Kayfabe und Literatur Klagenfurter Rede zur Literatur 2019
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Beschreibung
Produktdetails
Einband
Taschenbuch
Erscheinungsdatum
26.06.2019
Verlag
HeynSeitenzahl
32
Maße (L/B/H)
18/12,1/0,7 cm
Gewicht
62 g
Sprache
Deutsch
ISBN
978-3-7084-0632-9
Vielmehr geht es ihm um Fiktionen, ums Erzählen – »Der Kampf des Guten gegen das Böse ist die ewige Erzählung des Wrestling, ganz ähnlich wie in der Weltliteratur, und Kayfabe ist der Klebstoff, der alles im Innersten zusammenhält.« – und um die Tücken, die die Verwechslung von Fiktion und Wirklichkeit und das (Fest-)Schreiben von Rollen bereithalten.
»Kayfabe« ist die Vereinbarung zwischen Wrestlern und ihren Promotern, nicht aus den Rollen zu fallen, die ihnen »von kompetenter Schreiberhand« in Storylines zugewiesen wurden: Der gute Wrestler und der böse Wrestler haben nicht nur während der Kämpfe ihre schauspielerischen Missionen zu erfüllen: »Das Prinzip Kayfabe wird in den großen Wrestlingverbänden zum Teil so dogmatisch umgesetzt, dass viele Profiwrestler in ihrem privaten Leben die vom Management über sie verhängte Persona wie selbstverständlich weiterspielen und sogar ausbauen. Sie vergessen nach und nach ihre Taufnamen und denken und sprechen über sich nur noch mit ihrem stage name, ähnlich ihrem großen Vorfahren aus alter Zeit, dem Don Quijote de la Mancha, der ja eigentlich der Señor Alonso Quijano war.«
Clemens J. Setz bringt einige Beispiele »für die oft verblüffende Machtübernahme von Kayfabe im realen Leben eines Menschen«, darunter solche aus Literatur, Sport und Film, aber auch ein Rückblick (Fiktion oder Wirklichkeit?) auf seine eigenen jungen Jahre und ein Video mit H. C. Strache, das mittlerweile durch ein auf Ibiza gedrehtes getoppt und von der Wirklichkeit eingeholt wurde.
Kayfabe wird für den Autor letztlich »zu einem unvermeidlichen und essentiellen Werkzeug der Weltwahrnehmung« – oder zu einem Instrument der Analyse von Storylines, die allüberall von Traditionen, Firmen, Marketing-Agenturen oder der Politik verfasst werden und Blüten der Selbstverwechslung treiben, bis so mancher mitunter nicht mehr recht weiß, wer ihn eigentlich schreibt.
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