Während seines langen Lebens erlebte Fritz Stern, wie sich Deutschland veränderte: Von der Weimarer Republik zum "Dritte Reich", dann Bundesrepublik und DDR und schließlich das wiedervereinigte Deutschland nach 1989. Als einer der bedeutendsten Historiker des 20. Jahrhunderts verbindet er gekonnt die eigene Erinnerung als jüdischer Emigrant mit der Geschichtsschreibung, wobei immer die "deutsche Frage" im Fokus bleibt. Das Hörbuch wird ergänzt durch Interviews mit und Reden von dem Autoren, die im NDR erschienen sind.
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Werner Jaroschek
aus Duisburg
5/5
08.09.2008
Buch (Gebundene Ausgabe)
Kritischer Rückblick auf Deutschlands jüngere Vergangenheit
Ein hoch interessantes, wichtiges Buch. Fritz Stern, Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels 1999 war Deutscher, ein Mitbürger, aus einer protestantischen Familie stammend, der nach dem Rassenwahn der NS-Ideologie aber als Jude galt und deshalb mit seiner Familie1938 in die USA emigrieren musste. Nun ist er dankbarer US-Bürger, der viele Jahre brauchte, bis er nach einem langen Entwicklungsprozess anlässlich der Verleihung der Ehrendoktor- Würde durch die jetzt polnische Universität seiner Geburtsstadt Breslau dem jetzigen Rektor sagen konnte: " Sie haben mir ein Stück meiner Vergangenheit wiedergegeben."
Fritz Stern ist Historiker, seine größere Bedeutung aber liegt in der kritischen und ständigen Stellungnahme zur politischen Entwicklung unserer Zeit. So wurde er zu dem Historiker der Zeitgeschichte, der sich immer wieder und oft sehr erfolgreich in die Politik einmischt. Zu oft laufen wir als Bürger Gefahr, Verantwortung auf Berufspolitiker abzuschieben nach dem törichten Satz: "Der 'kleine' Mann kann doch nichts machen."Dem hält Stern das apolitische Verhalten der Bürger der Weimarer Republik entgegen, das letztlich zur Katastrophe führte. Er weist darauf hin, dass es nach Hitler unmöglich sein sollte, unpolitisch zu sein. Die Bürger können die Geschichte beeinflussen, Schweigen sei das eigentliche Verbrechen der Menschen.
Der Leser wird nicht mit allen Beurteilungen jetzigen politischen Geschehens und derzeitiger Politiker einverstanden sein. Bei manchen Darstellungen wird man anderer Meinung sein. Das ist nicht schlimm, Stern selbst erklärt, dass subjektive Erfahrungen Urteile beeinflussen. Und die Erfahrungen des jungen Stern in seinem Geburtsland waren äußerst negativ, prägten über lange Jahre auch sein Urteil. Unterschiedliche Meinungen regen zum Nachdenken an.
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