Von der Gewalt der Vergangenheit und der Liebe der Gegenwart
Wenn Nike ihre Wohnung in Berlin-Mitte verlässt, muss sie am Stolperstein ihrer Urgroßmutter vorbei. Nike ist als Jüdin in Ostberlin aufgewachsen, jede Straße trägt Erinnerung, auch schmerzhafte. Als sie ein Jobangebot in Tel Aviv bekommt, nimmt sie an. Dort trifft sie Noam, er ist Journalist, seine Geschichte ist tief und komplex. Nike lässt ihn in ihr Leben, als ersten Mann seit Jahren. Doch zwischen ihr und Noam steht Noams Onkel Asher. Der ist vereinnahmend und brutal und setzt alles daran, dass Nike aus Noams Leben verschwindet. Furchtlos und berührend erzählt Mirna Funk von der Gewalt, die in Nikes und Noams Familiengeschichten steckt. Wie leben sie mit ihren individuellen Bruchstellen? Und wie können sie einander lieben?
Kundinnen und Kunden meinen
3.6/5.0
frau.gedankenreich
5/5
14.05.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Schwierig, aber auch ungemein wertvoll
Mirna Funk erzählt von zwei Menschen, die Ballast mit sich herumtragen. Die sich nicht darüber definieren zu gefallen. Die im Inneren etwas zerstört sind und trotzdem noch Hoffnung haben. Sie erzählt von toxischen Beziehungen, Missbrauch, Gewalt, von Aufbruch, Selbstfindung und den Bruchstellen einer Weltreligion, von tiefen Wunden und davon, dass die Traumatas anderer manchmal zu unseren eigenen werden können.
Ein Buch mit einem harten Kern, andem sich manche sicherlich die Zähne ausbeißen werden. Ich komme mit schweren Büchern gut zurecht, oftmals sogar besser als mit lockerer Unterhaltungsliteratur. Nicht weil ich Unterhaltungsliteratur nicht mag, sondern weil sie mich auf lange Sicht nicht weiterbringt. Ich möchte niemand sein, dessen Entwicklung auf Stillstand steht und Bücher haben einen großen Anteil daran, meinen Verstand wach zu halten und ja, mich je nach ihrer Thematik sogar ein Stück weit zu heilen. "Zwischen Du u. Ich" hat mir all das gegeben und mehr. Es hat inhaltliche Lücken und am Ende wird nicht jede Frage beantwortet; ob das gefällt oder nicht, muss man für sich selbst herausfinden. Ein schwieriges Buch, aber eben auch ungemein wertvoll.
Lesendes Federvieh
aus München
4/5
14.05.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Packendes, forderndes und hochemotionales Stück Literatur
Das Einzigartige an diesem Roman ist die unerschrockene, direkte und gleichzeitig sensible Art der Autorin mit schweren Themen umzugehen. Es ist ein unbequemes Buch, weil man nicht einfach wegschauen kann und genau das hat mir so gut gefallen. Man muss sich einlassen auf Traumata - entstanden im Hier und Jetzt sowie in der Vergangenheit und auf eine komplizierte Liebesgeschichte zwischen zwei Menschen, die großen Ballast mit sich herumtragen.
Mirna Funk erzählt diese mitreißende und hochemotionale Geschichte abwechselnd aus der Sicht von Nike und Noam. Bei beiden haben sich Erfahrungen von körperlicher Gewalt tief in ihre Seelen eingebrannt. Doch trotz aller Vertrautheit ist es schwierig, den Panzer des anderen zu knacken, zu stark sind sie mit der Aufarbeitung der eigenen Erlebnisse beschäftigt. Diesen Weg mit den beiden zu gehen war nicht immer einfach. Das liegt zum einen an einigen heftigen Szenen (die aber genau so sein mussten), bei denen man nicht zartbesaitet sein sollte, zum anderen an den recht sperrigen Charakteren, zu denen man im Laufe der Geschichte immer besser Zugang findet, obwohl mir das bei Noam wirklich schwer fiel.
Genau das lässt diesen Roman so authentisch und lebendig wirken. Sie beschönigt nichts und schreibt direkt und unverblümt über Missstände in unserer modernen Gesellschaft, achtet jedoch darauf, die Gräueltaten der Vergangenheit nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Gleichzeitig lässt sie immer wieder die interessante Frage durchblicken, in wieweit Traumata vorangegangener Generationen das Leben ihrer Nachkommen bestimmen könnten. Dabei entfaltet sich eine Sogwirkung, derer ich mich nicht entziehen konnte und wollte. Zudem erfährt man einiges über jüdisches Leben hierzulande und auch in Tel Aviv. Ebenso grandios geradeheraus geschildert und eindrucksvoll dargestellt.
„Zwischen Du und Ich“ ist ein faszinierendes und wahnsinnig gut geschriebenes Buch, das mich von der ersten Seite an gepackt hat. Man muss, nein, darf es sich erarbeiten, um alle Feinheiten auch wirklich zu entdecken - und es arbeitet auch noch nach dem Lesen lange nach.
J. Kaiser
4/5
24.02.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Informativ
Klapptext: Wenn Nike ihre Wohnung in Berlin-Mitte verlässt, muss sie am Stolperstein ihrer Urgroßmutter vorbei. Nike ist als Jüdin in Ostberlin aufgewachsen, jede Straße trägt Erinnerung, auch schmerzhafte. Als sie ein Jobangebot in Tel Aviv bekommt, nimmt sie an. Dort trifft sie Noam, er ist Journalist, seine Geschichte ist tief und komplex. Nike lässt ihn in ihr Leben, als ersten Mann seit Jahren. Doch zwischen ihr und Noam steht Noams Onkel Asher. Der ist vereinnahmend und brutal und setzt alles daran, dass Nike aus Noams Leben verschwindet.
Fazit: Die Geschichte führt den Leser von Berlin nach Tel Aviv. Die Geschichte handelt von Gewalt in der Vergangenheit und einer Liebe in der Gegenwart. Nikes bewohnt das Haus, in dem schon ihre Urgrossmutter lebte. Sie muss jeden Tag an dem Stolperstein vorbei der für sie gesetzt wurde. Noams Leben spielt sich in Tel Aviv ab. Als Nikes das Job Angebot erhält nach Tel Aviv zu gehen überlegt sie nicht lange. Das Buch zeigt die Bruchstellen der beiden auf. Ich fand das Buch sehr gut. Die beiden verschiedenen Familiengeschichten sind sehr real. Das Buch kann ich sehr empfehlen.
Miss.mesmerized
4/5
24.02.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Mirna Funk - Zwischen Du und Ich
Eine böse Erinnerung und plötzlich die Chance zur Flucht: Nike kann für ein Jahr ihre Arbeit beim DAAD statt in Berlin von Tel Aviv aus erledigen. Dort plant die Judaistin eine Konferenz und da sie die Voraussetzungen zur Alija erfüllt, kann sie auch problemlos in das Land am Mittelmeer übersiedeln. Die ersten Tage sind hart, doch dann lernt sie Noam kennen, der ebenso wie sie gerade einen beruflichen Schlussstrich gezogen hat. Doch sie haben noch mehr gemeinsam: Erfahrungen von Gewalt und Vertrauensmissbrauch haben sie geprägt und machen funktionierende Beziehungen nahezu zu einem Ding der Unmöglichkeit. Zwei verwandte Seelen, die wissen, wie man mit Verletzungen umgehen muss und an welchem Punkt man lieber keine weiteren Fragen stellen sollte. Aber können die beiden so einfach überwinden, was sie seit Jahren verfolgt?
Die Journalistin Mirna Funk lässt den Leser lange im Dunkeln, was es genau ist, das die beiden Protagonisten so hat werden lassen, wie man sie kennenlernt. Damit einher geht die Illusion, dass es ein Happy-End geben könnte, dass ein Neuanfang ohne Ballast möglich sei und man schlimme Erlebnisse überwinden und hinter sich lassen könnte. Doch der Rahmen, den die Autorin in ihrem zweiten Roman setzt, ist noch viel größer: nicht nur die Erlebnisse von Nike und Noam haben Spuren bei diesen hinterlassen, sie tragen auch noch den Ballast der älteren Generationen mit sich, als Enkelkinder von Holocaust-Überlebenden lastet zusätzlich die Geschichte auf ihren Schultern.
Nike und Noam werden zunächst nacheinander vorgestellt und könnten eigentlich verschiedener kaum sein: die Berliner Mitt-30erin, die beruflich mit beiden Beinen auf der Erde steht, aber emotional ins Wanken gerät, als sie zufällig ihrem Ex-Freund begegnet und sich dann entscheidet, einen Neuanfang zu wagen. Einfach so in ein Land zu ziehen, das sie noch nie besucht hat, erfordert Mut und Tatendrang – doch schon kurz nach ihrer Ankunft werden alte Wunden wieder aufgerissen und man erfährt, was sie eigentlich gedanklich zurück in Deutschland lassen wollte.
So sympathisch Nike erscheint, so unsympathisch wirkt Noam von Beginn an auf mich. Ein völlig überhöhtes Ego, sein rücksichtloser Umgang mit Frauen und eine Art Jagdinstinkt, der ihn auf Nikes Spur leitet, lässt Schlimmes befürchten. Doch die Begegnung scheint in ihm etwas Anderes auszulösen, er kann sich zu dem Partner entwickeln, der er eigentlich immer sein wollte: verständnisvoll, das Positive sehend und die eigenen Bedürfnisse zurückstellen.
Wird jedoch der Mechanismus erst einmal in Gang gesetzt, lässt sich das Unglück nicht mehr aufhalten. Als Leser ahnt man, was geschehen wird, welches Ende es nehmen wird und hofft doch, dass irgendein Hindernis alles aufhalten könnte. Die Spirale der Gewalt dreht sich und es bleibt letztlich nur noch die Frage, wie schlimm die Verwüstung sein wird, die diese anrichtet.
Kein Wohlfühlroman, eher einer, der eine Triggerwarnung verdient hätte, da so manch ein Leser mit ähnlichen Erfahrungen hier an eigene Erlebnisse erinnert werden könnte. Nichtsdestotrotz eine lesenswerte Geschichte, da es der Autorin hervorragend gelingt, zum einen Dynamiken in der Interaktion aufzuzeigen, die unweigerlich zu einer Eskalation führen und sie ebenso ein toxisches Männlichkeitsbild mit seinen ganz eigenen Regeln vorführt, das jedoch auch seine Gründe hat – die jedoch zum keinem Zeitpunkt als Entschuldigung herangezogen werden. Spannend fand ich die im Roman aufgerissene Frage, inwieweit Kinder die Erlebnisse der Eltern ebenso verinnerlichen und diese auch ihr Leben bestimmen. Erzählerisch überzeugend und thematisch ganz sicher einer DER Romane der Gegenwart.
Juti
aus HD
3/5
26.02.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Was bleibt von Israel vor dem…
Was bleibt von Israel vor dem 7.10.23? Die Autorin beschreibt das Leben einer Berlinerin, die nach Israel auswandert und dort eine Beziehung mit einem 40jährigen eingeht. Ändert der 7.10. etwas an diesem Buch? Ich würde sagen: „Nein!“ Klar ist nun das Alltagsleben in Israel ein anderes. Aber Gewalt gegen Frauen wird es weiterhin geben. Mich hat diese Gewalt abgestoßen. Ich fühlte mich in ein orientalisches Land versetzt. Und warum wird Noams Penis immer hart. Ich hätte mir da gerne etwas Abwechselung gewünscht wie etwa Nudel oder, oder… Ich mag es nicht ausführen. 3 Sterne für ein unterhaltsames Buch.
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