Tyll Ulenspiegel – Vagant und Schausteller, Entertainer und Provokateur – wird zu Beginn des 17. Jahrhunderts in einem Dorf geboren, in dem sein Vater, ein Müller, als Magier und Welterforscher schon bald mit der Kirche in Konflikt gerät. Tyll muss fliehen, die Bäckerstochter Nele begleitet ihn. Auf ihren Wegen durch das vom Dreißigjährigen Krieg verheerte Land begegnen sie vielen kleinen Leuten und einigen der sogenannten Großen: Gelehrten, Ärzten, Henkern, Jongleuren und einem exilierten Königspaar. Ihre Schicksale verbinden sich zu einem Zeitgewebe, zum Epos vom Dreißigjährigen Krieg. Und um wen sollte es sich entfalten, wenn nicht um Tyll, jenen rätselhaften Gaukler, der eines Tages beschließt, niemals zu sterben.
Kundinnen und Kunden meinen
4.2/5.0
Bewertung
5/5
22.12.2025
Hörbuch (Audio)
TYLL - ein Meisterwerk
Die Lesung dieses Meisterwerks durch Ulrich Noethen ist sensationell. Tyll ist kein „Schelmenroman“, sondern eine atmosphärisch dichte, menschen- und lebenskluge Schilderung der Zeit des 30jährigen Kriegs. Manchmal komisch, manchmal böse, dann bitter oder lakonisch. Viel spielerisch eingewobene Geschichte. Bewundernswert, wie Kehlmann scheinbar mühelos die Diktion des Simplizissimus aufgenommen und dieses weise Buch offenbar wie in einem Schreibrausch herunter geschrieben hat, wie aus einem Guss.
Ich könnte mir vorstellen, dass die Lesung Noethens das Werk noch besser macht.
Bewertung
5/5
06.10.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein grandioser Roman! Ein sprachliches Meisterwerk! Die Figur des Tyll in die Zeit des 30-jährigen Krieges zu versetzen, was für eine wunderbare literarische Idee! Mich begeisterte auch, wie Kehlmann es schafft, die Sprache der einzelnen Akteure, der verschiedenen Stände und sozialen Gruppen so schön und prunkvoll zu adaptieren. Mit des Erzählen einzelner Geschichten und Begebenheiten um den Gaukler Tyll Eulenspiegel herum gelingt es ihm fast unscheinbar, uns die fremde, mystische und unwirtliche Zeit des 30-jährigen Krieges mit dem Herzen und dem Verstand ganz nahe zu bringen.
Libertine Literatur
5/5
16.08.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Von Menschen und Narren
Geschichten über Till Eulenspiegel kennt man bereits seit dem 14. und 15. Jahrhundert. Mal Dil oder Dyl genannt, mal Ulenspegel oder Ulenspiegel, war nicht nur sein Name über die Zeit allerlei Veränderungen unterworfen.
Was um 1510 literarisch unter dem Titel ›Ein kurtzweilig lesen von Dyl Vlenspiegel‹ begann, greift Daniel Kehlmann über ein halbes Jahrtausend später in seinem Roman ›Tyll‹ wieder auf. Doch während das erste Kapitel ›Schuhe‹ thematisch noch an sein historisches Vorbild erinnert, zeugen die weiteren Kapitel weniger von den Streichen und Scherzen des Gauklers, als von den Geschehnissen um den Dreißigjährigen Krieg und seine Zeit.
Denn der Narr Tyll Ulenspiegel, wie er bei Kehlmann heißt, kann Einblicke in jede Gesellschaftsschicht bieten. Tyll wächst als Sohn eines Müllers auf, der seiner Zeit entrückt scheint. Statt sich mit seiner Arbeit als Müller zu beschäftigen, studiert er lieber die Rätsel der Sonne und des Mondes.
»Neulich hat der Junge ihn gefragt, wie viele Sterne es eigentlich gibt, und da er erst vor kurzem nachgezählt hat, hat er ihm nicht ohne Stolz eine Antwort geben können.«
Doch Claus Ulenspiegels Wissensdrang geht weit über solche Fragen hinaus und so ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Inquisition in Gestalt von Tesimond und Kircher auf ihn aufmerksam wird.
Jahre später macht der Narr Tyll Ulenspiegel Bekanntschaft mit dem Winterkönig, seiner Frau Liz und Gustav Adolf. Es ist nicht die Inquisition, die diese Heimsucht, sondern die Pest und die Schattenseiten des Krieges.
Doch so vielseitig die Einblicke auch sind, die der Narr dem Leser gewährt, so unzuverlässig ist Kehlmanns Erzählstil, die Wirklichkeit zeigt sich selten eindeutig. Zum einen ist die Welt Claus Ulenspiegels im Wissen und Glauben ihrer Zeit verhaftet, fortschrittliche Meinungen kommen bei seiner Anklage zwar zu Wort, finden jedoch kein wohlwollendes Gehör. Auch die Zauber, die Claus Ulenspiegel kennt, bleiben ambivalent, denn wenn diese versagen, findet sich zumeist eine Alternativerklärung dafür, sodass nicht abschließend geklärt werden kann, ob in der Welt Tyll Ulenspiegls Zauber und Magie einen Platz haben; im Aberglauben der Zeit hatten sie ihn jedenfalls.
Auch die letzten Worte und Gedanken des Winterkönigs bleiben in der Schwebe. Denn während der letzten Nachricht, die er seiner Frau Liz zukommen lassen will, fällt ihm das klare Denken nicht mehr leicht.
»Er konnte nur hoffen, dass er alles, was wichtig war, schon aufgeschrieben hatte.«
Daniel Kehlmann gelingt es in seinem Roman ›Tyll‹ ein geschicktes Netz aus den Gegensätzen der Zeit, zwischen Fortschritt und Aberglaube, Humor und Tod, sowie Wirklichkeit und Schein-Wirklichkeit, zu knüpfen. Doch alle Maschen sind stark und so behält ›Tyll‹, obwohl die Geschichten einiger Figuren zu Ende erzählt sind, Abschluss finden und Fragen geklärt werden, doch seine Offenheit.
Selten hat ein Buch so stark dazu eingeladen, sich auf Perspektivwechsel und Ambivalenzen einzulassen. Während die Sprache klar und strukturiert ist und so ein stimmiges Gerüst bildet, sind es die Gedankenwelten der Figuren selten. Und somit lässt Kehlmann dem Leser genug Luft, seine eigenen Gedanken in diese seit Jahrhunderten vergangene Zeit einzubringen. Nur, ob sie auf die richtige Fährte führen, bleibt abzuwarten. Auch die Romane ›F‹ und ›Ruhm‹ des Autors kann ich empfehlen, obwohl sie keine historische Komponente haben.
Bewertung
5/5
30.08.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Till Eulenspiegel, klar, kennt...
Till Eulenspiegel, klar, kennt jeder. Aber dann las ich dieses Buch. Und ich wurde berührt von einer Persönlichkeit die ihres Gleiches sucht. Soviel Stärke, Mut, Kraft, erst dann kommt der Schalk, mit dem er die schreckliche Zeit in der er lebte gemeistert hat. Tyll, bewege uns!
Bewertung
aus Zürich
5/5
22.07.2020
Buch (Taschenbuch)
Tyll
Daniel Kehlmann zählt für mich zu den besten Autoren der Gegenwart.
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