"Klara ist überstürzt nach Utrecht gezogen. Hier will die Ex-Berlinerin, die eine zerbrochene Beziehung und eine gescheiterte Karriere als Kneipenwirtin hinter sich lässt, ein neues Leben anfangen. In Zeiten, wo Flüchtlingsströme durch Europa ziehen, verarbeitet sie ihre persönliche "Flucht" im Kleinen. In einem >dagboek< hält sie die verwirrenden Unterschiede zwischen ihrem alten und neuen Leben fest. So hat sie nicht nur der deutschen Sprache und Kultur, sondern auch Hauke den Rücken gekehrt. Zwar war diese Trennung längst überfällig, doch erst als sie von Erinnerungen übermannt wird, beginnt sie sich ihrer Vergangenheit zu stellen. Eine wichtige Rolle für den Neubeginn spielt ihre Zuneigung zum jungen Thijs. Doch ihre Selbstbestimmung findet sie durch ihn nicht. Als sich die Lage zuspitzt, wird ihr klar, dass sie sich ihre Freiheit erobern muss - und Geborgenheit nur in sich selbst finden kann.Ein kluger Roman über die manchmal unerträgliche Leichtigkeit des Seins im heutigen Europa."
Kundinnen und Kunden meinen
2.0/5.0
Bibliomarie
aus Düsseldorf
3/5
11.02.2019
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wendepunkt
Klara verlässt Hals über Kopf Berlin und landet in Utrecht. Schon die Wahl des neuen Wohnorts ist eher zufällig. Wichtig ist ihr nur, dass es wenig Ähnlichkeit mit der Berliner Szene hat. Sie will neu anfangen, ein neues Land und eine neue Sprache, aber auch nicht ganz so fremd und exotisch, deshalb fiel die Wahl auf das Nachbarland.
Sie macht ihre ersten Schritte in einer neuen Sprache, notiert sich Gedankenfetzen in ihrem Dagboek. Sie flaniert und plaudert und nimmt den Leser mit in ihre neue Umgebung. Sie will keine Gedanken mehr an ihre zurückgelassene Beziehung in Berlin zulassen. Hauke, nur noch der Name an der gemeinsamen betriebenen Kneipe im Kiez. Die Liebe hat sich schon lange verflüchtigt, innerlich hat sie sich schon seit Jahren getrennt, nur für den letzten Schritt hat sie lange gebraucht. Vielleicht weil sie sich immer schon schwer tat mit Entscheidungen und Dinge zu Ende zu bringen.
Doch allmählich schleicht sich ein anderer Ton ein, sie vermeint Hauke zu sehen, Erinnerungen verfolgen sie und sie beginnt ihre Vergangenheit aufzuarbeiten. Ein Anstoß und eine Hilfe ist auch Thjis, ein junger Niederländer, der ihr gefällt und den sie bewundert, weil er genau weiß, was er will. Ein Wesenszug, der der Mitdreißigerin Klara in den vergangenen Jahren gefehlt hat, sie hat Unverbindlichkeit und mangelnde Entscheidungsfreudigkeit mit Freiheit verwechselt.
„Freiheit aushalten“ der Spruch, der auch an der Wand von Klaras Kneipe hing, ist eigentlich das Schlüsselwort. Klara muss es auf wirklich schmerzhafte Weise lernen, damit umzugehen und zu sich zu finden.
Mir hat der leichte, aber nie seichte, oder belanglose Ton gefallen, den Julia Trompeter für ihre Protagonistin findet. Die Sprache ist lebendig und bildhaft. Der Lernprozess, den Klara durchmacht, ist sicher vielen Lesern aus eigener Erfahrung bekannt. Es ist ein treffsicher geschildertes Bild einer Generation, die alle Möglichkeiten hat und der Schwierigkeit sich für die richtige zu entscheiden.
In vier Jahreszeiten hat Julia Trompeter ihren Roman gegliedert und als der Sommer endet, hat Klara ihren Weg gefunden. Wohin er führt, das wird dann eine andere Geschichte.
Bewertung
aus Neu Darchau
2/5
04.07.2019
Buch (Gebundene Ausgabe)
Oberflächlich
Zunächst hatte ich den Eindruck, den Versuch einer Neuauflage von „Frau Antje und Herr Mustermann“ vor mir zu haben, denn auch ich habe mich schon mit der Niederländischen Sprache auseinandergesetzt.
Während der ersten Seiten konnte ich mich von dem Eindruck nicht freimachen, dass es der Hauptperson mehr darum ging, sich über Banalitäten und Ausdrucksmöglichkeiten der Niederländischen Sprache lustig zu machen, denn ihre Bemerkungen gehen über die reinen Beobachtungen hinaus.
Nachundnach wird jedoch deutlich, dass Klara mit ihren Beobachtungen und Andeutungen ihre Trennung verarbeiten will. Ob ihr dieses nun gelingt, indem sie sich einem wesentlich jüngeren Freund zuwendet oder sich doch in das Niederländischen Alltagsleben integriert, sei dahingestellt.
Ich kann mich weder in die Geschichte noch in die Hauptfigur hineinversetzen. Bei dem Versuch dieses zu erreichen, hilft auch die Einteilung der Kapitel nicht, denn dieses suggeriert, das es sich um einzelne Kurzgeschichten handelt, obwohl die Kapitel aufeinander aufgebaut sind.
Das Buch ist sicherlich für jemand unterhaltsam, der die Niederlande aus dem Urlaub kennt oder der Niederländer auf dem Campingplatz kennengelernt hat. Aber jemand der sich ernsthaft mit den Niederlanden und der Niederländischen Sprache auseinander ein „Nogo“.
Bewertung
aus Ludwigshafen
1/5
17.02.2019
Buch (Gebundene Ausgabe)
Davon zuversichtlich später. (Robert Walser)
Davon zuversichtlich später. (Robert Walser)
Dieses Buch konnte mich nicht überzeugen
Frühling in Utrecht
Julia Trompeter
Fester Einband: 264 Seiten
Erschienen bei Schöffling, 05.02.2019
ISBN 9783895616372
Genre: Romane
Inhaltsangabe zu "Frühling in Utrecht"
Klara ist überstürzt nach Utrecht gezogen. Hier will die Ex-Berlinerin, die eine zerbrochene Beziehung und eine gescheiterte Karriere als Kneipenwirtin hinter sich lässt, ein neues Leben anfangen. In Zeiten, wo Flüchtlingsströme durch Europa ziehen, verarbeitet sie ihre persönliche 'Flucht' im Kleinen. In einem ›dagboek‹ hält sie die verwirrenden Unterschiede zwischen ihrem alten und neuen Leben fest. So hat sie nicht nur der deutschen Sprache und Kultur, sondern auch Hauke den Rücken gekehrt. Zwar war diese Trennung längst überfällig, doch erst als sie von Erinnerungen übermannt wird, beginnt sie sich ihrer Vergangenheit zu stellen. Eine wichtige Rolle für den Neubeginn spielt ihre Zuneigung zum jungen Thijs. Doch ihre Selbstbestimmung findet sie durch ihn nicht. Als sich die Lage zuspitzt, wird ihr klar, dass sie sich ihre Freiheit erobern muss – und Geborgenheit nur in sich selbst finden kann.
Ein kluger Roman über die manchmal unerträgliche Leichtigkeit des Seins im heutigen Europa.
Meine Meinung:
Klara landet eigentlich nur zufällig in Utrecht, aber dies ist bezeichnend für dieses Buch. Sie hat eine Beziehung hinter sich und auch als Kneipenwirtin hatte sie im Grunde genommen keine Lust mehr. Dazu muss man sagen, dass Klara eine Frau von über 30 ist, die eigentlich wissen sollte, was sie will. Sie hat verschiedene abgebrochene Studiengänge hinter sich. Nun also ist sie in den Zug gestiegen und steigt in Utrecht wieder aus. Durch Zufall findet sie eine Anstellung in einem Theesalon. Im ersten Drittel des Buches fängt Klara an dagboek zu schreiben. Sie beschreibt die Unterschiede zwischen Utrecht und Deutschland auch mit feinsinnigen Humor zum Beispiel, dass die Herren der Schöpfung ihre Fahrräder ohne Stange wie Gazellen reiten. Dieses erste Drittel hat mir sehr gut gefallen. Doch dann merkte man, dass Klara verschieden Studiengänge abgebrochen hatte, also mussten ja noch unbedingt philosophische Gedanken mit einfließen. Dann wurden die holländischen Wörter so viel, dass ich nicht mehr wusste, was das überhaupt heißt. Ein Glossar wäre hier wohl sehr angebracht. Klaras Lieblingszitat, wenn sie ein Thema nicht mehr weiter schreiben wollte war: „Dazu definitiv später mehr“, nach Robert Walser. Auch wurde es so langweilig, da nichts mehr passierte. Ich habe das Buch dann nur noch quer gelesen.
Normalerweise hätte ich das Buch abgebrochen. Das Problem war nur, dass ich das Buch für eine Leserunde bei Lovelybooks gewonnen habe und es waren nur 10 Bücher die verlost wurden.
Nach der Beschreibung und auch der kurzen Leseprobe hatte ich dies nicht erwartet und war sehr enttäuscht. Klara, eine Frau von über 30 hatte eine Einstellung und Gedanken an sich, da würde manche 18jährige die Hände über dem Kopf zusammen schlagen. Die Krönung war, dass Klara gegen Ende des Buches in einer Buchhandlung ein Büchlein von Rilke entdeckt, wobei sie durch Zufall eine Seite aufschlägt. Da war ein Brief von Rilke auf Englisch zu lesen, obwohl dieser Brief doch in Deutsch sein sollte.
Das Buch selber ist mit diesem Orangeton ein echter Hingucker (es soll wohl eine Anspielung auf Holland sein) und auch das Cover gefällt mir sehr gut.
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