Deutscher Buchpreis 2009Helene Wesendahl erwacht ohne Orientierung im Krankenhaus. Nach einem Schlaganfall hat sie keine Kontrolle über ihren Körper, kann sich nicht ausdrücken und kämpft mit Erinnerungslücken. Langsam erobert sie sich die Welt zurück. Dabei ist sie gezwungen, sich der Lebensgeschichte einer fremden Frau zu stellen, die sie doch selbst war. Helene Wesendahl entdeckt Brüche in ihrer eigenen Biografie und muss sich sowohl mit ihrer Vergangenheit als auch mit der Gegenwart auseinandersetzen. Buchpreis-Gewinnerin Kathrin Schmidt schildert das verzweifeltes Bemühen um die eigene Sprache und das verlorene Gedächtnis aus eigener Erfahrung heraus. Eva Mattes fängt mit ihrer Stimme das ganz besondere Gefühl des Romans ein, dessen Thema ebenso bewegend wie hoch aktuell ist.-
Kundinnen und Kunden meinen
3.7/5.0
Bewertung
4/5
16.08.2010
Buch (Gebundene Ausgabe)
Harter Neubeginn
Den Weg, den Helene Wesendahl geht, gehen muss, um nach erlittenem Schlaganfall sich selber und ihre Familie wieder kennen zu lernen ist hart und mühsam. Der Umgang mit körperlichen Einschränkungen und der harte Kampf um Wiedereingliederung in den Familienalltag kostet viel Kraft und unerschütterlichen Lebenswillen. Die Autorin beschreibt in erschütternder Offenheit, wie notwendig das Gehirn für die Funktion unseres Körpers ist. Eingebunden in eine interessante Geschichte zeigt sie den Weg einer Frau auf, die ohne Erinnerung an die Vergangenheit in einem Spitalbett aufwacht und nur Schritt für Schritt wieder ins Leben zurück findet. Sehr empfehlenswert.
Ute Bunde
aus Hürth
4/5
11.03.2010
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein Schicksalsschlag
Man kann ihn kaum aushalten, diesen Alptraum, den Helene Wesendahl erleben und erleiden muss. Nach einer Gehirnblutung taucht sie langsam aus dem Wachkoma wieder auf. Durch ihren beeinträchtigten Blick erleben wir mit, wie sie tastend, amgstvoll durch ihre Gedankenfetzen irrt. Der Sprache nicht mehr mächtig, nach Worten mühsam suchend, beginnt ein langer Weg zurück ins Leben. Dieser schwere Weg einer starken Frau wird ohne jede Gefühlsduselei in teilweise reduzierter Sprache und lakonischen Sätzen erzählt. Ganz angepasst an die Fähigkeiten und Fortschritte von Helene Wesendahl. Einfach großartig!
Hopeandlive
3/5
28.09.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Du stirbst nicht
"Du stirbst nicht", damit beginnt und endet das Buch und dazwischen liegen viele Seiten eines Zurückkämpfen in das Leben und die Wiederherstellung der Würde. Die Protagonistin Helene Wesenthal, erfolgreiche Autorin, erleidet einen Hirnschlag und landet auf der Intensivstation. Der Leser erlebt vom ersten Wimpernschlag an, wie es sich anfühlt kein selbstständiges Leben und keine Erinnerung mehr zu haben, wird mit hineingenommen in das oftmals kalte und seelenlose Klinikleben und das Gefühl hilflos ausgesetzt zu sein, sich nicht artikulieren zu können und nicht zu wissen, wer man wirklich ist und welches Leben man denn davor hatte.
In teils verstörender Art nimmt uns Kathrin Schmidt mit hinein in eine autobiografisch anmutende Geschichte einer Frau, die davon lebte Worte zu Gedichten und Geschichten zu formen und die nun nicht in der Lage ist einen vernünftigen Satz zu bilden. Helene ist mit Mattes verheiratet, doch die Ehe scheint nicht glücklich zu sein, es kommen immer mehr Erinnerungen an eine Affäre mit einer anderen Person ans Licht, die Beziehung zu ihren Kindern wird auch eher nüchtern geschildert und was interessant und nachdenklich stimmend begann entwickelte sich vermehrt zu einer sich hinziehenden und mehr und mehr verstörenden Geschichte mit einer zunehmend unsympathischeren Protagonistin.
Ein Roman, der mir zeigt, wie wichtig und gut es ist ein wahrhaftiges Leben zu führen, gute und weise Entscheidungen zu treffen, denn wir wissen nicht was geschehen kann und wie sich dann ein Leben gestaltet. Leider war diese Geschichte weder hoffnungsvoll noch in irgendeiner Art tröstend, ich fand sie einfach verstörend.
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