Wenn Frauen nicht mehr 35, nicht mehr 45 und bald nicht mehr 55 sind...
Frauen wollen immer 39 bleiben, sagte ihre Mutter und färbte sich die Haare bis weit über 80. Sie selbst hat inzwischen auf Partys manchmal den Eindruck wie ein sprechendes Möbelstück behandelt zu werden. Wie sehen sich Frauen eigentlich in der Mitte des Lebens? Mit oder ohne Mann, mit oder ohne Kind, jedenfalls mit sich veränderndem Körper, Denken, Fühlen. Ulrike Draesner hat einen glänzenden Text geschrieben, am eigenen Leben und dem anderer Frauen entlang erkundet sie die Vielschichtigkeit dieses Lebensabschnitts, in dem alles nebeneinander vorkommt: Sie weiß noch, wie sie als Mädchen unbedingt älter werden wollte. Und nun tun alle so, als gäbe es so etwas wie Wechseljahre gar nicht? Pointiert, scharfsinnig und heiter findet Draesner einen neuen Umgang mit dem Verstreichen der Jahre: Aufbruchsgeist, Feuer statt Herd. Zuhause in der eigenen Verwandlung.
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Thema verfehlt
Bewertung aus Hohenwarth am 20.12.2020
Bewertungsnummer: 1417112
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Ich fand dieses Buch nicht hilfreich und sogar absolut am Thema vorbei, eher zu
empfehlen für weibliche Jugendliche in der Pupertät.
Klimawandel auf dem Planet Frau
Bewertung aus Viersen am 30.10.2018
Bewertungsnummer: 1143147
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Klimakterium klingt schon nach „Da ist nicht mehr viel zu machen.“ Der Klimawandel der Frau, der sie in einen unwirtlichen Planeten verwandelt, aus dem Leben nicht mehr entsteht, ist der Anfang vom Ende, ein Sterben auf Raten. Die Funktionsfähigkeit des Körpers setzt sukzessive aus. Frau wird ein unsichtbares Neutrum, das sich enkelbetüddelnd und/oder einsam vegetierend dem Ende entgegenstrickt. Schweigen wir am besten gleich von etwas anderem … Ja, Pustekuchen! Pfeifen wir auf den Mutterkuchen!
Im Entferntesten nicht so platt ist die Quintessenz von Ulrike Draesner, die sich in ihrem Memoire „Eine Frau wird älter“ nicht nur mit den Wechseljahren in ihren verschiedenen Auswirkungen befasst, sondern sich in 34 launigen Kapiteln dem Thema Alter, mit dem Schwerpunkt „Mittelalter“, widmet. Sie erzählt in entwaffnender Offenheit von ihrem Alterungsprozess, den sie nicht als Abstieg begreift, sondern als Weg. Und jeder Weg führt bekanntermaßen irgendwann mal an ein Ende. Alter ist keine Krankheit, der Alterungsprozesses und die körperliche Verfasstheit keine Maßeinheit eigenen Versagens, wie einen die Prediger der Selbstoptimierung glauben machen wollen. Draesner räumt mit Klischees auf, stellt mit Tante Ille das Role Model schlechthin für „Happy Aging“ vor und gibt eine Reihe schöner Denkanstöße, wie man dem Älterwerden, insbesondere den Wechseljahren auf Augenhöhe begegnen kann, ohne sich einem drohenden Verfall ausgeliefert zu fühlen. Es ist auch ein spannender Prozess, den wir alle - Frauen wie Männer – durchlaufen, so Draesner. Das Herausmendeln von Gesichtern längst Vorangegangener aus dem eben noch jungen, eigenen Gesicht ist eine faszinierende Entwicklung, die die Autorin liebevoll beschreibt und die jeder schon an sich selbst entdeckt haben dürfte. Plötzlich schaut man in den Spiegel und realisiert, dass man doch nicht nach der Geburt vom Postboten bei den Eltern abgegeben worden ist, sondern die Augenpartie des Vaters und das Kinn der Mutter hat. Und die Nase? Hat man die nicht letztens in Fotoalben noch im Gesicht des Großvaters stecken sehen? Bliebe man immer 39 entginge einem der Beleg, dass wir alle auf den Schultern unserer Ahnen stehen, die sich auf die eine oder andere Weise durch ererbte Eigenschaften oder Äußeres bemerkbar machen, sich gewissermaßen in, mit und durch uns fortschreiben. Das hat nicht nur etwas Tröstliches, das macht Älterwerden zu einer Entdeckungsreise, die – zugegeben – unterwegs anstrengender wird, sich aufaddierende Ausfälle, persönliche Verluste beschert und manche Prüfungen auferlegt. Draesner idealisiert Alter und seine Beschwernisse nicht, plädiert aber für „a little less drama, baby“. Und sie zeigt zudem auf, dass Frau Frau bleibt – vor und nach der Periode. Dabei packt sie den Begriff Menopause dahin, wo er hingehört, nämlich in den Schredder. Wer will schon auf „Pause“ gesetzt werden, wenn man sich nach über vier Jahrzehnten endlich ungebremst durch die tamponfreie Zone bewegen kann?
Draesners Memoire ist ein kluges, pointiertes, kurzweiliges Resümee gelebten Lebens einer Frau schon höher an Jahren und Erfahrung. Sie hat es geschrieben an einem Ort, der verheißungsvoll ist: ein Zimmer mit Aussicht. Denn Älterwerden ist, wie uns der Untertitel von „Eine Frau wird älter“ wissen lässt, ein Aufbruch. Und irgendwie tönt aus den fein geschriebenen Zeilen Frank Sinatra fröhlich und entschlossen: „That’s life“. Also dann, auf geht’s! Ich muss allerdings erst einmal den Ohrwurm quitt werden.
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