Am 15. Juli 2008 wurde Hannibal Gaddafi, Sohn des damaligen libyschen Diktators Muammar Gaddafi, in Genf vorübergehend in Haft genommen. Der Vorwurf: Er und seine Frau hätten ihre Bediensteten misshandelt. Der Gaddafi-Clan sah dadurch seine Familienehre beschmutzt und begann einen unerbittlichen Rachefeldzug gegen die Schweiz, der zwei Jahre dauern und in die Geschichtsbücher eingehen sollte. Um der Schweizer Regierung Zugeständnisse abzupressen, nahm das libysche Regime den Schweizer Max Göldi und den schweizerisch-tunesischen Doppelbürger Rachid Hamdani in Haft. Nun erzählt Max Göldi von den schwierigen, nervenraubenden, bizarren und völlig absurden Irrungen und Wirrungen, die sein Leben zur Hölle machten. Er erzählt von immer wieder zerstörten Hoffnungen und großen Ängsten, davon, wie er sich während seiner Haft den sich ständig verändernden Lebensumständen anpassen musste, vom Überleben in libyschen Gefängnissen, von Entführung, Einzelhaft, Lösegeldforderungen, Willkür und kafkaesken Schauprozessen. Er weiht uns in Fluchtpläne ein, erinnert sich an boshafte Mitmenschen, überforderte Beamte, schillernde Vermittler und standfeste Diplomaten. Und daran, wie es war, als er am 14. Juni 2010 in Begleitung der damaligen Außenministerin Micheline Calmy-Rey in der Schweiz landete und endlich seine Frau wieder in die Arme schließen konnte.
Kundinnen und Kunden meinen
4.3/5.0
Peter T.
5/5
28.12.2018
Buch (Gebundene Ausgabe)
Unglaublich!
Dieses Tagebuch ist spannender, bewegender und bedrückender als mancher Krimi oder Thriller - nur, dass diese Geschichte nicht frei erfunden wurde... Absolut lesenswert!
Ich hoffe, Herrn Göldi geht es gut und er kann sein Leben in Asien geniessen. Verdient hat er es!
Bewertung
aus Bern
5/5
06.11.2018
Buch (Gebundene Ausgabe)
Die Realität schlägt jede Fiktion!
Dieses Buch ist schlicht unglaublich. Auf 624 Seiten beschreibt Max Göldi, wie er aus heiterem Himmel zur Geisel Gaddafis wurde und was er in den 695 Tagen in denen er in Libyen festsass erlebte. Die schlimmste Zeit für Göldi waren 53 Tage in einem Geheimgefängnis. Die meiste Zeit verbrachte er allerdings in der Schweizer Botschaft, die er zwischenzeitlich sogar führte (!) weil a) der Konsul völlig überfordert und deshalb versetzt worden war und b) alle anderen Beamten in den Ferien weilten.
Mitten in der Staatskrise wurde die Botschaft führerlos und Bundesrätin Calmy-Rey ernannte Göldi zum Zweiten Botschaftssekretär und stellte ihm einen Diplomatenpass aus, er erhielt alle Codes für die Safes, eine Bankunterschriftsberechtigung und einen Botschafts-Mail-Account. Verwundert schrieb er in sein Tagebuch: „Die Geisel in der Botschaft schmeisst den Laden allein.“
„Gaddafis Rache – Das Tagebuch einer Geisel“ ist ein Stück Zeitgeschichte, sehr sorgfältig geschrieben und liest sich wie ein Krimi. Und die diversen Auftritte der völlig überforderten EDA-Funktionäre sind nicht selten richtig lustig. Kurz beste Unterhaltung.
Bewertung
aus Ibach
5/5
02.11.2018
Buch (Gebundene Ausgabe)
Spannung pur
Wer Spannung sucht und sich für Politik und Verwicklungen interessiert, ist bei diesem Buch richtig. Max Göldi erzählt im Wechsel berührend, schockierend und witzig. Manchmal ist es wirklich bizarr, was da abgegangen ist. Plötzlich wurde z.B. aus der Geissel ein Botschafter. Total schräg. Ich musste immer wieder den Kopf schütteln.
Bewertung
4/5
28.01.2019
Buch (Gebundene Ausgabe)
Etwas sehr ausführlich
"Gaddafis Rache" vom Schweizer Max Göldi ist ein Tagebuch-roman aus den wahren Tb-einträgen Göldis während seiner zweijährigen Gefangenschaft unter dem Gaddafi-Regime in Libyen.
Inhaltlich fängt es direkt mit der Verhaftung Göldis an, der aus Rache für die Verhaftung Gaddafis Sohn in der Schweiz, verhaftet wird.
Nach kurzer Haft, darf er das Land nicht mehr verlassen und ist sozusagen in der Botschaft gefangen. Mehr verrate ich nicht.
Stil: Nahezu täglich schrieb Göldi etwas, wobei gerade im mittleren Bereich des Romans einiges hätte zusammengefasst, gekürzt und weggeschnitten werden können. Natürlich, war ihm langweilig und er suchte sich eine Aufgabe, aber mich interessiert als Leser bspw. nicht, dass er einen Stepper repariert oder xy Kilometer rennt...
Fazit: Wärmstens zu empfehlen für Menschen, die die Zeit aktiv in den nachrichten verfolgt haben, gerade der Anfang und der Schluss sind sehr interessant, da er selbst eine Wandlung (charakteristisch gemeint) vollzieht, wenn er sie auch selbst wohl nicht wahrnimmt.
Aischa
aus Kissing
3/5
08.01.2019
Buch (Gebundene Ausgabe)
Fesselndes Stück Zeitgeschichte - leider auch mit einigen Längen
Es ist kaum zu fassen, was Autor Max Göldi passiert ist: Als Mitarbeiter einer schweizer Firmenrepräsentanz in Tripolis wird er unversehens und völlig unschuldig zum politischen Spielball.
Hannibal Gaddafi wird samt Ehefrau in Genf verhaftet, in den Augen seines Vaters und libyschen Diktators ein nicht hinnehmbarer Gesichtsverlust. Als Rache werden mehrere schweizer Firmensitze in Tripolis geschlossen; dort tätige Mitarbeiter mit schweizer Pass werden inhaftiert. Es folgen kafkaeske Schauprozesse, Entführungen im Stil eines Hollywood-Action-Films und ein jahrelanger erzwungener Aufenthalt im goldenen Käfig der schweizer Botschaft.
Ein Plot wie ihn sich Starautoren nicht spannender ausdenken hätten können.
Und dennoch habe ich mich über Dutzende, wenn nicht gar Hunderte Seiten hinweg (sic!) richtiggehend durch die Geschichte gequält, war mehrmals kurz davor, die Lektüre abzubrechen. Dies hatte vor allem zwei Gründe: Zum einen fiel es mir trotz des Personenregisters im Anhang sehr schwer, den Überblick über die handelnden Personen zu behalten. Es ist eine wahre Flut an Namen, die man sich als Leser merken müsste. Und das Register (alphabetisch nach Familiennamen sortier) ist hier nur bedingt eine Hilfe, da der komplette Name oft nur anfangs genannt wird und bei Wiederholungen nur der Vorname aufgeführt ist. Hat man den Nachnamen nicht mehr parat, muss man sich also mühsam durch das Register kämpfen, bis man auf den richtigen Vornamen stößt. Dies hat meinen Lesefluss sehr behindert und den Genuss der Lektüre massiv beeinträchtigt.
Zum anderen beruht das Buch, wie der Untertitel schon vermuten lässt, auf Göldis Tagebuchaufzeichnungen während seiner Geiselschaft. Und dies merkt man für meinen Geschmack zu sehr. Seiten über Seiten wird Belangloses aufgezählt. Nicht für den psychisch ohne Frage extrem unter Druck stehenden Göldi. Ich kann mir gut vorstellen, dass es nach monatelangem unfreiwilligem Aufenthalt in der Botschaft der Höhepunkt des Tages sein kann, wenn der Botschafter aus dem Heimaturlaub Bircher Müsli mitbringt. Aber nach immer und immer wiederkehrenden Wiederholungen langweilt man sich als Leser doch sehr, wenn die Einträge nur daraus bestehen, wer wann mit wem Tischtennis gespielt hat, wer was gekocht und mit wem gegessen hat etc.
Anfang und Ende sind wirklich spannend; im Mittelteil hätte ich mir vom Lektorat mehr Straffung und deutliche Kürzung gewünscht.
Daher nur eine mittlere Leseempfehlung.
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