Ein nie für die Augen anderer bestimmter Brief lässt Evan Hansen als engsten Freund eines toten Mitschülers erscheinen. Dem einsamen Evan eröffnet sich durch dieses Missverständnis die Chance seines Lebens: endlich dazuzugehören. Evan weiß natürlich, dass er falsch handelt, doch nun hat er plötzlich eine Aufgabe: Connors Andenken zu wahren und den Hintergründen seines Todes nachzuspüren. Alles, was er tun muss, ist weiter vorzugeben, Connor Murphy habe sich vor seinem Selbstmord allein ihm anvertraut. Plötzlich findet sich der unsicht- und unscheinbare Evan im Zentrum der Aufmerksamkeit. Sogar der des Mädchens seiner Träume – Connors Schwester.
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Wie weit darf eine Lüge gehen?
Patrick aus Plauen am 31.10.2022
Bewertungsnummer: 1816319
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Gefesselt von dem Song "You will be found" musste ich das Buch lesen. Den Film habe ich im Vorfeld nicht gesehen, auch waren mir weder Handlung des Buches noch des Flims/Musicals bekannt.
Evan Hansen leidet an Angstzuständen, er lebt mit seiner Mom in eher bescheidenen Verhältnissen allein. Sie arbeitet fiel und ist kaum für ihn da. Sein Therapeut gibt im die Aufgabe, Briefe an sich selbst zu schreiben - Dear Evan Hansen. Diesen Brief druckt Evan zu Beginn des neuen Schuljahres im Computerzimmer der Schule aus, wo ihn Connor Murphy findet, ein Junge, der augenscheinlich ebenso soziale Probleme hat wie Evan, gern handgreiflich wird, mit Drogen Kontakt hatte und allgemein weder von Mitschülern noch von der eigenen Familie sonderlich gemocht wird. Am folgenden Tag nimmt sich Connor das Leben und hat Evans Brief bei sich, in dem Evan selbst von einer Art Freundschaft zu sich selbst und einem Lebenszweck (Zoe, Connors Schwester) schreibt. Connors Eltern nehmen daraufhin an, dass Connor der Verfasser des Briefes ist und ihn an seinen vermeintlich besten Freund Evan Hansen schreiben wollte.
Nach und nach entspinnt sich daraus ein Konstrukt aus - teils ungewollten - Lügen, die Evan gegenüber der Familie Murphy erzählt, auch um sie zu beruhigen und ihnen ein gutes Bild des verstorbenen Sohnes und Bruders zu geben. Dennoch hadert Evan oft mit sich selbst, aber dann sprudeln neue GUTE Geschichten von Connor aus ihm heraus. Und die Frage bleibt: Wie weit darf eine Lüge gehen?
Ich habe das Buch in englischer Sprache gelesen und habe mit Evan genauso mitgefiebert wie mit Connor, dessen "Geist" gelegentlich berichtet, und auch Zoe, die mehr und mehr Gefühle für Evan entwickelt. An vielen Stellen habe ich mir einen anderen Ausgang des Buches gewünscht, freue mich aber trotzdem über die Botschaft und die Leitfrage: Lügen, damit es anderen gut geht; damit man ein gutes Bild eines vermeintlich schlechten Menschen zeichnet, um ihn in guter/ besserer Erinnerung zu erhalten? Eine Art Morphium für den Verlust eines Menschen, des Sohnes, des eigenen Bruders?
Lesenswert, wenn auch mit kleinen Abstrichen! Dennoch stimmt die Cover-Kritik: Man hört Evan Hansen im Buch seine Geschichte teils wahrhaft singen.
Obwohl ich Musicals eigentlich…
kleinbrina aus Köln am 05.02.2022
Bewertungsnummer: 2759214
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Obwohl ich Musicals eigentlich ganz gerne mag, habe ich tatsächlich weder den Film, noch das Musical zu „Dear Evan Hansen“ gesehen und bin somit komplett ohne große Erwartungen an das Buch heran gegangen. Dies ist auch ganz gut so, denn leider kommt das Buch nicht ganz ohne Schwächen aus. Die Geschichte selbst ist an sich ganz gut, denn „Dear Evan Hansen“ spricht viele wichtige Themen an, die selbst in der Gesellschaft häufig zu kurz kommen. Die Suche nach sich selbst, Mobbing, das Gefühl ein Außenseiter zu sein sind wichtige Themen, die besonders für Jugendliche enorm wichtig heutzutage sind. All das ist hier auch vorhanden und wird größtenteils gut thematisiert, das Problem ist jedoch, dass es mir teilweise leider doch an Tiefe gefehlt hat. „Dear Evan Hansen“ ist dabei schnell erzählt: Evan ist für seine Mitschüler ein absoluter Außenseiter und wird von niemanden wirklich ernst- oder wahrgenommen. Dies ändert sich allerdings, als seine Mitschüler glauben, dass er ein Freund von Connor war, einem Jungen an der Schule, der plötzlich verstorben ist. Grund dafür ist, dass Connor einen Brief in der Tasche hatte, der an Evan adressiert war. Was jedoch niemand weiß: Evan schreibt sich die Briefe selbst, um sich selbst Mut zuzusprechen und um seine Gedanken niederzuschreiben. Für Evan ist die Aufmerksamkeit mehr als unangenehm, da er mit Connor nicht befreundet war und nun dennoch so tun muss, als sei er es gewesen, damit er nicht wieder für andere Menschen unsichtbar wird, was jedoch immer mehr zum Problem für ihn wird. Positiv ist hier sicherlich, dass das Buch sehr viele Leser anspricht, die zu Schulzeiten ebenfalls Außenseiter sind oder waren und/oder mit Selbstzweifeln und mangelndem Selbstwertgefühl zu kämpfen hatten. So gut und wichtig die Themen auch heutzutage sind, so mittelmäßig sind diese hier teilweise umgesetzt, denn es fehlt den Figuren leider sehr an Tiefe und manche der Themen werden eher angekratzt, als wirklich behandelt. Trotzdem ist „Dear Evan Hansen“ alles andere als schlecht. Ich habe mir lediglich noch mehr Tiefe, mehr Einzigartigkeit und weniger Klischees gewünscht. Insgesamt ist „Dear Evan Hansen“ jedoch eine gute, wenn auch nicht überragende Geschichte, die wichtige Themen wie Selbstfindung, Selbstzweifel und Suizid anspricht, der es aber letztendlich deutlich an Tiefe gefehlt hat.
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