Ohne Kippa geht Levi Ufferfilge nicht aus dem Haus. Tagtäglich bestreitet er mit dem kleinen Stück Stoff auf dem Kopf seinen Alltag. Doch das Sichtbarsein als Jude bleibt nicht ohne Folgen: Antisemitische Anfeindungen, Beleidigungen und kuriose Begegnungen aller Art. Eine erhellende wie schockierende Erzählung über das Jüdischsein in Deutschland heute.
Levi Ufferfilges »Käppchen«, wie seine Großmutter liebevoll zu sagen pflegt, ist sein ständiger Begleiter. Die Kippa ist nicht nur sein liebstes Kleidungsstück, sondern sie erinnert ihn auch an die Zugehörigkeit zum Volk Israel, seiner Religion, seiner Kultur und daran, dass stets etwas über ihn wacht. Damit gehört er zu den wenigen Deutschen, die sichtbar als Juden zu erkennen sind. Dass es immer noch gefährlich sein kann, seinen Glauben so offen zu zeigen, hat auch er zu spüren bekommen. Ob im Zug, beim Einkaufen oder auf der Straße, oft muss er als Dauer-Interviewpartner, als Zuhörer und Tröster herhalten und ist Projektions- und Angriffsfläche für allerhand Klischees über Juden.
Manchmal ist es schwer, das auszuhalten. Doch Levi Ufferfilge lässt sich die Freiheit nicht nehmen, seine jüdische Identität offen zu zeigen. Damit ist er auch seinen Schülerinnen und Schülern ein Vorbild. Er lebt vor, wie man Religion, ihre Rituale und Traditionen, mit einem modernen Leben zusammenbringen kann und trägt damit dazu bei, das großartige jüdische Erbe wiederzuentdecken.
Kundinnen und Kunden meinen
4.8/5.0
Bewertung
5/5
13.08.2022
Buch (Taschenbuch)
Das es in der heutigen Zeit immer...
Das es in der heutigen Zeit immer noch nicht möglich ist, gefahrlos, eine Kippa zu tragen, ist unglaublich und erschreckend. Als Nichtjüdin konnte ich mir viele Sachen gar nicht vorstellen. Das Buch gibt einen guten Einblick und stimmte mich nachdenklich....
Jennifer
5/5
04.08.2021
Buch (Taschenbuch)
Fast schon zu viel Hass und Unverständnis
Man dürfte meinen, dass im aufgeklärten 21. Jh. Antisemitismus keine Rolle mehr spielen sollte. Falsch gedacht. Der Mindener Autor und jüdische Religionslehrer Levis Israel Ufferfilge erlebt täglich das komplette Gegenteil. Ob in der Straßenbahn, im Supermarkt oder in der Universität, überall wird er offen wegen seiner Kippa angefeindet und das nicht nur verbal. Mit seiner bewussten Entscheidung für den jüdische Glauben lebt er in Deutschland gefährlich, lässt sich aber gerade deshalb nicht unterkriegen und bietet seinen Kritikern eloquent die Stirn.
Ich bin immer noch geschockt, dass in unserem "liberalen" Land derart respektlos und inhuman mit Anhängern des jüdischen Glaubens umgegangen wird. Auch wenn dieses Buch nur ein paar der unschönen Erlebnisse des Autors aufgreift, reicht dies dennoch aus, um zu zeigen, wie groß der Hass, der meist auf Unkenntnis und kruden Stereotypen basiert, gegenüber Juden noch immer ist. Zugleich bewundere ich Ufferfilge für seine Haltung. Er setzt das Symbol seines Glaubens - seine Kippa - nicht ab (vgl. Titel), obschon er dann ruhiger leben könnte.
FAZIT
Ein starkes und oft schwer verdauliches Buch, das jeder einmal gelesen haben sollte, um sich selbst ein Bild vom Antisemitismus in Deutschland machen zu können.
Bewertung
aus Leipzig
5/5
22.07.2021
Buch (Taschenbuch)
Mitreißend
Mitreißend
Ich interessiere mich - auch wenn ich selbst keinem Glauben angehöre - schon immer für die verschiedenen Glaubensrichtungen und deren Sichtweisen. Daher fand ich auch diese Buch hier sehr ansprechend. Keine allgemeines Sachbuch, sondern die direkten Erfahrungen eines Mannes jüdischem Glaubens, der diesen auch öffentlich ausleben (will)
Ich habe es mit großem Interesse gelesen und finde Levi Ufferfilge einen sehr sympathischen Mann, mit dem ich mich auch gern mal richtig unterhalten würde.
Es mag naiv sein, doch kann und werde ich wohl nie verstehen warum der Glaube, wenn er nicht radikal ausgelebt wird, so ein rotes Tuch für Menschen ist. Wie gesagt, ich selbst glaube an keinen Gott, finde es dennoch jedem selbst überlassen ob und an was er glaubt.
Daher finde ich dieses Buch unglaublich wichtig zu lesen um zu verstehen.
Lesefuchs - Bücher mit Herz
aus Bargteheide
5/5
11.06.2021
Buch (Taschenbuch)
Ich dachte, wir wären schon viel weiter
Die meisten von Ihnen, die meine Buchbesprechungen regelmäßig lesen, wissen bereits, dass Judentum, Israel und die Shoah Themen sind, die mich brennend interessieren. Dementsprechend war es für mich ein absolutes Muss, dass ich das Buch von Levi Israel Ufferfilge „Nicht ohne meine Kippa! lesen musste. Allein schon der Untertitel „Mein Alltag in Deutschland zwischen Klischees und Antisemitismus“ hat mich angesprochen und neugierig gemacht.
Vielleicht ist Ihnen Levi Israel Ufferfilge in der letzten Zeit schon einmal in einer Talkshow begegnet. Falls nicht, gebe ich Ihnen hier noch ein paar Informationen, die ich beim Klett-Cotta Verlag über den Autor entdeckt habe. Levi Israel Ufferfilge wurde 1980 in Minden in geboren. Er studierte Jüdische Studien und Jiddistik. Nach Stationen in Düsseldorf und München leitet er jetzt die Jewish International School – Masorti Grundschule in Berlin.
Sein Buch ist gerade erst Ende April 2021 erschienen. Fast zeitgleich flammte der Nahost-Konflikt wieder auf. Und wie es leider meistens so ist, wenn es in Nahost Kämpfe zwischen der Hamas und den Israelis gibt, verstärkt sich in Deutschland der Antisemitismus. Aber ist es wirklich der importierte Antisemitismus? Haben wir Deutschen etwas aus dem Holocaust gelernt?
Wenn Sie das Buch lesen, werden Sie feststellen, dass leider sehr viele Deutsche nichts aus dem Holocaust gelernt haben. Ein jüdischer Mensch ist immer noch etwas Besonderes und wird oftmals angestarrt und angesprochen. Manchmal im positiven Fall ist es Neugier und auch Bewunderung, dass ein jüdischer Mensch sich so offen zeigt. Oftmals wird angenommen, dass er oder sie aus Israel stammt und Deutschland nur besucht. Aber viele Menschen, und das sind nicht nur die muslimischen Migranten beschimpfen die jüdischen Mitbürger oder vermeintlichen Israelis. Menschen, die es mitbekommen, greifen so gut wie nie ein. Und die Polizei reagiert so, dass sie entweder das Thema herunterspielen und meinen, es sei gar nicht antisemitistisch gemeint, oder aber raten dem bedrohten, angepöbelten, manchmal sogar angespuckten jüdischen Mitbürger, dass er seine Kippa halt nicht öffentlich tragen sollte. Damit fordere er so ein Verhalten doch heraus. ABER DAS KANN ES DOCH NICHT SEIN! ES DARF DOCH DAS OPFER NICHT ZUM TÄTER GEMACHT WERDEN! Jeder Bürger hat laut Grundgesetzt das Recht auf freie Ausübung seiner Religion. Und damit muss doch auch das Tragen einer Kippa möglich sein.
Levi Israel Ufferfilge erzählt in seinem Buch aus seinem Leben. Wie er aufgewachsen ist, wie er zum Glauben gefunden hat. Seine stärkste Unterstützerin ist seine Großmutter. Und sie hat ihm auch schon früh geraten, die verbalen antisemitischen Angriffe für sich aufzuschreiben, damit er seine Seele davon befreien kann. Anfangs hat er es nur für sich gemacht. Aber als es sich immer mehr häufte, ist er damit über einen Blog auch an die Öffentlichkeit gegangen. Danach kam es zu dem Buch.
In diesem Buch werden aber nicht nur die Begegnungen von Antisemiten beschrieben, sondern auch die Begegnungen mit Menschen, die eigentlich an ihm als Juden interessiert sind. Dabei kommen aber oftmals so viele Klischees nach oben, dass es dadurch fast schon wieder antisemitisch wird. Außerdem scheinen wir Deutschen dazu zu neigen, dass ein Jude gleich für alle Juden steht und damit zu dem Juden wird. Dadurch ist es tatsächlich sehr schwierig ein normales Leben in Deutschland zu leben. Durch seine Kippa bekommt der Autor immer Aufmerksamkeit, egal ob negativ oder positiv.
Ich habe in meinem bisherigen Leben einige Juden kennengelernt. Und dies sind Menschen, bei denen es mir nie bewusst geworden wäre, dass sie Juden sind, wenn wir nicht über dieses Thema gesprochen hätten, oder mir ihre Kette mit dem Davidstern aufgefallen wäre. Wobei die Kette mit dem Davidstern kein eindeutiges Indiz sein muss. Ich trage selbst schon seit Jahren deutlich sichtbar einen Davidstern, um meine Solidarität mit den Juden zu zeigen.
Und das dritte, was dieses Buch leistet, ist, dass der Autor versucht das Judentum zu erklären und damit mit einigen Vorurteilen zum Thema Judentum aufzuräumen. Hierzu hätte ich mir allerdings noch mehr Informationen gewünscht. Einige Fragen, die ich habe, sind dabei noch offengeblieben.
Ich bin von diesem Buch begeistert und finde es ausgesprochen wichtig. Es hat mir die Augen geöffnet, dass die Deutschen noch weit entfernt davon sind, die Juden nicht als Verschwörer und Untermenschen zu sehen. Mir ist in meiner beruflichen Laufbahn eh schon aufgefallen, dass sich immer weniger Menschen für das Thema Holocaust interessieren, bzw. meinen, dass irgendwann doch einmal Schluss sein muss. Für mich ist dies ein Indiz, dass die Menschen das Thema einfach von sich weisen, bzw. die junge Generation gar nicht mehr wirklich aufgeklärt wird. Wobei dieser Mangel auch schon in meiner Schulzeit vorhanden war. Ich bin 1963 geboren und hatte in der Schulzeit, die ich mit Abitur abgeschlossen habe, im Geschichtsunterricht nur etwas bis zur Machtergreifung Hitlers gelernt. Danach ging es mit der Gründung der Deutschen Parteien nach dem 2. Weltkrieg weiter. Alles was ich über den Holocaust weiß, habe ich mir selbst erlesen. Und es gibt immer noch Bücher, die mir neue Gräuel aus dieser Zeit vermitteln. Es darf einfach nicht sein, dass wir diese Zeit vergessen!
Wer gerne noch ein weiteres Buch aus Deutschland zu dem Thema lesen möchte, dem kann ich noch Juna Grossman „Schonzeit vorbei“ empfehlen. Damit werden Sie sehen, wie aktuell dieses Thema ist. Und dass es nicht nur daran liegt, dass eine Kippa getragen wird.
Ich hoffe sehr, dass ich dem Buch mit meiner Besprechung gerecht geworden bin und nicht selbst unabsichtlich antisemitisch geworden bin. Ich gebe es allerdings zu, dass ich einen Menschen, der eine Kippa trägt, auch interessiert beobachten würde. Allerdings aus dem Grund, weil ich es mutig finde und mich gerne mit der Person unterhalten würde, es aber nie wagen würde, diese Person anzusprechen.
seschat
4/5
04.08.2021
Buch (Taschenbuch)
Man dürfte meinen, dass im…
Man dürfte meinen, dass im aufgeklärten 21. Jh. Antisemitismus keine Rolle mehr spielen sollte. Falsch gedacht. Der Mindener Autor und jüdische Religionslehrer Levis Israel Ufferfilge erlebt täglich das komplette Gegenteil. Ob in der Straßenbahn, im Supermarkt oder in der Universität, überall wird er offen wegen seiner Kippa angefeindet und das nicht nur verbal. Mit seiner bewussten Entscheidung für den jüdische Glauben lebt er in Deutschland gefährlich, lässt sich aber gerade deshalb nicht unterkriegen und bietet seinen Kritikern eloquent die Stirn. Ich bin immer noch geschockt, dass in unserem "liberalen" Land derart respektlos und inhuman mit Anhängern des jüdischen Glaubens umgegangen wird. Auch wenn dieses Buch nur ein paar der unschönen Erlebnisse des Autors aufgreift, reicht dies dennoch aus, um zu zeigen, wie groß der Hass, der meist auf Unkenntnis und kruden Stereotypen basiert, gegenüber Juden noch immer ist. Zugleich bewundere ich Ufferfilge für seine Haltung. Er setzt das Symbol seines Glaubens - seine Kippa - nicht ab (vgl. Titel), obschon er dann ruhiger leben könnte. FAZIT Ein starkes und oft schwer verdauliches Buch, das jeder einmal gelesen haben sollte, um sich selbst ein Bild vom Antisemitismus in Deutschland machen zu können.
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