Lucy ist wie so viele junge Frauen, die ihren Schulabschluss frisch in der Tasche haben und in die Städte dieser Welt ausströmen: neugierig, was die Zukunft wohl bringt, voll Hunger nach Leben, beflügelt – und auch ein bisschen überfordert.
Zwischen Uni und Nebenjob gibt sie sich in London dem Rausch der Großstadt hin, trifft sich mit Männern, tanzt die Nächte durch. Doch die Vergangenheit lässt sie nicht los: Die Trennung ihrer Eltern und die Herkunft aus der Working Class haben aus ihr einen vorsichtigen Menschen gemacht. Der pralle Alltag und die alles überstrahlende Euphorie fordern zudem ihren Tribut. Als Lucys Großvater stirbt, nutzt sie die Chance und steigt aus: In seinem Cottage an der irischen Küste betrachtet sie das Mosaik ihres Lebens und versucht herauszufinden, wo ihr Platz im Leben sein könnte.
Ein schillernder, sinnlicher und herzergreifend ehrlicher Roman über eine junge Frau in einer Welt voller Erwartungen und Begehrlichkeiten.
Kundinnen und Kunden meinen
4.2/5.0
Bewertung
aus Villach
5/5
23.07.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wow, was für ein Roman
Dieser Roman ist sehr besonders. Es ist ein Generationenroman und eine Coming of Age Geschichte.
Lucy ist nach dem Tod des Großvaters in dessen kleines Häuschen nach Irland gezogen und blickt zurück auf ihre gesamte Familie. Sie erzählt wie sich die Familie entwickelt hatte bis in die Gegenwart. Sie erzählt in kurzen Episoden von der Liebe ihrer Eltern zu Beginn deren Beziehung, vom Vater, der alkoholkrank wurde und tagelang verschwand, die Familie nicht wusste, wann er wieder auftaucht oder ob er überhaupt noch lebt. Vom dominierenden Großvater, von sich selbst und ihrer besonderen Beziehung zu ihrer Mutter, aber auch von den Überforderungen der Mutter mit dem jüngeren tauben Sohn und die Sorgen, um den Vater, wenn er wieder trank.
Was diesen Roman so sympathisch und interessant macht ist, dass es bei weitem keine „heile-Welt Familie“ ist. Die kurzen, sprunghaften Kapitel erwecken beim Lesen den Eindruck, dass es sich um Gedanken handelt, die Lucy durch den Kopf gehen, wenn sie am Fenster des Cottages steht und in die Natur sieht und Resümee über ihr bisheriges Leben zieht.
Gerade die Passagen, wenn es um die Mutter geht, die von Lucy einerseits bewundert wird und als Vorbild gilt, andererseits Lucy ihre Mutter in manchen Situationen nicht verstehen kann, haben mir besonders gut gefallen. Vielleicht auch deswegen, weil sie für mich so nachvollziehbar waren, wenn ich an mein eigenes Erwachsenwerden zurückdenke.
Ein Roman, der auf eine besondere und realistische Weise erzählt, dass das Leben nicht so funktioniert, wie man es sich ausmalt. Toller Erzählstil und auch die Stimmung im Buch hat mir sehr gefallen. Und jetzt bin ich hier hat mir wunderbare Lesestunden bereitet, hat mir echt gut gefallen.
Bewertung
aus Augsburg
4/5
03.02.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Zwischen Sprache und Distanz
"Und jetzt bin ich hier" von Jessica Andrews ist ein erstaunliches Werk, dass seinesgleichen sucht, aber - natürlich - nicht jeden Geschmack treffen kann.
Das auffälligste an dem Buch ist meiner Meinung nach eindeutig der Schreibstil. Die Sprache ist so nuanciert ausgewählt, jedes einzelne Wort sitzt perfekt, genau wo es soll. Das ist eine beachtliche Leistung und hebt das Buch definitiv von anderen Geschichten ab. Durch den Stil entwickelt sich auch eine ganz besondere Art von Sog, denn das Buch ist schnell und locker zu lesen, beißt sich dabei aber tief in den Gedanken der Leserschaft fest und lässt nicht mehr los. Man denkt immer wieder an das Gelesene zurück.
So wunderbar dieser Stil auch ist und wie sehr er von schriftstellerischem Talent zeugt, so groß waren leider für mich auch die Probleme der Emotionalität, die damit für mich einher gingen. Ich liebe diese Art Sprache, aber oftmals kann ich mich dann nicht in einer Geschichte fallen lassen und sie wirklich fühlen, mit den Protagonist:innen mitfühlen, lachen und weinen. Das war leider auch hier der Fall. Durch die sprachliche Gewandtheit hat sich für mich eine Barriere aufgebaut, durch die ich die Geschichte leider nur aus der Distanz betrachten konnte.
Insgesamt war das Buch daher nicht vollkommen mein persönlicher Geschmack, aber die Sprache, die Geschichte und ihre Entwicklung sprechen dennoch für sich. Außerdem muss an dieser Stelle auch die wundervoll gelunge Übersetzung hervorgehoben werden!
Der Medienblogger
4/5
30.07.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Fantastisch geschriebenes Werk voller feinfühlig formulierter Beobachtungen über die Suche nach sich selbst.
Selbstfindung ist ein populärer Zentralgedanke der zeitgenössischen Belletristik. Viele Autor*innen haben sich daran versucht, das Wort "ich" in seine Bestandteile auseinanderzunehmen, die eigene Identität zu entdecken und an ihr festzuhalten. Ist Persönlichkeit an Bedürfnisse, Verlangen und Ängste geknüpft? Wie stark prägen uns Mitmenschen im Handeln, Denken und Fühlen? Wer bin ich und was möchte ich erreichen? Dieser leicht umgewandelten Frage nach dem Sinn des Lebens widmet sich auch Jessica Andrews in ihrem Debütroman "Und jetzt bin ich hier".
Die englische Schriftstellerin hat einen charakterstarken, unvergleichlichen Schreibstil, durch den sie ihre große Beobachtungsgabe und ihr Fingerspitzengefühl für Nuancen und Details unter Beweis stellt. Die Stimme der Protagonistin klingt ehrlich, authentisch und ungefiltert. Sie nutzt geschickt grammatikalische Strukturen als Ausdruck für Zuneigung und dem Grad der persönlichen Nähe zu Figuren.
Der Text ist in zahlreiche, bruchstückhafte Mosaikteilchen gegliedert; die Kapitel beschäftigen sich mit je einer Assoziation, einem sinnlichen Eindruck oder einem bestimmten Verlangen. So gleicht das Buch teilweise mehr einer losen Aneinanderreihung epischer Anekdoten als einer konsequent fortlaufenden Handlung; es lädt zunächst eher zum Schmökern ein, als einen angenehmen Lesefluss zu ermöglichen. Es packte mich recht lange nicht und ich brauchte eine Weile, um mit dieser Struktur zurecht zu kommen.
Die Autorin zieht einen geschickten Kontrast zwischen der stets pulsierenden und hektischen Stadt London und der trägen Natur Irlands. Zudem laufen mehrere verschiedene Handlungsstränge parallel nebeneinander, sodass hier räumliche und zeitliche Ebenen aufeinanderprallen. Das ist sehr klug gemacht.
Lucys Suche nach sich selbst ist ein authentischer Ausgangspunkt für den Roman, und durch den ruhigen, bedachten Erzählstil fühlte ich mich als Leser, der gerade in einer ähnlichen Lebenssituation steckt, ernstgenommen. Die liebevolle Beziehung zwischen Mutter und Tochter ist ein rührender Dreh- und Angelpunkt des Werks, der eine der wenigen Konstanten sowohl in der Handlung als auch im Handeln der Protagonistin ist.
Ich finde, dass das Buch teilweise ein wenig stringenter auf ein Ziel hätte hinarbeiten können. Teilweise treibt die Protagonistin zu lange nur im Strudel des Lebens, und durchgeht keinen persönlichen Fortschritt. Dadurch bleibt sie dem Lesepublikum lange befremdlich fern. Hier hätte ich mir mehr Mut zum Ausbrechen aus gewohnten Parametern gewünscht, um uns mehr mit auf den Weg zu geben. "Und jetzt bin ich hier" ist oftmals weniger tiefgründig, als es hätte sein können.
Insgesamt ist es aber ein schönes, angenehm zu lesendes Buch, das in mir ein bestimmtes Gefühl in der Brust ausgelöst hat. Der Schreibstil ist sehr inspirierend, die Landschaften lösen in mir Kopfkino-Effekt aus. Ja, es wird nicht das gesamte Potenzial ausgeschöpft, aber für mich reicht es hier dennoch für eine kleine Leseempfehlung.
«Und jetzt bin ich hier»
ist ein fantastisch geschriebenes Werk voller feinfühlig formulierter Beobachtungen über die Suche nach sich selbst.
Sharon Baker
aus Mönchengladbach
4/5
22.06.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Stimmungsvoll, einnehmend und lebensecht ...
Lucy zieht sich nach dem Tod ihres Großvaters, in sein heruntergekommenes Cottage zurück und lässt ihr Leben Revue passieren. Was war sie über den Studienplatz in London glücklich, endlich entkommt sie der Kleinstadt ihrer Kindheit. Sie lässt die getrennten Eltern hinter sich, den taubstummen Bruder und diese Enge an Kleingeistigkeit. Denn sie weiß und bekommt es auch immer gesagt, dass sie zu Größerem bestimmt ist. Allerdings ist London nun doch eine Spur zu groß, zu schnell und hat Dimensionen, mit denen Lucy nicht sofort klar kommt. Aber Lucy schlägt sich durch, versucht, ihren Weg zu finden, um dann doch an einen Punkt zukommen, wo sie sich lieber nach der Einsamkeit sehnt und das Leben anhalten möchte. Wird sie nun an der Küste von Irland ihre Gedanken ordnen können? Was für eine trubelige Familie hat sie? Und findet sie in der Stille und Einsamkeit ihr Glück?
Das Buch ist mir erst gar nicht so ins Auge gefallen, aber nachdem ich einen leidenschaftlichen Beitrag einer Verlagsmitarbeiterin angehört hatte, musste ich es mir genauer anschauen. Außerdem finde ich das Cover einfach auch unglaublich toll gewählt und die Gedanken dieser jungen Frau wollte ich nun doch unbedingt kennenlernen. Nun habe ich es ruckzuck verschlungen und ob es mir gefallen hat, erzähle ich euch nun.
Jessica Andrews wählt eine sehr interessante Art und Weise der Erzählung, nämlich ganz kurze Kapitel, die eher das Gefühl von Gedanken, Erinnerungen und Stimmung wiedergeben, statt chronologisch zu berichten. Natürlich hat die Geschichte eine Chronologie, nur wird diese immer wieder unterbrochen und gibt Einblicke ins Jetzt. So fühlte ich mich zuerst etwas unsicher und überrumpelt, konnte mich nicht direkt zurechtfinden und gleichzeitig, mich aber auch den Sog an knappen Kapiteln und Emotionsgewaltigkeit nicht entziehen. Ihre Beschreibungen dieser Familie sind so hautnah, sie fühlen sich realistisch und echt an und man möchte einfach wissen, was passiert ist, wohin die Entwicklung geht und versucht alle Erzählstricke zu entwirren und für sich aufzureihen. Geschickt gemacht, auch wenn man sich manchmal auch immer wieder herausgerissen fühlt, um in die nächste Szene einzutauchen.
So lernen wir die Geschichte der Großeltern kennen, wie ihre Mutter aufgewachsen ist, wie diese ihren Vater kennenlernt und eine Familie gründet. Die Hochs und Tiefs dieser Ehe, von Alkohol und dem Leben in der Arbeiterklasse, wie es ist, als Mädchen heranzuwachsen und wie es ist, als erstes Kind, vom Zweiten abgelöst zu werden. Von Sorgen und Nöten ein behindertes Kind zu haben, unglückliche Eltern zu haben und das Auseinanderdriften derer mitzuerleben. Von Sommern in Irland, Tagträumen und das aller Hoffnungen auf Lucys Schultern gelastet werden. Und dann London, Freiheit, Hunger nach Leben und große Träume. Von der Erkenntnis, dort überfordert zu sein, zwischen Uni und Nebenjob zu jonglieren und sich ihrer Herkunft noch mehr bewusster zu sein, als je zu vor. Ein prall gefüllter Rucksack, den Lucy dabei hat und der für sie immer schwerer und schwerer wird. Bis sie die Chance nutzt und sich die Auszeit nimmt. Irland, das Haus ihres Großvaters, Erinnerungen an Sommern ihrer Kindheit und nun lange Spaziergänge und die Suche nach sich selbst.
Jessica Andrews beschreibt aber nicht nur Lucys Leben, sondern auch die Beziehung zu ihrer Mutter, denn diese Bindung ist ein wichtiger Teil in ihrem Leben. Zuerst gab es nämlich nur sie beide, sie haben sich festgehalten, verstanden und waren sich nah. Dann kam ihr Bruder und Lucy musste sich die Liebe teilen, die immer dünner wurde, da ihr Bruder mehr Aufmerksamkeit bekam. Dazu die ständige Sorge um den Vater und so sucht Lucy nach Liebe, Harmonie und echtem Familienfrieden. Erst als junge Frau versteht sie manches, kann Entscheidungen besser nachvollziehen und sich vieles neu bewusst werden. Sie ist nicht für das Scheitern ihrer Eltern verantwortlich, oder für ihr jetziges Leben, sondern sie muss ihr eignes Glück finden. Genau das fand ich ziemlich gut herausgearbeitet. Wie wir als Kinder nach Liebe greifen, manches nicht verstehen, die schuld falsch zuordnen und mit mancher Last aufwachsen. Wirklich sehr treffend, lebensecht und sehr gefühlvoll rübergebracht.
Und jetzt bin ich hier, beschreibt ein Leben, was viele vielleicht selber gut kennen, von Familie und dem eigenen Glück. Dazu ist es geschickt erzählt, mit leidenschaftlichen Emotionen und tiefen Einblicken in Lucys Gefühlswelt. Eine Geschichte, die mich fesseln und überraschen konnte, mit ihrer Poesie, ihrer rauen gewaltigen Sprache und doch dieser feinen Stimmung.
J. Kaiser
4/5
06.04.2020
eBook (ePUB 3)
Unterhaltend
Luca hat frisch ihren Schulabschluss in der Tasche. Sie ist eine von vielen jungen Frauen, die in die Städte dieser Welt ihr Glück versuchen. Neugierig auf das was die Zukunft wohl bringen mag. Nach Hunger im Leben beflügelt und doch sehr überfordert. Zwischen Uni und Nebenjob hat das Leben was zu bieten. Sie geniesst den Rausch der Grossstadt. Sie trifft sich mit Männern, tanzt die Nächte durch. Die Vergangenheit aber nagt an ihr. Diese lässt sich nicht los. Da ist die Trennung ihrer Eltern. Die Herkunft aus einer Working Class haben sie vorsichtig gemacht. Als der Grossvater stirbt, nutzt sie die Chance und steigt aus. In seinem Cottage an der irischen Küste betrachtet sie das Mosaik ihres Lebens. Hier ist eine sinnliche und herzergreifende Geschichte entstanden. Dies über eine junge Frau in einer Welt voller Erwartungen und mehr. Es ist eine emotionale und sinnliche Geschichte, welche man gelesen haben sollte.
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