• Produktbild: Das Paradies meines Nachbarn

Das Paradies meines Nachbarn Roman

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Beschreibung

Produktdetails

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

24.02.2020

Verlag

btb

Seitenzahl

224

Maße (L/B/H)

22,1/14,4/2,5 cm

Gewicht

406 g

Farbe

Anthrazit

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-442-75869-2

Beschreibung

Rezension

»Ein umwerfender Roman über Söhne und ihre Mütter, die Opfer der Liebe und über die Verantwortung, etwas aus seinem Leben zu machen. Nava Ebrahimi ist nicht nur eine der spannendsten Stimmen der deutschen Literatur, sie verdient auch international den Durchbruch.« ("Angela Wittmann, Brigitte")
»Auch in ihrem zweiten Roman zeigt Nava Ebrahimi, dass sie völlig zurecht als eine der aufregendsten Repräsentantinnen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur gehandelt wird. Die 41-Jährige schreibt klug, witzig, originell und intelligent – und sie schreibt mit existenziellem Tiefgang. « ("Peter Zimmermann, Ö1 Ex Libris")
»Die zwei Welten sind das große Thema der Autorin, die im Iran geboren und in Köln aufgewachsen ist (…) In ‚Sechzehn Wörter‘, ihrem preisgekrönten Erstling, hat sie ihr Thema aufgerissen, und in ihrem neuen Roman macht sie es auf elegante Weise produktiv – in zurückhaltender, treffsicherer Sprache, mit schlüssiger, spannender Handlung, geschickt aufgebaut und vor tiefem Gedankenhintergrund.« ("Norbert Mappes-Niediek, Frankfurter Rundschau")
»(...) Politischer Roman und existenzialistischer Thriller zugleich. Ebrahimi erzählt so, dass man alles besser sieht und schmerzhafter spürt. Ein grossartiges Buch!« ("Martina Läubli, NZZ am Sonntag")
»Wie in ihrem erfolgreichen Debüt ›Sechzehn Wörter‹ beschäftigt Ebrahimi sich auch in ihrem neuen Buch auf überzeugende und spannende Weise mit Identitätsfragen, mit dem komplizierten Leben zwischen den Kulturen.« ("VOGUE")
»Das Ganze ist nicht bloß klug konstruiert, sondern (zwischen Teheran, München und Dubai) auch auffallend sorgsam und stilsicher erzählt, das Timing ist klasse, die Figuren spannend – hervorragende neue deutschen Literatur aus der globalisierten Gegenwart.« ("Ulrich Noller, WDR Cosmo")

Produktdetails

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

24.02.2020

Verlag

btb

Seitenzahl

224

Maße (L/B/H)

22,1/14,4/2,5 cm

Gewicht

406 g

Farbe

Anthrazit

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-442-75869-2

Herstelleradresse

Btb
Neumarkter Str. 28
81673 München
DE

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  • Florian Galler

    aus Abtenau

    5/5

    29.07.2020

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Ein ganz wichtiges Buch wie ich finde

    Ich war anfangs etwas verwirrt, aber im Laufe des Buches kommt man drauf, dass es zwei Ali gibt und welche Rolle Sina mit seinen Problemen spielt. Beleuchtet wird hier das Schicksal zweier (wobei eigentlich mehrerer) Menschen zu Zeiten des Iran-Irak-Krieges, zu welchem ich nicht sonderlich fundiertes Hintergrundwissen besaß. Nava Ebrahimi hat hier ein Buch geschaffen, dass nachwirkt.

  • Hilal Türe

    Thalia Book Circle Community

    5/5

    14.06.2020

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Eine bedeutsame Verknüpfung von Identität und Schuld 

    Zum Inhalt: Sina Koshbin ist abgesehen von seinem Aussehen und seinem Namen, den er von seinem mit Abwesenheit glänzenden Vater erhalten hat, kein bisschen iranisch. Neben seinen privaten Problemen stagniert er zudem auch als Produktdesigner auf beruflicher Ebene. Dann kommt ein neuer Chef in die angesagte Designeragentur Münchens, der Iraner Ali Najjar, der durch und durch ein Erfolgstyp ist. Bereits als Kindersoldat hat er sich durch den Golfkrieg bis nach Europa gekämpft. Und auch sonst ist er ein Kämpfer und Macher, was Sina so sehr einschüchtert, dass er sich in eine Kreativpause flüchtet. Doch Ali Najjar braucht ihn noch für einen ganz besonderen Plan und nimmt ihn mit auf eine rätselhafte Reise nach Dubai. Dort lernt Sina einen weiteren Ali kennen und gewinnt dadurch einen völlig anderen Einblick in das Leben seines Chefs… Meine Leseerfahrung: Kindersoldaten im Golfkrieg ist schon ein hartes Thema, worüber die Autorin völlig unverschönt, nüchtern und dennoch ergreifend zu erzählen weiß. Genauso nüchtern stellt sie aber auch die Designerszene Münchens dar, die geprägt ist von stumpfer Oberflächlichkeit und banalen “Hipster”-Sorgen. Zwei völlig krasse Welten treffen hier zusammen. Aber nicht, wie erwartet, in der Person des Ali Najjar, sondern in einem weiteren Handlungsstrang um den Iraner Ali-Reza, der gefesselt an einen Rollstuhl, seinen Alltag zu meistern versucht. Zu Beginn war ich etwas verwirrt, da die Sprünge zwischen den verschiedenen Erzählsträngen sich übergangslos abwechselten, so dass ich mir nicht sicher war, ob es sich hier nur um denselben Ali handelt oder zwei verschiedene Charaktere dargestellt werden. Das Rätsel um Ali-Reza wird aber allmählich gelüftet und erst gegen Ende begreift man als Leser langsam, wie die Schicksale beider Männer miteinander verknüpft sind. Welche Rolle Sina in dem Geschehen spielt, war mir zunächst nicht wirklich bewusst. Seine Selbstzweifel und plumpen Problemchen während seiner Midlife-Crisis fingen schon an zu nerven. Im Gegensatz zu ihm ist Ali Najjar ein frischer Wind im Designerbüro. Er scheint einen starken Charakter zu haben, weiß, was er will und wie er es bekommen kann. Und auch mit seiner Vergangenheit weckt er Neugier auf seine Person. Ich hatte zunächst einen Konkurrenzkampf der beiden Männer erwartet, obwohl Sina bei so einem Rivalen von vornherein zum Scheitern verurteilt wäre. Dann kam endlich etwas Fahrt auf, als der Chef ihn regelrecht dazu zwingt, mit ihm nach Dubai zu reisen; eine klug gewählte Örtlichkeit, sozusagen neutraler Boden für beide Alis, um sich zu treffen. Erst mit Ali-Rezas Geschichte über seine Kindheit im Krieg wird der Roman emotional fesselnd und urplötzlich wirken die “Probleme” daheim völlig banal. Sina wird mit dem wirklichen Leben konfrontiert, was bei ihm ganz klar zu einer Veränderung seiner Einstellung führt. Bei Ali Najjar hingegen bleibt diese Frage nahezu unbeantwortet. Als Leser kann man nur hoffen, dass er auch seine Lektion gelernt hat und die richtige Entscheidung für sein weiteres Leben zu treffen imstande ist.  Ich für meinen Teil habe aus diesem Buch Einiges für mich selbst notieren können, insbesondere dass unsere Entscheidungen meist immer langfristige Folgen mit sich ziehen und jede Geschichte es wert ist, erzählt zu werden. Selten hatte ich so ein Buch in Händen, dass mich auch lange nach dem Beenden so gedanklich beschäftigt hat. Fazit: Grandios erzählte Geschichte über ein fast vergessenes Kapitel iranischer Geschichte und über drei iranischstämmige Männer mit völlig unterschiedlichen Charakteren auf der Suche nach der eigenen Identität und ihrem Platz im Leben. Dieser Roman verdient einen besonderen Stellenwert in der Weltliteratur.

  • Bewertung

    aus Mainz

    5/5

    24.02.2020

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Der Produktdesigner Sina…

    Der Produktdesigner Sina Koshbin befindet sich gerade etwas in der Sinnkrise als er einen neuen Chef bekommt: Ali Najjar, Star der Szene und wie er mit iranischen Wurzeln. Bei Sina beschränken diese sich jedoch auf seinen Erzeuger, dessen Name und Aussehen er geerbt hat, er beherrscht weder die Sprache noch kennt er das Land. Trotzdem verbindet die beiden das Anderssein und als Ali ihn bittet, mit ihm nach Dubai zu reisen, um dort etwas Wichtiges zu erledigen, begleitet er ihn ohne zu wissen, worauf er sich einlässt. Alis Stiefbruder hat ihn dorthin gebeten, denn er muss ihm von der verstorbenen Mutter einen Brief übergeben und es war ihr Wunsch, dass er dies persönlich tut. Warum Ali den Mann nicht treffen will, kann Sina zunächst nicht nachvollziehen, er soll an seiner Stelle zu dem Treffen gehen und den Brief in Empfang nehmen. Die Begegnung rückt bei Sina nicht nur das Bild des exzentrischen Designers zurecht, sondern lässt auch ihn selbst nicht unberührt. Wie auch in ihrem Debütroman „Sechzehn Wörter“ führt die Journalistin Nava Ebrahimi in „Das Paradies meines Nachbarn“ alte und neue Heimat zusammen. Sie gehört zur Riege der deutschsprachigen Autoren mit Migrationshintergrund, die über die Literatur ihre biografischen Erfahrungen zugänglich machen und sich in ihren Werken zwischen beiden Ländern bewegen und damit die thematische Bandbreite deutlich ausweiten. Die Herkunft ist das scheinbar verbindende Element der beiden Protagonisten, bald wird jedoch klar, dass dies nur äußerlich der Fall ist und dass die Frage nach Identität, geworden oder geschaffen, sich ganz anders bestimmt. Sina wie auch Ali sind komplexe Charaktere, was sich erst im Laufe der Handlung offenbart. Sina erscheint zunächst recht typisch frustriert in der Midlife-Crisis, bei der Beförderung übergangen, kennt seine künstlerischen Grenzen und die Luft ist aus seiner Beziehung mit Katharina ebenfalls raus. Durch die Konfrontation mit Ali, der in ihm zunächst auch vorrangig den Iraner erkennt, wird die Frage aufgerissen, wie er sich selbst definiert. Aufgewachsen In Deutschland bei einer deutschen Mutter hat er sich nie als Ausländer begriffen, wird aber immer wieder wegen seines Aussehens und Namens dazu gemacht. Der Kontakt zum Vater ist spärlich, er weiß weder, wo dieser sich aktuell aufhält, noch womit er eigentlich sein Geld verdient. Wie viel kann so ein Mann ihm mitgegeben haben bei der Herausbildung seiner Persönlichkeit? Bei Ali ist die Herkunft klarer, als Geflüchteter konnte er jedoch eine neue Legende über sich selbst schaffen, angepasst an das, was man gerne von ihm hören wollte, so oft wiederholt, dass er es selbst irgendwann glaubte. „Ich habe keine andere Wahl, wenn ich kein Opfer sein will.“ Seine Rolle hat ihn hart zu sich und zu anderen werden lassen. Angriff als Verteidigungsmethode hat sich im Laufe der Jahre als erfolgreich herausgestellt und so begegnet er den Menschen aggressiv, um seinen Platz zu behaupten, aber auch, um sie nicht zu nah an sich heranzulassen, denn er weiß, dass er dann Gefahr läuft, dass sie hinter die Fassade blicken können, hinter der er seine Vergangenheit gut verpackt in schöne Geschichten versteckt hält. Nun scheint der Tag gekommen, sich dem zu stellen, was vor seiner Flucht gewesen ist. Und der Schuld, die er in sich trägt. Hier kommt eine dritte Figur ins Spiel, die die Handlung in Gang setzt, deren Rolle jedoch lange unklar bleibt, sich dann aber mit einem lauten Knall zeigt, der den gefeierten Designer nochmals in anderem Licht erscheinen lässt.

  • Miss.mesmerized

    5/5

    24.02.2020

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Nava Ebrahimi – Das Paradies meines Nachbarn

    Der Produktdesigner Sina Koshbin befindet sich gerade etwas in der Sinnkrise als er einen neuen Chef bekommt: Ali Najjar, Star der Szene und wie er mit iranischen Wurzeln. Bei Sina beschränken diese sich jedoch auf seinen Erzeuger, dessen Name und Aussehen er geerbt hat, er beherrscht weder die Sprache noch kennt er das Land. Trotzdem verbindet die beiden das Anderssein und als Ali ihn bittet, mit ihm nach Dubai zu reisen, um dort etwas Wichtiges zu erledigen, begleitet er ihn ohne zu wissen, worauf er sich einlässt. Alis Stiefbruder hat ihn dorthin gebeten, denn er muss ihm von der verstorbenen Mutter einen Brief übergeben und es war ihr Wunsch, dass er dies persönlich tut. Warum Ali den Mann nicht treffen will, kann Sina zunächst nicht nachvollziehen, er soll an seiner Stelle zu dem Treffen gehen und den Brief in Empfang nehmen. Die Begegnung rückt bei Sina nicht nur das Bild des exzentrischen Designers zurecht, sondern lässt auch ihn selbst nicht unberührt. Wie auch in ihrem Debütroman „Sechzehn Wörter“ führt die Journalistin Nava Ebrahimi in „Das Paradies meines Nachbarn“ alte und neue Heimat zusammen. Sie gehört zur Riege der deutschsprachigen Autoren mit Migrationshintergrund, die über die Literatur ihre biografischen Erfahrungen zugänglich machen und sich in ihren Werken zwischen beiden Ländern bewegen und damit die thematische Bandbreite deutlich ausweiten. Die Herkunft ist das scheinbar verbindende Element der beiden Protagonisten, bald wird jedoch klar, dass dies nur äußerlich der Fall ist und dass die Frage nach Identität, geworden oder geschaffen, sich ganz anders bestimmt. Sina wie auch Ali sind komplexe Charaktere, was sich erst im Laufe der Handlung offenbart. Sina erscheint zunächst recht typisch frustriert in der Midlife-Crisis, bei der Beförderung übergangen, kennt seine künstlerischen Grenzen und die Luft ist aus seiner Beziehung mit Katharina ebenfalls raus. Durch die Konfrontation mit Ali, der in ihm zunächst auch vorrangig den Iraner erkennt, wird die Frage aufgerissen, wie er sich selbst definiert. Aufgewachsen In Deutschland bei einer deutschen Mutter hat er sich nie als Ausländer begriffen, wird aber immer wieder wegen seines Aussehens und Namens dazu gemacht. Der Kontakt zum Vater ist spärlich, er weiß weder, wo dieser sich aktuell aufhält, noch womit er eigentlich sein Geld verdient. Wie viel kann so ein Mann ihm mitgegeben haben bei der Herausbildung seiner Persönlichkeit? Bei Ali ist die Herkunft klarer, als Geflüchteter konnte er jedoch eine neue Legende über sich selbst schaffen, angepasst an das, was man gerne von ihm hören wollte, so oft wiederholt, dass er es selbst irgendwann glaubte. „Ich habe keine andere Wahl, wenn ich kein Opfer sein will.“ Seine Rolle hat ihn hart zu sich und zu anderen werden lassen. Angriff als Verteidigungsmethode hat sich im Laufe der Jahre als erfolgreich herausgestellt und so begegnet er den Menschen aggressiv, um seinen Platz zu behaupten, aber auch, um sie nicht zu nah an sich heranzulassen, denn er weiß, dass er dann Gefahr läuft, dass sie hinter die Fassade blicken können, hinter der er seine Vergangenheit gut verpackt in schöne Geschichten versteckt hält. Nun scheint der Tag gekommen, sich dem zu stellen, was vor seiner Flucht gewesen ist. Und der Schuld, die er in sich trägt. Hier kommt eine dritte Figur ins Spiel, die die Handlung in Gang setzt, deren Rolle jedoch lange unklar bleibt, sich dann aber mit einem lauten Knall zeigt, der den gefeierten Designer nochmals in anderem Licht erscheinen lässt. Die Autorin überlässt es dem Leser, eine Antwort auf die Frage nach der Verantwortung für das Leben eines anderen zu finden, eine Beurteilung von Ali Najjars Schuld vorzunehmen, die er noch als Kind unbedacht und unwillentlich auf sich geladen hat, diesen Flügelschlag eines Schmetterlings, der jedoch für einen anderen lebensbestimmend werden sollte. Unerwartet wird man so essentiellen Fragen ausgesetzt, auf die es keine schnellen und keine einfachen Antworten geben kann. Großartig erzählt mit einem starken Ende, das einem nachdenklich zurücklässt.

  • Hilou

    aus Bielefeld

    4/5

    14.06.2020

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Zum Inhalt: Sina Koshbin ist…

    Zum Inhalt: Sina Koshbin ist abgesehen von seinem Aussehen und seinem Namen, den er von seinem mit Abwesenheit glänzenden Vater erhalten hat, kein bisschen iranisch. Neben seinen privaten Problemen stagniert er zudem auch als Produktdesigner auf beruflicher Ebene. Dann kommt ein neuer Chef in die angesagte Designeragentur Münchens, der Iraner Ali Najjar, der durch und durch ein Erfolgstyp ist. Bereits als Kindersoldat hat er sich durch den Golfkrieg bis nach Europa gekämpft. Und auch sonst ist er ein Kämpfer und Macher, was Sina so sehr einschüchtert, dass er sich in eine Kreativpause flüchtet. Doch Ali Najjar braucht ihn noch für einen ganz besonderen Plan und nimmt ihn mit auf eine rätselhafte Reise nach Dubai. Dort lernt Sina einen weiteren Ali kennen und gewinnt dadurch einen völlig anderen Einblick in das Leben seines Chefs... Meine Leseerfahrung: Kindersoldaten im Golfkrieg ist schon ein hartes Thema, worüber die Autorin völlig unverschönt, nüchtern und dennoch ergreifend zu erzählen weiß. Genauso nüchtern stellt sie aber auch die Designerszene Münchens dar, die geprägt ist von stumpfer Oberflächlichkeit und banalen "Hipster"-Sorgen. Zwei völlig krasse Welten treffen hier zusammen. Aber nicht, wie erwartet, in der Person des Ali Najjar, sondern in einem weiteren Handlungsstrang um den Iraner Ali-Reza, der gefesselt an einen Rollstuhl, seinen Alltag zu meistern versucht. Zu Beginn war ich etwas verwirrt, da die Sprünge zwischen den verschiedenen Erzählsträngen sich übergangslos abwechselten, so dass ich mir nicht sicher war, ob es sich hier nur um denselben Ali handelt oder zwei verschiedene Charaktere dargestellt werden. Das Rätsel um Ali-Reza wird aber allmählich gelüftet und erst gegen Ende begreift man als Leser langsam, wie die Schicksale beider Männer miteinander verknüpft sind. Welche Rolle Sina in dem Geschehen spielt, war mir zunächst nicht wirklich bewusst. Seine Selbstzweifel und plumpen Problemchen während seiner Midlife-Crisis fingen schon an zu nerven. Im Gegensatz zu ihm ist Ali Najjar ein frischer Wind im Designerbüro. Er scheint einen starken Charakter zu haben, weiß, was er will und wie er es bekommen kann. Und auch mit seiner Vergangenheit weckt er Neugier auf seine Person. Ich hatte zunächst einen Konkurrenzkampf der beiden Männer erwartet, obwohl Sina bei so einem Rivalen von vornherein zum Scheitern verurteilt wäre. Dann kam endlich etwas Fahrt auf, als der Chef ihn regelrecht dazu zwingt, mit ihm nach Dubai zu reisen; eine klug gewählte Örtlichkeit, sozusagen neutraler Boden für beide Alis, um sich zu treffen. Erst mit Ali-Rezas Geschichte über seine Kindheit im Krieg wird der Roman emotional fesselnd und urplötzlich wirken die "Probleme" daheim völlig banal. Sina wird mit dem wirklichen Leben konfrontiert, was bei ihm ganz klar zu einer Veränderung seiner Einstellung führt. Bei Ali Najjar hingegen bleibt diese Frage nahezu unbeantwortet. Als Leser kann man nur hoffen, dass er auch seine Lektion gelernt hat und die richtige Entscheidung für sein weiteres Leben zu treffen imstande ist.  Ich für meinen Teil habe aus diesem Buch Einiges für mich selbst notieren können, insbesondere dass unsere Entscheidungen meist immer langfristige Folgen mit sich ziehen und jede Geschichte es wert ist, erzählt zu werden. Selten hatte ich so ein Buch in Händen, dass mich auch lange nach dem Beenden so gedanklich beschäftigt hat. Fazit: Grandios erzählte Geschichte über ein fast vergessenes Kapitel iranischer Geschichte und über drei iranischstämmige Männer mit völlig unterschiedlichen Charakteren auf der Suche nach der eigenen Identität und ihrem Platz im Leben. Dieser Roman verdient einen besonderen Stellenwert in der Weltliteratur.

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