1933 flieht Ludwig aus Nazi-Deutschland nach Tel Aviv. Der hebräischen Sprache kaum mächtig, arbeitet er sich mit großer Energie und sonnigem Gemüt vom Orangenpflücker zum Prokuristen hoch. Gerade noch rechtzeitig holt er seine Eltern und Geschwister nach Palästina und rettet damit ihr Leben. Als er 1940 die schöne Hannah trifft und die beiden heiraten, zeichnet sich eine glückliche Zukunft ab. Doch persönliche Schicksalsschläge und die politische Unsicherheit im neu gegründeten Staat Israel lassen bei Ludwig und Hannah die Sehnsucht nach der deutschen Heimat wachsen. Zusammen mit Sohn Rafael kehren sie in ein Deutschland zurück, wo die Vorurteile gegen Juden keineswegs der Vergangenheit angehören ...
Kundinnen und Kunden meinen
4.1/5.0
kuddel
4/5
07.02.2021
eBook (ePUB 3)
Neuanfang in der Fremde
Ludwig und sein Bruder Heinrich sind rechtzeitig vor dem erstarkenden Naziregime ins britische Protektorat Palästina geflohen und versuchen voller Hoffnung, sich in diesem fremden Land ein neues Leben aufzubauen.
Es handelt sich hier um den zweiten Teil einer Familiensaga, der jedoch problemlos ohne Vorkenntnisse gelesen werden kann.
Die Brüder sind sehr verschieden: der ältere Heinrich hofft, bald nach Deutschland zurückkehren zu können, er vermisst die Heimat.
Ludwig möchte die Chancen, die das neue Land bietet, nutzen und für seine ganze Familie hier einen neuen Lebensmittelpunkt und eine Heimat schaffen. Ohne weitere Unterstützung erarbeitet er sich durch drei Jobs gleichzeitig einen kleinen Besitz außerhalb Tel Avivs und schafft es, die Eltern und Geschwister rechtzeitig nachzuholen.
Der Autor beschreibt hier über seine eigene Familiengeschichte, einige Nebenpersonen sind aber fiktiv. Das Ganze ist sehr umfangreich, aber doch unterhaltsam mit vielen geschichtlichen Fakten angereichert. So erlebt der Leser nicht nur Ludwigs beruflichen Werdegang und seine Familiengeschichte mit Liebe und Streit, sondern auch die Entstehung des jungen Staates Israel. Im letzten Teil des Buches tritt dies alles leider sehr gerafft auf, hier hätten es gerne ein paar Seiten mehr sein können.
Erzählt wird hauptsächlich aus der Perspektive Ludwigs als Ich-Erzähler, aber auch aus der Sicht seiner Frau Hannah und des Sohn Raffael wird einiges geschildert. Die Charaktere machen allesamt eine ziemliche Entwicklung durch, dabei passiert manches widersprüchliche, so wie es im echten Leben halt ist. Die Unsicherheit des Lebens durch Geldsorgen und Kriegsgeschehen sind dadurch gut verdeutlicht.
Mir gefiel das Buch sehr gut, den ersten Teil werde ich bestimmt noch lesen, bevor der letzte Teil der Trilogie erscheint, auf den ich mich schon freue.
Fazit:
Eine gute Unterhaltungslektüre, die die Geschichte einer Familie aber auch die des Landes Israel authentisch erzählt.
Bewertung
aus Straubenhardt
5/5
01.02.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Entwurzelte Juden suchen eine Heimat
Dieses Buch ist der zweite Band einer Romanreihe über Ludwig Seligmann, der in der Nazizeit als Jude in Deutschland verfolgt wurde und 1934 mit seinem Bruder Heinrich nach Israel auswanderte. Die Geschichte wurde von Ludwigs Sohn Rafael Seligmann geschrieben und basiert auf wahren Begebenheiten. Obwohl ich den 1. Band nicht gelesen habe, bin ich trotzdem sehr gut in die Handlung dieses Buch reingekommen.
Der Roman beginnt 1934, als Ludwig und Heinrich in Palästina ankommen und sich in Tel Aviv niederlassen. Da sie fleißig sind haben sie schon bald Arbeit: Heinrich eine feste Anstellung und Ludwig hält sich mit verschiedenen Jobs über Wasser, bevor er eine gute Stellung bei einem deutsch-jüdischen Kaufmann findet. Bald können beide ihre Eltern und Geschwister aus Deutschland nachholen und in Sicherheit vor der Judenverfolgung bringen.
Der unkomplizierte und optimistische Ludwig lernt die schöne Hannah kennen und verliebt sich in sie. Auch beruflich ist er erfolgreich und trotzdem wird Israel nicht richtig zu seiner Heimat, was sich auch daran zeigt, dass er kaum Hebräisch kann. Später verlässt ihn der Erfolg im Beruf und auch die Beziehung mit Hannah ist schwierig. Nach über 15 Jahren in Israel beschließen er und Hannah, mit ihrem Sohn Rafael in das Nachkriegsdeutschland zurückzukehren.
Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Die Geschichte von Ludwig und seiner Familie fand ich interessant und gut geschildert. Obwohl die meisten der Personen im Buch schwere Schicksale haben, ist der Erzählstil eher nüchtern und mit wenig Emotionen. Man erfährt, wie es den Menschen gegangen ist, die nach Verfolgung und Flucht in Israel eine neue Heimat suchten und wie viele sich schwertaten, diese zu finden. Informativ war auch, mitzubekommen, wie der Staat Israel entstanden ist. Für mich ist es ein Wunder, dass Menschen mit so verschiedenen Hintergründen und Prägungen, wie im Buch geschildert wird, einen funktionierenden Staat geschaffen haben. Insgesamt hat mich die Geschichte von Ludwig und Hannah sehr angesprochen. Ich finde, der Roman ist auch ein wichtiges Zeitdokument über die Vertreibung und Ermordung der Juden und die Entstehung des Staates Israel. Gespannt bin ich, wie es Ludwig und seiner Familie nach ihrer Rückkehr in Deutschland ergeht.
Buecherseele79
5/5
26.01.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein Neuanfang?
Ludwig und sein Bruder Heinrich Seligmann schaffen es 1934 nach Israel, direkt nach Tel Aviv. Als Juden waren sie in Hitler Deutschland nicht mehr geduldet, nun soll alles sich zum Besseren wenden. Während Ludwig frohen Mutes ist, bleibt Heinrich skeptisch und ohne Ambitionen, er will so schnel wie möglich nach Deutschland zurück. Die Familie Seligmann ist noch in Deutschland und beide Brüder versuchen Geld zu verdienen um die Familie zu holen. Ludwig trifft auf die schöne Hannah die ihn sofort fasziniert und verliebt sich Kopf über in sie. Doch die Geister des Krieges und der Vergangenheit lassen sich nicht aufhalten....
"Damals begriff ich noch nicht, das man Heimat nicht wie ein gebrauchtes Hemd wechseln kann. Durch unsere vertraute Muttersprache und die Traditionen waren wir unser Lebtag unentrinnbar mit Deutschland verbunden." (Seite 87)
Dies ist der zweite Band des Autors Rafae Seligmann. Er schreibt hier die Geschichte seiner jüdischen Familie auf, in diesem Buch speziell die über sein Eltern und seine Anfangszeit als Kind in Israel. Ich finde es mutig diesen Schritt zu versuchen, muss dem Autor aber meinen grossen Respekt aussprechen da ihm dies sehr gut gelungen ist.
Der bildhafte Schreibstil lässt einen Israel, speziell hier Tel Aviv näher kommen. Man ist am Hafen, man genießt die Sonne, das gute Essen die Cafés und das Leben in Tel Aviv. Gemeinsam mit den Brüdern Ludiwg und Heinrich ist man auf der Suche nach Wohnung, Job und einen neuen Lebensinhalt.
Denn recht schnell wird klar - die Familie Seligmann ist in Deutschland geboren, der Vater diente im Ersten Weltkrieg, sie sind Deutsche und einige von ihnen können mit diesen Anfeindungen von Hitler und seinen Schergen nicht umgehen. Verständlich, interessant und berührend umgesetzt, denn es ist schwer einen Baum neu umzupflanzen, dies wird hier gerade durch den Bruder Heinrich sehr deutlich.
Sympathien für die Familie Seligmann zu entwickeln wird dem Leser, auf Dauer, schwer fallen denn alle leiden unter den neuen Bedingungen, müssen einsehen dass sie Deutschland, ihre Heimat, verloren haben. Alleine der Vater konnte mich durchweg mit seinem wachen Geist und Humor begeistern. Aber lest selbst.
Hannah wird die neue Komponente im Hause Seligmann und in dem Leben von Ludwig. Hannah muss mit ihren eigenen Geistern der Vergangenheit leben und verschweigt gewisse Dinge. Als Leser erfährt man aber sehr genau was ihr widerfahren ist und manchmal geht das sehr nahe. Und gewisse Handlungen von Hannah, auch wenn sie hier und da an den Nerven ziehen, waren für mich nachvollziehbar.
Ebenso ein großer Pluspunkt des Buches - man erfährt nicht nur mehr über den Krieg in Deutschland und welche Gefühle es bei den geflohenen Juden auslöst sondern auch viel über den Krieg in Israel, der ja leider bis heute anhält. Warum kam es zu diesen Ausschreitungen? Wer ist hier der Hauptakteur? Wie hat sich der Rest der Welt hierzu verhalten? Wer stand auf welcher Seite? Welche Chancen hatten geflüchtete Juden in diesem Land?
Dies alles spielt wunderbar, gefühlvoll, realistisch und hier und da düster zusammen und gibt ein rundes Bild der Familie Seligmann ab. Man kann dieses Buch auch wunderbar lesen ohne den ersten Band zu kennen, wird aber automatisch neugierig und ich möchte den ersten Band noch kennenlernen und freue mich auf weitere Bände der Familie Seligmann. Ich spreche eine klare Leseempfehlung aus.
Bewertung
5/5
26.01.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
sehr interessant
Bei „ Hannah und Ludwig – Heimatlos in Tel Aviv“ von Rafael Seligmann handelt es sich um einen Roman.
Mit dem Wissen, dass es sich hier um die Familiengeschichte des Autors handelt, hat mich diese Geschichte noch mehr berührt . Im Anhang befinden sich noch Fotos von den Protagonisten. Dies gefällt mir immer sehr gut, da ich mir so während dem Lesen, das Aussehen der Menschen genau vorstellen kann und die Geschichte zu einer realen Geschichte wird.
Hier handelt es sich um den zweiten Band rundum Ludwig. Ich kenne Band eins leider nicht, hatte aber beim Einstieg in die Reihe keinerlei Probleme.
Der Schreibstil des Autors hat mir sehr zugesagt. Die Geschichte lässt sich sehr flüssig lesen und ist leicht verständlich.
Ich wurde von der ersten Seite an, an dieses Buch gefesselt. Die Erlebnisse, Gefühle, Gedanken der Hauptprotagonisten sind nachvollziehbar, werden sehr gut beschrieben, sodass ich mich sehr gut in sie hineinversetzen konnte.
Heimatlos in Tel Aviv. Aus Deutschland mussten sie fliehen, in Tel Aviv angekommen beginnt ein neues Leben in einem fremden Land. Diese Schwierigkeiten, innere Unzufriedenheit, Angst uvm. wird sehr realistisch beschrieben.
Der Autor beschreibt das Leben der Protagonisten in Israel , sowie das Kriegsgeschehen in Deutschland. Diese beiden Erzählstränge parallel zu lesen – sehr interessant.
Ich empfehle dieses Buch weiter.
Bewertung
aus Balve
5/5
05.01.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wichtiges Buch
Das Thema dieses Romans hat mich sehr interessiert. Ich habe bisher nicht viele biografische Bücher über die Auswanderung nach Israel gefunden. „Hannah und Ludwig“ von Rafael Seligmann zeigt ein Stück Familiengeschichte und ist ein Buch gegen das Vergessen der damaligen Zeit.
Zum Inhalt: Ludwig und sein Bruder Heinrich fliehen 1933 aus Nazi-Deutschland nach Tel Aviv. Ludwig schafft einen beruflichen Sprung in die Geschäftsführung eines Bekleidungsunternehmens. Es gelingt ihm, seine Eltern und Geschwister nachreisen zu lassen. Nach einigen Frauenbekanntschaften trifft er Hannah und heiratet sie. Das Leben hält viele Herausforderungen bereit und machen es Hannah und Ludwig nicht immer leicht. Dazu kommt die politische Situation in Israel. Nach der Geburt ihres Sohnes beschließt das Paar, die Rückkehr nach Deutschland.
Meine Meinung: Der Autor schildert seine Familiengeschichte eindringlich und verknüpft diese mit der politischen Situation in Europa und in Israel. Wie schwierig das Einleben für die eingewanderten Juden war und welche Herausforderungen sie meistern musste, hat mich beeindruckt. Der Text ist flüssig geschrieben und gut zu lesen. Allerdings hätte ich mir mehr Emotionen gewünscht. Der Text wirkt teilweise eher sehr sachlich, was vielleicht an der geringen Distanz des Autors liegt. Das Romanende war mir etwas abrupt, aber das macht den Reiz aus, sich auf einen möglichen weiteren Band zu freuen. Insgesamt hat mir Rafael Seligmanns Roman gut gefallen und ich gebe eine klare Leseempfehlung für dieses geschichtlich, wichtige Werk.
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