Die NATURKUNDEN widmen sich diesmal zwei vermeintlich vertrauten Tieren: Der Fuchs, seit den antiken Fabeln Sinnbild des listigen Zeitgenossen, hat sich inzwischen zum Sympathieträger des Tierreichs gewandelt. Katrin Schumacher macht sich in ihrem persönlichen Tierportrait auf einen natur- und kulturgeschichtlichen Beutezug durch Hühnerställe, Kinderbücher und Pelzgerbereien bis hinein in die städtischen Mülltonnen.
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Vom Schillern zwischen Gut und Böse - lassen Sie sich fuchsifizieren
Bewertung am 01.06.2020
Bewertungsnummer: 328808
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
"So viel Fuchs war noch nie", schreibt Katrin Schumacher in diesem wunderschönen, literarisch-philosophischen und durchweg bezaubernden Fuchsporträt. Seit etwa hundert Jahren übt der changierende Charakter der Füchse (sei es als Tier, das Städte "verfuchst", als beliebtes literarisches Motiv, als Kunstobjekt oder -figur) zunehmende Faszination auf uns aus. Jahrtausende alte Fuchsmythen erzählen von den Spannungen, die mit dem Fuchs verbunden werden, zwischen Tod und Fruchtbarkeit, Nacht und Sonne, Auferstehen und Verwandeln: "Er kommt von alters her, kommt von einem und führt ins andere, weiß vom Anderen und führt zum Eigenen. Er selbst schreibt nicht, sondern stiftet zum Schreiben an. Indem er immer wieder Grenzen infrage stellt, jener Blitz ist, der aufleuchtet beim Passieren." ///
"Wer liebt ihn nicht, wer hasst ihn nicht." Das Büchlein ist ein immens großer Genuss, doch muss man sich leider auch durch die Kehrseite kämpfen: Welch eine gequälte Kreatur der Fuchs doch ist! Eine halbe Million wird in Deutschland jährlich getötet. Man kann fast nicht glauben, dass er noch nicht ausgestorben ist. Aber er ist ein Überlebenskünstler. ///
Sein Pelz wurde lange Zeit mit Vorliebe getragen. "Jedes Pelztragen ist ein schamanistischer Akt", weiß Katrin Schumacher. "Eine unheimliche und fadenscheinige Simulation der Unsterblichkeit, die davon erzählt, dass das Leben immer schon mit dem Tod infiziert ist." Das Zurückgreifen auf den Fuchs, auch in der Kinderliteratur, sieht die Autorin als "Aufforderung zu einem gewissen Ungehorsam", zu einem "zumindest sachten 'Tier-Werden'", wobei wir wieder bei Teresa Präauer wären. ///
In Japan wird er verehrt. Zufälle gibt es nicht: Just dieser Tage erschien die Biographie über Lacfadio Hearn "Sweetest Fruits". Hearn, so wird in diesem Fuchsband auch erzählt, war aufgrund seiner Reisebeschreibungen und den japanischen Geistergeschichten an der veränderten Rezeption der Fuchsfigur nicht unwesentlich beteiligt. "Regnet es, wenn die Sonne scheint, ist das im japanischen Glauben das Anzeichen dafür, dass eine Fuchshochzeit im Gange ist." ///
Dieser Band Nr. 60 in der Naturkundenreihe folgt einer sprachlich wunderbaren Fuchsspur, stellt die wenigen Untergattungen in der Familie der Füchse vor und bietet eine wunderbare Bibliographie mit Hinweisen auf Kunst, Sachbücher, sowie Literatur. Der Verlag Matthes & Seitz hat verdient den Deutschen Verlagspreis gewonnen. Herzliche Gratulation!
Hervorragende Lektüre
Daniela aus Berlin am 15.05.2020
Bewertungsnummer: 1328535
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
So informativ wie unterhaltsam über Ländergrenzen / Zeiten und Kulturen, Katrin Schumachers persönliche Liebe zum Fuchs ist spürbar, die Illustrationen gefallen mir gut und ich möchte dieses Büchlein sehr empfehlen.
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