Menschen verfügen über ein plastisches, zeitlebens lernfähiges Gehirn und müssen erst herausfinden, worauf es im Leben ankommt. Deshalb sind und bleiben wir Suchende. Aber allzu leicht können wir uns auf der Suche nach einem glücklichen und sinnerfüllten Leben auch verirren, als Einzelne ebenso wie als ganze Gesellschaft. Sobald wir zu spüren beginnen, dass wir auf Abwege geraten sind, bekommen wir Angst. Und das ist gut so. Die Angst ist unser wachsamster Begleiter. Sie ermöglicht es uns, aus Fehlern zu lernen. Ohne Angst können wir nicht leben. Mit seiner langjährigen Erfahrung auf dem Gebiet der Angstforschung geht der Neurobiologe Gerald Hüther in diesem Buch der Frage nach, wie sich diese, unser Leben schützende Funktion der Angst mit unserer Sehnsucht nach einem angstfreien Leben vereinbaren lässt. Seine überraschende Antwort: Menschen können auch lernen, berechtigte Ängste zu ignorieren. Sie können sogar die Erfahrung machen, dass sich eine tief in ihnen spürbare Angst durch eine andere, vordergründig ausgelöste und besser kontrollierbare Angst überlagern lässt. Um bestimmte Ziele zu erreichen, sind wir Menschen in der Lage, Angst sowohl zu unterdrücken wie auch zu verstärken - nicht nur bei uns selbst, sondern noch viel wirkmächtiger bei anderen. Das Schüren oder Beschwichtigen von Angst ist also gezielt zur Durchsetzung eigener Interessen und Absichten einsetzbar. Diese Instrumentalisierung der Angst macht Menschen abhängig und manipulierbar, beraubt sie ihrer Freiheit. Entsprechend beschreibt Gerald Hüther auch nicht, wie wir uns von der Angst befreien, sondern was wir tun können, um nicht zu Getriebenen der von anderen oder Interessengruppen geschürten Ängste zu werden.
Gerald Hüther zählt zu den bekanntesten Hirnforschern im deutschsprachigen Raum, ist Autor zahlreicher (populär-)wissenschaftlicher Publikationen und Vorstand der Akademie für Potentialentfaltung.
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Sehr empfehlenswert
Bewertung aus Detligen am 28.02.2021
Bewertungsnummer: 1435896
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Wie alles aus der Feder von Gerhart Hüther, ist dieses Buch sehr lesenswert. Die Angst - sehr anschaulich erklärt, zeigt der Autor nicht nur die Ursachen sondern auch Wege, wie wir mit diesem oft lähmenden Gefühl umgehen können.
Fundierte fachliche, leicht verständliche Erklärung, wie die Angst funktioniert
Bewertung aus Oberursel am 28.02.2021
Bewertungsnummer: 1398491
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Gerald Hüther ist renommierter Neurobiologe und Autor und hat speziell auf dem Gebiet der Hirnentwicklungsstörungen geforscht.
Mir war er tatsächlich aus diversen Vorträgen zum Thema Angst bekannt, und so habe ich mich gefreut, als ich vor kurzem dieses Büchlein geschenkt bekommen habe. Büchlein, denn es ist leider nur 127 Seiten stark. Hüther schafft es, komplizierte Zusammenhänge auch für interessierte Laien verständlich darzustellen (das nennt sich dann populärwissenschaftliches Erklären ), und das tut er auch in diesem Buch brilliant.
Ja, Thema Angst – das ist das Thema unseres Jahres 2020, dem Corona-Jahr, und egal wie man zu dem Thema auch stehen mag und was man dazu denkt, das grosse Thema ist die Angst. Angst vor dem Virus, Angst vor dem Tod, Angst vor lebensverändernden Massnahmen – egal was, die Angst geht um, und zwar im grossen Stil. Hüther erklärt hier, was genau Angst eigentlich ist. Wie sie funktioniert. Wieso sie so funktioniert, wie sie eben funktioniert. Er erklärt die Stressreaktionen des Körpers, und die, ich nenne es mal, Anatomie der Angst. Denn die Angst per se ist nicht verkehrt, wir brauchen sie zum Überleben. Die Sache ist halt nur, wie wir damit umgehen, und ob wir uns von ihr beherrschen lassen. Im Vorwort schreibt der Autor, sein Buch ist „der Versuch, zu verstehen und gemeinsam mit Ihnen herauszufinden, was uns wirklich Angst macht, wie die Angst unser Denken, Fühlen und Handeln verändert, und was uns helfen kann, gar nicht erst in den Würgegriff der Angst zu geraten oder (…) uns möglichst schnell wieder aus ihrem Zugriff zu befreien.“
Meiner Ansicht nach ist ihm das gelungen. Ich fand es sehr interessant zu lesen. Und nein, es ist kein „Corona-Buch“, wie man vielleicht jetzt meinen könnte, es wird an ganz wenigen Stellen auf das aktuelle Geschehen explizit Bezug genommen, aber es ist eine sehr spannende Lektüre für alle, die wissen wollen, wie es kommt, dass die Angst uns gerade so sehr regiert.
Es geht generell um die allzeit gültigen Mechanismen der Instrumentalisierung der Angst, die die Menschen – egal ob im grossen oder kleinem – abhängig und manipulierbar macht. Und wie man wieder einen Weg daraus hinaus findet. Und das ist, wie der Titel des Buches sagt, immer damit verbunden, dass wir einsehen, dass das Leben nicht 100 -%ig planbar ist. Das Leben ist unvorhersehbar. Das müssen wir akzeptieren. Man kann nicht alles kontrollieren. Aber genau das ist das Leben. Das ist die Freiheit. Schon immer gewesen.
Mein Fazit: sehr lesenswert, und auch sehr gut verständlich.
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