Zwischen uns ein ganzes Leben. München, 1945. Zusammen mit ihrer Mutter Käthe ist Ana aus Breslau geflohen. Käthe ist traumatisiert, und so ist es an Ana, für ihre Familie zu sorgen. Als sie ihre eigene Familie gründet, scheint der Krieg verwunden, doch ihre Tochter Lilith bleibt ihr seltsam fremd. Viele Jahre später steht Lilith vor einer großen Entscheidung: Ausgerechnet sie, die doch immer unter ihrer distanzierten Mutter gelitten hat, soll den Sohn ihrer besten Freundin bei sich aufnehmen. Da fährt Ana mit ihr nach Breslau und erzählt ihr endlich, was damals wirklich geschehen ist. Eine berührende Familiengeschichte, die über drei Generationen bis in das 21. Jahrhundert reicht.
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Drei faszinierende Frauenleben
Bewertung am 08.01.2021
Bewertungsnummer: 493189
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Stefanie Gregg ist ein berührender Familienroman gelungen, der sich auf sensible Weise mit den Folgen von Krieg, Flucht und dem Verlust der Heimat auseinandersetzt. Drei Frauen, drei Generationen, drei Schicksale- ein sprachlich schönes, fesselndes Buch, das tief bewegt. Klasse!
Stefanie Greggs Buch „Nebelkin…
sleepwalker am 14.09.2020
Bewertungsnummer: 2994086
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Stefanie Greggs Buch „Nebelkinder“ erzählt die Geschichte einer Familie, festgemacht an drei Frauen aus drei Generationen, Käthe, ihre Tochter Anastasia und deren Tochter Lilith. Käthe stammt aus Schlesien, war in einer wohlhabenden Familie aufgewachsen, hatte gut geheiratet und dann mit der Familie gebrochen, als sie von einem anderen Mann mit Anastasia schwanger war. 1945 schafft Käthe es mit ihren Kindern Anastasia und Helene und ihrer Schwester Selma samt deren Sohn Wolfi auf einen der letzten Züge in Richtung Deutschland. Sie landen erst auf einem Bauernhof in Bayern, dann in München, Anastasias Mann kehrt aus dem Krieg zurück und in der Familie kehrt Ruhe ein. 2017 macht sich Lilith mit ihrer Mutter auf nach Breslau, um deren Heimat, und damit auch ihre Mutter und deren Geschichte und auch ihre eigene Vergangenheit und sich selbst ein bisschen kennenzulernen. Es ist eine bewegende Geschichte über Frauen in patriarchischen Gesellschaften (Käthe durfte nicht studieren, weil ihr Mann es nicht wollte), Kinder, die viel zu schnell und zu früh erwachsen werden müssen (Anastasia übernahm auf der Flucht und auch später praktisch die Mutter-Rolle für ihre jüngere Schwester) und über Frauen, die große Traumata mit sich herumtragen. Die Nachwehen von Krieg und Flucht werden über die Generationen weitergegeben, denn zwischenmenschliche Beziehungen sind durch sie geprägt. Das Buch spielt in mehreren Zeitebenen. Der Leser wird sowohl mit auf die Flucht genommen, erlebt eine kurze Zeit auf dem Bauernhof, die Rückkehr von Käthes Mann Ludwig und die Zeit, in der manche Wunden zu heilen beginnen. Ludwig bekommt eine Stelle als Richter, verdient gut, die Familie kann sich nach und nach wieder etwas leisten und dennoch wird Käthe nie wieder wirklich glücklich. Der zweite Handlungsstrang dreht sich um Lilith, ihr Verhältnis zu ihrer Mutter, ihr Unverständnis der Mutter gegenüber und alles gipfelt dann in der gemeinsamen Fahrt nach Breslau. Nebelkinder ist die Bezeichnung für „Kriegsenkel“. Das ist die Generation von Lilith und die der Autorin, die den Krieg nicht selbst miterlebt haben, deren Eltern im Krieg selbst noch Kinder oder Jugendliche waren. Sie wurden durch die Erlebnisse ihrer Eltern, also quasi aus zweiter Hand geprägt, müssen mit den Traumata ihrer Eltern leben und umgehen und werden dadurch selbst traumatisiert. „Im Zug verlor Mutti ihr Lachen“, „Anastasia wurde erwachsen im Zug. Sie kümmerte sich um Lenchen. Mutti tat es nicht mehr. Sie war irgendwie nicht mehr da.“ – das liegt nicht nur an den Strapazen der Flucht, denn Käthe muss einem Volkssturmmann zu Willen sein. Sie ist in der Folge nicht mehr in der Lage, ihren Kindern eine Mutter zu sein, ihre Tochter ist später ebenfalls nicht in der Lage, eine liebende Mutter für ihre Tochter zu sein. „Ich habe alles für dich getan. Und das ist das Einzige, was am Ende im Leben einer Frau wirklich zählt.“, sagt Anastasia zu Lilith. Sie sorgt dafür, dass es ihrem Kind an nichts fehlt. Aber ihm sagen, dass sie es liebt, kann sie nicht. „„Du hast nie gesagt, dass du mich liebst.“ Eine Träne floss aus Anas Auge. „Warum sollte man so etwas sagen?““ Hier musste ich innehalten und durchatmen. Das Buch ist eine Geschichte von Verstehen und Verständnis. Verständnis ist aber in der Geschichte keine Einbahnstraße. Lilith muss verstehen, was ihre Mutter erlebt und durchgemacht hat, was sie zu der werden ließ, die sie ist. Andererseits muss aber auch Anastasia verstehen, dass ihre Tochter sich von ihr abseits von Materiellem ein „ich liebe dich“ wünschen würde. So gibt es ein Kennenlernen, aneinander Annähern, ein aufeinander Zugehen und am Schluss ein Verstehen. Sprachlich fand ich das Buch manchmal ein bisschen holprig, was aber zur Geschichte gut passt. Für ein wundervolles Buch, das nachdenklich, betroffen und traurig macht, Verständnis für die Generationen vorher schafft (aber auch für Opfer und Vertriebene der Kriege nach dem Zweiten Weltkrieg!) von mir von ganzem Herzen 5 Sterne.
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