»Effingers« ist ein Familienroman – eine Chronik der Familie Effinger über vier Generationen hinweg. Außer dass sie Juden sind, unterscheidet sich ihr Schicksal in nichts von dem anderer gutsituierter gebildeter Bürger im Berlin der Jahrhundertwende. Alle fahren sie im sich immer wiederholenden Lebenskarussell, das sich durch Glück, Schmerz, Leichtsinn, Erfolg und Scheitern dreht. Erst als der Nationalsozialismus sich breitmacht, wird aus dem deutschen Schicksal der Effingers ein jüdisches.
Ausstattung: Pepper: SPIEGEL-Bestseller
Kundinnen und Kunden meinen
4.7/5.0
Bories vom Berg
aus München
5/5
08.05.2022
Buch (Taschenbuch)
Literatur-Skandal Das Opus…
Literatur-Skandal Das Opus magnum «Effingers», der zweite Roman von Gabriele Tergit, wurde seit der Erstausgabe 1951 mehrfach neu aufgelegt, zuletzt 2019. Der Publikums-Erfolg jedoch blieb trotz euphorischer Besprechungen im Feuilleton weitgehend aus. Hatte Thea Dorn Recht, als sie erklärte: «Dass dieses Buch nicht längst fester Bestandteil des deutschen literarischen Kanons ist, halte ich für einen Skandal». 50 Jahre davor erschien mit «Die Buddenbrooks» der erste «Gesellschaftsroman in deutscher Sprache von Weltgeltung». Ohne Zweifel ist «Effingers» in diesem Genre inzwischen ebenfalls ein Klassiker, nach Heinz Schlaffers Definition also «gleichermaßen vergangen, erinnert und gegenwärtig», diese Neuauflage beweist es! Über vier Generationen hinweg, von 1878 bis 1948, wird in diesem opulenten Roman eine breit aufgefächerte Familien-Chronik aus der großbürgerlichen, jüdischen Berliner Gesellschaft erzählt. Als Klammer um das Geschehen dient anfangs und zum Schluss je ein Brief eines der markantesten Protagonisten, des Sohnes Paul aus der Uhrmacher-Familie Effinger im Städtchen Kragsheim. Anfangs ist er als 17Jähriger noch ein Lehrling voller Tatendrang, am Ende wartet er als 81jähriger, einst erfolgreicher Industrieller auf seine Deportation ins Vernichtungslager. Er habe «an das Gute im Menschen geglaubt», schreibt er resigniert, «Das war der tiefste Irrtum meines verfehlten Lebens». Der im Buch abgedruckte Stammbaum führt als zweiten Zweig den Bankier Markus Goldschmidt aus Berlin als Stammvater der Familie auf. Anders als bei Thomas Mann geht hier aber eine ganze Welt unter als Folge des politischen Wahnsinns eines verbrecherischen Diktators, nicht nur eine zunehmend degenerierte Kaufmanns-Familie. Über weite Strecken liest sich dieser Roman als detaillierte deutsche Gesellschafts-Studie über mehrere politische Epochen hinweg, deren markanteste die wilhelminische Ära mit Erstem Weltkrieg, Weimarer Republik und Inflationszeit, Machtübernahme der Nazis und Zweiter Weltkrieg sind. Diese politischen und gesellschaftlichen Umbrüche spiegeln sich im Leben der Effingers wieder, wobei die ökonomische Bandbreite vom einfachen Uhrmacher oder Krämerladenbesitzer bis zum Bankier und Großindustriellen reicht. Die Religion betreffend geht die Spanne vom strenggläubigen bis zum nicht praktizierenden Juden, wobei allerdings anzumerken ist, dass die Religion, ganz anders als vielfach behauptet, nur eine völlig nebensächliche Rolle spielt in dieser Familiensaga. Nur an wenigen Stellen, zunehmend natürlich gegen Ende, hat sie überhaupt mal Einfluss auf das Geschehen. Stattdessen sind es die üblichen Fährnisse des Lebens, die im Blickpunkt stehen, allem voran die Ehe als sinnstiftend für die Frauen früherer Zeiten. Überhaupt erstarkt die weibliche Emanzipation im chronologischen Ablauf von geradezu unglaublicher Spießigkeit, mit Anstandsdame beim Spaziergang des künftigen Paares, bis hin zur selbstbewussten Entscheidung, was den Ehepartner und vor allem Studium oder Berufswahl anbetrifft. Nicht verheiratet zu sein oder Liebhaber zu haben ist dann irgendwann kein Makel mehr für die selbstbewusst gewordene Frau. Man merkt sprachlich den journalistischen Hintergrund der Autorin, der dialogreiche Roman wird präzise und ohne Ausschmückungen in kurzen Kapiteln, aber mit scharfem Blick für Details erzählt. Neben dem abgedruckten Stammbaum sei ergänzend das äußerst hilfreiche ‹Literaturlexikon› empfohlen, auf dessen diesem Werk gewidmeter Internet-Seite nicht weniger als 131 Roman-Figuren detailliert beschrieben werden. Als lebensnahe Informations-Quelle über die damaligen gesellschaftlichen Verhältnisse ist «Effingers» durchaus mit entsprechenden Werken Fontanes vergleichbar, und erfreulicher Weise auch ähnlich genüsslich und den Horizont erweiternd zu lesen. Dazu tragen besonders die klugen philosophischen und kulturellen Erörterungen bei, die viele Lebensbereiche und Geisteshaltungen abdecken. Thea Dorn hat völlig Recht, ein Skandal!
Bewertung
5/5
25.01.2021
Buch (Taschenbuch)
Ein beeindruckender Epochenroman
Die Gerichtsreporterin Gabriele Tergit erzählt in ihrem erstmals 1951 erschienenen Roman "Effingers" die Geschichte einer jüdischen Familie über vier Generationen hinweg. Es ist nicht nur eine Familiengeschichte, sondern auch ein Gesellschaftsroman, der zugleich deutsche Geschichte von 1878 bis 1948 vermittelt, ohne belehrend zu sein. Sehr beeindruckend beschreibt die Autorin, wie sich das Leben der Familie Effinger durch die politischen und sozialen Umbrüche nach und nach drastisch verändert. Ein sehr lesenswerter Roman, für den man sich aufgrund seiner Komplexität Zeit nehmen sollte.
Bewertung
5/5
09.06.2020
Buch (Taschenbuch)
" Auf die lange Bank geschoben "
Ich war mir nicht sicher, ob es mir gefällt und habe dieses Buch " auf die lange Bank " geschoben. Anfangs hatte ich tatsächlich mit den vielen Personen, Orten und Verflechtungen meine Schwierigkeiten. Dabei mag ich diese Familiengeschichten sehr gerne lesen. Und dann hatte ich mich zurecht gefunden und mochte nicht mehr aufhören :
es ist die Geschichte der jüdischen Fabrikantenfamilie Effinger, die im Berlin der Gründerzeit ihren Anfang nimmt. Mit preußischer Genauigkeit und ganz viel Fleiß kommt man zu Wohlstand, aber immer misstrauisch beäugt von der Konkurrenz bleibt man lieber unter sich. Die nächste Generation ist da schon offener und mit dem Ersten Weltkrieg ändert sich das Leben von Grund auf, denn die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, verbunden mit der politischen Entwicklung stellen die Effingers vor ganz neue Herausforderungen ....
Ein Buch, das im Vergleich mit den " Buddenbrooks " von Thomas Mann durchaus bestehen kann.
Buchstabenfestival
aus Deutschland
3/5
28.09.2020
Buch (Taschenbuch)
Die "Effingers" ist eine sehr…
Die "Effingers" ist eine sehr opulente Geschichte mit vielen Charakteren und Details, die sich über Jahrzehnte entwickeln dürfen. Die Geschichte hat mich sehr an die "Buddenbrooks" von Thomas Mann erinnert. Mir gefallen die dicken Familiengeschichten, aber damit man bei über 900 Seiten am Ball bleibt, müssen spannende Ereignisse geschehen und die Charaktere müssen den Leser fesseln. Gerade bei den Charakteren hat dies bei mir leider nicht funktioniert. Ich bin teilweise mit den Frauen in der Geschichte nicht so richtig warm geworden. Der Schreibstil der Autorin Gabriele Tergit hat mir gut gefallen. Er liest sich leicht und flüssig. Jedoch war das Tempo der Geschichte recht langsam und so kamen immer wieder Phasen der Langatmigkeit auf. Gelegentlich habe ich mir gewünscht, dass sie sich nicht zu sehr in den Details verliert, denn diese bremsten die Geschichte etwas aus. Wer sich dieser Geschichte annimmt, muss die ganz dicken Schmöker mögen und auch die Langsamkeit der Geschichte zu schätzen wissen. Für mich waren zwar der politische und wirtschaftliche Hintergrund sehr interessant, jedoch konnten mich die Charaktere nur bedingt abholen und mitnehmen, so dass der Lesespaß etwas zurückhaltend war.
Bewertung
aus Bergisch Gladbach
5/5
25.10.2020
eBook (ePUB)
Großartig
Dieser kaum bekannte Roman ist eine große Entdeckung. Geschrieben von der jüdischen Autorin Gabriele Tergit ist das Buch mit den Buddenbrooks verglichen worden. Das stimmt teilweise. Effingers handelt vom Schicksal des jüdischen Bürgertums zwischen 1878 und 1945 anhand einer Familiensaga und wie bei den Buddenbrooks liegt der Fokus auf der ökonomischen Entwicklung
Das Werk erinnert auch an Fontane, liest sich aber viel leichter und nicht so schwerfällig. Die 150 Kapitel erzählen eine Fülle von Geschichten und so entsteht ein Opus Magnum Deutsch jüdischen Lebens, wunderbar erzählt und troz der Länge nie langweilig. Unbedingt lesenswert.
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