Spargel in Afrika ist eine leise, persönliche Erzählung zwischen Melancholie und Ironie, ein Monolog, der sich als Dialog verkleidet, als wortreiche und zugleich sprachlose Auseinandersetzung eines fürsorglichen Sohnes mit seinem lebensmüden, 90-jährigem Vater, der im Krankenhaus liegt und sterben wird. Der Sohn spürt, dass auch er älter wird, und in der Generationenfolge den Platz seines Vaters einnehmen wird. Während dieser womöglich letzten Begegnung berühren beide das Thema des Nährens und Genährt-Werden als universelles Bedürfnis des Menschen. Gemeinsame Essens-Erinnerungen helfen ihnen, eine Übereinstimmung zu finden, dort, wo es unmöglich geworden zu sein scheint, die eigenen Gefühle und Bedürfnisse zu verbalisieren.
„Was fehlt dir, Vater?“, frage ich ihn und gebe mir die Antwort selbst: Nichts natürlich. „Du hast alles, was du brauchst.“
Kundinnen und Kunden meinen
4.8/5.0
Bewertung
aus Köln
5/5
17.05.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Was für ein kleines, feines, herzergreifendes Buch
Abschied, Vater-Sohn und Eltern-Kind. Ein unerschöpfliches, existentielles Thema. In diesem schmalen Buch hervorragend dargestellt. Sprachlich sehr interessant gelöst. Vor allem wird das Thema anhand von Erzählungen übers Essen behandelt. Pfifferlinge, Weihnachtsessen und eben der titelgebende "Spargel in Afrika". Den hatte der Diplomaten Vater extra nach Afrika liefern lassen. Und dann hatte der Koch die Petersilien Kartoffeln vergessen...
Ein Sohn erinnert sich vor allem an diese Geschichte. An gemeinsame Mahlzeiten. Die oft das Verständnis und die Nähe ersetzen. Oder war genau das die Nähe? Und liegt im Gedanken an Essen nicht aus immer der Wunsch, genug zu bekommen? Genug Liebe, Zuwendung, Nahrung, Leben?
Es gilt im Roman für den Sohn Abschied zu nehmen vom Vater, der doch nur die Versäumnisse seiner eigenen Kindheit kompensieren wollte. Genauso, wie es der Sohn wiederum mit seinen Kindern macht. Wird der Sohn seinen Frieden finden und gestärkt seine Rolle als neue älteste Generation wahrnehmen können?
Mich hat diese Geschichte sehr berührt, sehe ich mich doch selbst als Mutter, für die "sorgen" auch "versorgen" ist. Gemeinsame Mahlzeiten, Schulbrote, Lieblingsessen kochen. So habe ich es selbst erfahren. Und unbewusst selbst so gemacht.
Gibt dieses Umsorgen Sicherheit und Nähe? Vielleicht? Hoffentlich!
Ich muss derzeit selbst schrittweise Abschied nehmen von meiner Mutter. Und letztens im Pflegeheim wollte meine Mutter unbedingt, dass ich mit ihr zusammen esse, sie hat mir ihr halbes Abendessen überlassen. Das Thema scheint uns also zu verbinden und hört auch im hohen Alter nicht auf. Danke Mutti für Deine Fürsorge!
Nicht alle Leser:innen werden ähnliche Erfahrungen haben. Die Erfahrung vom Abschied von den Eltern müssen wir aber irgendwie alle meistern. Daher eine ganz große Empfehlung für dieses Buch.
Birgit Peitz (Birgit51)
aus Neuss
5/5
28.04.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
So viel mehr als kulinarische Erinnerungen
"Spargel in Afrika ist eine leise, persönliche Erzählung zwischen Melancholie und Ironie, ein Monolog, der sich als Dialog verkleidet, als wortreiche und zugleich sprachlose Auseinandersetzung eines fürsorglichen Sohnes mit seinem lebensmüden, 90-jährigem Vater, der im Krankenhaus liegt und sterben wird."
Dies ist der Klappentext zu einer wirklich gelungenen Erzählung von Corinna Antelmann. Ich habe sie sehr gerne gelesen und so einige Sätze, die nachdenklich machen gefunden. Es finden sich viele Mehrdeutigkeiten in diesem Buch, welches in drei Abschnitte unterteilt ist. Ein Sohn fährt zu seinem alten Vater um ihn zu besuchen und als Leser erfährt man durch seinen inneren Dialog viel über die Vergangenheit, sein Verhältnis zu seinem Vater, dessen Familiengeschichte und dies alles in Bezug auf Essen und die Lieblingsspeisen des Vaters. Der Sohn denkt an seine Zukunft, wenn sein Vater nicht mehr sein wird und wie sich dann auch sein Leben dadurch verändern wird. Dies ist eine Situation, die auf jeden Menschen mal zukommen wird, früher oder später.
Das Büchlein ist hübsch gestaltet und mit einem Lesebändchen versehen, eignet sich also auch gut als Geschenk.
Ein Kleinod von 64 Seiten, welches ich gerne weiterempfehle. Danke an Corinna Antelmann für diese einfühlsame Erzählung.
Bewertung
5/5
22.04.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Kulinarische Episoden als Erinnerung an den Vater
Ein Sohn kommt in die Wohnung des Vaters, die offensichtlich in einem Pflegeheim für betreutes Wohnen integriert ist. Das Bett des Vaters und die Wohnung sind leer. Was ist passiert?…
Im Gedankengang des Sohnes erfährt man über das Verhältnis zwischen Vater und Sohn, das nicht immer unkompliziert war. Der Vater war Diplomat und hat die Familie immer wieder entwurzelt und in andere Länder mitgenommen. Der Sohn hat darunter gelitten. Mehr als die Mutter, die vom Vater sichtlich vergöttert wurde.
Der Sohn erinnert sich immer wieder an signifikante Situationen beim Essen, die das frühere Leben beschreiben.
Letztendlich besucht der Sohn seinen Vater, dem es sichtlich ganz gut geht, im Krankenhaus. Er isst schließlich. Aber irgendwann hört Vater auf zu essen und der Sohn übernimmt seine Rolle…hier wie auch im Leben. Er wird immer Sohn bleiben. Aber er muss jetzt auch die Vaterrolle übernehmen.
Insgesamt hat man das Gefühl, dass der Sohn dem alten Vater verzeihen kann für das Leben, das er wegen ihm führen musste, ohne wirkliche Freunde und in Strenge.
Ich durfte dieses schöne, zum Nachdenken anregende Buch als Rezensionsexemplar lesen und bin froh darüber. In meinen Augen absolut empfehlenswert.
Daniela Heinen
aus Sankt Augustin
5/5
16.04.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine berührende Erzählung
Spargel in Afrika ist eine Erzählung, keine 100 Seiten lang und ohne viel Handlung. Im Grunde ist der Großteil des Buches der innere Monolog eines Sohnes, ein Gespräch in seinen Gedanken mit seinem sterbenden Vater.
Ich finde es faszinierend, wie sich das Essen als eine Art Gerüst in dieser Erzählung präsentiert. Ein Gerüst, an das sich verschiedenste Erinnerungen anlehnen, die mir als Leser einen tiefen Einblick in die Vater-Sohn Beziehung gegeben haben.
Ein ganz tiefer Gedanke des Sohnes ist der, wie er die Rolle des Vaters als Ältester der Familie einnehmen wird. Seine Gedanken, was sich verändert, wenn er plötzlich nur noch Vater, aber kein Kind mehr sein wird. Mich hat das sehr berührt, weil das ein Gedanke ist, der mir noch nie gekommen ist.
Ich liebe es, wenn Bücher mich zum Nachdenken und Mitfühlen anregen, und das ist der Autorin dieses Buches sehr gut gelungen.
Ich möchte aber dazu sagen, dass ich den Schreibstil schon recht anspruchsvoll fand. Trotz seiner Kürze ist es kein Buch, das man mal eben schnell überfliegen kann. Ich mag es sehr.
yellowdog
4/5
14.10.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Monolog
Spargel in Afrika ist eine intensive Erzählung eines Mannes über den Besuch des sterbenden Vaters im Altersheim. Die Erzählung ist gekennzeichnet durch seine Erzählart, dem Monolog. Da es den Stoff auch als Theaterstück gibt, liest man den Text auch so und er entfaltet seine Stärken.
Ein wenig überraschend ist ie Überbetonung des kulinarischen. Immer wieder geht es um die Essvorlieben des Vaters, der ein Genußmensch war.
Corinna Antelmann hat eine Erzählung geschaffen, die man nicht so schnell vergisst.
Kurze Frage zu unserer Seite
Vielen Dank für dein Feedback
Wir nutzen dein Feedback, um unsere Produktseiten zu verbessern. Bitte habe Verständnis, dass wir dir keine Rückmeldung geben können. Falls du Kontakt mit uns aufnehmen möchtest, kannst du dich aber gerne an unseren Kund*innenservice wenden.