Ausgezeichnet mit dem Preis der Leipziger Buchmesse 2019. Harald Jähners große Mentalitätsgeschichte der Nachkriegszeit zeigt die Deutschen in ihrer ganzen Vielfalt: etwa den "Umerzieher" Alfred Döblin, der das Vertrauen seiner Landsleute zu gewinnen suchte, oder Beate Uhse, die mit ihrem "Versandgeschäft für Ehehygiene" alle Vorstellungen von Sittlichkeit infrage stellte; aber auch die namenlosen Schwarzmarkthändler, in den Taschen die mythisch aufgeladenen Lucky Strikes, oder die stilsicheren Hausfrauen am nicht weniger symbolhaften Nierentisch der anbrechenden Fünfziger. Das gesellschaftliche Panorama eines Jahrzehnts, das entscheidend war für die Deutschen und in vielem ganz anders, als wir oft glauben.
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
4 Bewertungen
5 Sterne
4 Sterne
(0)
3 Sterne
(0)
2 Sterne
(0)
1 Sterne
(0)
Buch WOLFSZEIT
Bewertung aus Sinsheim am 17.10.2020
Bewertungsnummer: 1390542
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
ausgezeichnete Recherche und Dokumentation über das Leben in der frühen Nachkriegszeit in Deutschland. Großartig beschrieben und zudem kurzweilig und spannend. Absolut zu empfehlen.
Ein Sachbuch, spannend und…
ws aus Markdorf am 25.05.2019
Bewertungsnummer: 2726510
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein Sachbuch, spannend und interessant wir ein hervorragender Roman Im Untertitel stehen schon die 10 Jahre, die dem absoluten Desaster und der kompletten Vernichtung des "Deutschen Reiches", den "Dritten Reich" folgten. Vom totalen Ruin bis zur Entwicklung des ‚Wirtschaftswunders‘. Vor welchen nicht-militärischen Problemen standen die Alliierten, wie wurden sie von den Amerikanern, Engländern und Franzosen einerseits und der Sowjetunion andererseits gelöst? Vor welchen Problemen stand zum einen die Rest-Bevölkerung im nahezu komplett zerstörten, ausgebombten Deutschland? Wie konnte der Ansturm von Abermillionen Flüchtlingen und Vertriebenen bewältigt werden. Ohne intakte Häuser, ohne Wohnungen, ohne herkömmliche, gewohnte Versorgung mit Lebensmitteln, ohne grossartige Möglichkeit, im Winter zu heizen? Ohne eine Vielzahl arbeitsfähiger Männer? Denn die meisten von ihnen waren ja entweder im Krieg umgekommen, schwer verwundet und als Invaliden zurückgekommen oder in Kriegsgefangenschaft. Wie sollte, wie konnte der Grossteil der Bevölkerung entnazifiziert, auf ein demokratisches Staatswesen vorbereitet werden? Nach welch unterschiedlichen Kriterien wurden die für das Funktionieren eines Staates notwendigen Ordnungskräfte (Polizei), Juristen (Gerichte) und Verwaltungsbeamte (Behörden) in ‚Trizonesien‘ und der ‚SBZ‘ ausgesucht? Auch Fragen wie es zum Beispiel möglich war, dass Hans Globke, immerhin der Mitverfasser und Kommentator der Nürnberger Rassegesetze und Hauptverantwortlicher für die judenfeindliche Namensänderungsverordnung in der Zeit des Nationalsozialismus sehr schnell Chef des Bundeskanzleramts unter Bundeskanzler Konrad Adenauer wurde? Probleme über Probleme, Fragen über Fragen. Und genau so viele schlüssige Antworten, die Harald Jähner gibt. Dem Honorarprofessor für Kulturjournalismus an der Universität der Künste zu Berlin gelingt es nicht nur, diese Probleme im zerstörten Deutschland im Einzelnen aufzudecken und die teils sehr pragmatische Lösungen zu präsentieren. Es gelingt ihm ebenso, diese Antworten in einem lockeren, gut zu lesenden, aufschlussreichen und an vielen Stellen auch recht humorvollen Stil zu beschreiben. Die verklemmte Moral der Gesellschaft, von den langen Jahren der Nazidiktatur geprägt, der Einfluss der Kirche, besonders der katholischen, wird verdeutlicht. Stichwort: die berüchtigten ‚Heime für gefallene Mädchen‘. Trotz (oder wegen?) dieser Doppel-Moral wurde der Versandhandel für ‚Artikel der Ehehygiene‘, dessen Grundstein Beate Uhse 1947 mit einer Broschüre über die Knaus-Ogino-Verhütungsmethode legte. Nach und nach ein Riesenerfolg. Mit dem es Beate Uhse gelang, sich das Startkapital zu ihren Sexshops zu verschaffen. Währungsreform, Gründung von Zeitungen, Kunst und Kultur in Trizonesien bzw. der SBZ. Eben alles, was in den zehn Jahren wichtig war. Das Buch ist auch gut bebildert. So dass man sich bei der Lektüre einen Eindruck der beschriebenen Zustände verschaffen kann. Alles sehr lesenswert! Wobei es wünschenswert ist, dass Harald Jähner im gleichen Stil, mit der gleichen Akribie die Jahre von 1955 bis 1970 unter die Lupe nimmt.
Kurze Frage zu unserer Seite
Vielen Dank für dein Feedback
Wir nutzen dein Feedback, um unsere Produktseiten zu verbessern. Bitte habe Verständnis, dass wir dir keine Rückmeldung geben können. Falls du Kontakt mit uns aufnehmen möchtest, kannst du dich aber gerne an unseren Kund*innenservice wenden.