Ein Satz, der wie eine Selbstverständlichkeit klingt - "Ich bin Linus" -, doch er teilt sein Leben in ein Davor und Danach. Auf beeindruckende Weise erzählt Linus Giese, warum er einunddreißig Jahre alt werden musste, um laut auszusprechen, dass er ein Mann und trans ist und warum sein Leben heute vielleicht nicht einfacher, aber sehr viel glücklicher ist.
Eigentlich ahnt er es seit seinem sechsten Lebensjahr. Doch aus Sorge darüber, wie sein Umfeld reagieren könnte und weil ihm Begriffe wie trans, queer, nicht-binär fehlen, verschweigt Linus lange, wer er wirklich ist. Mit dem Satz "Ich bin Linus" beginnt im Sommer 2017 sein neues Leben, das endlich nicht mehr von Scham, sondern Befreiung geprägt ist. Offen erzählt Linus Giese von seiner zweiten Pubertät, euphorischen Gefühlen in der Herrenabteilung, beklemmenden Arztbesuchen, bürokratischen Hürden, Selbstzweifeln, Freundschaft und Solidarität, von der Macht der Sprache und digitaler Gewalt. Seit seinem Coming-Out engagiert sich Linus für die Rechte von trans Menschen. Vor allem im Netz, aber nicht nur dort, begegnet ihm seither immer wieder Hass. Doch Schweigen ist für ihn keine Option.
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Ein trans Mann erzählt von seinem bewegten Leben
Buechermango am 27.06.2022
Bewertungsnummer: 1737171
Bewertet: Hörbuch-Download
Zum Ende es Pridemonths habe ich mich noch mal mehr mit dem Thema trans Identität beschäftigt. Dafür habe ich Ich bin Linus von Linus Giese gehört, gelesen vom Autor. Das Hörbuch hat mir wirklich gut gefallen, es ist toll gesprochen und ich durfte einiges dazu lernen.
Linus ist 31 Jahre alt, als er sich spontan bei Facebook outet. Zu der Zeit hat er noch einen anderen Namen, der nie so richtig gepasst hat und vor allem trägt er viel Leid in sich. Er betont, dass es nie zu spät ist, sich zu sich selbst zu bekennen und dass es natürlich keine Altersgrenze gibt. Ein Punkt, über den ich mir bisher wenig Gedanken gemacht habe.
Linus Giese spricht in seinem Buch von seiner eigenen Geschichte. Es geht um seine Erlebnisse und Gefühle und diese kann man natürlich nicht über jede trans Person stülpen. Das benennt er auch immer wieder klar, aber natürlich gibt es trotzdem Dinge, die ganz allgemein gut zu wissen sind.
Es gibt in diesem Buch einen großen Teil über Sprache, der mich sehr begeistert hat. Da gehts dann zum Beispiel um die Kritik an der Aussage ’Er/Sie ist als Frau/Mann geboren’, oder auch die Benutzung des Deadnames. Auch hier gibt es natürlich persönliche Vorlieben und Bedürfnisse, aber gerade im öffentlichen Diskurs würde es absolut nicht schaden, sich ein bisschen mehr mit sensibler Sprache zu beschäftigen und gewisse Formulierungen einfach zu streichen.
Auch auf das Thema Dysphorie geht er ausführlich ein und gibt interessante Denkanstöße, die auf jeden Fall dafür gesorgt haben, dass ich mich noch mehr mit dem Thema beschäftigen möchte.
Mir haben aber vor allem die persönlichen Erfahrungen von Linus einen guten Einblick gegeben. Was für einen steilen Berg trans Menschen bezwingen müssen, um ein Indikationsschreiben für die Hormontherapie zu bekommen, oder die Erfahrungen, die sie teilweise mit Ärzt*innen machen.. Ist nichts neues, aber immer wieder erschreckend und traurig.
Alltägliche Dinge wie Shopping oder Dating sind für cis Menschen schon teilweise nicht ohne, trans Menschen machen da noch mal ganz eigene Erfahrungen. Ich bin immer wieder froh, wenn Menschen diese teilen und zeigen, wie viel noch zu tun ist. Linus Giese erzählt von all diesen Dingen sehr offen und nachvollziehbar. Er klärt auf, ohne erhobenen Zeigefinger und bringt zum Nachdenken.
Das Buch bietet aber noch einen besonderen Aspekt: Linus Giese steht in der Öffentlichkeit, spricht auf Social Media offen über sein Leben und das bringt nicht immer nur gutes mit. Er erzählt in seinem Buch viel von dem Hass, der ihm entgegen schlägt. Ich war zwischendurch immer wieder fassungslos und wütend, aber leider nicht überrascht. Auch über seine eigenen Gefühle spricht er sehr klar, vielleicht habe ich das ein oder andere Tränchen verdrückt.
Ich war so froh, auch immer wieder von positiven Begegnungen zu hören. Freundschaft kann einem Menschen in schwierigen Zeiten so viel geben und die Wärme und Hilfsbereitschaft, die ihm teilweise entgegengebracht wurden, hat mich sehr gerührt. Sowas kann aber natürlich auch Druck auslösen. Die Frage, wie viel man verlangen darf und das eigene Schamgefühl, stehen Linus hier noch häufig im Weg. Das alles war so nachvollziehbar und eindrücklich geschildert und es lässt mich immer wieder betroffen zurück, sowas zu hören.
Danke für dieses eindrückliche, bewegende und informative Buch Linus Giese. Deine schonungslose Ehrlichkeit wird geschätzt und dass du dich so verletzbar machst, ist nicht umsonst. Ich bin so froh, es endlich gehört zu haben und kann euch allen Buch oder Hörbuch nur empfehlen.
Linus' Reise zu seinem wirklichen Ich
Bewertung (Mitglied der Book Circle Community) am 11.06.2025
Bewertungsnummer: 2513333
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Linus beschreibt sehr ehrlich seinen Weg zu sich selbst. Er teilt seine Meilensteine, Höhepunkte, aber auch Tiefpunkte wie Hass und Anfeindungen. Sein Lebensweg ist persönlich und doch gibt es so viele Gemeinsamkeiten mit anderen, die ähnliches erlebt haben und auch jetzt gerade erleben.
Eines finde ich grossartig an diesem Buch: Linus persönliche Geschichte macht klar, dass sich nach einer Transition nicht einfach alle Probleme aus dem alten Leben in Luft auflösen. Vielmehr kommt ein ganzes Set neuer Herausforderungen hinzu. Diese fangen bei verständnislosen Verwandten, Behörden und Arztterminen an und enden mit fremden Personen, die einem aufgrund der blossen Existenz als Trans*Person Gewalt antun wollen. Ein unschönes Thema, das leider nach wie vor Realität ist.
Dieses Buch macht Menschen Mut, ihren eigenen Weg zu gehen. Linus gewährt uns Einblicke in sein Leben, zeigt sich verletzlich und menschlich. Ein guter Ansatzpunkt für mehr Toleranz durch Verständnis für Trans*Person.
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