Hotel du Lac
Roman mit einem Vorwort von Elke Heidenreich | Anita Brookners Meisterwerk - ausgezeichnet mit dem Booker-Prize! »Ein fabelhafter Schmöker!« ELKE HEIDENREICH
»Anita Brookners faszinierendster Roman.« Anne Tyler
Die 39-jährige Schriftstellerin Edith Hope wird von ihren Freunden ins Hotel du Lac am Genfer See verbannt. Dort soll sie über das schändliche Fehlverhalten nachdenken, das sie sich kurz zuvor geleistet hat, und zur Besinnung kommen.
Uneinsichtig und trotzig reist Edith am Hotel du Lac an, das ihr trist und gähnend langweilig erscheint. Es nähert sich das Ende des Sommers, die Feriensaison ist vorbei, und auch sonst bietet der Ort nur wenig Ablenkung.
Die einzigen anderen Gäste sind die wohlhabende, narzisstische Mrs. Pusey mit ihrer drallen Tochter, die einsame Mme de Bonneuil, die magersüchtige Monica mit ihrem bettelnden Schoßhündchen, und der faszinierende Mr. Neville, der Edith von einer pragmatischen Sicht auf die Liebe überzeugen möchte ...
»Ein intelligenter und raffinierter Versuch über Einsamkeit, Illusion, allgemein menschliche Sehnsucht« Die Welt
»›Hotel du Lac‹ bündelt alle charakteristischen Themen und Motive von Brookners eleganter Romankunst und bringt ihre literarischen Stärken zur Geltung: Scharfe Beobachtung, Lebensklugheit, sarkastischer Blick auf Moral, Verhaltensnormen und Werte-Hierarchie des britischen Mittelstands, kritische Untersuchung der komplexen Beziehungen von Frauen und Männern, oszillierend zwischen leisem Spott und noch leiserer Melancholie.« Sigrid Löffler
»STRÄFLICH AMÜSANT.« DIE WELT
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Ein Kunstwerk mit gewaltigem Sprachreichtum
Lesezauber_Zeilenreise aus Eggenstein-Leopoldshafen am 30.06.2020
Bewertungsnummer: 1346013
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Die Schriftstellerin Edith Hope wurde von ihren Freunden in Zwangsferien an den Genfer See geschickt. Sie finden nämlich, dass Edith sich zu Hause in England unmöglich gemacht hat, als sie, nicht mehr ganz jung und nicht übermäßig attraktiv, am Tag ihrer Hochzeit den Bräutigam sitzenließ. Wider Erwarten ist sie jedoch auch im gepflegt langweiligen Hotel du Lac verschiedenen Anfechtungen ausgesetzt – und gerät in Versuchung, sich erneut zu verloben.
Zunächst einmal ist zu sagen, dass in diesem Buch nichts passiert. Aber das auf eine sehr unterhaltsame Art und Weise. Edith Hope ist nun also in diesem Hotel du Lac mit einigen anderen Gästen, die alle mehr oder weniger normal sind – so wie Edith eben auch. Jeder von ihnen hat sein Päckchen zu tragen und jeder geht anders damit um. Edith lernt so nach und nach alle kennen, doch alles nur oberflächlich. Sie selbst möchte ja schließlich von sich auch nichts wirklich preisgeben. Bis sie auf den einzigen männlichen Hotelgast trifft, der sie zu durchschauen scheint. Doch wer nun denkt, es handelt sich hier um eine Liebesgeschichte – weit gefehlt. Es ist vielmehr eine Studie über das Menschsein.
Anita Brookner, die 1928 geborene und bereits 2016 verstorbene Autorin, hat einen Schreibstil, der schlicht fasziniert. Sie geht mit der Sprache derart kunstvoll um, dass die Geschichte nicht einfach nur eine Geschichte ist, sondern vielmehr ein Kunstwerk. Ich halte mich für recht belesen, doch hier habe ich zwei Begriffe gefunden, dir mir bislang unbekannt waren. Aber dennoch ist es keine schwere Literatur. Man schwebt durch das Buch, ist plötzlich am Ende angelangt und denkt sich „wow“. Dabei passiert wie gesagt eigentlich nichts. Großartig!
Ich empfehle dieses Buch jedem, der sich für Literatur abseits des Mainstreams und für grandiosen Sprachreichtum begeistern kann.
Ein MUSS im Klassikerregal!
https://lieslos.blog/ am 03.06.2020
Bewertungsnummer: 1335603
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
„Hotel du Lac“ ist die Neuauflage eines Romans, der bereits 1984 erschienen ist und mit dem Booker Prize ausgezeichnet wurde.
September. Nachsaison.
Eine kleine verschlafene Stadt in der Schweiz.
Ein elegantes, aber unprätentiöses Hotel am Ufer des Genfer Sees.
Die 39-jährige Romanschriftstellerin Edith Hope will bzw. soll ihre „unglückliche Entgleisung“, „diese anscheinend schreckliche Sache“, hier an diesem Ort vergessen.
An diesem Ort der Verbannung, der ihr von ihren Bekannten nahegelegt wurde.
An diesem Ort der Verbannung, von dem sie eines Tages „älter, klüger und gehörig um Verzeihung bittend“ zurückkommen soll.
An diesem Ort der Verbannung, der ihr einen Besserungsaufenthalt ermöglichen soll.
Wir erfahren erst weit nach der Hälfte, um was es sich bei dieser Entgleisung handelt. Die Neugierde zieht sich bis dahin wie ein roter Faden im Hintergrund durch. Sie ist immer da, aber man wird vom interessanten und kurzweilig erzählten Vordergrund so abgelenkt und in Bann gezogen, dass Neugierde und Spannung erträglich sind. Nichtsdestotrotz ist man umso erfreuter, wenn das Geheimnis endlich gelüftet wird.
Ich finde es sehr bedauerlich und sogar ärgerlich, dass in manchen Buchvorstellungen, Ankündigungen und Rezensionen erwähnt wird, um welche Entgleisung es sich handelt. Dadurch wird einem als Leser etwas genommen.
Und natürlich werde ich es deshalb nicht verraten ;-)
Es ist der Tag der Ankunft im „Hotel du Lac“, einem abgeschiedenen und gleichermaßen bescheidenen, wie vornehmen Zufluchtsort für Erholungsuchende.
Edith, eine eher verschlossene und zurückhaltende Frau, erinnert sich an das letzte Mittagessen mit ihrem Agenten vor der Abreise und daran, wie ihre Freundin Penelope sie wie eine Abzuschiebende zum Flughafen Heathrow brachte.
Sie arbeitet an ihrem neuen Roman weiter, schreibt an ihren geliebten David und geht zum ersten „Auftritt im Speisesaal“, wo ihr erstmals der Gedanke kommt, dass der Aufenthalt ihr nicht nur Ruhe, sondern auch Eintönigkeit und Langeweile bescheren würde.
Man spürt Ediths Einsamkeit und Melancholie. Sie vermisst ihren Liebhaber David, beginnt, die anderen Gäste zu beobachten und sich mit ihrer lebhaften Phantasie ihre Lebensgeschichten auszumalen.
Ihre Gedanken nachzuvollziehen ist interessant, ihren Beobachtungen zu folgen ist vergnüglich, unterhaltsam, inspirierend, und z. T. witzig.
Wir lernen die oberflächliche, konsumfreudige, wählerische, anspruchsvolle und mitteilsame Mrs. Pusey mit ihrer pummeligen Tochter Jennifer kennen, die im Schatten ihrer Mutter steht und für Höheres bestimmt ist.
Wir treffen auf die schöne, schlanke und große Lady Monica, „ein Mitglied der herrschenden Klasse“, eine „träge Luxusfrau“, die ihr Hündchen Kiki gnadenlos verwöhnt.
Wir begegnen der von Sohn und Schwiegertochter ausrangierten, schwerhörigen und ständig Zeitung lesenden Mme. de Bonneuil mit dem „Bulldoggengesicht“.
Und dann weckt ein Mann im grauen Anzug Ediths Interesse: Philip Neville, der in ihr die Schriftstellerin Vanessa Wilde erkennt.
Es ist ein äußerlich ruhiger und gleichzeitig innerlich bewegter und dichter Roman.
Handlung und Aktion stehen im Hintergrund. Es geht vor allem um das Innenleben Ediths: ihre Gefühle, Empfindungen, Gedanken, Erinnerungen und Vorstellungen.
Man hat den Eindruck, als bewege sich Edith, eine Frau mit schlechter Menschenkenntnis und viel Fantasie, in einer Parallelwelt.
Entweder verliert sie sich in ihrer Innenwelt, in ihren Tagträumen und Fantasien oder sie taucht tief in die Handlung ihres neuen Romans ein. Eine gute Methode, um „die allzu realen Umstände, über die sie keine Kontrolle hatte, fernzuhalten“
In dem faszinierenden Roman stecken viele kleine Schätze, zum Beispiel die schöne Bemerkung: „Literatur, die altbewährte Trösterin der sich unbehaglich Fühlenden…“
Die bildhafte und anschauliche Sprache macht es zum Genuss, sich all das vorzustellen, was Edith erlebt und beobachtet.
Letztlich hat man das Gefühl, mit dieser elitären Luxusgesellschaft im Speisesaal zu essen oder im Salon Tee zu trinken, weil Anita Brookner sowohl Charaktere als auch Ambiente und Atmosphäre so bravourös beschreibt.
Es ist eine sowohl eindrucksvolle und tiefgründige, als auch unterhaltsame und vergnügliche Lektüre, die immer wieder amüsant ist und zum Schmunzeln anregt.
Dieses Buch mit dem schönen und ausführlichen Vorwort von Elke Heidenreich werde ich sicher ein zweites Mal lesen.
Bisher habe ich es nur als eBook, aber ich werde es mir noch als Printausgabe gönnen.
„Hotel du Lac“ ist ein Roman, der in meinem Klassikerregal stehen muss, weil ich ihn unglaublich gut finde.
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