Argentinien, 1952. Wie aus dem Nichts taucht in der verschlafenen Kleinstadt S. ein junger Mann auf. Er ist schwer verletzt, hat nichts als seine Kleider am Leib und scheint sein Gedächtnis verloren zu haben. Nur einen Namen wiederholt er immer wieder: Kurt.Doktor Rivenport, der Direktor des örtlichen Krankenhauses, ist über die Einlieferung des neuen Patienten gar nicht erfreut. Er stört sein geruhsames Leben im perfekten Gleichgewicht zwischen den Pflichten als Arzt und seiner Passion: dem Fangen und Präparieren von Schmetterlingen. Am liebsten würde er Kurt gleich wieder loswerden, doch das ist nicht so einfach. Polizei und Lokalpolitik kommen mit ihren Untersuchungen nicht weiter. Die Nonnen, die Kurt zunächst aufgenommen haben, setzen ihn vor die Tür. Rivenport bleibt keine andere Wahl, als seinen ehemaligen Patienten bei sich zu Hause aufzunehmen. Langsam wächst seine Faszination für Kurt, und er beginnt, auf eigene Faust Nachforschungen anzustellen. Diese führen ihn schließlich zurück in die jüngste Vergangenheit der europäischen Geschichte. Ist Kurt einer der vielen Deutschen, die ins Land gekommen sind? Ist er Opfer oder Täter? Und was würde das für ihre Freundschaft bedeuten?
Kundinnen und Kunden meinen
4.4/5.0
Bewertung
5/5
16.04.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein namenloser unter völliger...
Ein namenloser unter völliger Amnesie leidender Fremder verzaubert nach und nach die Menschen des Städtchens S.. Inklusive Rivenport. Seine Naivität, kindliche Freude brechen alle Mauern. Aber das Geheimnis muss gelöst werden. Leichtfüßig, nachdenklich.
Bewertung
aus Wien
5/5
01.03.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Einfühlsam und klug
Hat viel Spaß gemacht, hinterlässt einen Nachgeschmack, den ich noch nicht ganz definieren kann
Bewertung
4/5
03.03.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine literarische Neuentdeckung
Argentinien 1952. Wie aus dem Nichts taucht in der verschlafenen Kleinstadt S. ein junger Mann auf . Er ist verletzt und wird zu Doktor Rivenport ins Krankenhaus gebracht. Er hat überdies das Gedächtnis verloren und spricht nicht. Es entwickelt sich eine menschliche Beziehung aus Mitleid und Neugierde. MIt einen überraschenden Ende.
Ein glänzendes literarisches Debüt. Eine Entdeckung!
gst
aus Pirna
4/5
23.02.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine ungewöhnliche Freundschaft
Nach der Lektüre dieses Buches drängt sich mir die Frage auf: Was ist Freundschaft? Die meisten verstehen darunter eine Beziehung zwischen zwei Menschen, die eine gewisse Übereinstimmung hinsichtlich moralischer und gesellschaftlicher Vorstellungen haben, sich vertrauen und verlässlich sind, sich vielleicht auch mal unangenehme Wahrheiten sagen.
Vieles davon ist bei „Rivenports Freund“ nicht möglich, da die beiden Hauptpersonen, Dr. Rodriges Rivenport und sein unter Amnesie leidender Patient nicht die gleichen Voraussetzungen mitbringen. Trotzdem ist dieses Debüt des 1985 geborenen Autors zumindest zu zwei Dritteln sehr angenehm zu lesen. Humorvoll wird von „Kurt“ erzählt, der plötzlich aus dem Nichts auftaucht. Verletzt wird er ins Krankenhaus gebracht, wo sich herausstellt, dass er die Ärzte nicht versteht, aber die weiblichen Angestellten mit seiner charismatischen Art entzückt. Er erweckt in Dr. Rivenport, dem leitenden Arzt, anfänglich einen gewissen Widerwillen, weil er ihm Zeit stiehlt, die der lieber seiner Schmetterlingssammlung widmen würde. Doch spätestens, als sich „Kurt“ in der Kirche an die Orgel setzt und alle Anwesenden mit seiner musikalischen Interpretation verzaubert, verzeiht er ihm und nimmt ihn mit in die Natur …
Kurt, der anfänglich wie ein Baby in einem erwachsenen Körper wirkt, durchläuft im Schnelldurchgang eine Entwicklung zum Mann. Seine Herkunft bleibt lange unentdeckt, auch wenn sich Dr. Rivenport mehr für die Erkundung einsetzt, als die ansässige Polizei. In Argentinien, wo dieses Buch spielt, ist halt vieles anders als wir es uns vorstellen. Gerade das macht auch einen gewissen Reiz in diesem Buch aus.
Leider gelang es dem Autor dieses Debüts nicht, meine Begeisterung bis zum Schluss aufrecht zu erhalten. Das vergnügliche Grinsen, das mich durch die erste Hälfte des Buches während des Lesens begleitete, verschwand zum Ende hin. Doch wie sonst hätte der Autor die Geschichte zu Ende bringen sollen? Eine weitere Frage beschäftigt mich noch nach dem Schließen des Buchdeckels mit dem wunderschönen Schutzumschlag: Wie kann sich ein Mensch von seiner Vergangenheit lösen und eine neue Gegenwart leben?
Bewertung
4/5
23.02.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ungewöhnlich
Der Autor Damiano Femfert schickt uns mit seinem Debütroman "Rivenports Freund" nach Argentinien ins Jahr 1952. In dem nicht näher bekannten kleinen Ort S. lebt Professor Rivenport, Direktor des örtlichen Krankenhauses, nach dem Tod seiner Frau sehr zurückgezogen und einzig auf sein Hobby dem Schmetterlingssammeln fokussiert. Sein großer Traum ist es ein eigenes Naturkundemuseum mit der schönsten Schmetterlingssammlung nördlich von Buenos Aires zu eröffnen. Dafür bedarf es großer Anstrengungen seinerseits, und deshalb ist er wenig erbaut von der Störung seiner Arbeit, die sich durch einen unbekannten Schwerverletzten ankündigt, der plötzlich in sein Krankenhaus gebracht wird und so seine volle Aufmerksamkeit erzwingt. Der blonde Fremde wird mit großer Fürsorge von den ebenfalls im Krankenhaus tätigen Nonnen gepflegt und aufgepäppelt. Sein körperlicher Gesundheitszustand wird dann auch von Tag zu Tag besser, aber er leidet an Amnesie und spricht zunächst nicht. Lediglich an seinen Namen erinnert er sich nach einer Weile. Er heißt Kurt und ist offensichtlich Deutscher. Darüberhinaus verhält er sich wie ein Kind, naiv und wißbegierig, ein Sonnenschein mit musikalischem Talent, den Jeder sofort in sein Herz schließt und der aufgrund seines Charmes eine gewisse Narrenfreiheit besitzt. Auch Rivenport fühlt sich gewissermaßen als väterlicher Freund, versucht Kurt nach seinen Vorstellungen zu formen, bevor er beginnt die Vergangenheit des Deutschen zu ergründen, indem er auch der klitzekleinsten Spur folgt, was schließlich zum Erfolg führt.
Der Roman hat eine ganz wunderbare Sprache, sehr poetisch, humorvoll, einfach schön. Sehr gefallen haben mir die Personenbeschreibungen, z.B die der Nonnen:
"Es beeindruckte Rivenport immer wieder, dass Nonnen nicht nur wegen der schlichten Eleganz ihrer Uniform, sondern auch durch ihre Körperhaltung eine natürliche Anmut besaßen. Im Falle der Priorin handelte es sich um die sprichwörtliche Ausnahme von der Regel" (Seite 21)
Auch das südamerikanische Lebensgefühl, die Rivalität zwischen Argentinien und Chile, konnte der Autor wunderbar mit einem zwinkernden Auge vermitteln.
In diesem Roman wird die Entwicklung des Schmetterlings mit seinen Metamorphosen herangezogen, um die Frage aufzuwerfen, ob ein Mensch unterschiedliche Identitäten haben kann. Und was macht es mit einer Freundschaft, wenn der Mensch, den Du liebgewonnen hast, tatsächlich ein ganz anderer ist, vielleicht ein schlechter Mensch, der schwere Schuld auf sich geladen hat?
In der 2. Hälfte des Buches verliert der Roman seine Leichtigkeit und weist auch leider ein paar Längen auf. Die Glaubwürdigkeit der Geschichte sei mal dahingestellt.
Trotzdem hat mich "Rivenports Freund" faziniert und in seinen Bann gezogen. Für mich war der Debütroman von Damiano Femfert ein sehr ungewöhnliches Buch, dass mich in weiten Teilen verzaubert hat und dem ich viele begeisterte Leser wünsche.
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