In einer nicht allzu fernen Zukunft ist die Erde ein düsterer Ort, heimgesucht von mörderischen Kriegen, zerstört von den Menschen selbst und gewaltigen Naturkatastrophen. Einigen wenigen ist es gelungen, sich auf eine Raumstation zu retten, um von hier aus die letzten Reserven der Erde zu Plündern. Herrscher dieser neuen, trostlosen Welt ist ein ebenso tyrannischer wie blutrünstiger Sektenführer. Doch eine Gruppe junger Rebellen lehnt sich auf gegen das eiserne Regime, angespornt von der charismatischen Mädchen-Kriegerin Joan, die über ganz eigene Kräfte verfügt und deren Geschichte das Schicksal zukünftiger Generationen bestimmen wird.
Kundinnen und Kunden meinen
3.2/5.0
Bewertung
Book Circle Community
4/5
06.12.2025
eBook (ePUB)
Zwischen Genialität und Wahnsinn
Ein Buch, das mich gleichermaßen abgestoßen und angezogen hat. Ein Werk, das mich zur Weißglut brachte und gleichzeitig zum Staunen brachte.
Wer den Klappentext liest, rechnet mit einer futuristischen David-gegen-Goliath-Geschichte: eine zerstörte Erde, eine tyrannische Macht im All, eine Rebellin mit besonderen Fähigkeiten. Doch was man bekommt, ist weit mehr – oder weniger – je nachdem, wie man es liest. Denn Das Lied der Kämpferin ist keine gewöhnliche Geschichte. Es ist ein sprachlicher Fiebertraum, ein verstörendes Spiel mit Körpern, Gewalt, Erinnerung und Identität. Und es will nicht gefallen. Es will weh tun.
Yuknavitch schreibt, als gäbe es keine Regeln. Weder erzählerisch noch sprachlich. Alles ist möglich, alles erlaubt – und gerade das macht es so schwer, dem Buch zu folgen. Die Geschichte zerfällt in Fragmente. Drei Teile, in sich wieder gebrochen, sprunghaft, wechselhaft, widersprüchlich. Die Hauptfigur – eine moderne Johanna – wirkt weniger wie ein Mensch als wie eine mythische Projektion, allmächtig, unsterblich, überhöht. Und doch bleibt sie rätselhaft fern, emotional kaum greifbar.
Besonders in Buch zwei und drei gerät die Handlung ins Rutschen: Es wird geschlachtet, gehäutet, verbrannt – ein endloser Blutrausch zwischen Science-Fiction und Trash-Horror. Alles ist durch technologische Willkür erklärbar oder gar nicht mehr. Naturgesetze existieren nicht. Logik wird außer Kraft gesetzt. Spannung verliert sich im Beliebigen.
Und doch – zwischen all dem Chaos blitzen sie auf: Sätze von erschreckender Klarsicht. Gedanken, die weh tun, weil sie wahr sind. Aussagen über Macht, Gewalt, Sexualität, Erinnerung, Menschlichkeit, die den Kern unserer Zeit treffen. Es sind diese Passagen, die zeigen, dass Yuknavitch mehr ist als nur Provokation: Sie ist eine Autorin mit Vision, mit Tiefgang, mit Mut zur Zumutung.
Und diese Gedanken lassen einen nicht los. Ich habe beim Lesen oft innegehalten. Habe einzelne Sätze noch einmal gelesen – und dann lange nachgedacht. Über Männlichkeit und Krieg. Über Sexualität und Körper. Über Tierverhalten, Evolution, Moränen und Geschlechtswechsel. Über unsere eigene Natur. Nicht, weil das Buch Antworten liefert – sondern weil es Fragen aufwirft, die nachhallen.
Aber Yuknavitch ist auch ungenau. Begriffe wie „asexuell“ werden falsch verwendet, Liebe wird mit Sex verwechselt, Körperlichkeit ist alles – und gleichzeitig ist alles Körper. Vieles wirkt unfertig gedacht, emotional aufgeladen, aber begrifflich schlampig. Vielleicht ist das Absicht. Vielleicht ist es Stil. Vielleicht ist es einfach Überforderung.
Ich habe oft gezögert und wollte abbrechen. Ich war abgestoßen, gelangweilt, verwirrt. Und dann wieder gebannt, berührt, elektrisiert. Das passiert mir selten. Aber dieses Buch hat es geschafft.
Der Schluss – ein Gedicht, ein Fragment, ein Satz, eine Frage – trifft ins Mark. Er bleibt.
Das Lied der Kämpferin ist kein gutes Buch im klassischen Sinn. Aber es ist ein einzigartiges Buch. Und das ist vielleicht mehr wert.
Weitere Rezensionen auf Deutsch findest du auf meinem Goodreads- und LovelyBooks-Profil.
Bianca Penz
5/5
23.06.2021
Buch (Taschenbuch)
Es war eine Wahnsinns-Geschichte....
Es war eine Wahnsinns-Geschichte. Es hat mich etwas an die Serie "Children of Blood and Bone" erinnert. Toll geschrieben und eine spannende Story, wirklich super!
Bewertung
3/5
12.05.2021
Buch (Taschenbuch)
Abgedreht, obszön. Bemerkt habe...
Abgedreht, obszön. Bemerkt habe ich, wie anstrengend das Denken darüber war, ob diese Adjektive aus der Zukunft entstehen, welche im Buch angedeutet werden. Für Vieldenker, nichts zum Entspannen.
Ashelia
3/5
06.04.2021
Buch (Taschenbuch)
Verstörend schön
"Das Lied der Kämpferin" ist in drei "Bücher" eingeteilt. Im ersten Buch lernt man Christine kennen, die auf einer Art Raumstation - CIEL genannt - über der Erde lebt. Ein kleiner Teil der Menschheit ist dorthin geflohen, ihrem Anführer Jean de Men gefolgt. Die Menschen haben sich dort in den letzten Jahrzehnten zu geschlechtslosen, haarlosen, weißen Wesen entwickelt oder wurden dazu gemacht, das wurde mir nicht ganz klar. Um sich von anderen Menschen dort abzugrenzen, fügen sie sich sogenannte Hautveredelungen zu, was quasi Hautlappen und Verbrennungen sind, die je nach Komplexität den Status der Person darstellen. Christine sinniert hier vor allem über ihr vergangenes Leben auf der Erde und erinnert sich an Joan zurück, die damals die Welt zerstört hat.
Im zweiten Buch wechselt die Szene zu Joan, die gemeinsam mit ihrer Gefährtin Leone auf der Erde wandelt und die Versorgungsleitungen von CIEL zerstört. Man bekommt hier vor allem einen Einblick der Erde, wie sie nach der Zerstörung ist: ein Sandplanet, ohne Sonne, fast leblos. Nur in Höhlen besteht noch Wasser und Lebewesen. Auch erfährt man hier mehr über Joans Sonderstatus, da sie eine Art "magische Verbindung zur Erde" besitzt, die sich in einer Art Musik äußert (daher der Titel).
Im dritten Buch werden dann beide Stränge zusammengeführt.
Ich weiß ehrlich gesagt nicht genau, was ich über "Das Lied der Kämpferin" denken soll. Es ist derb, man muss sich auf eine grobe Wortwahl einstellen, und gewalttätig bis eklig. Manche Szenen haben mich sehr verstört, aber zeitgleich übt das Buch eine merkwürdige Faszination aus, sodass ich es fast in einem Rutsch gelesen habe. Der Schreibstil ist nachdenklich, teilweise fast poetisch und dann wieder so hart und schonungslos. Die Handlung dreht sich um die Frage, was das Menschsein ausmacht. Vor allem auf CIEL dreht es sich stark um den sexuellen Aspekt, da die Menschen dort sich nicht länger fortpflanzen können, sich aber nach der früheren körperlichen Nähe sehnen. Aber auch Liebe wird immer wieder zum Thema gemacht, egal in welcher Form. Zeitgleich wird das Bild der zerstörten Erde, der Machtgier und dem Egoismus der Menschen aufrecht erhalten und auch die Frage aufgeworfen, was das Leben wert ist. Der Ansatz des Romans ist daher sehr philosophischer Natur, ohne wirkliche Antworten zu liefern.
Es wird deutlich, dass Lidia Yuknavitch hier eine Vielzahl von Botschaften unterbringen wollte, die in der Umsetzung aber etwas zu verworren, zu gewollt und zu inkonsistent wirken. Mir waren auch das ständige sexuelle Begehren in einer eigentlich geschlechtslosen Welt zu viel des Guten. Obwohl Mann und Frau optisch nicht mehr unterscheidbar sind, werden ständig Assoziationen mit dem Geschlecht gesucht. Dazu der fantastische Aspekt von Joans Macht, der nicht wirklich erklärt wird und mir nicht greifbar wurde. Ich würde den Roman daher als Genremix aus Dystopie, Sci-Fi und Fantasy einordnen.
Alles in allem bleibe ich am Ende eher ratlos zurück. Wie gesagt ist der Roman auf jeden Fall besonders und hebt sich vom sonstigen "Einheitsbrei" ab, aber ob ich es nun mochte, kann ich nicht wirklich sagen. "Verstörend schön", wie hinten auf dem Buch angeworben, trifft es da am ehesten.
Daisys Buch Reise
1/5
13.05.2021
Buch (Taschenbuch)
Zu verrückt für meinen Geschmack
Also entweder habe ich das Buch nicht verstanden weil mein Intellekt nicht ausreichte oder es war wirklich so abgedreht wie ich es empfunden habe.
Wenn ich dieses Buch angucke ist das erste was mir einfällt VULGÄR!
Der ganze Roman war eine Aneinanderreihung von vulgären teilweise wirklich auch abartigen Beschreibungen und ich konnte mich in diese Science Fiction Geschichte einfach nicht einfühlen. Es ging nicht!
Normalerweise liebe ich Sci-Fi aber DAS? Nein. Der Schreibstil war anstrengend, die Geschichte hat mir nicht gefallen und auch wenn ich die Grundidee des Romans wirklich spannend finde war die Umsetzung einfach nur grausig. Es ist abgedreht, es ist abartig und es war einfach nicht greifbar.
Ich kann nur nochmal wiederholen: entweder ich habs einfach nicht begriffen oder es war einfach so "schlecht" wobei man ja auch immer sagen muss dass das Wort "schlecht" sehr hart ist. Ich glaube es wäre besser zu sagen dass das Buch weder meine Erwartungen noch meinen Geschmack getroffen hat.
Es ist einfach super speziell und spricht denke ich mal auch kein breites Publikum an dennoch habe ich mir beim Lesen häufig die Frage gestellt, was zum Teufel die Autorin sich dabei gedacht hat. Ich wüsste es wirklich gern um es vielleicht verstehen zu können.
Aber nun gut. Bis jetzt mein Jahresflopp und eigentlich ärgere ich mich, dass ich es nicht abgebrochen habe, dann wäre mir einiges erspart geblieben...
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