Im März 2015 kommt Naja Marie Aidts 25-jähriger Sohn Carl bei einem tragischen Unfall ums Leben. »Carls Buch« hält jene Monate nach dem verheerenden Anruf aus dem Krankenhaus fest. Sehr persönlich, aber gleichzeitig von erstaunlicher Allgemeingültigkeit schreibt die preisgekrönte dänische Schriftstellerin über den Versuch, das Unbegreifliche zu verstehen. Wie wir mit der Tatsache fertig werden, dass das Leben einfach so aufhört. Wie der Tod eines geliebten Menschen uns an die Grenze von Sprache führt. Wie wir Trost finden - bei Freunden und Familie, in unseren Erinnerungen und in der Literatur. Ergreifend, sprachlich brillant, mutig und unvergesslich.
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
Bewertung
5/5
01.08.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch lohnt sich und es bewegt in tiefen Schichten
Wie schreiben über das unschreibbare? Plötzlich tot, ein Unfall, selbstverschuldet, in einem unzurechensfähigen Zustand, mit Mitte 20, der eigene Sohn...
Wie schreiben über das aus dem Leben, der Zeit, der Welt gerissen sein? Wie diesen Schmerz verarbeiten, wie weiterleben, wie es erschreiben?
Und warum so ein Buch lesen? Autofiktion über den plötzlichen Tod des eigenen Kindes. Diese Frage stellt sich mir normalerweise nicht, nicht im Leben, nicht in der Literatur, denn es verschreckt mich wenig. Aber der eigene Sohn, plötzlich, weg, für immer, ja das ist auch mein wundster Punkt...
Aidt schafft es, mit Carl's Buch ein berührendes, schmerzendes und tröstendes Buch zu schreiben über dieses Jahr außerhalb von allem, rund um den Tod ihres Sohnes Carls, der Pilze mit seinem Freund konsumierte und in einem negativen Trip aus dem Fenster sprang. Ein ganz normaler junger Mann, keine besonderen Probleme. Ein ganz besonderer junger Mann, ganz normale Probleme.
Fragmentarisch, lyrisch, allgemein, weit weg, ganz nahe, nehmen wir teil an den Reaktionen der Autorin, der Mutter. Aidt gelingt es, das unbeschreibbare zu beschreiben, uns mitzunehmen in ihren Gedanken, ihren Schmerz, ihre Veränderung, in ihre Ruhe und Trost.
Es ist ein sehr persönliches Buch und es ist ein universelles, lesenswertes Buch. Das Leben und der Tod, es sind zwei Punkte, das Leben ist dazwischen, kein Entrinnen, wir kommen von einem Punkt, zum anderen, immer. Dieses Buch lohnt sich und es bewegt in tiefen Schichten, es verbindet sich etwas mit diesem Text.
Bewertung
aus Villach
5/5
29.10.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
So unglaublich traurig
Ich weiß nicht, ob ich je etwas so Tieftrauriges wie dieses Buch gelesen habe. Die dänische Schriftstellerin und Lyrikerin Naja Marie Aidt versucht den Tod ihres 2015 verunglückten Sohnes zu verarbeiten. Sie schreibt Erinnerungen, Gedichte, Nachrichten und frühere Tagebucheinträge nieder.
Carl ist 25 Jahre alt, als er nach der Einnahme von Pilzen aus dem 4. Stock seines Wohnhauses springt. Er kommt ins Krankenhaus und wird künstlich am Leben erhalten – zu schwer sind die Verletzungen, als dass er dies überleben könnte. Schrecklich, das Warten, bis die Ärzte ihn für hirntot erklären, zugleich aber hoffen, dass alles doch noch anders ausgeht.
Es ist das Schlimmste, was man sich als Eltern vorstellen kann – das eigene Kind stirbt. Unglaublich, wie es der Autorin gelingt, den Schmerz und den Verlust in Worte zu fassen und sich aber auch immer wieder zu fragen, was wäre wenn … Wenn die Polizei schneller reagiert hätte, wenn er nicht alleine gewesen wäre? Es nicht fassen zu können, was passiert ist. Die Beisetzung und die Vorstellung, dass das eigene Kind im Sarg liegt und einfach nicht mehr ist.
Es ist ein sehr persönliches, autobiografisches Buch, das mir sehr naheging. Unter die Haut.
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