Ein intimer Einblick in die Leseliste einer Musiklegende: David Bowies einhundert Lieblingsbücher, die sein Leben und Schaffen prägten.
»David Bowie, was ist für Sie das vollkommene irdische Glück?« »Lesen«. Drei Jahre vor seinem Tod erstellte David Bowie eine Liste mit einhundert Büchern, die sein Leben verändert haben - eine Liste, die einer besonderen Autobiografie gleichkommt. Von Klassikern wie Madame Bovary und Clockwork Orange bis hin zu weniger bekannten Werken wie Flauberts Papagei und Nachdenken über Christa T. - diese Bücher haben Bowie inspiriert und zu dem visionären Künstler gemacht, als den wir ihn kennen.
In Bowies Bücher stellt John O'Connell diese einhundert Werke in kurzen, unterhaltsamen Essays vor. Jeder Essay wirft einen neuen Blick auf den Menschen und Künstler David Bowie, auf seine Musik, seine Kunst und die Zeit, in der er lebte. Eine ungewöhnliche Leseliste, die nicht nur Bowie-Fans faszinieren wird, sondern auch all jene, die tiefer in die kreative Welt eines der größten Popstars eintauchen möchten.
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
TontoM
aus Luxemburg
5/5
02.11.2021
eBook (ePUB 3)
Das perfekte Glück – Lesen mit Espresso
David Bowie war ein obsessiver Vielleser, der mit seiner mobilen Bibliothek mit 1500 Büchern zu Tourneen und Filmsets reiste und ab 1998 in den USA kreative Buchbesprechungen verfasste. Nicht nur Bowie Fans erfahren viele Details, die sein kreatives Schaffen beeinflussten, sondern auch der Bücherfreund bekommt viele Tipps zum Weiterlesen.
Der britische Journalist John O’Connell traf David Bowie 2002 zum Interview. Akribisch hat er recherchiert für seine Essays in „Bowies Bücher“, in denen er Bowies Auswahl von 100 Büchern vorstellt, die in der Liste des Victoria & Albert Museums 2013 zur Retrospektive von Bowies Lebenswerk erschien. O’Connell stellt jedes Buch vor, indem er relevante Informationen zum Buchkontext in Beziehung zu Bowies Biografie setzt. Jedem Essay folgen ein weiterer Literaturvorschlag und eine Hörempfehlung für einen Bowie-Song. Nützlich sind die Angaben zur deutschen Ausgabe mit Erscheinungsjahr, Übersetzer und Verlag, sofern es diese gibt.
In der Einleitung skizziert O’Connell Bowies Leben, Eigenarten, Süchte (z.B. Kokain und Espresso) sowie die von Jorge Luis Borges inspirierte Bücherliste, die bei Borges jedoch nur 74 Bücher enthält. Mit seiner Bücherliste konnte Bowie die Deutungshoheit über den eigenen Künstlermythos auch posthum noch selbst kuratieren
Das älteste Buch auf der Liste ist Homers Ilias aus dem 8.Jh.v.u.Z mit einer Lektion über Kleidung und ihre Bedeutung für die Projektion von Individualität. Das jüngste Werk von 2009 sind die Selected Poems Frank O’Haras, des ungekrönten Dichterfürsten des New Yorker Alltags. Dazwischen erscheinen Dantes Inferno (um 1320), Flauberts Madame Bovary (1856), D.H. Lawrences Lady Chatterley (1930), Bulgakovs Der Meister und Margarita (1940),Camus‘ Der Fremde (1942), Nabokovs Lolita (1955) oder Kerouacs Unterwegs (1957).
Zweimal erscheinen Anthony Burgess mit Clockwood Orange (1962) und Der Fürst der Phantome (1980), sowie George Orwell. Dieser mit Im Innern des Wals (1940),Essays, die auf Henry Millers Wendekreis des Krebses verweisen, und 1984 (1949). Nur ein Theaterstück des Mick Jagger Freundes Tom Stoppards The Coast of Utopia (2002) schaffte es in die Auswahl, das die Notwendigkeit von Idealismus behandelt. Erinnert wird in diesem Kapitel an Bowies Konzert in Westberlin 1987, das ostdeutsche Fans auf der anderen Mauerseite verfolgten. Für Bowie ein sehr emotionaler Moment mit Heroes.
Thematisch werden dem freien Willen totalitäre Systeme entgegengesetzt, so bei Ginzburg (1967) oder Köstler (1940). Rassismus, die amerikanische Geschichte aus Sicht von Randgruppen und afroamerikanische Kunst thematisieren Baldwin (1963), Zinn (1980) und Thurmann (1932). Die Straße (1946) von Ann Petry ist der erste Roman einer Afroamerikanerin, von dem mehr als 1 Mill. Exemplare verkauft wurden. Selbys Letzte Ausfahrt Brooklyn (1964) war in Großbritannien das letzte Buch, das 1967 wegen Obszönität verboten wurde. 1960 erschien von Laing, dem führenden britischenr Antipsychiatrievertreter in den Sechzigern Das geteilte Selbst, ein Buch über Schizophrenie und kreatives Schafffen.schrieb. Bowies Halbbruder Terry litt an Schizophrenie, Tanten an Psychosen.
Zur Musikliteratur gehören Titel zum Soul von Hirshey (1984) und Guralnik (1986), sowie Gilletts Geschichte der Rockmusik (1970). Kunstführer stehen auf der Liste neben Comics. Ein weiteres wichtiges Thema bildet Japan, deshalb ist auch All the Emperor’s Horses (1961) von Bowies Freund David Kidd auf der Liste. Er war eine Touristenattraktion in Japan und einer der wenigen Westler vor Maos Revolution in Peking.
Von 1976-1978 wohnte Bowie in Berlin. Deshalb sind auf der Liste Döblins Berlin Alexanderplatz(1929),Friedrichs Weltstadt Berlin Größe und Untergang(1972),Isherwoods Mr.Norris steigt um(1935) und nicht zuletzt Christa Wolfs Nachdenken über Christa T. (1968) zu finden. Letzteres habe er nach der Biermann Ausbürgerung 1976 und in den 2000’ern gelesen.
O’Connell’s Buch wurde von Tino Hanekamp ins Deutsche übersetzt, Barbara Thoben hat das ansprechende Cover gestaltet. Hoffentlich entscheidet sich Kiepenheuer & Witsch bei der nächsten Auflage für feineres Papier. Bücherfreunde werden glücklich sein!
Magische Farbwelt
5/5
21.06.2021
Buch (Taschenbuch)
Der Künstler in all seinen Facetten
Als größten Fan schlechthin von David Bowie würde ich mich nun nicht bezeichnen. Da gibt es sicherlich andere Liebhaber, die diesen Titel mehr als verdient hätten. Aber das Leben dieses doch extravaganten Künstlers kennenzulernen – ja, das hat mir sehr imponiert. David Bowie hat ja schon allein bei mir ein Stein im Brett, weil er mit Queen diesen unheimlich tollen Song „Under Pressure“ interpretiert hat. Und so habe ich auch automatisch David Bowie mit auf meiner Lieblingsliederliste. Eine Autobiografie über einen Künstler zu lesen ist dann noch mal etwas ganz Besonderes. Schon allein, dass ich jetzt weiß, dass David „Bowie“ gar nicht sein bürgerliche Name war – irgendwie verbindet mich so etwas indirekt mit den Stars. Doch nun ist „Bowies Bücher: Literatur, die sein Leben veränderte“ von John O'Connell ganz anders als eine abhandelnde Biografie über einen Menschen. Der Autor John O'Connell hat die für David Bowie einhundert wichtigsten Bücher analysiert, interpretiert und entsprechend für uns Leser aufbereitet, warum sie denn für David Bowie so wichtig gewesen sein könnten. Natürlich lernen wir so unheimlich viel über den Künstler an sich. Über seine Freunde. Über seine Familie. Über seine Vorlieben, seine Ängste, seine Exzesse. Und ganz nebenbei lernen wir auch etwas über Literatur. Altertümliche Literatur, die sogar bis vor die Zeit vor unserer Zeitrechnung reicht bis hin zu modernen Büchern. Ich bin jedenfalls total beeindruckt über diese Menge an Recherchen, die der Autor betrieben haben muss. Leicht wissenschaftlich haucht „Bowies Bücher: Literatur, die sein Leben veränderte“ an, an manchen Stellen wird auch etwas Vorwissen zu den analysierten Büchern erwartet, welches ich im Prinzip nicht hatte. Und dennoch kann ich so unheimlich viel mitnehmen und sehe den Künstler David Bowie dann noch einmal in einem anderen Licht. Ich höre seine Songs ganz anders und erinnre mich dabei an die Textpassagen im Buch.
Nicole
5/5
23.02.2021
Buch (Taschenbuch)
“I don't know where I'm going from here, but I promise it won't be boring.”
David Bowie schrieb drei Jahre vor seinem Tod eine Liste mit 100 Büchern, die sein Leben veränderten.
John O'Connell beschäftigt sich in "Bowies Bücher" mit dieser Bücherliste. In jedem Kapitel findet man kunstvolle Gedanken zu den Büchern, mit Illustrationen unterlegt.
Besonders gut hat mir die Hörempfehlung zu jedem besprochenen Buch gefallen. Ein gelungener und einmaliger Einblick in das Genie David Bowie.
JessSoul
aus Bad Lauterberg
5/5
24.01.2021
Buch (Taschenbuch)
Stars are never sleeping, dead ones and the living...
Dies sind die ersten Zeilen des Songs „The Stars (Are Out Tonight)“, der mir nun in den Sinn kommt, wenn ich John O’Connells „Bowies Bücher“ resümiere, denn dank dieser Biographie der etwas anderen Artbegreift man, was für einen enormen Schaffensdrang dieser Ausnahmekünstler hatte (und wieviel er darüber hinaus noch gelesen hat), sodass man sich fragt, ob er zu seinen Lebzeiten jemals genug Schlaf bekommen hat. Und obwohl Bowie leider schon seit 2016 zu den „dead ones“ gehört, schläft dieser Star durch das, was er uns hinterlassen hat, glücklicherweise auch nach seinem Tod noch nicht.
Zugegebenermaßen wurde ich mit diesem Buch in ein Universumkatapultiert, das mir bisher unbekannt war (worüber ich mich nun, da ich weiß, was mir jahrelang entgangen ist, sehr ärgere ). Natürlich wusste ich, wer David Bowie war und kannte und mochte auch einige Songs, mir war auch bewusst, dass es sich um eine sehr interessante Person handelte, aber irgendwie habe ich mich nie näher mit ihm und seiner Musikbeschäftigt. Dann fiel mir jedoch dieses Buch ins Auge und ich wusste sofort: Das ist die Gelegenheit! Und nun, da ich quasi für einige Tage in seine Welt und sein Lebenabgetaucht bin, wird er definitiv einen Platz in den TOP 10 meiner VIP (very interesting people)-Liste bekommen…
Aber nun zum Buch an sich: 2013veröffentlichte das Victoria & Albert Museum London im Rahmen der Wanderausstellung „David Bowie Is“ seine eigens aufgesetzte Liste der 100 Bücher, die für ihn die wichtigsten und prägendsten waren. John O’Connell erläutert diese 100 Bücher und versucht die daraus entstandenen Einflüsse auf Bowies Leben und Schaffen aufzuzeigen, wobei er nicht nur kurz den Inhalt eines jeden Buches anreißt, sondern auch viele Anekdoten und Geschichten aus Bowies Lebenerzählt. Mein liebstes Beispiel hierzu:
„Nile Rodgers, dem Produzenten von „Let’s Dance“, zeigte Bowie ein Foto, auf dem Little Richard in einem roten Anzug in einen roten Cadillac steigt. Genau so, sagte Bowie, solle das Album klingen.“
Solche Sätze kann nur ein Mensch sagen, der aus einer alltäglichen Situation eine enorme Inspiration gewinnt und daraus eine Hymne an das Leben und die damit einhergehenden Unwägbarkeitenkomponiert, die weit über bloße Musik hinausgeht. Wobei Bowie all das verarbeitete, was er in seinem Leben an Wissen, Eindrücken und Emotionen wie ein Schwammaufgesaugt hatte. Und vieles davon stammte mit Sicherheit aus diesen Büchern.
Durch die Fülle an Informationen ist „Bowies Bücher“ natürlich kein Buch, das man irgendwie zwischendurch liest. Es bedarf schon ein bisschen Muse (ich habe oft googlen müssen, damit ich weiß von wem oder was gesprochen wurde), aber ich habe selten ein derart informatives Buch gelesen, das mit einer so guten Ausgewogenheit zwischen Humor, Ernsthaftigkeit und spürbarer Leidenschaftaufwartet. Diese Leidenschaft ist definitiv ansteckend und hat dazu geführt, dass ich mich nun tagelang durch Bowies Lebenswerk gehört habe (und trotzdem natürlich nicht mal annähernd alles geschafft habe). Müsste ich ihn mit einem Maler vergleichen (was naheliegt, da er selbst – auch noch – gemalt hat), wäre es Francis Picabia: Dieser hatte nicht nur Bowies Malerei beeinflusst, sondern gefühlt jede Stilrichtung gemalt, während Bowie von Ziggy Stardust (1972) über Young Americans (1975), Let’s Dance (1983), Heathen (2002), The Next Day(2013) und viele weitere Alben ebenfalls eine eklektische Bandbreitegezeigt hat, die sich auch in seiner stil- und themenübergreifenden Bücherwahl widerspiegelt. Von freaky zu sachlich, traurig oder albern, von anrüchig über melancholisch, von Theologie, Politik, Geschichte über Psychologie, Magie und Kunst ist einfach alles und somit für jeden was dabei. Auch ich habe mir nun die für mich interessantesten Bücher sozusagen „auf die Fahne geschrieben“ und bin schon sehr gespannt darauf, sie zu lesen und die dazu passenden Bowie-Songs zu hören, die John O’Connell praktischerweise zu jedem Buch vorschlägt.
Ich finde übrigens, dass das Buch aufgrund der vielen kulturellen und historischen Bezügen definitiv nicht nur was für Bowie-Fans ist, sondern gerade Literaturliebhaber voll auf ihre Kosten kommen.
Und wer ein Fan von David Bowie ist und gern mehr über sein Leben und seine Inspiration wissen möchte, der sollte das Buch unbedingt gelesen haben!
Ich bedanke mich hiermit herzlich beim Verlag Kiepenheuer & Witschfür das tolle Poster und das kostenfreie Rezensionsexemplar, das mir glücklicherweise eine völlig neue musikalische und literarische Welt eröffnet hat!
Und zum Schluss noch meine persönliche Playlist zu diesem Buch:
„I Can’t Give Everything Away“
„Where Are We Now“
„Absolute Beginners (Single Version)“ 2014 Remaster
„Shadow Man“
„The Stars (Are Out Tonight)“
„Everyone says ‚Hi‘ (Edit)“
„Slow Burn (Edit)“
„Let’s Dance (Single Version)“ 2014 Remaster
„Under Pressure (2011 Remastered Version)“
„Thursday’s Child (Radio Edit)“
„Young Americans (2016 Remaster)“
„Lazarus“
„Blackstar“
„Time Will Crawl (2018)“
Bewertung
5/5
20.07.2020
Buch (Taschenbuch)
Sehr interessante und zu Weilen...
Sehr interessante und zu Weilen witzige Buchliste, die wirklich Bücher enthält, die man einmal gelesen haben sollte oder zumindest von denen man eine Ahnung haben sollte. Dies ermöglicht einem auch nochmal einen ganz anderen Blick auf Bowie als Mensch und Künstler. Lesenswert!
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