Eine Frau glaubt nach einem erschütternden Verlust, am Ende ihrer Kraft zu sein. Dennoch beginnt sie zu laufen. Ihre Runden werden von Woche zu Woche länger – und was als Davonlaufen beginnt, wird schließlich ein Weg zurück ins Leben. Immer an ihrer Seite: ihre Freunde, ihre Wut, ihre Liebe zur Musik und ein Humor, der es mit ihrer Verzweiflung aufnehmen kann.
»Ich laufe mir die Grübelei weg, andere Leute laufen angeblich, weil sie dabei gut nachdenken können, ich kann an gar nichts anderes denken als an meinen Körper, ob er funktioniert, wie er funktioniert, wie das Laufen sich anfühlt, ob ich noch kann, und wenn ja, wie weit, und ob mir gerade etwas wehtut, oder was am meisten wehtut, als wüsste ich nicht, was am meisten wehtut, aber beim Laufen tut endlich der Körper weh.«
Nach dem Bestseller »Der Pfau« zeigt Isabel Bogdan mit diesem berührenden und dennoch humorvollen Roman, was es heißt, an Leib und Seele zu gesunden.
Kundinnen und Kunden meinen
4.6/5.0
Bewertung
4/5
10.04.2021
Buch (Taschenbuch)
Laufend zurück in`s Leben
Dieses Buch ist anders als ihr vorheriger Roman " Der Pfau".-Nach de Selbstmord ihres Partners läuft sich die
Protagonistin frei. Ein-, Ausatmen, Ein-,Ausatmen.....Frei von Schuldgefühlen, Trauer , Wut, Verzweiflung, Hilflosigkeit hin zu Hoffnung, Entschlossenheit, Lebensfreude. Hin zum Leben. Dieses Buch ist anders, aber absolut lesenswert.
Sandra von Siebenthal
aus Romanshorn
4/5
24.03.2021
Buch (Taschenbuch)
Eine Frau läuft ums Leben
„…ich laufe mir die Grübelei weg, andere Leute laufen angeblich, weil sie dabei gut nachdenken können, ich kann an gar nichts anderes denken als an meinen Körper, ob er funktioniert, wie er funktioniert, wie das Laufen sich anfühlt, ob ich noch kann, und wenn ja, wie weit, und ob mir gerade etwas wehtut, oder was am meisten wehtut, aber beim Laufen tut endlich der Körper weh…“
Durch den Verlust ihres Lebenspartners aus der Bahn des Lebens geworfen, fängt sie zu laufen an und lässt neben den Füssen auch die Gedanken laufen. In einem endlosen inneren Monolog erzählt sie sich von ihrem Verlust, von ihren Gefühlen, von ihrer Verzweiflungen, immer wieder unterbrochen durch die eigene Aufforderung, die Gedanken zu stoppen, im Körper zu bleiben, auf das eigene Atmen zu achten – und um dann wieder weiter in den Fluss der Gedanken einzutauchen.
Zeit zieht ins Land, wir laufen als Leser mit, erkennen Veränderungen im Denkmuster, erfahren von Verbesserungen beim Laufen und beim Fühlen, und fragen uns, wohin die Geschichte wohl laufen wird.
„Ich will nicht allein sein, ich will meinen Alltag mit jemandem teilen, es fehlt mir, ich fühle mich immer noch wie halbiert, so muss sich ein Entzug anfühlen, Entzug von der Sucht nach Anfassen, nach Körperkontakt, der Sehnsucht danach, dass jemand da ist, was für ein Blödsinn, das ist keine Sucht, das ist ganz normal, glaube ich, oder ist Sehnsucht auch eine Sucht, heisst das deswegen so?
Es sollte nicht bei der einen Nacht bleiben, schon am nächsten Tag steht Simone wieder vor Nelsons Tür, die beiden stehlen sich die Zeiten zwischen ihren Terminen, bis sie schliesslich wieder nach Paris und zu Sartre zurück kehrt. Sartre, an dessen Seite sie schon seit Jahren lebte und arbeitete, eine Beziehung geistiger Natur, neben welcher Affären möglich und abgemacht waren. Doch es sollte keine Affäre bleiben.
„Wenn du zu unserem kleinen Zuhause zurückkommst, werde ich schon dort sein, unter dem Bett versteckt und allgegenwärtig. Ih werde ab jetzt immer bei dir sein, mein Geliebter, wie es eine liebende Frau bei ihrem geliebten Mann ist. Wir werden kein Erwachen erleben, denn dies war kein Traum, sondern eine wunderbare und wahre Geschichte, die gerade erst beginnt.“
„Laufen“ erzählt die Geschichte einer Frau, welche durch den Suizid ihres Lebenspartners plötzlich alleine im Leben steht und sich in diesem Alleinsein nicht zurechtfindet. Es ist nicht bloss das Alleinsein, das drückt, es sind auch die drängenden Fragen nach eigener (Mit-)Schuld, der Umgang mit anderen Menschen, das wieder Zurechtfinden in einer Welt, die gerade noch eine geteilte, nun eine einsame ist. Es ist die Geschichte eines Verlorenseins im Leben, in welchem die vorher noch gültigen Begriffe plötzlich ihre Bestimmtheit verloren haben: Was ist ein Zuhause? Worauf kann ich bauen? Was ist man einem anderen Menschen schuldig?
„Es kann nie wieder besser werden, darf es überhaupt besser werden, hätte ich dich dann nicht wirklich auf dem Gewissen, wäre es dann nicht wirklich meine Schuld?
Die Form des inneren Monologs, der ununterbrochene Fluss der Sprache praktisch ohne Punkte, Abschnitte, Unterbrüche passen sich dem Inhalt an, sind die perfekte Wiederspiegelung der Gedanken und Gefühle der Protagonistin, das Durchgetaktete lässt das Laufen les- und erfahrbar werden.
Isabel Bogdan ist ein authentischer, in Form und Inhalt sich grossartig ergänzender, weil sich gegenseitig aufgreifender Roman gelungen, der die schwierige Thematik des Suizids und dessen Bedeutung für die Hinterbliebenen aufgreift. Es ist nicht ganz einfach, in den Fluss der Sprache zu kommen, was vielleicht auch eine schöne Parallele zum Laufen ist, welches auch nicht von Anfang an fliessend auf lange Zeit klappt. Da wie dort kann der Wunsch, aufzuhören, auftauchen, wozu auch teilweise häufige Wiederholungen von Gedanken, gleichen Sätzen beiträgt. Man mag einwenden, dass dies im eigenen Denken auch passiert, doch stellt sich die Frage, ob ein Roman tatsächlich die Wirklichkeit abbilden muss, um realistisch zu sein, oder ob nicht zu viel Wirklichkeitsgetreues dem Lesefluss und -vergnügen schadenk ann.
Fazit:
Die durch eine geschickt gewählte Erzählperspektive authentische Erzählung einer Frau, die sich nach einem Schicksalsschlag sprichwörtlich zurück ins Leben läuft. Sehr empfehlenswert!
Manu
Book Circle Community
5/5
29.02.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Leseempfehlung: feinfühlig und stilistisch hervorragend
Sie läuft. Sie atmet. Und sie setzt sich mit ihrem Leben auseinander. Nach einem Schicksalsschlag ist Laufen für die namenlose Protagonistin der Weg, wie sie zurück ins Leben findet.
Sprachlich sehr ansprechend und inhaltlich feinfühlig führt uns die Autorin einerseits durch den emotionalen Heilungsprozess und andererseits bekommen die Leser:innen mit, wie die Hauptfigur durch das konstante Training immer fitter wird und sich immer besser fühlt. Wer selber läuft, findet sich in so mancher Situation wieder.
Die Geschichte wird in Form eines inneren Monologs erzählt. Das ist der Autorin hervorragend gelungen und schafft Nähe zur Protagonistin. Als Leser:in nimmt man am emotionalen Wandel teil und erfährt im Laufe der Geschichte immer mehr darüber, was im Leben der Läuferin passiert ist, und begleitet sie zurück ins Leben.
«Laufen» ist ein berührendes Buch, das sich mitten im Leben abspielt und das stilistisch aussergewöhnlich (und) ansprechend umgesetzt wurde. Von meiner Seite definitiv eine Leseempfehlung.
Bewertung
Book Circle Community
5/5
21.01.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
So flüssig zu lesen wie ein Lauf
Ein zauberhaftes Buch voller Schmerz, Fragezeichen und Versöhnung. Wie ein Lauf zurück ins Leben, in kleinen Schritten und beständig. Der Schreibstil passt zum Thema und zum Plot. Es liest sich sehr flüssig und wirklich wie “laufend”. Ich fand es klasse, und es hat mich ab Seite 1 total begeistert.
Bewertung
5/5
23.07.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Vom tragischen Selbstmord ihres Lebensgefährten zutiefst erschüttert, versucht die Protagonistin, welche als Ich-Erzählerin auftritt, in ihrem Leben wieder Halt zu finden, indem sie sich dem Laufen zuwendet und durch ihre zunehmende Fitness zugleich auch wieder neuen Lebensmut findet. Ein unglaublich intensiver, berührender und sehr authentisch geschriebener Roman, der einen noch länger beschäftigt. Sehr lesenswert!
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