"Glaubst du ernsthaft, dass sich irgendwer da draußen für unsere Probleme interessiert? Wir sind doch nur eine [...] Kurzmeldung in den Nachrichten wert. Die Leute hören doch seit Jahren nur von Krieg und Problemen. [...] Wieso sollte unsere Geschichte irgendwen jucken, der gerade gemütlich [...] seine fette Torte mit Kaffee runterspült? Der schlägt die Zeitung zu und hat uns vergessen." Diese bittere Erkentnis, die der Iraker Hisham in Abbas Khiders großartigem Roman formuliert, hat mich sehr getroffen. Aus dem Einfachen Grund, weil er Recht hat. Ich musste mir eingestehen, dass ich selbst zum einen nicht viel über den Irak weiß, und das, was noch zusammenkommt, aus spärlichem Wissen aus den Nachrichten besteht, die zwar immer wieder zu sehen sind, aber längst nicht mehr schockieren. Diktatur, Krieg, Gefangenschaft, Hunger, Armut, Angst - mit all dem müssen nicht nur Abbas Khiders Figuren fertig werden, leider sind es Schicksale, die Menschen täglich ereilen und deren Bilder in den Medien, wie mir wieder einmal schmerzlich bewusst geworden ist, zur Normalität geworden sind. Abbas Khider ist ein großartiger Erzähler, der mich mit seiner Geschichte über Shams, seine Familie, den Irak und die Welt der Bücher vollkommen begeistert hat. Dabei erzählt er keinesfalls, wie es in Anbetracht der schlimmen Umständen zu erwarten wäre, in bedrückendem Ton, im Gegenteil - ein gewisser Humor scheint immer durch, der Ich-Erzähler Shams wächst einem direkt ans Herz und auch die übrigen Protagonisten wirken so lebendig, dass man nach ein paar Seiten das Gefühl hat, mittendrin im kleinen Dorf im Süden, auf dem Büchermarkt oder im Blechviertel vor Bagdad zu sein. Man freut sich mit, wenn die Familie endlich etwas Frieden findet, man leidet, wenn das Geld knapp wir und die Kinder arbeiten müssen und man ist schockiert im Angesicht der schrecklichen Gewalt. Unbedingt Lesen!
Bewertung
5/5
06.10.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Bagdad unter der Herrschaft Saddam Husseins. Polizeigewalt, Überwachung, Verrat und Willkür bestimmen den Alltag der Iraker. Dies ist die Geschichte des Jungen Sham, der versucht in den Slums der Stadt zu überleben und sich nichts sehnsüchtiger wünscht als ein friedliches Leben. Eine Illusion. Ein Roman, der mir unter die Haut gegangen ist und mich sehr dankbar zurückgelassen hat, hier in Freiheit und Selbstbestimmung leben zu dürfen.
Bewertung
aus Vaihingen
5/5
26.02.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wir Verwöhnten und Unzufriedenen
Zwar liegt der Irak-Krieg schon ein paar Jahre zurück, aber das Buch handelt beispielhaft von den Ungerechtigkeiten und Menschenrechtsverletzungen, die es bis heute auf unserer Welt gibt. Von einem Krieg, der auf einer Lüge beruhte und von Hunderttausenden Opfern unter den Zivilisten. Und da erlauben sich die verwöhnten Generationen in unserer demokratischen Gesellschaft immer mehr Unzufriedenheit und Ansprüche! Statt trotz aller menschlichen Schwächen die Demokratie zu stärken und dankbar zu sein!
H. P. Wicki
aus Schindellegi
5/5
06.07.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Überleben im Irak von Saddam Hussein
Der junge Iraker ist in den letzten Wochen des Regimes Saddam Husseins von seinen Schergen gefangen genommen worden, und lässt uns teilhaben am Leben im Irak. Er beschreibt seine Kindheit im Schutz des eigenen Stammes im Süden, die Flucht in die Hauptstadt, der Neustart im Elendsviertel, der Kampf ums Überleben in einem totalitären Staat, der von Krieg zu Krieg stolpert, indem den Ärmsten nur die pragmatische Selbsthilfe und oft mehr als schlitzohrige Geschäftstüchtigkeit das Überleben sichert. Denn: Nicht funktioniert so richtig, alles wird überwacht, und das Regime ist längst eine bizarre Karikatur, die dem nahen Untergang entgegen dämmert. Da ist aber die neue Welt der Bücher, des eingeschworenen Zirkels im Palast der Miserablen, die dem jungen Iraker aus dem Schrottviertel neue Perspektiven bietet, aber dann zu seinem Verhängnis wird. Voll von ergreifenden Szenen, die betroffen machen und eindrücklichen Protagonisten, die in Erinnerung bleiben.
Bewertung
5/5
28.05.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Bittere Armut, die Behausung direkt...
Bittere Armut, die Behausung direkt neben einem Müllberg, endlose Kriege unter Saddam Husseins Machtherrschaft - wie erlebt man die Kindheit und Jugend in so einem Land?
Schonungslos und bedrückend erzählt Abbas Khider über das Leben im Irak.
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