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Das Jahresbankett der Totengräber

5

26,00 €

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Beschreibung

Produktdetails

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

17.05.2021

Verlag

Hanser Berlin in Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG

Seitenzahl

480

Maße (L/B/H)

21,8/15/4,3 cm

Gewicht

660 g

Farbe

Anthrazit / Cool Grey

Auflage

4. Auflage

Originaltitel

Le Banquet annuel de la confrérie des fossoyeurs

Übersetzt von

Holger Fock + weitere

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-446-26934-7

Beschreibung

Produktdetails

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

17.05.2021

Verlag

Hanser Berlin in Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG

Seitenzahl

480

Maße (L/B/H)

21,8/15/4,3 cm

Gewicht

660 g

Farbe

Anthrazit / Cool Grey

Auflage

4. Auflage

Originaltitel

Le Banquet annuel de la confrérie des fossoyeurs

Übersetzt von

  • Holger Fock
  • Sabine Müller

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-446-26934-7

Herstelleradresse

Hanser Berlin
Lehrter Straße 57 Haus 4
10557 Berlin
DE

Email: info@hanser.de

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Geradezu revolutionär Der…

Bories vom Berg aus München am 20.08.2021

Bewertungsnummer: 2750088

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Geradezu revolutionär Der neue Roman des französischen Schriftstellers Mathias Énard mit dem burlesken Titel «Das Jahresbankett der Totengräber» ist ein bildungssattes Epos über das Leben auf dem Lande, in dem ein Anthropologe dessen spezifische Merkmale in einer Felduntersuchung für seine Doktorarbeit ergründen will, und gleichzeitig ist dies auch ein Werk über Leben und Tod. Hier ist es nun ausnahmsweise mal der letzte Satz, der, wie von Poe für den ersten apostrophiert, ‹oft die ganze Geschichte enthält›: «Ich startete den Motor, legte den ersten Gang ein, und wir fuhren los, den Planeten zu retten». Der Roman beginnt mit dem ersten Eintrag ins neue ethnografische Feldtagebuch, wo der Pariser Anthropologe David Mazon den Ort seines bescheidenen Quartiers in der französischen Provinz für seine Studien beziehungsreich «Das wilde Denken» tauft. Er will durch genaues Beobachten seiner Umgebung und mit Hilfe vieler Interviews Material sammeln, um damit eine bahnbrechende Monografie über das Landleben im 21ten Jahrhundert zu schreiben. Unerwartet und ungewollt gerät er jedoch immer weiter von der Position des distanzierten Beobachters in die Rolle des unmittelbar Beteiligten hinein. Er gewinnt neben den Erkenntnissen neue Freunde unter den Dörflern und fühlt sich in dem 500-Seelen-Kaff immer mehr zuhause. In sieben Kapiteln, von denen die äußeren in Tagebuchform verfasst sind, entwickelt Mathias Énard ein lebenspralles Panorama menschlicher Existenz, zu der als untrennbares Faktum der Tod gehört. Ihm wird im titelgebenden Mittelteil gehuldigt, das vom jährlichen Treffen der 99 Totengräber aus der Region zu ihrem zweitägigen, orgiastischen Fress- und Saufgelage berichtet. Die fortwährend neu aufgetischte, endlos scheinende Speisefolge wird öfter mal unterbrochen durch Redebeiträge einzelner Mitglieder der Zunft. In seiner Begrüßungsrede fordert der Großmeister die Gesellschaft auf: «Lasst uns, Freunde, über unser trauriges Schicksal nachsinnen und die Ärzte preisen, die für unser täglich Brot sorgen». Andere Redebeiträge berichten, mit Zitaten gespickt, aus der Mythologie, von Melusine oder Gargantua, aber es gibt auch Fachvorträge wie «Einführung in die Ökologie des Sarges». Und am Schluss dann steht, als letztes zelebriertes Ritual, «Fröhliches Trinken und warten auf den Tod». In barocker Fülle brennt Mathias Énard ein wahres Feuerwerk an skurrilen Ideen ab. Er fügt zwischen seine Kapitel jeweils eine als Chanson bezeichnete Vignette ein, mit Titeln wie «In den Kerkern von Nantes», «Klagelied des heiligen Nikolaus» oder, zuletzt, «Jean Petite muss tanzen», wo genüsslich eine satanische Hinrichtung beschrieben wird. Kommunikative Zentrale des Dorfes ist das ‹Anglercafé›, in dem man sich fast täglich trifft, für den Anthropologen eine hochwillkommene Quelle für seine Recherchen. Neben dem Wirt hält der Bürgermeister und örtliche Bestatter in Personalunion alle Fäden in der Hand. Davids bäuerliche Vermieter gehören ebenso zu den Gästen wie Max, ein durchgeknallter Künstler, der versoffene Pfarrer, die aufmüpfige Gemüsebäuerin Lucie oder der Metzger. Zeitlich reicht dieser mit Geschichten prall gefüllte Landroman von der Antike bis in die Zukunft. Da kommt zum Beispiel ein Wildschwein, das vorher der Pfarrer war, ins Bardo und wird Mitte des 21ten Jahrhunderts in einem apokalyptischen Szenarium als Dachs wiedergeboren. Denn alles, was da lebt, kehrt in neuer Gestalt irgendwann zurück ins Leben, - die buddhistische Idee der Reinkarnation feiert hier fröhliche Urständ. Damit erweitert der Autor äußerst kreativ und zum Thema passend seinen Erzählradius durch eine schöpferische Einbeziehung der Fauna in das sich jeder kurzen Zusammenfassung widersetzende, turbulente Geschehen. Er stellt den eher moralisierenden, aktuellen Landromanen mit ihrer drögen Zurück-ins Dorf-Botschaft eine vor Sprachlust vibrierende, vergnügliche und auch noch intellektuell hochstehende Alternative entgegen. Das ist geradezu revolutionär!

Geradezu revolutionär Der…

Bories vom Berg aus München am 20.08.2021
Bewertungsnummer: 2750088
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Geradezu revolutionär Der neue Roman des französischen Schriftstellers Mathias Énard mit dem burlesken Titel «Das Jahresbankett der Totengräber» ist ein bildungssattes Epos über das Leben auf dem Lande, in dem ein Anthropologe dessen spezifische Merkmale in einer Felduntersuchung für seine Doktorarbeit ergründen will, und gleichzeitig ist dies auch ein Werk über Leben und Tod. Hier ist es nun ausnahmsweise mal der letzte Satz, der, wie von Poe für den ersten apostrophiert, ‹oft die ganze Geschichte enthält›: «Ich startete den Motor, legte den ersten Gang ein, und wir fuhren los, den Planeten zu retten». Der Roman beginnt mit dem ersten Eintrag ins neue ethnografische Feldtagebuch, wo der Pariser Anthropologe David Mazon den Ort seines bescheidenen Quartiers in der französischen Provinz für seine Studien beziehungsreich «Das wilde Denken» tauft. Er will durch genaues Beobachten seiner Umgebung und mit Hilfe vieler Interviews Material sammeln, um damit eine bahnbrechende Monografie über das Landleben im 21ten Jahrhundert zu schreiben. Unerwartet und ungewollt gerät er jedoch immer weiter von der Position des distanzierten Beobachters in die Rolle des unmittelbar Beteiligten hinein. Er gewinnt neben den Erkenntnissen neue Freunde unter den Dörflern und fühlt sich in dem 500-Seelen-Kaff immer mehr zuhause. In sieben Kapiteln, von denen die äußeren in Tagebuchform verfasst sind, entwickelt Mathias Énard ein lebenspralles Panorama menschlicher Existenz, zu der als untrennbares Faktum der Tod gehört. Ihm wird im titelgebenden Mittelteil gehuldigt, das vom jährlichen Treffen der 99 Totengräber aus der Region zu ihrem zweitägigen, orgiastischen Fress- und Saufgelage berichtet. Die fortwährend neu aufgetischte, endlos scheinende Speisefolge wird öfter mal unterbrochen durch Redebeiträge einzelner Mitglieder der Zunft. In seiner Begrüßungsrede fordert der Großmeister die Gesellschaft auf: «Lasst uns, Freunde, über unser trauriges Schicksal nachsinnen und die Ärzte preisen, die für unser täglich Brot sorgen». Andere Redebeiträge berichten, mit Zitaten gespickt, aus der Mythologie, von Melusine oder Gargantua, aber es gibt auch Fachvorträge wie «Einführung in die Ökologie des Sarges». Und am Schluss dann steht, als letztes zelebriertes Ritual, «Fröhliches Trinken und warten auf den Tod». In barocker Fülle brennt Mathias Énard ein wahres Feuerwerk an skurrilen Ideen ab. Er fügt zwischen seine Kapitel jeweils eine als Chanson bezeichnete Vignette ein, mit Titeln wie «In den Kerkern von Nantes», «Klagelied des heiligen Nikolaus» oder, zuletzt, «Jean Petite muss tanzen», wo genüsslich eine satanische Hinrichtung beschrieben wird. Kommunikative Zentrale des Dorfes ist das ‹Anglercafé›, in dem man sich fast täglich trifft, für den Anthropologen eine hochwillkommene Quelle für seine Recherchen. Neben dem Wirt hält der Bürgermeister und örtliche Bestatter in Personalunion alle Fäden in der Hand. Davids bäuerliche Vermieter gehören ebenso zu den Gästen wie Max, ein durchgeknallter Künstler, der versoffene Pfarrer, die aufmüpfige Gemüsebäuerin Lucie oder der Metzger. Zeitlich reicht dieser mit Geschichten prall gefüllte Landroman von der Antike bis in die Zukunft. Da kommt zum Beispiel ein Wildschwein, das vorher der Pfarrer war, ins Bardo und wird Mitte des 21ten Jahrhunderts in einem apokalyptischen Szenarium als Dachs wiedergeboren. Denn alles, was da lebt, kehrt in neuer Gestalt irgendwann zurück ins Leben, - die buddhistische Idee der Reinkarnation feiert hier fröhliche Urständ. Damit erweitert der Autor äußerst kreativ und zum Thema passend seinen Erzählradius durch eine schöpferische Einbeziehung der Fauna in das sich jeder kurzen Zusammenfassung widersetzende, turbulente Geschehen. Er stellt den eher moralisierenden, aktuellen Landromanen mit ihrer drögen Zurück-ins Dorf-Botschaft eine vor Sprachlust vibrierende, vergnügliche und auch noch intellektuell hochstehende Alternative entgegen. Das ist geradezu revolutionär!

Üppige Kost

Bewertung am 24.07.2022

Bewertungsnummer: 1753257

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

…wird im neuen Buch des Franzosen Mathias Enard. Der knapp 30-jährige Anthropologe David Mazon zieht aufs Land um seine Dissertation zu verfassen. Die Idee dazu: Er will ein Grundlagenwerk über die Landbevölkerung verfassen, so beginnt er, sich mit diesen Studienobjekten auseinander zu setzen. Und je mehr er sich zu Studienzwecken mit diesen Dorfbewohnern einlässt, desto weniger gedeiht seine ambitionierte Doktorarbeit. Wir als Lesende werden mit all den mehr oder weniger beschriebenen Protagonisten und ihren Geschichten durch den Dorfkosmos geführt, ein Sammelsurium von Geschichten und Legenden. Wir erleben etwa, wie der Bürgermeister und Bestattungsunternemer ein opulentes Jahresbankett der Totengräber ausrichtet. Das ist ein Beispiel von vielen Erzählschlenkern, die uns Mathias Enard in diesem Roman zumutet. Er serviert ein reichhaltiges und schwer verdauliches Erzählbuffet voller literarischer Bezüge, mit lustigen Pointen und bewegenden Dorfdramen. Man geniesst lakonische Seitenhiebe auf den akademischen Dünkel, beißende Kritik an der Landwirtschaftspolitik Frankreichs und atmosphärische Beschreibung der Landschaft. Mitunter sehr anspruchsvoll, aber es macht richtig süchtig, den Eskapaden dieses gescheiten Fabulierskünstlers zu folgen. Es lohnt sich also das Buffet in Angriff zu nehmen…

Üppige Kost

Bewertung am 24.07.2022
Bewertungsnummer: 1753257
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

…wird im neuen Buch des Franzosen Mathias Enard. Der knapp 30-jährige Anthropologe David Mazon zieht aufs Land um seine Dissertation zu verfassen. Die Idee dazu: Er will ein Grundlagenwerk über die Landbevölkerung verfassen, so beginnt er, sich mit diesen Studienobjekten auseinander zu setzen. Und je mehr er sich zu Studienzwecken mit diesen Dorfbewohnern einlässt, desto weniger gedeiht seine ambitionierte Doktorarbeit. Wir als Lesende werden mit all den mehr oder weniger beschriebenen Protagonisten und ihren Geschichten durch den Dorfkosmos geführt, ein Sammelsurium von Geschichten und Legenden. Wir erleben etwa, wie der Bürgermeister und Bestattungsunternemer ein opulentes Jahresbankett der Totengräber ausrichtet. Das ist ein Beispiel von vielen Erzählschlenkern, die uns Mathias Enard in diesem Roman zumutet. Er serviert ein reichhaltiges und schwer verdauliches Erzählbuffet voller literarischer Bezüge, mit lustigen Pointen und bewegenden Dorfdramen. Man geniesst lakonische Seitenhiebe auf den akademischen Dünkel, beißende Kritik an der Landwirtschaftspolitik Frankreichs und atmosphärische Beschreibung der Landschaft. Mitunter sehr anspruchsvoll, aber es macht richtig süchtig, den Eskapaden dieses gescheiten Fabulierskünstlers zu folgen. Es lohnt sich also das Buffet in Angriff zu nehmen…

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Das Jahresbankett der Totengräber

von Mathias Enard

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