Über Liebe und andere Grausamkeiten Buenos Aires 1902: Der aus Deutschland geflohene Student Jörg Jäger verdingt sich als Klavierlehrer der schönen Fabrikantentochter Francisca »Cis« Alameda, verfällt ihr und fordert sein Schicksal heraus. Die beiden fliehen quer durch Südamerika, verfolgt von den Häschern des Vaters und einem besonderen Detektiv, dem perfiden Fredo Torres, der die junge Cousine für sich will. Nach tragischen und auch komischen Komplikationen kommt es zum Showdown in Rio: Es gibt einen Toten und einen spektakulären Prozess. Helmut Krausser zeigt, warum er zu den großen Literaten des Landes zählt - ein reifes Werk über erotische Anziehung, Liebe und Verrat, Schuld und Sühne sowie mit der sprachlichen Verve und dem klugen Witz, die sein OEuvre seit Jahrzehnten auszeichnen.
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4.7/5.0
Dreamworx
aus Berlin
5/5
11.10.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wie eine Oper...
1902. Jörg Jäger, der sich den Namen Jorge Jega gegeben hat und aus Deutschland nach Südamerika geflüchtet ist, versucht hungrig und verzweifelt in Buenos Aires eine Anstellung als Klavierlehrer zu finden. Der Fabrikant Don Alameda stellt ihn für seine 17-jährige Tochter Francisca ein, die sich alsbald viel lieber darauf konzentriert, Jorge zu verführen als sich dem Klavierspiel zu widmen. Jorge ist allerdings ein gebranntes Kind, musste er doch bereits aus Uruguay fliehen, da dort nach einem verunglückten Duell mit einem Senator nach ihm gefahndet wurde. Doch schon bald verfällt Jorge der jungen Frau, die ihn eines Tages überredet, mit ihr über einige Stationen bis nach Rio de Janeiro zu flüchten. Zur Bestreitung ihres Lebensunterhalts verdingt sich Jorge als Barpianist, während Francisca sich als Kellnerin versucht. Das junge Paar lebt in ständiger Angst vor Entdeckung, denn Francisca Vater hat inzwischen nicht nur ihren Cousin Alfredo Torres sondern auch Detektive losgeschickt, seine Tochter zu suchen und nach Hause zu bringen…
Helmut Krausser hat mit „Für die Ewigkeit“ einen wunderbaren historischen Kurzroman vorgelegt, dessen nur 192 Seiten angefüllt sind mit melancholischer Romantik, sprachlicher Finesse und kunstvoller Erzählweise. Mit flüssigem und der damaligen Zeit angepasstem Erzählstil ist malt Krausser nicht nur herrliche Bilder im Kopf des Lesers, sondern lässt ihn als Zaungast regelrecht an der teils kuriosen Liebesgeschichte, der Flucht und dem doch recht traurigen Ausgang teilhaben. Mit immer neuen und überraschenden Wendungen schraubt der Autor die Spannung immer weiter nach oben, so dass der Leser atemlos Seite um Seite verschlingt, um keinen Augenblick der teils tragischen, teils komödienhaft anmutenden Geschichte zu verpassen. Interessant sind nicht nur die sich immer wieder verschiebenden Machtverhältnisse zwischen Mann und Frau, sondern auch die Manipulationsversuche einiger, um ihren Willen zu erreichen, alles musikalisch untermalt durch die langsam von Jorge Jega entwickelte Oper „Clarissa“, die frei erfunden, den geschilderten Umständen jedoch Rechnung trägt.
Die Charaktere sind am Puls der damaligen Zeit entwickelt, könnten allerdings auch in die Gegenwart umgesetzt werden. Mit glaubwürdigen menschlichen Eigenschaften ausgestattet können sie den Leser von sich überzeugen, der wie im Fieber ihrem Werdegang und den daraus resultierenden Entwicklungen folgt. Jorge ist ein blonder, blauäugiger geflüchteter Deutscher, der hungrig und ohne Geld verzweifelt nach einem Strohhalm greift. Er lebt für seine Musik, ist recht naiv und lässt sich schnell um den Finger wickeln. Doch weist er auch heroische Eigenschaften wie Treue und Verbundenheit auf, die ihm zum Verhängnis werden. Francisca ist eine verwöhnte junge Frau, die das Leben kennenlernen will und der dafür jedes Mittel recht ist. Sie weiß bereits, welche Macht ihr als Frau gegeben ist und wie sie diese manipulativ einsetzen kann. Alfredo ist ein schmieriger Kerl, der versucht, sich alle Seiten offen zu halten, um einerseits monetär als auch gefühlsmäßig davon zu profitieren.
„Für die Ewigkeit“ ist wie eine komische Oper, die in einer Tragödie endet: sprachlich furios und tiefgründig, durchgängig voller Spannung und mit einem Ende, das keine Wünsche offen lässt. Absolute Leseempfehlung – Chapeau!
Dreamworx
aus Berlin
5/5
11.10.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wie eine Oper... 1902. Jörg…
Wie eine Oper... 1902. Jörg Jäger, der sich den Namen Jorge Jega gegeben hat und aus Deutschland nach Südamerika geflüchtet ist, versucht hungrig und verzweifelt in Buenos Aires eine Anstellung als Klavierlehrer zu finden. Der Fabrikant Don Alameda stellt ihn für seine 17-jährige Tochter Francisca ein, die sich alsbald viel lieber darauf konzentriert, Jorge zu verführen als sich dem Klavierspiel zu widmen. Jorge ist allerdings ein gebranntes Kind, musste er doch bereits aus Uruguay fliehen, da dort nach einem verunglückten Duell mit einem Senator nach ihm gefahndet wurde. Doch schon bald verfällt Jorge der jungen Frau, die ihn eines Tages überredet, mit ihr über einige Stationen bis nach Rio de Janeiro zu flüchten. Zur Bestreitung ihres Lebensunterhalts verdingt sich Jorge als Barpianist, während Francisca sich als Kellnerin versucht. Das junge Paar lebt in ständiger Angst vor Entdeckung, denn Francisca Vater hat inzwischen nicht nur ihren Cousin Alfredo Torres sondern auch Detektive losgeschickt, seine Tochter zu suchen und nach Hause zu bringen… Helmut Krausser hat mit „Für die Ewigkeit“ einen wunderbaren historischen Kurzroman vorgelegt, dessen nur 192 Seiten angefüllt sind mit melancholischer Romantik, sprachlicher Finesse und kunstvoller Erzählweise. Mit flüssigem und der damaligen Zeit angepasstem Erzählstil ist malt Krausser nicht nur herrliche Bilder im Kopf des Lesers, sondern lässt ihn als Zaungast regelrecht an der teils kuriosen Liebesgeschichte, der Flucht und dem doch recht traurigen Ausgang teilhaben. Mit immer neuen und überraschenden Wendungen schraubt der Autor die Spannung immer weiter nach oben, so dass der Leser atemlos Seite um Seite verschlingt, um keinen Augenblick der teils tragischen, teils komödienhaft anmutenden Geschichte zu verpassen. Interessant sind nicht nur die sich immer wieder verschiebenden Machtverhältnisse zwischen Mann und Frau, sondern auch die Manipulationsversuche einiger, um ihren Willen zu erreichen, alles musikalisch untermalt durch die langsam von Jorge Jega entwickelte Oper „Clarissa“, die frei erfunden, den geschilderten Umständen jedoch Rechnung trägt. Die Charaktere sind am Puls der damaligen Zeit entwickelt, könnten allerdings auch in die Gegenwart umgesetzt werden. Mit glaubwürdigen menschlichen Eigenschaften ausgestattet können sie den Leser von sich überzeugen, der wie im Fieber ihrem Werdegang und den daraus resultierenden Entwicklungen folgt. Jorge ist ein blonder, blauäugiger geflüchteter Deutscher, der hungrig und ohne Geld verzweifelt nach einem Strohhalm greift. Er lebt für seine Musik, ist recht naiv und lässt sich schnell um den Finger wickeln. Doch weist er auch heroische Eigenschaften wie Treue und Verbundenheit auf, die ihm zum Verhängnis werden. Francisca ist eine verwöhnte junge Frau, die das Leben kennenlernen will und der dafür jedes Mittel recht ist. Sie weiß bereits, welche Macht ihr als Frau gegeben ist und wie sie diese manipulativ einsetzen kann. Alfredo ist ein schmieriger Kerl, der versucht, sich alle Seiten offen zu halten, um einerseits monetär als auch gefühlsmäßig davon zu profitieren. „Für die Ewigkeit“ ist wie eine komische Oper, die in einer Tragödie endet: sprachlich furios und tiefgründig, durchgängig voller Spannung und mit einem Ende, das keine Wünsche offen lässt. Absolute Leseempfehlung – Chapeau!
Sikal
4/5
27.12.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Spannende Geschichte
Südamerika, 1902: Der aus Deutschland stammende Jörg Jäger nennt sich nunmehr Jorge Jega und trifft in Buenos Aires als Klavierlehrer auf die gut betuchte 17-jährige Fabrikantentochter Francisca. Doch Cis (wie sie genannt wird) liegt weniger am Klavierspiel als an Jorge, den sie mit allen Raffinessen verführt. Bei der gemeinsamen Flucht quer durch Südamerika sind ihnen diverse Verfolger auf der Spur: Einerseits hat Cis Vater Detektive engagiert, die seine Tochter zurückbringen sollen. Andererseits ist ihnen Cousin Fredo Torres auf der Spur, der Cis für sich erobern will und mit unlauteren Mitteln kämpft. Doch so schnell geben Cis und Jorge nicht auf, verdienen ihren Lebensunterhalt als Barpianist und Kellnerin bevor es plötzlich einen Toten gibt und nichts mehr so scheint wie es war.
Der Autor Helmut Krausser hat hier ein kunstvolles Kleinod geschrieben. Ein historischer Roman, der mit einer skurrilen Geschichte, einer Flucht, vielen abenteuerlichen Wendungen und einem spektakulären Showdown einhergeht. Dabei vergisst er nicht die historischen und gesellschaftlichen Begebenheiten der damaligen Zeit einzufangen, untermalt das Geschehen mit Musik und Leidenschaft.
Krausser gelingt es mit einer gehörigen Portion Sprachkunst, ein reizvolles Porträt zu schreiben und zaubert bildhaft die Flucht der Beiden dem Leser in die Gedanken. Man meint, den Verliebten über die Schulter zu schauen und fiebert mit, wenn wieder einem eine ungewöhnliche Wendung die Spannung aufbrausen lässt.
Die Charaktere sind der Zeit angepasst und durchaus sympathisch. Man hofft, dass für Cis und Jorge der Traum gelingen möge, obwohl doch von Anfang an klar ist, dass dies nicht der Fall sein wird. Dass Jorge sich etwas naiv auf Cis einlässt, zeigt bereits wie Cis ihn manipuliert und seine Treue ausnützt. Für ihn zählt in erster Linie die Musik, von der Macht der Frauen hat er nicht die geringste Ahnung – was ihm bereits bei einer Politikergattin in Uruguay zum Verhängnis wurde.
Eine subtile Geschichte über Liebe und viele Komplikationen, die ich sehr gerne gelesen habe. 4 Sterne
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