. Der Autor rechnet in seiner umgangssprachlich üppig angereicherten Geschichte unverblümt mit der Bigotterie der Leute ab, wenn er seinen bibelfesten Protagonisten - erkennbar genüsslich - Schwachsinn und Widersprüche im Buch der Bücher darlegen lässt.
Bewertung
1/5
24.04.2023
Buch (Taschenbuch)
Der Nachtstimmer aka "Wie ein Mann das Mindeste leistet und deshalb die wunderschöne Frau bekommt"
Es ist schade, dass es aus Gründen des Sexismus ja leider nur der Begriff des "Pick-me-Girls" etabliert ist, denn hier haben wir es mit einem schlecht geschriebenen Roman über einen "Pick-me-Mann" zu tun. Denn der Kerl ist natürlich als die anderen. Er soll intellektuell in diesem Buch wirken, aber über pseudointellektuell kommt er nicht hinaus. Da er nicht wie alle anderen 1000 Männer in dem abgelegenen Dorf seine Sexfantasien sofort der wunderschönen Frau gegenüber äußert und die Tochter nicht die ganze Zeit beleidigt, hat er natürlich eine Chance bei der Mutter zu landen. Da er sich ja so toll kümmert.
Die "Handlung" des Buches dient vor allem dazu, das pseudointellektuelle Geschwafel, gespickt mit großen Portionen an Rassismus und Sexismus, zu platzieren. Dafür schämt sich der Protagonist nicht. Süffisant werden diese Gedanken sogar als wahrhaftig entschuldigt.
(Highlights: Die beiden signifikant auftretenden Frauen werden mit Tieren verglichen. Gleich mehrere Male. Die Mutter kann natürlich gut kochen und die Tochter besonders gut Anweisungen still und demütig befolgen. Herausstechende Merkmale ist die Schönheit der Mutter und Hässlichkeit der Tochter. Und wenn die Mutter nicht will, wartet man eben, bis man sich die Tochter nehmen kann. Da sie autistisch zu sein scheint, kann sie ja keine Widerworte geben).
Wer am Ende Hoffnung hat, dass der platte Blumenstrauß an -ismen hier ironisch aufgelöst wird, dem Protagonisten ein Spiegel vorgehalten hat oder es irgendeinen Grund gibt, warum diese Diskriminierungsformen reproduziert werden - Nein! Hier gilt es nur, eine armselige Geisteshaltung zur Schau zu stellen, die in dieser reinen Männerfantasie sogar zum Erfolg führt und die schöne, exotische Frau als Trophäe einbringt. (Sie wird als solche am Ende natürlich auch präsentiert.)
Das reicht schon aus, dieses Buch direkt in die Müllpresse zu werfen. Aber als i-Tüpfelchen ist es auch noch schlecht geschrieben. Die langen Passagen über den Orgelbau und das Stimmen des Instruments werden einfach in die Handlung geklatscht. Ganz ohne Bedeutung. Wer sich hier an einem Instrument in dem Detail abarbeitet und es nicht schafft, Parallelen zur Handlung zu ziehen (genau einmal wird das genutzt), stellt die eigene Unfähigkeit zur Schau.
Der Autor wird auch nicht müde, einige Beobachtungen immer wieder Seitenweise zu wiederholen, nur führt das nirgendwohin. Nicht mal auf eine falsche Fährte. Ach, da fällt mir ja ein, das Buch will plötzlich ein Krimi sein. Generell wurde im Themendiscounter einmal ein langer Arm genommen, um möglichst viele konservative Meinungen zu platzieren.
Bei dem fehlenden literarischen Geschick und der fehlenden ironischen Auflösung weigere ich mich, Autor und Romanfigur von einander zu trennen. Das Buch ist von einem alten weißen Mann für alte weiße Männer und der größte Scheiß, den ich jemals gelesen habe.
Kurze Frage zu unserer Seite
Vielen Dank für dein Feedback
Wir nutzen dein Feedback, um unsere Produktseiten zu verbessern. Bitte habe Verständnis, dass wir dir keine Rückmeldung geben können. Falls du Kontakt mit uns aufnehmen möchtest, kannst du dich aber gerne an unseren Kund*innenservice wenden.