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Streulicht Roman

19

22,00 €

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Beschreibung

Produktdetails

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

19.08.2020

Verlag

Suhrkamp

Seitenzahl

284

Maße (L/B/H)

21,3/13,3/3,1 cm

Gewicht

395 g

Farbe

Hellblau / Anthrazit

Auflage

1. Auflage

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-518-42963-1

Beschreibung

Rezension

»[Streulicht] erinnert an französische Autoren wie Didier Eribon, Édouard Louis und Annie Ernaux, die sich allesamt aus dem sozialen Abseits herausgeschrieben haben. Nun liegt mit Deniz Ohdes Streulicht auch ein überzeugendes Gegenstück deutscher Literatur vor, das in seiner schnörkellosen Sprache mit dem Bildungsversprechen von Chancengleichheit abrechnet, ohne dabei plakative identitätspolitische Statements oder ein ›J’accuse‹ gebrauchen zu müssen.« ("DIE ZEIT")
»Literarisch bietet Streulicht eine starke, unvertraute Stimme.« ("Frankfurter Rundschau")
»Ihre Wahrnehmung für Details und ihre Fähigkeit, Atmosphären daraus entstehen zu lassen, ist bemerkenswert.« ("DER SPIEGEL")
»So ist dieser beeindruckend gelungene Roman über die Ungerechtigkeiten und Unverschämtheiten im hiesigen Bildungssystem auf verquere Weise auch ein Beleg dafür, dass nicht alles schlecht ist in diesem System, sondern immer noch Chancen bietet, einen eigenen Lebensweg zu gehen.« ("Der Tagesspiegel")
»[Deniz] Ohde beobachtet und beschreibt präzise, was jeder sieht, worüber aber niemand spricht. Gerade für all jene, die sich selbst als Arbeiterkind identifizieren, dürfte dieser Roman, der Erlebtes zur Sprache bringt, ohne jedoch Lösungen zu finden, eine aufwühlende Erfahrung sein.« ("der Freitag")
»Sensibel und mit einem unglaublichen Feingefühl für Dramaturgie verleiht Deniz Ohde in Streulicht einer Vielzahl von Kindern mit ähnlichem Schicksal eine Stimme. ... Ein aussagekräftiges Debüt, das gerade durch Einfachheit und Leichtigkeit seine umwerfende Wirkung entfaltet.« ("Buchkultur")
» Streulicht ist eine leise Geschichte, deren Wucht langsam einsickert.« ("ZEIT ONLINE")
»... ein wirklich überzeugendes Debüt. Auf einfühlsame Weise, ohne jemals kitschig oder rührig zu wirken, zeichnet Deniz Ohde darin den schwierigen Weg vom migrantischen Arbeiterkind zur Akademikerin nach.« ("Deutschlandfunk")

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Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

19.08.2020

Verlag

Suhrkamp

Seitenzahl

284

Maße (L/B/H)

21,3/13,3/3,1 cm

Gewicht

395 g

Farbe

Hellblau / Anthrazit

Auflage

1. Auflage

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-518-42963-1

Herstelleradresse

Suhrkamp Verlag
Torstraße 44
10119 Berlin
DE

Email: info@suhrkamp.de

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  • Juti

    aus HD

    5/5

    22.04.2021

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    liebevoller Unterschichtenroma…

    liebevoller Unterschichtenroman Der Autorin gelingt es in diesem Roman, die Jugend in einem äußerlich denkbar schlechten Familie zu beschreiben. Zwar ist der Vater Messi und Alkoholiker, der in seinen Suchtanfällen die Tochter nicht ins Wohnzimmer lässt und auch die Mutter, die auf dem anatolischen Land ungeliebt von ihren Eltern aufgewachsen ist, aber deutsch gelernt hat, steht nicht für intellektuelles Milieu, aber immerhin befreite sich die Mutter von der religiösen Sitte, kein Schweinefleisch zu essen. Beim Lesen entsteht der Eindruck, wenn das Jugendamt erfahren hätte, dass in der Wohnung kein Platz zum gemeinsamen Essen war und jeder in seinem Zimmer gegessen hat, den Eltern wohl möglich die Erziehung der Tochter abgenommen worden wäre, dann wird dabei jedoch auch deutlich, dass die Eltern nicht ohne Liebe das Aufwachsen der Tochter begleiten. Bizarr wirkt es schon, wenn der Vater dem Lehrer beim Elternsprechtag nicht korrigiert, dass er nicht die Tochter von der Freundin Sophia ist. Sophia, die die Ich-Erzählerin mit aufs Gymnasium zieht, ist mit ihrem gemeinsamen Freund Pikka ein weiterer Haltepunkt. Wenn Kritiker wie Denis Scheck vom scheitern reden, dann ist das nur die halbe Wahrheit. Die Ich-Erzählerin muss zwar tatsächlich vor der Oberstufe das Gymnasium, auf dem sie kaum aufgefallen ist wegen schlechter Leistungen verlassen, doch nach anderthalb Jahren RTLII-Schauens entschließt sie sich die Abendschule zu besuchen. Mit Zeit Abonnement und der Förderung einer guten Lehrerin wechselt sie auf ein entferntes Gymnasium und macht Abitur mit Einserschnitt. Zwischendurch stirbt noch der Großvater und die Mutter, vermutlich weil sie zu spät zum Arzt geht. Leider erfahren wir nicht, in welcher Klasse die Tochter da war. Auch der Stadtteil neben dem Industriepark lädt nicht zum Bleiben ein. Selbst die Frau, die sich 1996 in der Christmette in die Luft sprengte, hat es im Frankfurter Stadtteil Sindlingen tatsächlich gegeben. Das Buch endet mit dem Studium fernab der Heimat, wo sie schnell einen Freund kennenlernt. Eigentlich hätte mir besser gefallen, wenn das Buch mit dem Abitur beendet gewesen wäre. Wir lesen, dass die Motivation ein wenig nachgelassen hat, und es endet mit den tröstenden Worten des Vater, der bezogen auf das Studium sagt: „Wenn’s nichts wird, kommst wieder heim.“ Allenfalls kleinere Ungenauigkeiten, deswegen 5 Sterne.

  • SternchenBlau

    5/5

    05.02.2021

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Wunderschöne Sprache, intensive Erinnerungen.

    In diesem Buch passiert scheinbar nicht viel. Und doch so viel, denn hier werden die Weichen gelegt, wie ein junger Mensch später die Welt wahrnimmt und – leider noch viel wesentlicher in unserer Welt – wie dieser von der Welt wahrgenommen wird. Diese Weichen liegen im Streulicht, vieles kann so gehen oder so. Aber es gibt ein Muster und Wahrscheinlichkeiten, nach denen die Freundin Sophie wohl einen anderen Lebensweg haben wird als das Mädchen mit dem geheimen türkischen Namen, obwohl sie den nur selten nennt. Eindrucksvoll ist an diesem Buch wie Ohde Standesdünkel, Klassismus und Rassismus vorführt. „Es war keine Identität, die sich herausbildete, sondern eher wurde sie mir entzogen, verschwand im Keller der Schule, zwischen den bis in die Sechziger zurückreichenden Akten, weil ich die Einzige aus meinem Jahrgang war, die nicht auf eine höhere Schule wechselte und deren Akte deshalb nirgendwo hingeschickt werden musste. Sie lag oben auf einem staubigen Schrank, nachts kalt beleuchtet von den Laternen des Schulhofs.“ Kürzlich habe ich mal einen treffenden Gedanken gelesen: Wie langweilig es doch ist, immer und wieder davon zu lesen, wie sich mittelalte Männer in Büchern wehmütig an ihre eigene Jugend erinnern und sie verklären. Wie völlig entgegengesetzt das ist, wenn sich die Ohdes Protagonistin an ihre Jugend erinnert. Hier ist nichts verklärend. Wehmütig wurde mir dennoch ums Herz, weil Ohde uns ganz nah an ihre Protagonistin heranlässt. „Ich war nicht schaumgeboren, sondern staubgeboren; rußgeboren, geboren aus dem Kochsalz in der Luft, das sich auf die Autodächer legte. Geboren aus dem sauren Gestank der Müllverbrennungsanlage, aus den Flusswiesen und den Bäumen zwischen den Strommasten, aus dem dunklen Wasser, das an die Wackersteine schlug, einem Film aus Stickstoff und Nitrat, nicht Gischt.“ Dies alles fasst Ohde in eine sehr poetische Sprache. Weil es ihre Protagonistin ist, deren Stimme wir hören, wird umso deutlicher, um wie viel Potential so viele Menschen in diesem Land durch die Strukturen gebracht werden. CN / Content Note: Alkoholismus, Messie-Syndrom, Rassismus, schwierige Kindheit, körperliche Bestrafung der Mutter in deren Kindheit, Rassismus, Krebstod Rassismus schlägt der Protagonistin erst in zweiter Linie entgegen, weil die türkischen Wurzeln der Mutter durch den deutschen Namen meist übertüncht werden. Doch immer wieder so Sätze der Freundin seit Kindheitstagen. Aber auch so wird oft das Gefühl vermittelt, dass sie nicht wirklich dazu gehört, schon wegen der einfachen Herkunft der Eltern. Der Vater ertränkt seine Verletzungen von früher im Alkohol, hortet Dinge an bis zum Messitum. „Wenigstens ging er nur auf die Möbel los. Sie schätzte sich glücklich. Man konnte nicht davon ausgehen, dass es in der Welt etwas Besseres gab, man konnte es nicht einfach so einfordern. Das habe ich von ihr gelernt.“ So fein beobachtet wie schmerzhaft fand ich, wenn sich die Protagonistin mit ihren Freund:innen aus Kindheitstage vergleicht, obwohl, vielleicht mache ich das viel mehr beim Lesen selbst. Die Hochzeit der beiden bildet dann auch den Rahmen für die Erzählung. Die letzten 20, 30 Seiten versandeten für mich ein wenig vom Bogen. Das Buch als Ganzes habe ich sehr gerne gelesen. Fazit Sprachlich gelungen, intensive Erinnerungen. Deniz Ohde ist damit für mich sehr verdient auf der Short List des Deutschen Buchpreises gelandet. Ich empfehle das Buch sehr gerne allen, die Gefallen an ruhiger, poetischer Literatur finden. 4,5 von 5 Sternen.

  • SternchenBlau

    5/5

    01.02.2021

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Wunderschöne Sprache,…

    Wunderschöne Sprache, intensive Erinnerungen. Eindrucksvoll wie Ohde Standesdünkel, Klassismus und Rassismus vorführt. Staubgeboren In diesem Buch passiert scheinbar nicht viel. Und doch so viel, denn hier werden die Weichen gelegt, wie ein junger Mensch später die Welt wahrnimmt und – leider noch viel wesentlicher in unserer Welt – wie dieser von der Welt wahrgenommen wird. Diese Weichen liegen im Streulicht, vieles kann so gehen oder so. Aber es gibt ein Muster und Wahrscheinlichkeiten, nach denen die Freundin Sophie wohl einen anderen Lebensweg haben wird als das Mädchen mit dem geheimen türkischen Namen, obwohl sie den nur selten nennt. Eindrucksvoll ist an diesem Buch wie Ohde Standesdünkel, Klassismus und Rassismus vorführt. „Es war keine Identität, die sich herausbildete, sondern eher wurde sie mir entzogen, verschwand im Keller der Schule, zwischen den bis in die Sechziger zurückreichenden Akten, weil ich die Einzige aus meinem Jahrgang war, die nicht auf eine höhere Schule wechselte und deren Akte deshalb nirgendwo hingeschickt werden musste. Sie lag oben auf einem staubigen Schrank, nachts kalt beleuchtet von den Laternen des Schulhofs.“ Kürzlich habe ich mal einen treffenden Gedanken gelesen: Wie langweilig es doch ist, immer und wieder davon zu lesen, wie sich mittelalte Männer in Büchern wehmütig an ihre eigene Jugend erinnern und sie verklären. Wie völlig entgegengesetzt das ist, wenn sich die Ohdes Protagonistin an ihre Jugend erinnert. Hier ist nichts verklärend. Wehmütig wurde mir dennoch ums Herz, weil Ohde uns ganz nah an ihre Protagonistin heranlässt. „Ich war nicht schaumgeboren, sondern staubgeboren; rußgeboren, geboren aus dem Kochsalz in der Luft, das sich auf die Autodächer legte. Geboren aus dem sauren Gestank der Müllverbrennungsanlage, aus den Flusswiesen und den Bäumen zwischen den Strommasten, aus dem dunklen Wasser, das an die Wackersteine schlug, einem Film aus Stickstoff und Nitrat, nicht Gischt.“ Dies alles fasst Ohde in eine sehr poetische Sprache. Weil es ihre Protagonistin ist, deren Stimme wir hören, wird umso deutlicher, um wie viel Potential so viele Menschen in diesem Land durch die Strukturen gebracht werden. CN / Content Note: Alkoholismus, Messie-Syndrom, Rassismus, schwierige Kindheit, körperliche Bestrafung der Mutter in deren Kindheit, Rassismus, Krebstod Rassismus schlägt der Protagonistin erst in zweiter Linie entgegen, weil die türkischen Wurzeln der Mutter durch den deutschen Namen meist übertüncht werden. Doch immer wieder so Sätze der Freundin seit Kindheitstagen. Aber auch so wird oft das Gefühl vermittelt, dass sie nicht wirklich dazu gehört, schon wegen der einfachen Herkunft der Eltern. Der Vater ertränkt seine Verletzungen von früher im Alkohol, hortet Dinge an bis zum Messitum. „Wenigstens ging er nur auf die Möbel los. Sie schätzte sich glücklich. Man konnte nicht davon ausgehen, dass es in der Welt etwas Besseres gab, man konnte es nicht einfach so einfordern. Das habe ich von ihr gelernt.“ So fein beobachtet wie schmerzhaft fand ich, wenn sich die Protagonistin mit ihren Freund:innen aus Kindheitstage vergleicht, obwohl, vielleicht mache ich das viel mehr beim Lesen selbst. Die Hochzeit der beiden bildet dann auch den Rahmen für die Erzählung. Die letzten 20, 30 Seiten versandeten für mich ein wenig vom Bogen. Das Buch als Ganzes habe ich sehr gerne gelesen. Fazit Sprachlich gelungen, intensive Erinnerungen. Deniz Ohde ist damit für mich sehr verdient auf der Short List des Deutschen Buchpreises gelandet. Ich empfehle das Buch sehr gerne allen, die Gefallen an ruhiger, poetischer Literatur finden. 4,5 von 5 Sternen.

  • https://lieslos.blog/

    5/5

    19.10.2020

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Soziale Herkunft und Hemmnisse, die sich daraus ergeben.

    Soziale Herkunft und Hemmnisse, die sich daraus ergeben. Freunde aus der Kindheit heiraten und deshalb kehrt die namenlose Ich-Erzählerin zu dem Ort zurück, an dem sie aufgewachsen ist. „Heimatort“ möchte ich ihn an dieser Stelle ganz bewusst nicht nennen, weil sie sich dort nie wirklich heimisch, zugehörig und wohl gefühlt hat. Es ist ein von Industrie geprägter Ort, in dem ihr Vater sein Leben lang als einfacher Fabrikarbeiter gearbeitet hat. Der Besuch löst Erinnerungen an ihre Kindheit und Jugend, an ihre Familiengeschichte und an die Dynamik in ihrer Herkunftsfamilie aus. Sie kommt nicht umhin, ausgiebig darüber zu reflektieren. Ihr Bildungsweg spielt in diesen Gedanken und Überlegungen eine große Rolle. Ihr Vater war ein gewaltbereiter, veränderungsresistenter und wortkarger Mann und ihre Mutter ging schließlich weg und ließ sie beim trinkenden Vater zurück. Sie erinnert sich an Schamgefühle und Ängste und ihr wird klar, dass sie, um ihres Vaters Gewalttätigkeit nicht anzufachen und um familiäre Eskalationen zu vermeiden, ein ruhiges, stilles und unscheinbares Mädchen werden musste. Diese Entwicklung war jedoch etwas, das ihr in der Schule zum Nachteil wurde, weil sie sich dort als aufgewecktes und offenes Mädchen zeigen sollte. Zwischen diesen Anforderungen hin und her gerissen, wird es nur einen Ausweg geben: den eigenen Weg und die Individualität zu finden. Sie ist frühzeitig von der Schule abgegangen und hat ihre Abschlüsse erfolgreich auf dem zweiten Bildungsweg nachgeholt. Jetzt, wieder auf den alten Pfaden unterwegs, fragt sie sich, warum ihr Weg so verlaufen ist und währenddessen erfahren wir, wie es dazu kam, dass sie weggegangen ist. Der Roman beschäftigt sich v. a. mit sozialer Herkunft und ihrem Einfluss auf innere bzw. äußere Hemmnisse der individuellen Entwicklung. Themen wie Diskriminierung und Rassismus klingen deutlich an. In der Auseinandersetzung mit ihrer Biographie wird ihr mit Wehmut klar, dass sie sich in diesem Ort nie wirklich zugehörig und in ihrem Ich-Sein angenommen, sondern fremd, ausgeschlossen und abgewertet gefühlt hat. Am Ende der Geschichte steht nicht die Anklage derer, die der Erzählerin ihren Werdegang und ihre Entwicklung erschwert haben, sondern, so meine ich, das befriedigende, aber nicht triumphierende Gefühl, Antworten, Erkenntnis und Verständnis erlangt zu haben. Der Roman wird nicht chronologisch und auch nicht kausal erzählt. Nach ihrer Rückkehr erfahren wir durch Rückblenden und eher assoziativ von ihrer äußeren und inneren Realität. Deniz Ohde wertet und erklärt nicht, sondern sie reflektiert und beschreibt detailliert. Sie beschreibt glaubhaft und gleichermaßen einfühlsam wie eindringlich die Nöte eines Arbeiterkindes mit Migrationshintergrund, das trotz erschwerter Startbedingungen und Erfahrungen von Ungleichheit und Ablehnung den eigenen Lebensweg findet und eine akademische Laufbahn einschlägt. Dass es dieser bewegende und kluge Roman auf die Longlist des Deutschen Buchpreises 2020 geschafft hat ist für mich nicht verwunderlich. Klare Leseempfehlung!

  • Lesendes Federvieh

    aus München

    5/5

    08.10.2020

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Aufwühlender Blick auf die Schwachstellen unserer Gesellschaft

    Inmitten eines Industrieortes, wie es viele in Deutschland gibt, wächst die Ich-Erzählerin auf. Als sie zur Hochzeit ihrer Freunde an den Ort ihrer Kindheit und Jugend zurückkehrt, werden Erinnerungen an die Vergangenheit wach. An den Vater, der jahrzehntelang in der Fabrik Aluminiumbleche beizte, den fast blinden Großvater, der ebenso wie ihr Vater in seinem Trott gefangen war, an die Mutter, die in dieser Enge zurechtkommen musste und auch an ihre schwierige Schulzeit. All diese Gedanken steigen in ihr hoch, unaufhaltsam, wie Seifenblasen im Wind... Deniz Ohde hat mit ihrem Roman "Streulicht" ein grandioses Debüt vorgelegt. Sie beschreibt darin einen Teil unseres Gesellschaftssystems, den es so niemals geben sollte. Ausgrenzung, Armut und ungleiche Bildungschancen sind das Thema dieses leisen und doch so kraftvollen Romans, der mich einfach umgehauen hat. Mit ihrem feinfühligen, klaren Schreibstil lässt sie den Leser am Leben ihrer namenlosen Ich-Erzählerin teilhaben. Zunächst schildert sie bildgewaltig und bis ins kleinste Detail den Ort und die Umgebung, in der ihre Protagonistin aufwächst. Vor diesem Hintergrund rollt sie die Vergangenheit Stück für Stück auf, je weiter man im Buch kommt, desto schrecklicher wird es zu sehen, wie dieses intelligente, schüchterne Mädchen durchs Bildungsraster fällt, weil niemand genauer hinsieht und sich um sie kümmert. Das ist harte Kost, denn man weiß ja genau, das kommt in der Realität viel zu oft vor. Durch ihre beste Freundin Sophia sieht man diese Ungerechtigkeit noch deutlicher, ihr stehen alle Möglichkeiten offen, alles ist selbstverständlich. Deniz Ohde erzählt dabei in so feinen, leisen Schattierungen, eben genau so, wie die Ich-Erzählerin durchs Leben geht. Unauffällig, still, sie macht alles mit sich selbst aus. Ich habe das Buch aus genau dieser Perspektive gelesen und das ist für mich auch das Besondere an der Erzählkunst der Autorin. Man kann sich richtig mit ihrer Protagonistin identifizieren, so nah lässt sie den Leser an der Geschichte teilhaben. Für mich hat Deniz Ohde einen ganz tollen, berührenden und aufwühlenden Roman geschrieben, der mir noch lange Stoff zum Nachdenken liefert. Großartig und völlig zu Recht für den Deutschen Buchpreis 2020 nominiert. Fazit: Aufwühlender, absolut lesenswerter Blick auf die Schwachstellen unserer Gesellschaft

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