Eines Morgens retten die Bewohner des idyllischen Fischerdorfs St. Piran einen jungen Mann aus dem Wasser. Alle kümmern sich rührend um ihn: der pensionierte Arzt Dr. Books, der Strandgutsammler Kenny Kennet, die Romanautorin Demelza Trevarrick und Polly, die hübsche Frau des Pastors. Doch keiner von ihnen ahnt, wie existenziell ihre Gemeinschaft vermutlich bedroht ist. Denn Joe ist aus London geflohen, wo er einen Kollaps in Gang gesetzt hat. Aber steht wirklich das Ende der ganzen Zivilisation bevor? Und was ist mit dem Wal, der in der Bucht von St. Piran viel zu nah am Strand schwimmt?
Kundinnen und Kunden meinen
4.5/5.0
Bewertung
aus Lemwerder
4/5
18.04.2019
Hörbuch-Download
Eine Frage der Entscheidung
Joe, ein cleverer, wenig reflektierter Datenanalyst, landet nackt und bewusstlos am Strand von St. Piran. Zeitgleich sichten die Dorfbewohner einen Wal. Was ist da passiert, und wie hängen die Ereignisse zusammen? Der Anfang macht neugierig, und Johann von Bülow liest so großartig, dass die ohnehin lebendigen Charaktere quasi greifbar werden.
Als der Wal strandet, mobilisiert Joe das komplette Dorf zu seiner Rettung, und als klar wird, dass die von Joes Computerprogramm vorhergesagte weltweite Krise tatsächlich eintritt, trifft er eine noch weitreichendere Entscheidung. Er will St. Piran retten. Was ihn in seinen Entscheidungen antreibt, ist ein Versprechen, dass er einst seiner Mutter auf dem Sterbebett gegeben hat. Worum es sich dabei handelt, wird allerdings erst gegen Ende der Geschichte klar.
Die symbolische Bedeutung des Wals wird mehrfach angedeutet, jedoch bleibt die Interpretation letztlich dem/der LeserIn bzw. HörerIn überlassen.
Von mir gibt es eine klare Kaufempfehlung für alle, die eine wunderbare, hoffnungsvolle und anrührende Geschichte mit liebevoll gestalteten Charakteren hören bzw. lesen mögen. Nur vier von fünf Sternen gibt es vor allem, weil ich den Schluss nicht ganz nachvollziehbar finde – und zum Teil deshalb, weil der Geschichte ein Tick mehr Dramatik und Spannung aus meiner Sicht gut getan hätte.
Ele
aus xxx
4/5
15.04.2019
Hörbuch-Download
Joe und der Wal
Der Wal und das Ende der Welt, Roman von John Ironmonger, Hörbuch 3 CD Gesamtlaufzeit 10 Std., erschienen im Argon Hörbuch-Verlag.
Eines Tages wird in St. Piran an der Küste Cornwalls ein Wal gesichtet. Es ist der Tag an dem Joe Haak, nackt und halbtot aus dem Wasser gerettet wird. Die Bewohner des kleinen Küstendorfes kümmern sich rührend um ihn. Am nächsten Tag strandet der Wal und Joe Haak kann die Bevölkerung dazu motivieren, den Wal zu retten. Gemeinschaftlich können die liebenswerten und hilfreichen Bewohner unter Joes Anleitung, den Wal zurück ins Meer schaffen. Gemeinsam haben sie es geschafft. Können sie gemeinsam auch die Gefahr, die ihrem 300 Seelen- Dorf und der gesamten Zivilisation droht, überwinden?
Normalerweise lese ich ein Buch lieber, als es als Hörbuch zu genießen. Doch dieses Exemplar hat mir sehr viel Freude gemacht. Die Geschichte gelesen von Johann von Bülow hat mich wunderbar unterhalten. John Ironmonger hat einen überzeugenden Schreibstil der starke Bilder erzeugt, jeder Dialog sitzt. Das Setting und auch die einzelnen Personen, die es in diesem Roman zur Genüge gibt, konnte ich mir hervorragend vorstellen. Dem Hörbuch ist ein kleines Booklet beigefügt, in dem die Personen mit ihrer Stellung im Buch aufgeführt sind. Das war am Anfang, bis ich mich an die Charaktere gewöhnt hatte sehr hilfreich. Johann von Bülow machte das Zuhören zu einem Genuss. Er interpretierte das Gesprochene feinfühlig und doch dynamisch, das war sehr angenehm und fesselnd. Obwohl es sich in der Geschichte um einen eher ruhigeren Weltuntergang handelt habe ich die 3 CD`s in kürzester Zeit hintereinander weggehört. Einfach weil es eine spannende Geschichte ist und die Menschen von St. Piran ungemein sympathisch, zuweilen auch skurril sind, sind sie mir schnell lieb geworden. Da die Geschichte sich um die Weihnachtszeit abspielt und auch diverse Weihnachtsbräuche und Weihnachtslieder zur Sprache kamen, würde ich das Werk als Weihnachtsbuch empfehlen. Einige Zitate sind mir in Erinnerung geblieben, die mir gut gefallen haben, z.B. : „Allein sein ist niemals gut, wenn du einmal allein sein musst, sei mit einem Freund allein.“ Oder auch: „Wenn genügend Menschen glauben eine Geschichte ist wahr, dann ist sie wahrscheinlich auch wahr.“ Die Erzählung hat mich an eine Fabel erinnert. Die Botschaft die ich dadurch gelernt habe - zusammen ist vieles möglich, man kann eine Katastrophe abwenden, wenn man fest zusammensteht. Die vielen Charaktere am Anfang haben mich etwas verwirrt, auch habe ich gemerkt, dass ich bei einem gehörten Buch, immer wieder abschweife, deshalb ist für mich die Printversion wohl die bessere Alternative. Insgesamt kann ich „Der Wal und das Ende der Welt“ nur empfehlen, die Hörbuchversion und sicher auch das Buch. Von mir dafür 4 Sterne.
Janine
aus Bayern
4/5
13.04.2019
Hörbuch-Download
Ein Plädoyer für mehr Menschlichkeit
In „Der Wal und das Ende der Welt“ von Jon Ionmonger lernen wir Joe kennen, der auf ungewöhnliche Weise in dem verschlafenen Örtchen St.Piran angespült wird. Kurz darauf strandet ein Wal, mit vereinten Kräften gelingt es Joe und dem Dorf den Wal zu retten. Joe findet dadurch schnell Anschluss an die Dorfgemeinschaft und fühlt sich schon bald zugehörig.
Joe hat Grund zur Annahme, dass der Weltuntergang oder zumindest das Ende der Welt, so wie wir sie kennen, bevorsteht. Er beschließt daher für sich und St. Piran vorzusorgen und Nahrungsvorräte anzulegen. Als die Krise eintritt, macht sie auch vor St. Piran nicht halt. Joe, das Dorf und auch der Wal sind durch die Ereignisse miteinander verbunden. Doch wie werden sie die Krise meistern?
Wir haben es hier mit einer Dystopie zu tun, die immer wieder moralische, ethische und philosophische Fragen aufwirft und somit den Leser zum Nachdenken anregt. Was würde man selbst tun, wenn die Welt untergehen würde. Wäre man egoistisch oder altruistisch. Die Idee des Buches finde ich gut: Wie viel Menschlichkeit ist in einer Krise möglich und nötig?
***Spoiler***
In der Handlung wird das leider nur zum Teil umgesetzt. Das Buch beginnt stark, es wird immer wieder Spannung aufgebaut und man will wissen, wie es weiter geht. Dann kommt es aber vermehrt zu Rückblicken oder Handlungssträngen, die die Handlung nicht vorantreiben und aus meiner Sicht nur „sinnlos füllen“ (z.B. Joes Verflossene aus London). Richtig enttäuschend fand ich das Ende, aus meiner Sicht kitschig und pathetisch: Die Rettung am Weihnachtsabend, samariterhaft wird jetzt alles geteilt ohne auch nur den kleinsten Blick darauf zu werfen, ob die Krise denn nun wirklich überwunden ist. Hier wird die Botschaft des Buches doch etwas zu verklärt dargestellt.
Joe erlebt auch noch einen kleinen Rückschlag in Sachen Liebe, da er sich in die Pfarrersfrau verguckt hatte, aber am Ende bekommt er noch eine Frau an die Seite gestellt mit der er in den Sonnenaufgang segeln kann...Das hätte es wirklich nicht gebraucht. Für mich hätte das Buch mehr Wirkung und Nachhall ohne diesen triefenden Kitsch gehabt...Das ist leider ein Hauptkritikpunkt. Über ganz weite Strecken super, aber das Ende hat es mir leider ein wenig versaut.
Die Charakterentwicklung von Joe hat mir gut gefallen, auch die Dorfbewohner sind gut dargestellt, man erlebt tatsächlich die Unterschiedlichkeit der einzelnen Bewohner und ist mitgenommen vom Gemeinschaftsgefühl, das vorherrscht.
Sprachlich ist das Buch ein Genuss, es werden schöne Metaphern verwendet und selbst komplexe Inhalte verständlich erklärt. Man kann gut folgen und sich dem Text hingeben.
Das Hörbuch wird von Johann von Bülow gelesen und er schlägt einen nachdenklichen und angenehmen Ton an. Es ist mir leicht gefallen seiner Stimme zu folgen und an der Geschichte dran zu bleiben. Er schafft es zudem der Fülle an Charakteren verschiedene Stimmen zu geben und ihnen dadurch Leben einzuhauchen.
Insgesamt ein schön gewähltes Thema, das über weite Strecken sehr gut behandelt wird. Dann leider ein, aus meiner Sicht, deutlich misslungener Schluss. Trotzdem wird es ein Buch sein, dass ich nicht gleich wieder vergesse, da es mich tatsächlich zum Nachdenken angeregt hat. Könnte ich den Schluss ausblenden, würde ich ohne zu Zögern 5 Sterne vergeben. Da es für mich immer noch ein gutes Buch ist, das aus der Masse heraussticht, vergebe ich 4 Punkte. Ich kann aber jeden verstehen, der durch den Schluss zu einer (deutlich) schlechteren Bewertung kommt. Wer also nicht unbedingt eine runde Sache braucht und sich eher auf der Metaebene dem Buch nähert, wird seine Freude haben.
Bewertung
Book Circle Community
5/5
14.02.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Der Wal und das Ende der Welt – John Ironmonger
John Ironmongers Roman beginnt mit einem Wal, der an der Küste des kleinen englischen Dorfes St. Piran gestrandet ist. Der Fremde Joe Haak, ehemals Analyst in einer Londoner Bank, ist zufällig zur Stelle, um das Tier zu retten – und bleibt im Dorf hängen. Was zunächst wie ein entdeckungsfreudiges, warmherziges Dorfdreieck wirkt, entwickelt sich zu einer spannenden Geschichte über globale Vernetzung, Katastrophen und die Frage, wie wir auf Daten und Prognosen reagieren.
Joe hat seinen Job verloren, weil ein von ihm genutztes Modell – ein komplexer Algorithmus – den Zusammenbruch der Weltwirtschaft vorhergesagt hat. Das Dorf wird zur Kulisse einer globalen Krise: Lieferketten brechen zusammen, Menschen beginnen zu zweifeln, ob technologische Vorhersagen wirklich verlässlich sind oder ob der menschliche Instinkt nicht ebenso wichtig bleibt.
Besonders spannend wirkt der Roman heute, wo wir in vielen Lebensbereichen bereits stark auf Algorithmen und künstliche Intelligenz vertrauen – von Börsenprognosen über medizinische Diagnosen bis hin zu Entscheidungshilfen im Alltag. Ironmonger zeigt uns eine doppelte Perspektive: die Faszination für präzise Datenmodelle und gleichzeitig die Gefahr, wenn wir blind auf sie setzen, ohne ihre Grenzen zu verstehen.
„Der Wal und das Ende der Welt“ ist eine berührende, kluge und zeitlose Mischung aus menschlicher Verbundenheit und gesellschaftlicher Reflexion. Ein Buch, das nicht nur von einem Wal handelt, sondern davon, wie wir mit Unsicherheit leben – und welche Rolle Technologie dabei spielt.
Bewertung
5/5
15.01.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Retrospektiv eine Prophezeiung...?
Wenn man bedenkt, dass dieses Buch 2015 erschien und eine Blaupause der Jahre ab 2020 war, dann wird einem schon anders...
Schön geschrieben, die Menschlichkeit ins Zentrum gestellt.
Sehr empfehlenswert einschließlich des Nachworts.
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