Produktbild: Die allertraurigste Geschichte

Die allertraurigste Geschichte Zwei Ehepaare, untrennbar verbunden durch Liebe, Täuschung und Verrat — Mit einem Nachwort von Julian Barnes

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29,00 €

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Beschreibung

Produktdetails

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

28.11.2018

Verlag

Diogenes

Seitenzahl

320

Maße (L/B/H)

19,8/12,8/3 cm

Gewicht

399 g

Auflage

1

Originaltitel

The Good Soldier aka The Saddest Story

Übersetzt von

Gertraude Krueger + weitere

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-257-07038-5

Beschreibung

Produktdetails

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

28.11.2018

Verlag

Diogenes

Seitenzahl

320

Maße (L/B/H)

19,8/12,8/3 cm

Gewicht

399 g

Auflage

1

Originaltitel

The Good Soldier aka The Saddest Story

Übersetzt von

  • Gertraude Krueger
  • Helene Henze
  • Fritz Lorch

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-257-07038-5

EU-Ansprechpartner

truepages UG (haftungsbeschränkt)
Westermühlstrasse 29
80469 München
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Diogenes Verlag AG
Sprecherstrasse 8
8032 Zürich
CH
info@diogenes.ch

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Subversive Erzählweise Der…

Bories vom Berg aus München am 14.09.2019

Bewertungsnummer: 2721333

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Subversive Erzählweise Der englische Schriftsteller Ford Madox Ford hat mit seinem 1915 erstmals erschienenen Roman «The Good Soldier» unbestritten ein kanonisches Werk von weltliterarischem Rang geschaffen, auf Deutsch erschien es unter dem Titel «Die allertraurigste Geschichte» erst im Jahre 1962. Ein verkanntes Meisterwerk, dem nie ein besonderer Erfolg beschieden war, das allerdings über mehr als hundert Jahre auch nie in Vergessenheit geriet. Es wurde immer wieder neu übersetzt, was ein anhaltendes Leserinteresse anzeigt und diesen Roman als zeitlosen Klassiker ausweist. Ein perfekter Roman, wie seine schreibenden Kollegen unisono meinen, ohne dass der Autor deshalb ein elitärer «writer’s writer» ist, der die Erwartungen der Leserschaft schnöde ignoriert. Das amerikanische Ehepaar John und Florence Dowell lernt 1905 bei der Kur in Bad Nauheim das englische Ehepaar Edward und Leonora Ashburnham kennen, sie werden beste Freunde. Der arglose Ich-Erzähler Dowell berichtet aus der Erinnerung heraus naiv, geradezu blauäugig, über die neun scheinbar glücklichen Jahre miteinander, die beiden Paare aus den besten Kreisen besuchen sich gegenseitig und unternehmen zusammen Reisen, - bis es zur Katastrophe kommt. Nach dem Suizid seiner Frau entdeckt er, dass sie ihn viele Jahre lang mit Edward betrogen hatte, was dessen Frau Leonora wusste und geduldet hat. Der von ihm grenzenlos bewunderte Edward, ein gutaussehender Mann, untadeliger Soldat, vorbildlicher Gutsbesitzer und selbstloser Menschenfreund, ist eben auch ein erfolgreicher Schürzenjäger. Und Florence, seine Geliebte, hatte schon vor der Ehe einen Liebhaber unter den Bediensteten, sie hat ihren arglosen Mann von Anfang an schamlos betrogen, - und ihre Ehe wurde auch nie vollzogen! Für die streng katholische Leonora ist eine Scheidung unvorstellbar, sie vertuscht des Skandals wegen die Liaison der beiden Ehebrecher, wie sie immer schon alle Eskapaden ihres treulosen Mannes verheimlicht hat. Nur scheibchenweise erfährt der Leser, dass Florence aus Eifersucht Selbstmord begangen hat und nicht, wie ihr Mann glaubt, an Herzversagen starb, und dass Edward sich am Ende die Kehle durchschneidet, weil er sich nach einem jungen Mädchen verzehrt, seinem Mündel, das seinen Ehrbegriffen nach aber unerreichbar bleibt für ihn. Was hier als banaler Plot skizziert wurde, ist im Roman ein diffiziles Spiel mit raffinierten Vor- und Rückblenden, häufigen Perspektivwechseln und ständigen Halbwahrheiten eines überaus naiven Erzählers, der seinen Vornamen im Buch nur einmal erwähnt und selbst kaum in Erscheinung tritt. Ein Gehörnter, der mit seiner ans Dümmliche grenzenden Unbedarftheit die Untreue seiner Frau einfach nicht erkennt, andererseits aber fast schon homoerotisch Edward bewundert. Das für diesen Roman markante Stilmittel ist der unzuverlässige Erzähler, der hier extensiv eingesetzt wird und den Leser oft auch direkt anspricht, ihm rhetorische Fragen stellt. Somit bindet er ihn mit ein in die Entstehung seiner Erzählung, offenbart ihm auch seine angeblichen Wissenslücken und Irrtümer, man ist als Leser beim Erinnerungs- und Schreibprozess quasi dabei. «Ich weiß, ich habe die Geschichte in einer sehr weitschweifenden Weise erzählt», bekennt der eher unbeteiligt erscheinende Ich-Erzähler im vierten und letzten Teil seiner grotesken Geschichte der Täuschungen, Lügen, Selbstentlarvungen, Desillusionierungen, viktorianischen Standesdünkel und verlogenen Etikette. Es ist die hier zum Prinzip erhobene Unbestimmtheit, der fehlende rote Faden, der diese Story so verstörend macht für den arglosen Leser, in der nie etwas ist, wie es scheint, in der «ich weiß nicht» eine der häufigsten Phrasen ist. Schamhaft angedeuteter Sex, Religion und Geld sind die dominanten Themen dieser an Widersprüchen reichen Geschichte, die in einem trügerischen Plauderton erzählt wird. Nicht der Plot ist hier dominant, sondern die ironische, geradezu subversive Erzählweise eines kreativen Könners.

Subversive Erzählweise Der…

Bories vom Berg aus München am 14.09.2019
Bewertungsnummer: 2721333
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Subversive Erzählweise Der englische Schriftsteller Ford Madox Ford hat mit seinem 1915 erstmals erschienenen Roman «The Good Soldier» unbestritten ein kanonisches Werk von weltliterarischem Rang geschaffen, auf Deutsch erschien es unter dem Titel «Die allertraurigste Geschichte» erst im Jahre 1962. Ein verkanntes Meisterwerk, dem nie ein besonderer Erfolg beschieden war, das allerdings über mehr als hundert Jahre auch nie in Vergessenheit geriet. Es wurde immer wieder neu übersetzt, was ein anhaltendes Leserinteresse anzeigt und diesen Roman als zeitlosen Klassiker ausweist. Ein perfekter Roman, wie seine schreibenden Kollegen unisono meinen, ohne dass der Autor deshalb ein elitärer «writer’s writer» ist, der die Erwartungen der Leserschaft schnöde ignoriert. Das amerikanische Ehepaar John und Florence Dowell lernt 1905 bei der Kur in Bad Nauheim das englische Ehepaar Edward und Leonora Ashburnham kennen, sie werden beste Freunde. Der arglose Ich-Erzähler Dowell berichtet aus der Erinnerung heraus naiv, geradezu blauäugig, über die neun scheinbar glücklichen Jahre miteinander, die beiden Paare aus den besten Kreisen besuchen sich gegenseitig und unternehmen zusammen Reisen, - bis es zur Katastrophe kommt. Nach dem Suizid seiner Frau entdeckt er, dass sie ihn viele Jahre lang mit Edward betrogen hatte, was dessen Frau Leonora wusste und geduldet hat. Der von ihm grenzenlos bewunderte Edward, ein gutaussehender Mann, untadeliger Soldat, vorbildlicher Gutsbesitzer und selbstloser Menschenfreund, ist eben auch ein erfolgreicher Schürzenjäger. Und Florence, seine Geliebte, hatte schon vor der Ehe einen Liebhaber unter den Bediensteten, sie hat ihren arglosen Mann von Anfang an schamlos betrogen, - und ihre Ehe wurde auch nie vollzogen! Für die streng katholische Leonora ist eine Scheidung unvorstellbar, sie vertuscht des Skandals wegen die Liaison der beiden Ehebrecher, wie sie immer schon alle Eskapaden ihres treulosen Mannes verheimlicht hat. Nur scheibchenweise erfährt der Leser, dass Florence aus Eifersucht Selbstmord begangen hat und nicht, wie ihr Mann glaubt, an Herzversagen starb, und dass Edward sich am Ende die Kehle durchschneidet, weil er sich nach einem jungen Mädchen verzehrt, seinem Mündel, das seinen Ehrbegriffen nach aber unerreichbar bleibt für ihn. Was hier als banaler Plot skizziert wurde, ist im Roman ein diffiziles Spiel mit raffinierten Vor- und Rückblenden, häufigen Perspektivwechseln und ständigen Halbwahrheiten eines überaus naiven Erzählers, der seinen Vornamen im Buch nur einmal erwähnt und selbst kaum in Erscheinung tritt. Ein Gehörnter, der mit seiner ans Dümmliche grenzenden Unbedarftheit die Untreue seiner Frau einfach nicht erkennt, andererseits aber fast schon homoerotisch Edward bewundert. Das für diesen Roman markante Stilmittel ist der unzuverlässige Erzähler, der hier extensiv eingesetzt wird und den Leser oft auch direkt anspricht, ihm rhetorische Fragen stellt. Somit bindet er ihn mit ein in die Entstehung seiner Erzählung, offenbart ihm auch seine angeblichen Wissenslücken und Irrtümer, man ist als Leser beim Erinnerungs- und Schreibprozess quasi dabei. «Ich weiß, ich habe die Geschichte in einer sehr weitschweifenden Weise erzählt», bekennt der eher unbeteiligt erscheinende Ich-Erzähler im vierten und letzten Teil seiner grotesken Geschichte der Täuschungen, Lügen, Selbstentlarvungen, Desillusionierungen, viktorianischen Standesdünkel und verlogenen Etikette. Es ist die hier zum Prinzip erhobene Unbestimmtheit, der fehlende rote Faden, der diese Story so verstörend macht für den arglosen Leser, in der nie etwas ist, wie es scheint, in der «ich weiß nicht» eine der häufigsten Phrasen ist. Schamhaft angedeuteter Sex, Religion und Geld sind die dominanten Themen dieser an Widersprüchen reichen Geschichte, die in einem trügerischen Plauderton erzählt wird. Nicht der Plot ist hier dominant, sondern die ironische, geradezu subversive Erzählweise eines kreativen Könners.

Von Doppelmoral und engem gesellschaftlichen Korsett - und großer Langeweile...

Bewertung (Mitglied der Thalia Book Circle Community) am 12.01.2019

Bewertungsnummer: 3029933

Bewertet: eBook (ePUB 3)

Am Vorabend des Ersten Weltkriegs verbringen die Ehepaare Ashburnham und Dowell alljährlich glückliche Tage in Bad Nauheim. Erst nach dem Tod seiner Frau entdeckt John Dowell, dass der Schein in all den Jahren getrogen hat, und er beginnt, den wahren Charakter seiner Freunde und seiner Frau zu erkennen. Ein bewegender Roman, der den Leser mit jedem seiner betörenden Sätze tiefer in das Labyrinth der menschlichen Seele lockt. Nachdem ich mich buchstäblich Seite für Seite durch den Roman gequält und geärgert habe, fühle ich mich mit der Aufgabe überfordert, eine wertneutrale Rezension zu schreiben. Am liebsten würde ich herausschreien: langweilig, überflüssig, unmöglich! Aber derlei Meinungsäußerungen benötigen ja eine Begründung, da sie ansonsten nicht nachvollziehbar sind. Ich finde es eigentlich sehr bereichernd, gelegentlich einen Klassiker zur Hand zu nehmen oder auch unbekannte Werke zu lesen. Als ich also die Gelegenheit erhielt, diesen Titel im Rahmen einer Leserunde kennenzulernen, zeigte ich mich von der Idee sehr angetan. Und ich muss gleich dazu sagen, dass es zu diesem 1915 erstmals erschienenen Roman durchaus begeisterte und positive Stimmen gibt. Nur kann ich mich ihnen in keinster Weise anschließen. Tatsächlich litt Ford Madox Ford (1873-1939) schon zeitlebens unter einem Mangel an Lesern, wie das  Nachwort verrät - als Verleger und Kritiker hatte er deutlich mehr Erfolg als mit seinen Romanen und Gedichten. Trotzdem gilt ‘Die allertraurigste Geschichte’ - zunächst erschienen unter dem Titel ‘The Good Soldier’ - als eines der wichtigsten Werke der englischen Literatur der frühen Moderne. Wie das? Nun, Ford Madox Ford lässt den Ich-Erzähler John Dowell konsequent als unzuverlässigen Erzähler fungieren - mit anderen Worten: ihm kann man kein Wort glauben. Und tatsächlich widerspricht sich die Geschichte immer wieder, manchmal schon im selben Satz. Als Leser ist man es gewohnt, der Erzählung zu vertrauen, dem Gesagten zu folgen und seine Schlüsse daraus zu ziehen. Das funktioniert hier nicht. Überhaupt nicht. Das beginnt bereits damit, dass John Dowell sich als Außenstehender zu präsentieren versucht, der das geschilderte Geschehen zugetragen bekommen oder auch zum Teil beobachtet haben will - in Wirklichkeit steckt er aber selbst mittendrin. Dowell selbst erscheint als äußerst naiver, gutgläubiger Zeitgenosse, der in jedem Menschen das sieht, was dieser ihn sehen lässt. Er hinterfragt nichts und unterstellt jedem zunächst nur positive Attribute. Doch als unzuverlässiger Erzähler widerspricht er dem nur zu bald, und tatsächlich entpuppen sich die Figuren nach und nach als etwas gänzlich anderes. Was sich hier vielleicht wie ein genialer Schachzug liest und von anderen Rezensenten auch als solcher bezeichnet wird, konnte mich leider nicht begeistern. Abgesehen davon, dass ich nie wusste, was ich nun glauben sollte, fühlte ich mich mit der umständlichen und verschachtelten Art des Erzählens überfordert, mit der Detailverliebtheit der Schilderungen, den ständigen Zeitsprüngen, Abschweifungen und Einschüben, die einzig und allein der Verwirrung des Lesers zu dienen scheinen. Die Erzählung plätschert von Anfang bis Ende vor sich hin ohne auch nur ansatzweise so etwas wie Spannung zu erzeugen - und tatsächlich erschließt sich mir auch nach der Lektüre nicht, wofür dieses Buch überhaupt geschrieben wurde. Ja, die Themen Doppelmoral, enge gesellschaftliche Konventionen statt individuelle Entwicklungsmöglichkeiten, der Moralkodex der katholischen Kirche - all dies findet sich in diesem Roman. Doch werden diese Themen allenfalls angerissen und angedeutet - und verlieren gleich im nächten Absatz wieder an Bedeutung. Für eine Gesellschaftskritik ist mir das viel zu wenig. Und auch der Entwicklung der Figuren kann ich hier nichts abgewinnen. Zwar blickt man mit John Dowell allmählich hinter die glattgeschliffenen Fassaden der Gutbürger, doch abgesehen von der veränderten Perspektive ändert sich hier wenig. Das Leben findet statt zwischen den Polen Langeweile und Drama, was letztlich Konsequenzen nach sich zieht. Was bei mir am Ende bleibt ist leider lediglich ein Achselzucken. Langeweile - das war auch mein hauptsächliches Empfinden während der Lektüre. Und deshalb kann meine Bewertung des Romans auch nicht höher ausfallen. Immerhin ist das Buch sehr hochwertig und hübsch aufgearbeitet, so dass dies für mich ein Pluspunkt war. Ansonsten gibt es diesmal von mir leider keine Leseempfehlung. © Parden  

Von Doppelmoral und engem gesellschaftlichen Korsett - und großer Langeweile...

Bewertung (Mitglied der Thalia Book Circle Community) am 12.01.2019
Bewertungsnummer: 3029933
Bewertet: eBook (ePUB 3)

Am Vorabend des Ersten Weltkriegs verbringen die Ehepaare Ashburnham und Dowell alljährlich glückliche Tage in Bad Nauheim. Erst nach dem Tod seiner Frau entdeckt John Dowell, dass der Schein in all den Jahren getrogen hat, und er beginnt, den wahren Charakter seiner Freunde und seiner Frau zu erkennen. Ein bewegender Roman, der den Leser mit jedem seiner betörenden Sätze tiefer in das Labyrinth der menschlichen Seele lockt. Nachdem ich mich buchstäblich Seite für Seite durch den Roman gequält und geärgert habe, fühle ich mich mit der Aufgabe überfordert, eine wertneutrale Rezension zu schreiben. Am liebsten würde ich herausschreien: langweilig, überflüssig, unmöglich! Aber derlei Meinungsäußerungen benötigen ja eine Begründung, da sie ansonsten nicht nachvollziehbar sind. Ich finde es eigentlich sehr bereichernd, gelegentlich einen Klassiker zur Hand zu nehmen oder auch unbekannte Werke zu lesen. Als ich also die Gelegenheit erhielt, diesen Titel im Rahmen einer Leserunde kennenzulernen, zeigte ich mich von der Idee sehr angetan. Und ich muss gleich dazu sagen, dass es zu diesem 1915 erstmals erschienenen Roman durchaus begeisterte und positive Stimmen gibt. Nur kann ich mich ihnen in keinster Weise anschließen. Tatsächlich litt Ford Madox Ford (1873-1939) schon zeitlebens unter einem Mangel an Lesern, wie das  Nachwort verrät - als Verleger und Kritiker hatte er deutlich mehr Erfolg als mit seinen Romanen und Gedichten. Trotzdem gilt ‘Die allertraurigste Geschichte’ - zunächst erschienen unter dem Titel ‘The Good Soldier’ - als eines der wichtigsten Werke der englischen Literatur der frühen Moderne. Wie das? Nun, Ford Madox Ford lässt den Ich-Erzähler John Dowell konsequent als unzuverlässigen Erzähler fungieren - mit anderen Worten: ihm kann man kein Wort glauben. Und tatsächlich widerspricht sich die Geschichte immer wieder, manchmal schon im selben Satz. Als Leser ist man es gewohnt, der Erzählung zu vertrauen, dem Gesagten zu folgen und seine Schlüsse daraus zu ziehen. Das funktioniert hier nicht. Überhaupt nicht. Das beginnt bereits damit, dass John Dowell sich als Außenstehender zu präsentieren versucht, der das geschilderte Geschehen zugetragen bekommen oder auch zum Teil beobachtet haben will - in Wirklichkeit steckt er aber selbst mittendrin. Dowell selbst erscheint als äußerst naiver, gutgläubiger Zeitgenosse, der in jedem Menschen das sieht, was dieser ihn sehen lässt. Er hinterfragt nichts und unterstellt jedem zunächst nur positive Attribute. Doch als unzuverlässiger Erzähler widerspricht er dem nur zu bald, und tatsächlich entpuppen sich die Figuren nach und nach als etwas gänzlich anderes. Was sich hier vielleicht wie ein genialer Schachzug liest und von anderen Rezensenten auch als solcher bezeichnet wird, konnte mich leider nicht begeistern. Abgesehen davon, dass ich nie wusste, was ich nun glauben sollte, fühlte ich mich mit der umständlichen und verschachtelten Art des Erzählens überfordert, mit der Detailverliebtheit der Schilderungen, den ständigen Zeitsprüngen, Abschweifungen und Einschüben, die einzig und allein der Verwirrung des Lesers zu dienen scheinen. Die Erzählung plätschert von Anfang bis Ende vor sich hin ohne auch nur ansatzweise so etwas wie Spannung zu erzeugen - und tatsächlich erschließt sich mir auch nach der Lektüre nicht, wofür dieses Buch überhaupt geschrieben wurde. Ja, die Themen Doppelmoral, enge gesellschaftliche Konventionen statt individuelle Entwicklungsmöglichkeiten, der Moralkodex der katholischen Kirche - all dies findet sich in diesem Roman. Doch werden diese Themen allenfalls angerissen und angedeutet - und verlieren gleich im nächten Absatz wieder an Bedeutung. Für eine Gesellschaftskritik ist mir das viel zu wenig. Und auch der Entwicklung der Figuren kann ich hier nichts abgewinnen. Zwar blickt man mit John Dowell allmählich hinter die glattgeschliffenen Fassaden der Gutbürger, doch abgesehen von der veränderten Perspektive ändert sich hier wenig. Das Leben findet statt zwischen den Polen Langeweile und Drama, was letztlich Konsequenzen nach sich zieht. Was bei mir am Ende bleibt ist leider lediglich ein Achselzucken. Langeweile - das war auch mein hauptsächliches Empfinden während der Lektüre. Und deshalb kann meine Bewertung des Romans auch nicht höher ausfallen. Immerhin ist das Buch sehr hochwertig und hübsch aufgearbeitet, so dass dies für mich ein Pluspunkt war. Ansonsten gibt es diesmal von mir leider keine Leseempfehlung. © Parden  

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