Kalkutta 1921. Der Besuch einer Opiumhöhle nimmt für den britischen Ermittler Sam Wyndham ein unerwartetes Ende, als er im Rausch von einer Razzia überrascht wird und nun unerkannt vor seinen eigenen Leuten fliehen muss. Noch benommen vom süßlichen Rauch will er über das Dach des Hauses flüchten - und stößt auf eine Leiche. Mit zwei Stichen niedergestreckt, die Augen gewaltsam entfernt. Doch Wyndham hat keine Zeit, den Schauplatz genauer zu untersuchen. In letzter Sekunde bringt er sich selbst in Sicherheit.
Aber der grausame Fund ist erst der Auftakt einer Reihe blutiger Ritualmorde, die das politisch immer unruhiger werdende Kalkutta in Angst und Schrecken versetzen.
Kundinnen und Kunden meinen
4.6/5.0
Bewertung
aus Oberursel
5/5
13.02.2022
Buch (Taschenbuch)
spannender Krimi im kolonialen Indien
Klappentext: „Kalkutta 1921. Der Besuch einer Opiumhöhle nimmt für den britischen Ermittler Sam Wyndham ein unerwartetes Ende, als er im Rausch von einer Razzia überrascht wird und nun unerkannt vor seinen eigenen Leuten fliehen muss. Noch benommen vom süßlichen Rauch will er über das Dach des Hauses flüchten - und stößt auf eine Leiche. Mit zwei Stichen niedergestreckt, die Augen gewaltsam entfernt. Doch Wyndham hat keine Zeit, den Schauplatz genauer zu untersuchen. In letzter Sekunde bringt er sich selbst in Sicherheit.
Aber der grausame Fund ist erst der Auftakt einer Reihe blutiger Ritualmorde, die das politisch immer unruhiger werdende Kalkutta in Angst und Schrecken versetzen.“
Und schon ist man wieder mitten im Geschehen. Und da ich nun schon zum dritten mal Sam in Kalkutta begleite, bin ich tatsächlich mit Seite 1 direkt gefesselt wieder dabei. Captain Wyndham ist nun seit über 2 Jahren Resident in Kalkutta, dem Millionenmoloch in Bengalen, und seine Opiumsucht hat sich gefestigt. Entstanden nach einer Kriegsverletzung, die mithilfe von Morphium kuriert wurde, hat Sam nun in der neuen Heimat die Opiumhöhlen direkt vor Ort, und muss sich eingestehen, dass mittlerweile nicht mehr das „O“, sondern eher das „O“ ihn im Griff hat, und neben seiner Ermittlertätigkeit ist er ziemlich angestrengt dabei, diese Sucht vor seinen Kollegen und Vorgesetzten zu vertuschen. Interessanter Nebenplot übrigens, der dem Leser auch die unschönen Seiten Kalkuttas in den 20ern nahebringt.
Aber zurück zum Fall: Sam und sein Kollege, der indische Seargant Surrender-Not Banerjee, der ihm allen Rassismus zum Trotz zu einem guten Freund geworden ist, haben es mit 3 Morden zu tun, deren Opfer allesamt brutal zugerichtet wurden. Auf der Suche nach den Gemeinsamkeiten stossen die Ermittler auf eine Jahre zurückliegende Operation des Geheimdienstes und grausamen Menschenversuchen…..und irgendjemand scheint hier Rache zu nehmen.
Der Fall ist spannend konstruiert, und für mich wurde es richtig faszinierend vor dem Hintergrund der indischen Unabhängigkeitsbewegung. Was sich schon in den ersten beiden Fällen abgezeichnet hat, nimmt nun wirklich Raum ein: Gandhis gewaltlose Widerstandsbewegung wird in den 20ern in Indien immer grösser; die Massen schliessen sich den friedlichen Protesten an, und sowohl Sam als auch Surrender-Not sind als Vertreter der Gegenseite des Öfteren in Gewissenskonflikten. Suren als Inder sowieso, aber auch Sam fragt sich, inwieweit die britische Besatzung gerechtfertigt ist. Ich muss hier erneut den erzählerischen Kniff des (indischen) Autors bewundern, der diese moralischen Konflikte seinen britischen Protagonisten austragen lässt. Super interessante Lehrstunde in Geschichte. Faszinierend, wenn man sieht, dass ein Volk, das friedlich protestiert, komplett eine Staatsmacht lahmlegen kann.
Mukherjees Serie ist sowieso klasse recherchiert und zeigt (soweit ich das beurteilen kann natürlich) ein authentisches Bild des Indien der letzten Tage des Empires. Abgesehen von den historischen Fakten, die hier eingewebt sind, schreibt der Autor auch so lebendig, dass man im Kopf tatsächlich dabei ist und mit Sam durch die Stadt jagt. Ja, jagt – Stillstand gibt es generell wenig. Das Level an Action ist jederzeit hoch, und hier passiert ständig etwas. Ich mag das . Und ich mag auch Mukherjees Stil: des Öfteren lakonisch und mit schwarzem Humor, und auch relativ modern. Die Story spielt zwar vor 100 Jahren, aber die Sprache Sams ist salopp genug, um auch im heute zu bestehen.
Also: atmosphärisch dicht, spannender Kriminalfall, ein sympathisches Ermittlerteam, plus die Zeitreise ins koloniale Indien: mich hat es wieder mitgerissen. Das ist eine absolute Leseempfehlung für alle Fans von historischen (Kriminal)-romanen!
Leider sind momentan erst die ersten 3 Teile der Serie in Deutschland erschienen, die beiden Nachfolgebände muss ich dann auf Englisch lesen. Macht ja nix . Ich will wissen, wie es weitergeht!
Bewertung
aus Bergheim
5/5
26.06.2020
Buch (Taschenbuch)
Indien 1921
Während Gandhi und seine Anhänger den Briten in Indien mit friedlichen Demonstrationen entgegentreten und ihnen das Leben schwer machen, kämpft Wynham mit seinen eigenen Dämonen. Seine Opiumsucht ist kaum noch zu verbergen und beeinflusst seine Arbeit ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, da ein Serienmörder sein Unwesen treibt. Mukherjee lässt seinen Helden zu Beginn dieses dritten Romans seiner Indien-Reihe über das erste Mordopfer stolpern und so ist der Leser sofort in der spannenden Geschichte. Neben der Mörderjagd und den Problemen mit seiner Sucht lässt Mukherjee seinen Helden Wyndham in diesem Roman auch die Sicht des Briten auf Gandhi und seine friedliche Revolution schildern, eindrucksvoll, interessant und angesichts unseres heutigen Wissens um die Kolonialherrschaft und ihre Schattenseiten zum Teil erschreckend.
Ich habe diesen Kriminalroman in kürzester Zeit regelrecht verschlungen und freue mich schon auf einen hoffentlich bald erscheinenden Band 4.
Elke
aus Vaihingen an der Enz
5/5
06.06.2019
Buch (Taschenbuch)
Wer die Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart verstehen
Auch im dritten Band der Reihe mit Captain Sam Wyndham, dem Ex-Detective von Scotland Yard, und seinem Assistenten Sergeant Surrender-not Banerjee bleibt der Autor Abir Mukherjee seinem außergewöhnlichen Setting treu und verarbeitet einmal mehr ein Stück britischer Kolonialgeschichte in einer spannenden Krimi-Story. Handlungsort ist wieder Kalkutta, wir schreiben das Jahr 1921. Indien erwacht allmählich aus seinem Dämmerschlaf, will nicht länger unter dem Joch der Kolonialmacht leben. Die Bestrebungen nach Unabhängigkeit nehmen zu. Indische Gruppen organisieren sich, Unruhen kündigen sich an, die eine Gefahr für den bevorstehenden Besuch des Prince of Wales darstellen. Man fürchtet um dessen Leib und Leben, muss die Aufständischen in Schach halten
Doch das ist nicht das einzige Problem, mit dem sich Wyndham herumschlagen muss. Sein Rauschmittelkonsum bringt ihn in eine prekäre Lage. Nichts mit seligem dahindämmern, sondern Flucht vor den eigenen Kollegen bei der Razzia in einer Opiumhöhle, wobei er über eine brutal verstümmelte Leiche stolpert. Noch ahnt er nicht, dass dies nur der Auftakt einer Reihe grausamer Ritualmorde ist, bei deren Aufklärung dem Ermittlergespann von offizieller Seite jede Menge Steine in den Weg gelegt werden.
Ein historischer Kriminalroman vom Feinsten. Auf der einen Seite ist es natürlich die „exotische“ Kulisse mit all ihren politischen, ethnischen und gesellschaftlichen Spannungen, der Pracht und dem Elend dicht nebeneinander, die Mukherjees Roman zu etwas besonderem macht, nicht zu vergessen die liebevoll gezeichneten Charaktere mit ihren Stärken und Schwächen. Zum anderen hält dich der Autor eng an die historisch verbrieften Fakten und setzt diese gekonnt in seiner Story ein. Und vielleicht weckt er so auch bei dem einen oder anderen Leser Interesse, sich – gerade in Zeiten des Brexit scheint mir das wichtig - über die Krimihandlung hinaus mit der Thematik des britischen Empire zu beschäftigen. Denn nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart verstehen.
Havers
5/5
06.06.2019
Buch (Taschenbuch)
Auch im dritten Band der…
Auch im dritten Band der Reihe mit Captain Sam Wyndham, dem Ex-Detective von Scotland Yard, und seinem Assistenten Sergeant Surrender-not Banerjee bleibt der Autor Abir Mukherjee seinem außergewöhnlichen Setting treu und verarbeitet einmal mehr ein Stück britischer Kolonialgeschichte in einer spannenden Krimi-Story. Handlungsort ist wieder Kalkutta, wir schreiben das Jahr 1921. Indien erwacht allmählich aus seinem Dämmerschlaf, will nicht länger unter dem Joch der Kolonialmacht leben. Die Bestrebungen nach Unabhängigkeit nehmen zu. Indische Gruppen organisieren sich, Unruhen kündigen sich an, die eine Gefahr für den bevorstehenden Besuch des Prince of Wales darstellen. Man fürchtet um dessen Leib und Leben, muss die Aufständischen in Schach halten Doch das ist nicht das einzige Problem, mit dem sich Wyndham herumschlagen muss. Sein Rauschmittelkonsum bringt ihn in eine prekäre Lage. Nichts mit seligem dahindämmern, sondern Flucht vor den eigenen Kollegen bei der Razzia in einer Opiumhöhle, wobei er über eine brutal verstümmelte Leiche stolpert. Noch ahnt er nicht, dass dies nur der Auftakt einer Reihe grausamer Ritualmorde ist, bei deren Aufklärung dem Ermittlergespann von offizieller Seite jede Menge Steine in den Weg gelegt werden. Ein historischer Kriminalroman vom Feinsten. Auf der einen Seite ist es natürlich die „exotische“ Kulisse mit all ihren politischen, ethnischen und gesellschaftlichen Spannungen, der Pracht und dem Elend dicht nebeneinander, die Mukherjees Roman zu etwas besonderem macht, nicht zu vergessen die liebevoll gezeichneten Charaktere mit ihren Stärken und Schwächen. Zum anderen hält sich der Autor eng an die historisch verbrieften Fakten und setzt diese gekonnt in seiner Story ein. Und vielleicht weckt er so auch bei dem einen oder anderen Leser Interesse, sich – gerade in Zeiten des Brexit scheint mir das wichtig - über die Krimihandlung hinaus mit der Thematik des britischen Empire zu beschäftigen. Denn nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart verstehen.
hasirasi2
aus Dresden
4/5
08.06.2019
Buch (Taschenbuch)
Pipe Dream
Kalkutta, Weihnachten 1921: Für einen Pipe Dream – ein Hirngespinst – hält der britische Ermittler Sam Wyndham zuerst die grausam zugerichtete Leiche, über die er nachts stolpert, als er wegen einer Razzia aus einer Opiumhöhle flieht. Aber sie ist sehr real und seine Kleidung voller Blut. Als er am nächsten Tag noch einmal dort nachsieht, findet er allerdings keine Spur von dem Toten. Sollte er ihn sich doch nur eingebildet haben?
Eigentlich haben Wyndham und sein indischer Sergeant Surrender-not Banerjee auch genug andere Sorgen. Der Besuch von Prince Edward of Wales steht unmittelbar bevor und sie sollen Chitta-Rajan Das, einen brillanten Anwalt und Gandhis rechte Hand, dazu bringen, dass dieser die geplanten Demonstrationen zu Edwards Besuch absagt. Dies bringt Surrender-not in eine Zwickmühle. Seine Familie ist mit Chitta-Rajan befreundet und auch er achtet ihn sehr, außerdem kann er seinen Standpunkt verstehen (und denkt insgeheim genau so). Wie soll er sich verhalten?
Abir Mukherjee hat es wieder geschafft, ein mir bis dato völlig unbekanntes Stück indische Geschichte mit einem spanenden Kriminalfall zu verbinden. Vor dem Hintergrund der „Kampagne der Nichtkooperation“, bei der die Inder u.a. westliche Kleidung verbrennen, bis nur noch „eine Handvoll Asche“ übrig ist, versuchen Wyndham und Surrender-not nicht nur die angekündigte Großdemonstration zu verhindern, sondern auch weitere Morde - denn bei dem einen Toten bleibt es nicht ...
Im Gegensatz zu den ersten beiden Büchern („Ein angesehener Mann“ und „Ein notwendiges Übel“) überwiegt diesmal der Romananteil. Der Kriminalfall ist in reale historische Ereignisse eingebettet und nimmt erst am Ende Fahrt auf. Dann überschlagen sich allerdings die Ereignisse und Sam Wyndham zeigt, dass er trotz seines Drogenkonsums ein exzellenter Ermittler ist. Und Surrender-not ergänzt ihn perfekt.
Wyndham ist sehr pragmatisch und analytisch. Ihm ist klar, dass er seine Opiumsucht dringend in den Griff bekommen muss und dass seine Tage (und die der Kolonialzeit) in Indien gezählt sind, wenn die Inder ihre Ziele erreichen. „Wir würden den Kampf, in den wir hier verstrickt waren, dieses verzweifelte Ringen um ein Indien unter britischer Herrschaft, zwangsläufig verlieren.“ (S. 226)
Surrender-not hat es ebenfalls nicht leicht. Da er weiterhin für die Engländer arbeitet anstatt zu streiken, gilt er als schwarzes Schaf der Familie und hat seit einem Jahr keinen Kontakt mehr zu ihr.
„Eine Handvoll Asche“ gibt wieder spannende neue Einblicke in das damalige Leben in Kalkutta, die Verwaltung des riesigen Landes und die Unterschiede zwischen arm und reich, Engländern und Indern. Das besondere Augenmerk liegt diesmal in deren fortschreitendem Kampf um ihre Unabhängigkeit vor einer sehr exotischen Kulisse.
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