Gehorcht das Leben eines Menschen den Gesetzen eines mathematischen Beweises? Zwei Menschen sitzen sich in einem Verhörraum gegenüber. Dr. Gödeler wird des Mordes verdächtigt, der Staatsanwalt will ihm ebenjenen Mord nachweisen. Doch die Kontrolle über die Verhörsituation verschiebt sich unaufhörlich zugunsten des Verdächtigen. Ein raffiniert konstruierter, spannungsreicher Roman, literarisch vielfältig orchestriert, über Aufstieg und Fall eines Mathematikgenies. Martin Gödeler, Doktor der Mathematik, Nachhilfelehrer aus Stuttgart, wird verdächtigt, für das Verschwinden seiner Urlaubsbegleitung Susanne Melforsch verantwortlich zu sein. Ein junger Staatsanwalt möchte den Mathematiker unbedingt des Mordes überführen. Doch es kommt anders. Dr. Gödeler ist über die Maßen auskunftsfreudig. Was der Staatsanwalt zu hören bekommt, ist nicht weniger als die Lebensgeschichte des Verdächtigen. Ein Zahlengenie, dessen Leben stets von der Ekstase diktiert war, sei es in seinen Beziehungen zu Frauen, sei es im Aufgehen in der Mathematik. Als die Untersuchungshaft aufgehoben wird, verschwindet Martin Gödeler spurlos. Was bleibt, ist das Protokoll einer höchst eigentümlichen Existenz, eines Lebens zwischen Genialität und Verwahrlosung.
Kundinnen und Kunden meinen
3.7/5.0
https://lieslos.blog/
5/5
21.09.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Der Roman als Abbild seines Protagonisten.
„Die Erfindung der Null“ ist ein origineller Roman.
Die Idee, die dahintersteckt ist klasse.
Es geht um den promovierten Mathematiker Martin Gödeler, der eine Leidenschaft für Zahlen hegt und es geht um seine drei Nachhilfeschüler, die noch eine ganz andere Seite an dem Rechengenie kennenlernen, als sie ihn unerwartet in seiner Wohnung besuchen.
Es ist die Wohnung eines Messie!
Und dann begegnet uns auch noch die unscheinbare und rätselhafte Susanne Melforsch, die nur einmal im Unterricht erscheint ... und später ermordet wird.
Für den Staatsanwalt liegt es nahe, dass Martin der Mörder ist.
Die beiden waren immerhin ein Liebespaar und zusammen im Urlaub.
Aber er kann dem Mathematiker nichts nachweisen.
Martin wird aus der Untersuchungshaft entlassen und… verschwindet spurlos.
Jetzt, wo ich es niederschreibe, merke ich erneut, dass der Plot sich richtig vielversprechend anhört.
Und gleichzeitig gelang es dem Buch nicht, mich in seinen Bann zu ziehen, mich zu fesseln oder mich 100%-ig zu überzeugen.
Das mag daran liegen, dass mir durchweg alle Protagonisten unsympathisch waren und mich emotional nichts berührt hat.
Eigentlich ist es erschütternd, die verwahrloste Wohnung eines Messie vor Augen zu haben.
In der Regel ist die Geschichte, die hinter so einem Menschen steckt ergreifend.
Eigentlich lösen dramatische Ehen oder die Vorstellung, dass ein Elternteil das Leben eines Kindes nicht mehr verfolgen kann, z. B. Gefühle des Bedauerns aus.
Und eigentlich sollten erotische Szenen den Leser schon irgendwie erreichen und nicht kalt lassen.
Eigentlich ist es hochdramatisch und bewegend, wenn man sein Leben als Nullnummer und sich selbst als Null bezeichnet/bezeichnen „muss“.
Nichts von alledem ist passiert. Keine Erschütterung.
Kein Bedauern.
Keine Ergriffenheit.
Keine emotionale Bewegung.
Ich las den Roman ziemlich unberührt, manchmal sogar gelangweilt.
Weil Martin auch gelangweilt oder im Grunde genommen ein langweiliger Mann ist?
Ich glaube ja, dass Michael Waldenhain das ganz genau so beabsichtigt hat.
Martin scheint ein durch und durch rationaler, wenig fassbarer, recht wortkarger und gefühlskalter Mann zu sein, der nur eine wahre Liebe kennt: die Liebe zu seinen Zahlen.
Ich unterstelle dem Autor, dass es große Kunst ist, Martins Charakter so plastisch und diese kühle und verstörende Atmosphäre derart intensiv zu vermitteln.
Und trotzdem, leider, wird es kein Lieblingsbuch und auch keines, das in mir den Wunsch aufkommen lässt, weitere Werke von diesem Autor zu lesen.
Interessant ist es alle Mal!
Da ist ein hochbegabter Überflieger, der sich in der nüchternen Zahlenwelt bestens auskennt, mit Gefühlen allerdings nichts am Hut hat.
Was ist es, das ihn zu seiner intelligenten Kommilitonin Gunde hingezogen hat, mit der er eine Tochter zeugte?
Was ist es, das ihn dermaßen an der herausragenden Mathematikdozentin Dr. Trouvé (nomen est Omen?) angezogen hat?
Was ist es, dass ihn mit der mysteriösen Stalkerin Susanne Melforsch verband?
Was dem Autor, das möchte ich noch unbedingt erwähnen, wunderbar gelungen ist, ist ein völlig unerwartetes und überraschendes Ende.
Das Buch, in dem es letztlich ums Scheitern einer menschlichen Existenz geht, ist kein einfach und schnell wegzulesender Roman.
Man muss ihn aufmerksam und geduldig lesen und sich auf den ungewöhnlichen und einzigartigen Schreibstil einlassen.
Und man muss bereit sein, sich durch zähen und schweren Morast hindurchzuwühlen, um ans Ende zu gelangen.
Der Autor nimmt einen dabei nämlich nicht an die Hand.
Er gibt dem Leser so gut wie keine Erklärungen und Erläuterungen. Was Interpretationen und Verständnis anbelangt ist er auf sich selbst gestellt.
Ein bisschen mehr Unterstützung hätte ich mir vom Autor gewünscht, weil es dann ein packender Roman hätte werden können.
Auf diese Weise wurde es ein zwar originelles und interessantes, aber wenig vergnügliches und anstrengendes Werk.
Ich lernte den Schriftsteller Martin Wildenhain durch diesen Roman als unbequemen Autor kennen, der seinen Lesern so einiges zumutet und sehr viel zugetraut.
Bewertung
aus Stuttgart
5/5
25.08.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
EIn spannendes Buch mit unerwartetem Ende
Michael Wildenhain ist mit der "Erfindung der Null" ein sehr spannender und unterhaltsamer Kriminalroman gelungen, den ich als Stuttgarter Bürger, der in der Technischen Oberschule an der Hohenheimer Straße (also im Zentrum des Romangeschehens) zur Schule ging mit besonderer Aufmerksamkeit gelesen habe.
Alles stimmt in dem Roman und er endet mit der Aufdeckung eines unerwarteten Sachverhaltes.
Auch nicht Stuttgarter und nicht Berliner werden den Roman sicher genießen.
melange
aus Bonn
5/5
04.08.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Höhere Mathematik
Zum Inhalt:
Eine Frau verschwindet, nachdem sie mit dem Mathematiker Gördeler in Frankreich gewandert ist. Der mit den Ermittlungen betraute Staatsanwalt versucht Gördeler den Mord nachzuweisen, obwohl die Leiche fehlt. In Verhören ist Gördeler überhaupt nicht schweigsam, sondern beginnt dem Staatsanwalt längere Episoden seines Lebens zu erzählen. Warum?
Mein Eindruck:
Die Kapitelnamen entsprechen einer mathematischen Beweisführung und auch im Text lernt die Leserschaft viel von der Mathematik getreu des Titels „Die Erfindung der Null“. Im Gegensatz zur Schönheit der Zahlen steht jedoch sehr oft der Inhalt, der sich gerne absolut unappetitlich zeigt. Beispielsweise wird – als erwachsener Mensch – ins Bett gemacht, Blut und Sperma spritzen und Wohnungen vermüllen. Nichts für zarte Gemüter, ehrlicherweise noch nicht einmal für halbzarte. Die mathematischen und mythologischen Abhandlungen zu Odysseus erfordern dazu ein großes Einfühlungsvermögen in die Wissenschaft, zu dem mancher nicht fähig ist oder auch einfach nur nicht sein will.
Nicht die besten Voraussetzungen für ein fesselndes Buch. Und doch fesselt es. Weil es einfach in einer schönen Art und Weise geschrieben ist und das Ende so geschickt entworfen ist. Zum Schluss fügt sich alles ineinander, das Verschwinden der Frau wird aufgeklärt, die ganzen abschweifenden Erzählungen ergeben Sinn. Quod erat demonstrandum.
Mein Fazit:
Die nächste Geschichte gerne mit weniger Körperlichkeit, sprachlich und aufbautechnisch wunderbar
maggiem
4/5
02.02.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ich habe das Buch als…
Ich habe das Buch als Geschenk erhalten und habe mit großem Interesse und Begeisterung angefangen dieses zu lesen. Vorallem die Idee, einen Kriminalroman als mathematischen Beweis zu führen, hat mir sehr gut gefallen. Auch die wechselnde Sichtweise der Protagonisten fand ich sehr interessant. In den Kapitel "Gegenprobe" wird die Geschichte aus der Sichtweise von Susanne Melforsch (die verschwundene Person) erzählt. Die Verknüpfung der Kapitel "Induktionsschritt", die durchnummeriert sind, erfolgt durch Wiederholung des letzten Absatzes des vorangegangenen "Induktionsschritts". Dadurch kann man problemlos die wieder aufgenommene Handlung folgen. Diese wird dann anschließend weiter fortgeführt. Die Zeitsprünge in die Vergangenheit sind ebenfalls über die Bezeichnung der Kapitelüberschrift deutlich erkennbar. Das Ende der Geschichte und die Beziehungen der Protagonisten untereinander fand ich etwas überraschend. Man muss das Buch konzentriert lesen, da der Schreibstil nicht immer ganz einfach zu lesen ist. Fazit: Eine Leseempfehlung für mathematisch interessierte Krimileser und Mathematiker, die gerne Krimis lesen.
melange
aus Bonn
4/5
04.08.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Höhere Mathematik Zum Inhalt:…
Höhere Mathematik Zum Inhalt: Eine Frau verschwindet, nachdem sie mit dem Mathematiker Gördeler in Frankreich gewandert ist. Der mit den Ermittlungen betraute Staatsanwalt versucht Gördeler den Mord nachzuweisen, obwohl die Leiche fehlt. In Verhören ist Gördeler überhaupt nicht schweigsam, sondern beginnt dem Staatsanwalt längere Episoden seines Lebens zu erzählen. Warum? Mein Eindruck: Die Kapitelnamen entsprechen einer mathematischen Beweisführung und auch im Text lernt die Leserschaft viel von der Mathematik getreu des Titels „Die Erfindung der Null“. Im Gegensatz zur Schönheit der Zahlen steht jedoch sehr oft der Inhalt, der sich gerne absolut unappetitlich zeigt. Beispielsweise wird – als erwachsener Mensch – ins Bett gemacht, Blut und Sperma spritzen und Wohnungen vermüllen. Nichts für zarte Gemüter, ehrlicherweise noch nicht einmal für halbzarte. Die mathematischen und mythologischen Abhandlungen zu Odysseus erfordern dazu ein großes Einfühlungsvermögen in die Wissenschaft, zu dem mancher nicht fähig ist oder auch einfach nur nicht sein will. Nicht die besten Voraussetzungen für ein fesselndes Buch. Und doch fesselt es. Weil es einfach in einer schönen Art und Weise geschrieben ist und das Ende so geschickt entworfen ist. Zum Schluss fügt sich alles ineinander, das Verschwinden der Frau wird aufgeklärt, die ganzen abschweifenden Erzählungen ergeben Sinn. Quod erat demonstrandum. Mein Fazit: Die nächste Geschichte gerne mit weniger Körperlichkeit, sprachlich und aufbautechnisch wunderbar
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