Mai 2012: US-Veteran Ray Bell reist nach Belgien, um seinen Kameraden Eric und Gerald am Memorial Day auf dem amerikanischen Militärfriedhof in Henri-Chapelle zu gedenken. Ende des II. Weltkriegs kämpften sie gemeinsam in der Eifel und den Ardennen. Beide wurden damals von drei SS-Soldaten grausam ermordet. Paul Verhoven, einer der Täter, treibt nun, kurz vor dem Memorial Day, tot im Stausee von Obermaubach. Der Aachener Kommissar Fett übernimmt den Fall, dessen Spuren ihn bis nach Maastricht und Reims führen.
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Erschütternd und spannend bis zur letzten Seite
Silke - Buchgespür - am 24.04.2025
Bewertungsnummer: 2474031
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
„Allerseelenschlacht“ von Olaf Müller ist ein historisch fundierter Kriminalroman, der die Schatten der NS-Vergangenheit bis in die Gegenwart verfolgt. Im Mai 2012 reist der US-Veteran Ray Bell nach Belgien, um am Memorial Day seinen im Zweiten Weltkrieg gefallenen Kameraden Eric und Gerald zu gedenken. Beide wurden 1944 von drei SS-Soldaten in der Eifel brutal ermordet. Kurz vor dem Gedenktag wird einer der Täter, Paul Verhoven, tot im Stausee von Obermaubach aufgefunden. Der Aachener Kommissar Michael Fett übernimmt die Ermittlungen, die ihn bis nach Maastricht und Reims führen.
Der Fall entwickelt sich zu einer Reise in die dunkle Vergangenheit, bei der Themen wie Raubkunst, NS-Verbrechen und die Verstrickung scheinbar unbescholtener Bürger in die Gräueltaten des Dritten Reichs eine zentrale Rolle spielen
Obwohl ich im Laufe meines Geschichtsstudiums mit vielen Seminaren zum Nationalsozialismus die grauenvolle Geschichte des Zweiten Weltkriegs detailliert kenne, packt es mich immer wieder, wenn Fakten durch Einzelschicksale lebendig werden. Besonders wenn diese so gekonnt und mit einer so fesselnden Sprache den Roman eröffnen, wie dies Olaf Müller in „Allerseelenschlacht“ umsetzt.
Nach dem ersten Kapitel war ich (einmal mehr) entsetzt ob des Verlusts der Menschlichkeit während des Kriegs und in einen Lesestrudel gezogen, dem ich kaum entkommen konnte. Der Roman fiel mir zu einer sehr passenden Zeit in die Hände: Gerade hatte ich mit einer 10. Klasse darüber diskutiert, ob die Schuld von NS-Tätern mit der Zeit verjährt oder ob auch sehr alte Menschen noch heute zur Rechenschaft gezogen werden sollen. Die Meinungen der Schüler waren gespalten. Nach der Lektüre dieses Buches kann ich erneut mit fester Überzeugung sagen: Wer über Jahrzehnte ohne Reue lebt und seine Überzeugungen nicht hinterfragt und weiter verfolgt. der hat eine gerechte Strafe verdient (wenn dies überhaupt möglich ist). Denn auch die Narben und Traumata der Opfer heilen nicht einfach mit dem Alter.
Für mich ist Allerseelenschlacht einer der besten Kriminalromane zum Thema Schuld und Vergangenheitsbewältigung im Nationalsozialismus. Die Recherche ist exzellent, geschichtliche Fakten fließen mühelos in die Handlung ein. Olaf Müller schafft es, die Vergangenheit nicht trocken oder lehrbuchartig zu erzählen, sondern mit Emotionen, innerer Zerrissenheit und spannender Kriminalistik zu verweben. Geschichte wird nicht berichtet, sondern erlebt und gefühlt.
Was mich besonders beeindruckt hat, ist die atmosphärische Dichte, mit der Olaf Müller die Handlung konstruiert. Die Schauplätze, vor allem die Eifelregion, wirken unglaublich authentisch. Man spürt, dass der Autor sich hier auskennt, dass die Orte nicht Kulisse sind, sondern Teil der Geschichte. Auch die Figuren haben mich überzeugt: Sie wirken lebensnah, nicht überzeichnet, sondern wie echte Menschen mit Brüchen, Zweifeln, Gefühlen und inneren Konflikten. Auch bei einem solchen Fall darf der ermittelnde Kommissar Fett seine Kollegin anziehend finden und sein Kollege hat eben beständig Hunger und Konflikte mit seiner Frau. Gerade solche Szenen zeigen die Handlungsebenen der Fälle in Gegenwart und Vergangenheit und haben deshalb für mich dazu beigetragen, den Krimi besonders authentisch zu empfinden.
Gestern und Heute verschmelzen auf eine Weise, die die Auswirkungen der damaligen Verbrechen bis in unsere Gegenwart hinein spürbar macht. Dabei bleibt Olaf Müller differenziert, vermeidet jede einfache Täter-Opfer-Zuschreibung und lässt stattdessen Raum für Ambivalenz. Gerade das hat mich nachhaltig beeindruckt: Dass er ohne Schwarz-Weiß-Malerei auskommt, aber dennoch klare Haltung zeigt.
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