Was geschah mit der Liebe in der Zeit des braunen Terrors? Welchen Schikanen waren Paare in Nazideutschland ausgesetzt, die interkonfessionell, oder, wie es in der NS-Diktion hieß, „gemischtrassig“ verheiratet oder liiert waren und die im Rampenlicht standen? Wie stand es um jene Stars, die die Bevölkerung in Propagandafilmen dem NS-Regime konform unterhielten, vom Kriegsalltag ablenkten und gleichzeitig um ihre Liebe kämpften oder diese um der Karriere willen aufgaben? Ausgehend von den „Nürnberger Rassengesetzen“, die seit 1935 in Kraft waren, untersucht Evelyn Steinthaler die Beziehung vier prominenter Paare und wie unterschiedlich deren Umgang mit dem öffentlichen Druck war: Wir treffen Heinz Rühmann und Herta Feiler, Joachim Gottschalk und Meta Wolff, Kurt Weill und Lotte Lenya sowie Hansi Burg, die in wilder Ehe mit dem Superstar des deutschen Kinos, Hans Albers, zusammenlebte – und viele ihrer Weggefährten. Steinthaler erzählt vom Einfluss der Politik in einem totalitären Staat auf das Private, von Grenzen der Zuneigung durch politisch beeinflusste Karriereplanung, von Anpassung, Opferbereitschaft und selbstverständlicher Liebe, die bereit ist, Entfernungen und Distanzen zu überdauern.
Kundinnen und Kunden meinen
4.8/5.0
Bewertung
aus Stuttgart
5/5
15.11.2018
Buch (Gebundene Ausgabe)
Gebrandmarkte Liebe unter dem Hakenkreuz
Was passierte mit Paaren in Nazideutschland, wenn sie nicht der „arischen“ Norm entsprachen? Wenn ein Ehepartner jüdischen Glaubens oder zumindest entsprechend eingetragen war? Am Beispiel von den sogenannten „gemischtrassigen“ Paaren im Rampenlicht zeigt die Autorin Evelyn Steinthaler exemplarisch, welchen Schikanen und Repressalien die Eheleute ausgesetzt wurden.
Die Autorin gibt dafür zunächst einen guten Überblick über die damalige Situation und zeigt, welche verschiedenen Wege dermaßen gebrandmarkte Ehepartner in einer gefährlichen Zeit gingen: Viele Künstler bzw. deren Ehepartner entschieden sich zur Emigration, manche lebten als „Mitläufer“ in einer schwierigen Zeit, einige davon erhielten eine besondere Genehmigung. Neben den Künstlern, die in Lager deportiert wurden, gab es auch einige, die scheiterten und als Familie Selbstmord verübten, wie z.B. Joachim Gottschalk. Stellvertretend für viele andere zeigt die Autorin an drei weiteren Paaren im Einzelnen, welchen Weg sie gefunden haben: „Everybodys Darling“ Heinz Rühmann und Hertha Feiler, Kurt Weill und seine temperamentvolle Ehefrau Lotte Lenya sowie der Superstar des deutschen Kinos, Hans Albers und seiner Lebensgefährtin Hansi Burg.
Sehr sachlich bleibt die Autorin dabei in ihrem Sprachstil, der Leser kann sich selbst eine Meinung bilden über die Gräuel der damaligen Zeit. Erst im Schlusswort zeigt sie ihre eigene Meinung zu den Geschehnissen und warnt davor, dass ein solch dramatischer und zerstörerischer Einfluss der Politik schnell wieder entstehen kann, wenn wir dem nicht entgegenwirken. Die Geschichten hinter dem Buch sind genau recherchiert, der flüssige Erzählstil liest sich sehr flott. Bilder der Künstler, allein und mit Ehepartner, ergänzen diese aufrüttelnde Auseinandersetzung mit der deutschen Politik während der Nazi-Zeit.
Die erzählten Schicksale berühren den Leser, treffen bis ins Mark, wenn man überlegt, wie politisch Liebe damals sein konnte, wie sehr der Staat ins Innerste der Familie eingriff. Ein Buch, das ich unbedingt weiter empfehlen möchte, und das von mir alle fünf möglichen Sterne erhält.
Elke Seifried
aus Gundelfingen
5/5
04.11.2018
Buch (Gebundene Ausgabe)
Stars, Sternchen verliebt und erfolgreich, was hat das NS Regime aus ihnen gemacht?
Filme wie Die Große Freiheit Nr. 7, die Feuerzangenbowle oder Auf der Reeperbahn nachts um halb eins, Lieder wie Flieger grüß mir die Sonne und Schauspieler und Stars wie Heinz Rühmann, Hans Albers, Hans Moser, Zarah Leander, oder auch Marika Rökk sind mir aus meiner Kindheit durchaus noch ein Begriff gewesen, allerdings habe ich mich bisher noch nie mit deren Leben an sich beschäftigt und noch weniger mit ihrer Rolle und ihrer Liebe unter dem Hakenkreuz. Ich war deshalb sehr neugierig auf dieses Buch und habe stellvertretend an einigen Beispiele tolle Einblicke erhalten.
Mitläufer, Anpasser, Unterstützer, solche die ins Exil flüchten, solche, die die Bedrohung nicht ernst nahmen, solche die dem Druck nicht mehr standhalten konnten und den Freitod wählten oder solche, die versuchtem dem Regime etwas entgegenzusetzen. Wie in allen Schichten finden sich auch in der Welt der Stars und Sternchen solche Vertreter, die man hier an vier Beispielen vorgestellt bekommt.
Nach zwei einleitenden Kapiteln, das ausgehend von den Nürnberger Rassengesetzen, die seit 1935 in Kraft getreten sind, die Bestimmungen für „gemischtrassige“ Beziehungen und Ehen erklären und die Kulturpolitik der NS Zeit betrachten, bekommt man in in vier kurzen Kapiteln berühmte Paare vorgestellt, deren Frauen jüdische Vorfahren haben. Es wird jeweils der Lebenslauf kurz angerissen, man lernt Wegbegleiter kennen und erfährt wie sie sich durch die Zeit gebracht haben.
Es geht los mit dem Ehepaar Kurt Weil und Lotte Lenya, die schon bei der Machtergreifung an eine Emigration dachten und für die es auch keine Alternative gegeben hat, als 1935 dann auch zu flüchten. Diese beiden Stars waren mir bisher völlig unbekannt. Besonders perfide fand ich, dass Weils Schaffen als „entartete Musik“ verbrannt und dann später in einer Ausstellung zur Abschreckung in Hörboxen vorgespielt wurde. Zuvor noch nie gehört hatte ich auch von dem folgenden Ehepaar Joachim Gottschalk und Meta Wolff. Die beiden hielten dem öffentlichen Druck und den Repressalien des totalitären Staates nicht mehr stand, eine Flucht kam scheinbar auch nicht in Frage und deren gemeinsamer Selbstmord, das Söhnchen Michael ging mit ihnen, hat mich schwer bewegt. Vom Staat natürlich gekonnt still geschwiegen, dank Zensur. Hans Albers, war mir hingegen ein Begriff. „Er war ein Star und Deutschland lag ihm zu Füßen.“ Dieser hat, nicht zuletzt aufgrund seines großen Erfolgs, selbstverliebt und selbstbewusst, zwar stets alles seiner Karriere untergeordnet, aber auch nicht gescheut Goebbels immer wieder zu brüskieren, indem er Einladungen und Ehrungen verwehrte. Seine große Beliebtheit hat ihn und auch seine Lebenspartnerin Hansi Burg, mit der er in wilder Ehe zusammenlebte, lange Zeit vor ernstzunehmenden Konsequenzen bewahrt. Am besten angepasst und unter dem Deckmantel völlig unpolitisch zu sein, hat sich sicher Heinz Rühmann durch die Zeit gebracht und dadurch seiner Karriere stets Aufwind beschert. Während er eine erste Ehefrau Maria Bernheim, nachdem sich die beiden auseinandergelebt haben, auf Empfehlung Goebbels durch Scheidung einfach losgeworden ist, musste sich auch seine zweite Ehefrau Herta Feiler, hinter seiner Karriere anstellen. In den letzten beiden Kapiteln erfährt man auch nebenbei von Hans Moser, der als Lieblingsschauspieler Hitlers für seine jüdische Ehefrau Blanca vom Führer persönlich Sonderrechte gewährt bekommen hat, die sie zwar nicht vor der Flucht, aber doch wenigstens vor dem Tod im KZ bewahren konnten.
Der Sprachstil der Autorin liest sich locker, flüssig und sie macht das Sachbuch auch für den Laien zur wirklich gelungene Unterhaltung, auch wenn hier sicher der Informationsgehalt im Vordergrund steht. So hat mich die Autorin z.B. stellenweise wirklich tief betroffen gemacht, z.B. mit dem Zitat aus Gottschalks Abschiedsbrief, „Meta und Michael schlafen schon“ oder ich hatte einen Film im Kopf laufen, als sie beschreibt, dass Goering unwissend und unter den Augen anderer Meta Wolff auf einer Feier eines Berliner Künstlerclubs die Hand küsst und damit ihr Schicksal besiegelt.
Die Filmwelt und Musik in schnellen Schritten „von jeglicher Entartung und Verjüdung befreit“, war die Zeit der arischen Kultur angesagt. Ohne Goebbels konnte kein Film gedreht werden, wurde kein Engagement vergeben und auch die Inhalte der Filme wurden vorgegeben. Gefiel man ihm, war man ihm gefällig, war man Star, sonst schnell auf der Abschussrampe, außer man konnte eventuell noch auf das Wohlwollen des Führers bzw. Goerings bauen. Heute noch gefeiert, morgen schon ausgebuht und jeglicher Karrieremöglichkeiten beraubt aufgrund des Glaubens, der sexuellen Orientierung, der Herkunft oder der Ansichten. Ganz schnell ging es mit dem herabwürdigen Blick durch die Massen und dieser
„herabwürdigende Blick auf die Andren hat scheinbar nicht an Reiz verloren.“,
was die Autorin, sonst sachlich distanziert und ohne jeglichen erhobenen Zeigefinger, in einem letzten Kapitel anmahnt und was mir sehr gut gefallen hat. Denn „Dass solidarisches Eingreifen statt gleichgültigen Wegschauens heute notwendig ist, steht außer Frage Die Illusion unpolitisch sein zu können, kann man sich heute nicht mehr leisten, will man nicht der rechten Willkür Tür und Tor öffnen.“
Alles in allem habe ich wirklich tolle Einblicke in die Welt der Stars und Sternchen unter dem Hakenkreuz erhalten, habe viele interessante Details erfahren, die ich bisher nicht wusste, und jedes bewegende Erinnern an die Willkür, die sich nie mehr wiederholen darf, ist es sowieso wert gelesen zu werden. Fünf Sterne vergebe ich hier gerne.
Sikal
5/5
10.10.2018
Buch (Gebundene Ausgabe)
Als die Liebe nicht privat war…
Unzählige Bücher gibt es über die Zeit als die Nazis halb Europa ihren Willen aufzwangen, als nichts mehr privat war und alle persönlichen Gepflogenheiten von den Machthabern ins Visier genommen wurden. Dieses Buch von Evelyn Steinthaler gibt einen Einblick in das Leben von vier Künstler-Paaren, die ebenfalls von den Nationalsozialisten ins Visier genommen wurden – zum Teil weil sie „gemischtrassig“ liiert oder verheiratet waren oder/und das System kritisierten.
Wir treffen hier auf Namen, die uns allen bekannt sind, die auch zum Teil noch nach dem Krieg von sich reden machten. Heinz Rühmann, Hans Albers, Kurt Weill oder Joachim Gottschalk mit ihren Familien mussten einiges an Schikanen ertragen, haben sich teilweise auch mit dem System arrangiert oder führten Herrn Goebbels an der Nase herum…
Bereits seit 1933, spätestens ab 1935 (Nürnberger Gesetze) waren Juden in Deutschland unerwünscht. Viele wurden gezwungen, sich von ihren jüdischen Partnern zu trennen, viele wurden in die Emigration gezwungen, viele blieben und hofften darauf, dass es nicht ganz so schlimm werden würde (und zerbrachen daran) und viele unterstützten das System, um ihre Karriere zu fördern.
Ohne den Propagandaminister Goebbels konnte kein Film gedreht werden, die Besetzungslisten mussten genehmigt werden, sogar die Themen wurden von ihm mitbestimmt und manches Mal arbeitete er selbst an den Drehbüchern mit. Doch wieviel musste man von seiner eigenen Überzeugung aufgeben, um mit dem System zu kooperieren? Nicht alle konnten oder wollten ins Ausland, nicht jeder hatte einen finanziellen Schutzpolster außerhalb Deutschlands, die Sprachbarriere tat natürlich ihr Übriges.
Erwähnt wird auch Hans Moser, der von Hitler höchstpersönlich eine Sondergenehmigung für seine jüdische Frau Blanca erhielt, um unbehelligt leben zu können. Hans Albers geriet in den Verdacht, ein Nazi zu sein, doch gelang es ihm mit äußerst gefährlichen Manövern, seine Partnerin Hansi Burg in Sicherheit zu bringen. Während Joachim Gottschalk keine Auswegmöglichkeiten fand und für sich und seine Familie den Freitod wählte.
Die hier vorgestellten Paare stehen stellvertretend für viele andere, die ebenso mit dieser schrecklichen Zeit zu kämpfen hatten. Angst, Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung stand immer an der Tagesordnung. Viele gaben vor völlig unpolitisch zu sein, um selbst ein halbwegs angenehmes Leben führen zu können – Ignoranz oder Toleranz dem System gegenüber, was waren hier wohl wirklich die Beweggründe?
„Es ist geschehen, und folglich kann es wieder geschehen.“
Wir können nur darauf hoffen, dass solche Zeiten der Vergangenheit angehören. Dass „die Anderen“ auch eine Daseinsberechtigung bekommen. Politisches Interesse ist wichtiger als Passivität – so zitiert die Autorin hier den Auschwitz-Überlebenden Eli Wiesel „Neutralität hilft dem Unterdrücker, niemals dem Opfer. Stillschweigen bestärkt den Peiniger, niemals den Gepeinigten.“
Gerne vergebe ich hier 5 Sterne.
Gertie G.
aus Wien
5/5
10.10.2018
Buch (Gebundene Ausgabe)
Verbotene Liebe unter dem Hakenkreuz
Stellvertretend für die vielen Paare, die von den Nazis schikaniert wurden, weil sie – lt. den Nürnberger Rassegesetzen – in „gemischtrassigen“ Beziehungen leben, stellt die Autorin fünf berühmte Paare vor, deren Frauen jüdischer Herkunft sind:
• Hans Albers und Hansi Burg
• Kurt Weill und Lotte Lenya
• Joachim Gottschalk und Meta Wolff
• Heinz Rühmann und Maria Bernheim bzw. Herta Feiler
• Hans Moser und Blanca Hirschler
Wie sind die Lebensumstände für Schauspieler in Nazi-Deutschland?
Propagandaminister Goebbels herrscht mit eiserner Faust über die schönen Künste. Kein Theaterstück, kein Film darf ohne seine ausdrückliche Genehmigung aufgeführt oder gedreht werden. Er greift in die Besetzungslisten ein, bestimmt die Regisseure und setzt die Honorare fest. Schauspielern mit jüdischen Partnern wird eine Scheidung nahegelegt.
Das Ehepaar Kurt Weill und Lotte Lenya denken bereits 1933 an Emigration. 1935 gehen sie dann wirklich.
Hans Albers ist zu jener Zeit ein gefeierter Star. Er setzt über alle möglichen Befehle Goebbels hinweg. Albers ist mit Hansi Burg nicht verheiratet, will sie aber nicht verlassen. Sie wird eine Scheinehe mit einem Norweger eingehen und trotzdem mit Albers zusammenleben. Damit führen die beiden Goebbels damit an der Nase herum. Während der 12 Jahre der Nazi-Diktatur schafft es Albers, kein einziges Mal bei einer Veranstaltung von Goebbels zu erscheinen. Außerdem verweigert er konsequent mit dem Propagandaminister abgebildet zu werden. Die Konsequenzen sind nicht allzu streng. Hans Albers bekommt keine Zuwendung aus Hitlers „Künstlerfonds“.
Ganz anders trifft es Joachim Gottschalk und Meta Wolff. Meta lebt schon seit der Geburt ihres gemeinsames Sohnes Michael 1933 zurückgezogen. 1941 wird das Paar zu einer privaten Feier eingeladen, zu der (uneingeladen) plötzlich Goebbels erscheint. Er küsst allen anwesenden Damen die Hand, auch die von der Jüdin Meta Wolff. Als ihn sein Adjutant darauf aufmerksam macht, fühlt er sich desavouiert und rauscht wütend ab. Sofort befiehlt er Gottschalk die Scheidung, andernfalls würden Meta und Michael nach Theresienstadt deportiert. Gottschalk weigert sich und begeht mit seiner Familie 1941 Selbstmord.
Hans Moser ist der Lieblingsschauspieler Hitlers. Er richtet ein Gnadengesuch an den Diktator persönlich, der Ehefrau Blanca einige Sonderrechte gewährt. Sie braucht weder den Judenstern noch den Vornamen „Sarah“ zu tragen und in ihren Reisepass fehlt das übliche „J“. Allerdings muss sie 1939 nach Ungarn fliehen. Blanca überlebt und nach dem Krieg werden die beiden wieder in Wien leben.
Während sich Albers oder Moser durch die Jahre lavieren, treibt Heinz Rühmann seine Karriere trotz zweier jüdischer Ehefrauen voran. Seine erste, Maria Bernheim, eine ehemals bekannte Schauspielerin, managt ihn jahrelang, bis sich das Paar auseinandergelebt hat. Die Empfehlung Goebbels ist ein willkommener Anlass, diese Ehe zu beenden. Doch auch die zweite Gemahlin, die Wienerin Herta Feiler ist Jüdin. Er ordnet alles seiner Karriere unter, unterstützt das System und erhält aus Hitlers „Künstler-Fonds“ 40.000 Reichsmark
Rühmann gehörte zu jenen Schauspielern, die vorgaben, „völlig unpolitisch“ zu sein.
Der Titel des Buches ist einem Lied von Hans Albers entnommen (S.142).
Bemerkenswert ist das Nachwort der Autorin. Sie zitiert wie folgt:
„Ich bin dafür, die Sache in die Länge zu ziehen.“ (Oskar Helmer, österreichischer Innenminister von 1945-1959 zur Frage nach Restitution).
„Es ist geschehen, und folglich kann es wieder geschehen.“ (Primo Levi)
„Neutralität hilft dem Unterdrücker, niemals dem Opfer. Stillschweigen bestärkt den Peiniger, niemals den Gepeinigten.“ (Auschwitz-Überlebender Eli Wiesel)
Gerne gebe ich für dieses Buch 5 Sterne.
Aischa
aus Kissing
4/5
22.10.2018
Buch (Gebundene Ausgabe)
NS-Stars zwischen Liebe und Rassenideologie
Zu den unfassbaren Verbrechen wider die Menschheit, die die Nationalsozialisten während des Dritten Reiches verübten, gehört auch die Ächtung bzw. das Verbot von interkonfessionellen Liebesbeziehungen. Selbst in einer Ehe, die nicht von allen gesellschaftlich akzeptiert wird (mein Mann ist Afrikaner), interessierte es mich sehr, wie Stars der 1930er Jahre ihre Beziehungen zu Jüdinnen unter den Repressionen lebten.
Dennoch konnten mich die Schicksale der porträtierten Paare nur teilweise fesseln. Etwas mehr Zitate oder wörtliche Reden hätten die beschriebenen Beziehungen für mich anschaulicher werden lassen. So entstand durch die nüchterne, sachliche Sprache Steinthalers doch eine recht große Distanz zu den geschilderten Lebensläufen. Klar herausgearbeitet hat die Autorin die verschiedenen Strategien der Paare: Emigration, Trennung und Schutzheirat der jüdischen Partnerin mit einem Ausländer, Widerstand unter Ausnutzung der eigenen Popularität, aber auch Anpassung an das System, ja sogar Resignation bis hin zum Selbstmord.
Positiv hervor heben möchte ich die Abbildung zahlreicher zeitgenössischer Fotos.
Allein schon wegen des großartigen Nachworts empfehle ich dieses Sachbuch. Denn hier schlägt die Autorin den Bogen von den Verbrechen der NS-Diktatur zum derzeitigen Rechtsruck in Europa. Sie zeigt auf, dass es nötig ist, Stellung zu beziehen und gegen Neonazis die Stimme zu erheben, um dem Erstarken rassistischer Ideologien Einhalt zu gebieten. Ein wichtiger Appell, allein schon dafür wünsche ich dem Buch möglichst viele Leser.
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